Berichterstattung Iran Report aus dem Käfig

Die Regierung in Teheran versucht rigoros, die Berichterstattung über den Aufstand zu unterbinden. Für ausländische Journalisten gilt ein striktes Ausgangsverbot

Demonstranten fliehen in Teheran vor der Polizei

In einem Rundschreiben an alle Büros ausländischer Medien forderte das iranische Kulturministeriums dazu auf, alle Beiträge, die nicht direkt vom Ministerium autorisiert sind, "ernsthaft" zu vermeiden. Das Rundschreiben bezog sich speziell auf die Berichterstattung von Massenkundgebungen gegen den umstrittenen Wahlsieger und Präsidenten Mahmud Ahmadineschad, die nicht ausdrücklich von den Behörden zugelassen sind.

"Kein Journalist hat die Erlaubnis, in der Stadt zu berichten, Filme zu drehen oder Bilder zu machen", sagte ein Vertreter des zuständigen Kulturministeriums. Von ihren Büros aus dürften Journalisten aber weiter berichten, erklärte das Kulturministerium weiter. Zugleich kündigte ein Vertreter an, ausländischen Medienvertretern werde die Akkreditierung entzogen.

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Westliche Berichterstatter, darunter auch deutsche Journalisten, hatten in den vergangenen Tagen wiederholt über die schlechten Arbeitsbedingungen in Teheran geklagt.

Der unterlegene Präsidentschaftskandidat Mir Hussein Mussawi rief unterdessen seine Anhänger, die am Montag in Teheran und anderen Städten zu Hunderttausenden auf die Straße gegangen waren, auf, den Kundgebungen fern zu bleiben. "Die Demonstration der gemäßigten Kräfte findet nicht statt", sagte ein Sprecher Mussawis. Der Politiker appelliere an seine Anhänger, zu Hause zu bleiben, weil sie sich andernfalls in Lebensgefahr begäben.

Zweifel an Wahlergebnis treibt Mussawi-Anhänger auf die Straße

Bei den Protesten am Montag gegen den offiziell verkündeten Ausgang der Präsidentenwahl waren laut einem iranischen Medienbericht sieben Menschen getötet worden. Andere Stellen sprachen von mehr als 20. Bis in die Abenddämmerung waren anschließend in vielen Stadtteilen Schüsse zu hören gewesen. Die Polizei nahm nach Oppositionsangaben mehrere ranghohe Reformpolitiker fest.

Leser-Kommentare
    • Peter3
    • 16.06.2009 um 17:42 Uhr

    Kein Vergleich mit den Nato-gebilligten Diktaturen Ägypten, Marokko, Pakistan usw. Das Verhalten der teheraner Polizei ist sogar noch 'Gold' im Vergleich zum Verhalten der deutschen Polizei bei der Demo in Heiligendamm: Keine Kessel, keine wilkürlichen Verhaftugen mit anschließendem stundenlangen stehenmüssen. Anders als in der BRD wurde auch kein MILITÄR eingesetzt! Tote gab es nach iranischen Angaben auch nur deshalb, weil als Mousavi-Truppen versuchten, eine Polizeistation zu stürmen. http://www.presstv.ir/det... Übrigens: Der link zum 'Revolutionssender' Farsnews (http://english.farsnews.com/) wird hier im Natobereich derzeit offenbar wieder gesperrt (In der mittagszeit ging er zwischendurch) - soviel zum freien Internet bei uns.

  1. da sich das Kräfteverhältnis im Iran offenbar nicht wie gewünscht entwickelt, gehen "Die Zeit" und die anderen Medien des Kapitals offenbar zu plumper Propaganda über...
    Na, wenn´s denn hilft!

  2. das beste ist es halt die freie Berichterstattung ganz zu verbieten, bevor es zu einer Manipulation der oeffentlichen Meinung kommt. Wo kommen wir denn da hin, wenn jeder einfach so berichten kann. Da ginge es ja zu wie im Internet.

  3. Aber verdeutlicht es doch geradezu, wie viel dieses Regime zu verbergen hat.

  4. Dieser befindet sich z. Zt. in Jekaterinburg (Russland) - scheint ihn wirklich wenig zu interessieren, was da gerade bei ihm so läuft - und gibt dem Westen saures (!) auf dem dortigen regionalen Staatsgipfel. Punkten kann er auch, sind doch diese Länder wirtschaftlich mit dem Iran verzweigt und müssen sich sein Schwadronieren gefallen lassen.

  5. Erst kommt "Das Fressen und dann die Moral". Das hat Ahmadineschadt begriffen. Seine Kartoffelkampagne hat "gefruchtet". Das Wahlergebnis dürfte noch korrigiert werden, aber es wird für Mussavi nicht reichen. Die Masse der Wähler sind nun einmal Wähler, die nichs mit den städtischen Eliten gemein haben. Mussavi und Rafsandschani sind keine Vertreter der kleinen Leute. Deshalb dürfte es auch nach Korrekturen für Ahmadineschad immer noch gut reichen. Russland hat sich auf diese Einschätzung eingestellt, der Westen und auch die BRD wird der russischen Bewertung folgen müssen.

    Klar. Der Iran ist keine Demokratie. Wir müssen uns klarmachen, dass dort eine Theokratie auf der Basis des Korans herrscht. Dazu muss man einfach Sure 2 zur Kenntnis nehmen. Da können wir mit unseren bürgerlichen Freiheitsvorstellungen nicht Punkten.

    Deshalb: Nach der Revolution von 1979 dominierten die Islamische Religionspartei (IRP) und ihre Verbündeten das Parlament. 1987 wurde die IRP jedoch aufgelöst, politische Parteien wurden verboten. Lediglich einige rivalisierende islamische Fraktionen waren offiziell anerkannt. Dies waren u. a. die Islamische Vereinigung kämpferischer Geistlicher und die gemäßigten Linksislamisten.

    Heute: Das politische Leben wird von Fraktionen und Bewegungen beherrscht,
    die sich alle auf den Koran beziehen. Alte Eliten wollen Wohlleben und Freiheit. Die Neuen Eliten wollen den Kleinen Leuten helfen. Auch dort gibt es ein Links und und Rechts auf der Basis des Unten und Oben! Oben: Sure 1.
    _______________________________________________________
    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

    • sv1en
    • 17.06.2009 um 9:50 Uhr

    Heute morgen gab es im WDR 2 einen laengeren Wortbeitrag eines Korrespondenten aus Teheran, der ganz klar festgehalten hat, er koenne sich frei bewegen, er koenne durch die Stadt gehen und beschreiben, was dort passiert.

    Er hat die Berichterstattung in Deutschland ueber "Berichterstattungsverbote" und die Kommentare einiger Politiker dazu (er nannte u.a. Frau Merkel) einen Skandal genannt.

    Die Formalitaeten sind aufwaendiger, die allgemeinen Genehmigungen insbes. zum Filmen in Teheran sind aufgehoben worden -- es gibt also sicherlich Einschraenkungen, die man dann wohl auch diskutieren muesste. Aber ein Verbot der Berichterstattung scheint es nach Aussage dieses Korrespondenten nicht zu geben.

    Liebe Redaktion, bitte pruefen Sie noch einmal, ob das, was Sie in Ihrer Ueberschrift schreiben, stimmt.

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