Machtkampf in Iran Chamenei versus Rafsandschani

Auf den Straßen demonstrieren die Massen - hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf: Chamenei, die Nr. 1 im Staat, gegen den mächtigen Ex-Präsidenten Rafsandschani

Revolutionsführer, die Nr. 1 in Iran und Gegner Rafsandschanis: Ali Chamenei

Berlin - In Iran ist selten etwas so, wie es auf den ersten Blick scheint. Es geht nicht in erster Linie um Präsident Mahmud Ahmadineschad, sondern hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf zwischen dessen Mentor Ali Chamenei, dem Obersten Religionsführer, und Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, dem mächtigen Ex-Präsidenten. Rafsandschani leitet heute den Expertenrat, der den Obersten Religionsführer einsetzt, aber notfalls auch seines Amtes entheben kann.

Dabei geht es neben persönlichen Rivalitäten um unterschiedliche Auslegungen der Islamischen Republik: Chamenei will starr an revolutionären Idealen festhalten und nimmt eine Militarisierung in Kauf, der Geistliche und Geschäftsmann Rafsandschani plädiert für eine pragmatischere Politik und sanfte Modernisierung und vertritt seit Langem eine Politik der Öffnung gen USA. Damit will er aber den Erhalt des Systems sichern, in dem er politisch und wirtschaftlich eine entscheidende Rolle spielt.

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Expertenratsvorsitzender, Ex-Präsident und Gegner Chameneis: Ali Akbar Haschemi Rafsandschani

Expertenratsvorsitzender, Ex-Präsident und Gegner Chameneis: Ali Akbar Haschemi Rafsandschani

Beobachter vermuten, dass Chamenei und die Hardliner um Ahmadineschad gezielt versucht hätten, Rafsandschani und die Reformer zu diskreditieren. Drei Tage vor der Wahl wurde der offene Machtkampf deutlich: Rafsandschani hat sich in einer äußerst ungewöhnlichen Geste in einem offenen Brief beim „alten Kameraden“ Chamenei beschwert, dass dessen Protegé Ahmadineschad ihn im Fernsehen als „korrupt“ bezeichnet hatte und ihm vorwarf, er habe seine Familie während seiner Präsidentschaft zu „Milliardären“ gemacht.

Das weiß zwar jeder in Iran, aber Rafsandschani hat den Angriff zu Recht als Abrechnung mit der Garde der Revolutionäre der ersten Stunde erkannt, die ohne Chameneis Zustimmung so nicht möglich gewesen wäre.

Rafsandschani konterte, die „Glaubwürdigkeit des Systems“ sei durch solche Verunglimpfung selbst von Vätern der Revolution infrage gestellt. Es folgt die Drohung in Form eines poetischen Bildes: „Man kann eine kleine Quelle mit nur einer Schaufel umleiten, aber wenn das Wasser mehr wird, kann keine Kraft der Erde es mehr aufhalten.“ Nach Ansicht des Iranexperten Walter Posch von der Landesverteidigungsakademie in Wien ist deutlich, dass sich Rafsandschani um den Fortbestand der Islamischen Republik sorgt.

Leser-Kommentare
  1. ...danke für den Hinweis an anderer Stelle.

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