Der Vorschlag war simpel: Künftig sollte jeder Hersteller von Lebensmitteln seine Kunden mit einem Ampelsystem über den Nährwert seiner Produkte informieren. Ein rotes Symbol auf der Verpackung hätte etwa bedeuten können, dass in dem Produkt viel Fett, Zucker oder Salz enthalten sind.

Die Industrie lief Sturm gegen den Plan. Auch weil sie fürchtete, ein rotes Symbol könne Kunden vom Kauf der oft gar nicht so gesunden "Fitnessflakes" oder Milchdrinks abhalten. Ganze Produktsegmente wie Süßwaren würden diskriminiert, schimpfte etwa Matthias Horst, Hauptgeschäftsführer beim Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL).

Verbraucherschutzorganisationen wie Foodwatch trommelten hingegen für die Einführung, weil die Hersteller damit zum Umdenken gezwungen würden. "Insbesondere Fertigprodukte enthalten viel mehr Zucker und Fett, als die Verpackung suggeriert", begründet dies Geschäftsführer Thilo Bode. Erst vor zwei Wochen gab Frosta, ein Hersteller von Tiefkühlprodukten, bekannt, die Ampel künftig nutzen zu wollen.

Ein Pyrrhussieg, wie sich nun herausstellt. Foodwatch hat die Schlacht um die europaweite Einführung einer Pflichtampel auf den Packungen von Lebensmitteln vorerst verloren. Der Grund: Die EU berät gerade über eine ausführliche Reform der Nährwertkennzeichnung.

Den Verordnungsentwurf hat die Bremer Jura-Professorin Sabine Schlacke im Auftrag von Foodwatch untersucht. In einer Stellungnahme schreibt sie: "Eine Darstellung des Nährwertgehalts eines Lebensmittels durch eine so genannte Ampelkennzeichnung ist nicht zulässig."  Die Juristin kommt sogar zu dem Schluss: "Der Entwurf gewährt keine Gestaltungsspielräume für eine einzelstaatliche verbindliche Regelung, die zu einer Ampelkennzeichnung der Nährwerte in Lebensmitteln verpflichtet."

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner streitet das nicht ab: Es sei richtig, nach jetzigem Stand werde die von Verbraucherschützern vorgeschlagene Ampelkennzeichnung "wohl nicht vorgeschlagen", sagt Aigner. Und fügt hinzu: "Solange die Debatte läuft, kann ich national keine verpflichtende Regelung einführen." Aigner könnte ein Verbot verhindern, indem sie sich für Öffnungsklauseln in Brüssel einsetzen würde. Dann wäre die Ampel den Mitgliedsstaaten überlassen. Doch danach sieht es nicht aus: "Erst brauchen wir ein verlässliches Modell, dann sehen wir weiter."