Bankenkrise "Nur durch Transparenz schaffen wir Vertrauen"
Gegen die Skepsis von Bundesbank und Finanzministerium: Carsten Schneider, haushaltspolitischer Sprecher der SPD, will deutsche Banken Stresstests unterwerfen
ZEIT ONLINE: Trotz der staatlichen Stützungsprogramme knausern die Banken mit Krediten. Muss der Staat noch mehr Geld in den Finanzsektor pumpen?
Carsten Schneider: Auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen ist eine verantwortliche Entscheidung über erneute Staatshilfen für die Banken nicht möglich.
ZEIT ONLINE: Was muss passieren? Sollen wir wie in den USA Stresstests für den Finanzsektor durchführen? Das lehnen Bundesbank und Finanzministerium bislang ab.
Schneider: Wir brauchen in der Tat national und europaweit Stresstests, die verlässliche Daten über die Belastungen und den Kapitalbedarf der relevanten Banken liefern. Das ist noch aus einem weiteren Grund sinnvoll: Nur über die Herstellung von Transparenz schaffen wir die Voraussetzungen, dass sich auch wieder Vertrauen einstellen kann.
ZEIT ONLINE: Die Regierung will es den Banken erlauben, toxische Wertpapiere in eine Bad Bank auszulagern. Viele Banken empfinden die Bedingungen als zu restriktiv. Besteht damit nicht die Gefahr, dass die Banken sich auf andere Weise sanieren - zum Beispiel, indem sie Kredite an den Mittelstand kürzen?
Schneider: Sollte sich herausstellen, dass die Banken weiterer Unterstützung bedürfen, sich dieser aus individuellen Gründen aber verweigern, stellt sich die Frage nach der Verpflichtung zur Teilnahme neu. Für diesen Fall müssten wir alle Not leidenden Banken zur Teilnahme verpflichten oder alternativ eine Rekapitalisierung vorschreiben.
ZEIT ONLINE:Andere Länder waren damit erfolgreich. Aber dann kommen auf den Steuerzahler neue Lasten zu.
- Datum 11.06.2009 - 17:06 Uhr
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