Luftfahrt Die Turbulenzen kommen noch

Boeing und Airbus zeigen sich angesichts der Auftragsflaute entspannt. Doch die Krise wird sie schon bald treffen

Zu groß für die Krise? Besucher betrachten einen A380 aus dem Hause Airbus bei der Luftfahrtmesse in Le Bourget

Zu groß für die Krise? Besucher betrachten einen A380 aus dem Hause Airbus bei der Luftfahrtmesse in Le Bourget

Die kommenden sieben Jahre ist Airbus ausgelastet. Welches andere Unternehmen kann das schon von sich behaupten, in dieser Wirtschaftskrise? Unternehmenschef Thomas Enders gab sich auf der Pariser Luftfahrtmesse sehr entspannt, ebenso wie sein direkter Konkurrent, Boeing-Manager Scott Carson. Lässig präsentierte Enders Journalisten Power-Point-Folien, die besagten, das Tal der Wirtschaftskrise werde noch in diesem Jahr durchschritten. Die Botschaft der größten Luftfahrtschau ist eine des Optimismus: Alles halb so wild.

Noch immer beherrschen Airbus und Boeing den Markt für Flugzeuge jenseits von 150 Passagieren. Bisher haben sie noch jede Krise weggesteckt. In Paris verkündete Airbus-Verkaufschef John Leahy nun, die Nachfrage der derzeit größten Wachstumstreiber sei stabil. Gemeint waren die Fluggesellschaften aus dem mittleren Osten. Leahy, den viele angesichts der gegenwärtigen Flaute schon für arbeitslos hielten, soll auf der Luftfahrtmesse die Fakten liefern für Enders' zur Schau getragene gute Laune. Schon am Montag gab er einen Milliardendeal mit Qatar Airways über knapp zwei Milliarden Euro bekannt. Dienstagmittag legte er weiter nach: Vietnam Airlines bestellte 16 Maschinen des Typs A321.

Anzeige

Auch Scott Carson, Chef von Boeings ziviler Flugzeugsparte, machte Mut: "Wir könnten die Talsohle beim weltweiten Verkehr erreicht haben", verkündete der Manager. Schon Mitte 2010 könne die Krise vorbei sein.

Doch so schnell wie Enders, Leahy und Carson es sich erhoffen, wird der gleichzeitige Absturz der Wirtschaft auf allen Kontinenten am Duopol nicht vorbeigehen. Im Gegenteil. Die Krise geht für die Flugzeughersteller gerade erst los. Allein im ersten Quartal sind ihre Auftragseingänge um über 80 Prozent eingebrochen. Noch vor zwei Jahren hatten Fluggesellschaften allein bei Airbus über 1400 Flugzeuge bestellt – im ersten Quartal dieses Jahres waren es gerade 22.

Erst mit der Krise zeigt sich ein gefährlicher Trend, der nun Boeing und Airbus zum Verhängnis wird. Über alle Kontinente hinweg hatten Airlines in guten Zeiten um jeden Preis Flugzeuge bestellt, aus Angst, im prognostizierten Boom zu kurz zu kommen. Das rächt sich in einer globalen Rezession. Die Branche leidet unter so großen Angebotsüberhängen, dass es günstiger ist, die Flieger zu parken, als sie im Betrieb zu halten. Tausende Flugzeuge haben die Fluggesellschaften bereits in der Wüste und auf Militärflughäfen abgestellt. Dennoch gibt es immer noch mehr Sitzplätze am Himmel, als gefüllt werden können.

Eine teure Lehre für viele Unternehmen, die in Zukunft nur zögerlich bestellen werden. Schließlich sind viele Airlines einer Insolvenz näher als der nächsten Bestellung. Auch deshalb könnte das Sieben-Jahres-Polster von Airbus in Zukunft noch deutlich schmelzen.

Allein kleinere Jets der A320-Familie sind in Paris noch gefragt. Denn vor allem die auf Kurz- und Mittelstrecken spezialisierten Billigflieger profitieren davon, dass Kunden verstärkt auf die Preise achten. Am Dienstag stockte beispielsweise die philippinische Cebu Pacific ihre Aufträge um 15 Maschinen auf.

Leser-Kommentare
    • HBogon
    • 16.06.2009 um 20:24 Uhr

    Wenn die Kunden Insolvenz anmelden, sind die Bestellungen keinen Pfifferling mehr wert.

    Die Fliegerei als Massengeschäft wird mit Sicherheit in den nächsten Jahren einbrechen, wegen steigender Kerosinkosten und weiter schwindender Kaufkraft der großen Mehrheit der Bevölkerung. Für die schwindende Kaufkraft ist politisch bestens gesorgt.

    Man hat bei Airbus und Boeing halt noch nicht gemerkt, dass es nicht um eine Konjunkturdelle geht, sondern um einen Systemcrash. Auf ein Luxusgut wie Fernflüge können die meisten Durchschnittsverdiener noch am ehesten verzichten. Da ist z.B. das Auto dann doch noch wichtiger.

    Und nur mit einer selbsternannten Elite lassen sich die Flieger halt auch nicht füllen.
    Tja, Bosse, freie Marktwirtschaft ist halt kein Mädchenpensionat.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service