Bildungswüste Deutschland Funktionieren ist kein Lernziel

Etwa 150.000 Schüler und Studenten wollen heute bundesweit für bessere Bildung demonstrieren. Sie fordern Zeit zum Lernen und gute Betreuung - zu Recht. Kommentar

Studierende der Berliner Humboldt-Universität kleben Bildungsbeschwerden an eine selbst gebastelte Klagemauer. Ihre Kommilitonen an der Viadrina werfen sich zum Protest auf den Fußboden. Mit symbolischen Banküberfällen ist zu rechnen: Die Woche des "Bildungsstreiks 2009“ von Schülern und Studierenden hat begonnen. Höhepunkt soll die Demo am heutigen Mittwoch sein. Bis zu 200.000 Teilnehmer werden bundesweit erwartet.

Während eher links gesinnte Verbände und Parteien Sympathiebekundungen abgeben, will das konservative Lager den Bildungsstreik nicht unterstützen. Die linken Initiatoren, so warnt die Union im Bundestag gemeinsam mit dem Philologenverband, wollten "arglose Schüler und Studenten als Statisten für öffentlichkeitswirksame Wahlkampf- Events“ gewinnen.

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Was wollen die Schüler und Studierenden in der "Projektgruppe Bildungsstreik“? Sie wenden sich dagegen, dass Bildung den „Gesetzen des Marktes unterworfen wird“. Sie sind gegen Kita- und Studiengebühren, gegen die Privatisierung von Bildung, gegen Leistungs- und Konkurrenzdruck, gegen den Einfluss der Wirtschaft auf Lehrinhalte und für mehr Mitbestimmung bei Schulen und Hochschulen sowie für mehr Geld für die Bildung.

Wie Schulen und Hochschulen aussehen sollen, war in Deutschland schon immer eine ideologisch hart umkämpfte Frage. Linke Rhetorik und radikale Protestformen beim Bildungsstreik (Blockaden, Besetzungen) sind deshalb gesamtgesellschaftlich auch nicht kompatibel. Die große Richtung des Bildungsstreiks scheint aber doch den Nerv vieler Schüler und Studierender zu treffen. Offenbar hat die linke Ursorge, das Bildungswesen könnte zunehmend nur noch auf Verwertung aus sein, nun auch den Mainstream der Schüler- und Studierendenschaft erreicht.

Schule und Hochschule durchweht immer der gerade vorherrschende Zeitgeist. Seit einigen Jahren spiegeln sie die Angst des Wirtschaftsriesen Deutschland vor seinem Niedergang wider. Schon in der Grundschule beginnt ein Wettrennen auf die Plätze im Gymnasium, der Schulform, die die größten beruflichen Chancen eröffnet. Um junge Menschen schneller auf den Arbeitsmarkt zu führen, wurde die Schulzeit verkürzt – allerdings ohne die Stundentafel beherzt zu entschlacken und rechtzeitig Ganztagsunterricht zu schaffen.

Mit dem Pisa-Schock ist der Leistungsdruck auf Schüler und Lehrer gewachsen. Pisa ist eine Studie einer Wirtschaftsorganisation, der OECD. Sie fragt danach, mit welchen Kompetenzen Schüler im Beruf erfolgreich sein können, nicht aber nach ihrer musischen, künstlerischen und sozialen Entfaltung.

Im Bachelor geht es dann oft weiter wie in der Schule. Eitle Professoren haben viele der neuen Studiengänge mit Stoff und Prüfungen vollgestopft – und das, obwohl die meisten Hochschulleitungen unbedingt nur den superkurzen sechssemestrigen Bachelor wollten, um mehr Zeit für den aufbauenden Master zu gewinnen. Der aber wird nicht allen offen stehen, es wird eine Auswahl geben müssen.

Die Lage bedrückt offenbar viele Jugendliche. Sie wollen nicht zur Schule oder zur Uni gehen, um dort möglichst schnell auf den Tanz ums goldene Kalb vorbereitet zu werden. Sie wollen nicht nur funktionieren. Sie fordern Zeit zum Lernen und eine gute Betreuung. Das ist nicht zu viel verlangt.

 
Leser-Kommentare
  1. Es ist wieder mal schade, dass wer Kritik am Bildungssystem übt, insbesondere auf ein Art wie sie diese Woche praktiziert wird, automatisch als links bezeichnet wird. Und nicht als SPD-Links, sondern so richtig. Mit roten Socken und langen Haaren und so.
    Es ist eben für die Konservativen einfach, alles in einen Topf zu werfen, der mit Stigmata vollgepflastert ist. Damit lässt sich dann einfach alles als Unsinn abtun und man kann wieder zum Tagesgeschäft übergehen (z.B. sich in gemütlicher Kungelrunde mit Lobbyisten in angesagten Berliner - manchmal noch Bonner - Restaurants treffen)

    Ein interessantes Interview zum Thema (Schul-)Bildung gibts drüben bei telepolis:
    http://www.heise.de/tp/r4...

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    denn mit dem abweisen der Forderungen als "Linke" Wahlkampfveranstaltung diskreditiert man ja von interessierter Seite Forderungen nach fairen Bildungschancen. Wie sollte man sich aber auch von Seiten des "bürgerlichen Lagers"(ein unverschämter Etikettenschwindel von bestimmtn Parteien-wir sind alle Bürger) offen und ehrlich mit dem Thema auseinandersetzen?

    Was als Ideologiestreit irgendwann in den 60/70er Jahren begann bestehet doch im wesenlichen nur noch aus "Rückzugsgefechten" einer selbsternannten (konservativen) Elite. Wie will man auch ein Schul- und Studiensystem legitimieren, dass nachgewiesenen weder faire Bildungschancen schafft noch effektiv ist? Das schafft man nur wenn gegen die Kritiker die Ideologiekeule geschwungen wird und jede grundlegende Veränderung die an de Zuständen etwas ändern würde versucht auszusitzen.

    Aber seien wir fair, ein Teil der Absolventen des Bildungssystems gewinnt ja. Nicht weil Sie per se besser sind, sondern weil die Eltern in der Lage und Willens sind massiv in die Bildung ihrer Kinder zu investieren und so die Defizite über Sprachkurse, Hausaufgabenbetreuung, Auslandsaufenthalte, Finanierung während des Studiums und vor allem gute Vernetzung kompensieren können.

    Nur leider(?) reicht das nicht mehr. Deutschland befindet sich in einem weltweiten Wettbewerb um die beste Leistung in Forschung und Wirtschaft. Wir brauchen eine Gesellschaft in der alle Talente abgerufen werden können und jeder nach seien Fähigkeiten unabhängig von seiner sozialen Herkunft eine Chance erhält. Entweder wir sind berit diese Forderung anzunehmen oder wir fallen als Gesellschaft insgesamt zurück.

    Wenn das konservative Gruppen nicht erkennen können oder wollen, nun dann muss man sich an den wenden der bereit ist einen zu unterstützen. Jeder ist eingeladen mit zu wirken, aber man muss sich schon selbst einbringen.

    denn mit dem abweisen der Forderungen als "Linke" Wahlkampfveranstaltung diskreditiert man ja von interessierter Seite Forderungen nach fairen Bildungschancen. Wie sollte man sich aber auch von Seiten des "bürgerlichen Lagers"(ein unverschämter Etikettenschwindel von bestimmtn Parteien-wir sind alle Bürger) offen und ehrlich mit dem Thema auseinandersetzen?

    Was als Ideologiestreit irgendwann in den 60/70er Jahren begann bestehet doch im wesenlichen nur noch aus "Rückzugsgefechten" einer selbsternannten (konservativen) Elite. Wie will man auch ein Schul- und Studiensystem legitimieren, dass nachgewiesenen weder faire Bildungschancen schafft noch effektiv ist? Das schafft man nur wenn gegen die Kritiker die Ideologiekeule geschwungen wird und jede grundlegende Veränderung die an de Zuständen etwas ändern würde versucht auszusitzen.

    Aber seien wir fair, ein Teil der Absolventen des Bildungssystems gewinnt ja. Nicht weil Sie per se besser sind, sondern weil die Eltern in der Lage und Willens sind massiv in die Bildung ihrer Kinder zu investieren und so die Defizite über Sprachkurse, Hausaufgabenbetreuung, Auslandsaufenthalte, Finanierung während des Studiums und vor allem gute Vernetzung kompensieren können.

    Nur leider(?) reicht das nicht mehr. Deutschland befindet sich in einem weltweiten Wettbewerb um die beste Leistung in Forschung und Wirtschaft. Wir brauchen eine Gesellschaft in der alle Talente abgerufen werden können und jeder nach seien Fähigkeiten unabhängig von seiner sozialen Herkunft eine Chance erhält. Entweder wir sind berit diese Forderung anzunehmen oder wir fallen als Gesellschaft insgesamt zurück.

    Wenn das konservative Gruppen nicht erkennen können oder wollen, nun dann muss man sich an den wenden der bereit ist einen zu unterstützen. Jeder ist eingeladen mit zu wirken, aber man muss sich schon selbst einbringen.

    • peto1
    • 17.06.2009 um 9:39 Uhr

    Was hat den das Bisherige Bildung gebracht nur misst und die welt steckt auch gerade in einem mist, und wer hat mist produziert ? na die die in 70 protestiert haben, Was hat es gebracht? ein besseres Bildung in besseren zeiten in den 70'ern und 80'ern das sind doch die ,die heute im Parlament sitzen und einen mist nach dem anderen bauen, man brauch dazu kein Bildung man braucht besseres Individuelles system was keine masse von Capitalisten und Heuschrecken produziert sondern Menschen mitt sinn und Verstandt fördert. .....der rest ist bla..bla..bla...usw

  2. Seit den 70-ern steht der amtlich gesteuerte Aufwand für Bildung in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zu den Leistungen der Schüler, und zwar generell an allen Schularten.

    Der kultusministeriell verordnete Missbetrieb in den Lehrerseminaren hat zu immer abenteuerlicheren pädagogischen Verrenkungen geführt, einhergehehend mit einer geradezu grotesken Häufigkeit von permanenten Änderungen an Lehrplänen und Prüfungsordnungen etc.

    G8 lässt grüßen.

    Derweil gehen Primärtugenden wie Fleiß, Disziplin und Gehorsam den heutigen Schülern immer mehr ab. Schulische Erziehung ist auch in dieser Hinsicht längst maßlos überfordert.

    Die Gründe dieser Fehlentwicklung fallen zusammen mit den Gründen, die für die medial bedingte Dekadenz des Westens verantwortlich sind. Historisch betrachtet geht es um die Folgen von 1945 und dem daraus resultierenden Verlust der eigenen kulturellen Identität. Trivialer, aber trefflicher Beweis für den beschriebenen Niedergang ist das Niveau des bundesdeutschen Fernsehprogramms...

    Nebenaspekt ist, dass auch die Eltern der heutigen Schülergeneration zunehmend mit Fragen der Erziehung überfordert sind und selbst keine Vorbildfunktion mehr wahrnehmen können.

    Auch wenn in früheren Jahren nicht alles zum schulischen Ideal taugte, so sei trotzdem der folgende anschauliche Rückblick in die Schulzeiten der 50-er Jahre empfohlen:

    http://www.youtube.com/wa...

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    auf der ganzen Linie. Wenn wir den kurzfristig historischen Rückblick in die 70-ger einmal bei Seite lassen, entdecken wir hinter dem ganzen Wust an Nichtigkeiten doch nichts anderes als die Unfähigkeit derer, die sich mit Systemdiskussionen die Gemüter heiß und die Köpfe leer gelabert haben, eben jene die heute die Parlamente mit ihren Hohlheiten füllen.

    In einer Welt, in der das Wissen sich ca. alle 10 Jahre verdoppelt, haben Politiker, angestachelt von Systemauguren, genannt Volks- und Betriebswirte deren Wissen ohnehin das eines guten Buchhalters nicht übersteigen muss und deren hochintelligente Systeminterpretationen sich in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise kristallisieren, deren Predigten auf Rationalisierung der Bildung zwecks kostengünstiger industrieller Verwertung der Verbildeten zum Anlass genommen, um das Bildungssystem endgültig in den Abgrund zu treiben.

    Da es sich bei den so genannten Bildungspolitikern jedoch selten um Individuen handelt, die sich, in welcher Weise auch immer, durch besondere geistige Leistungen auszeichneten, sondern eher durch das opportunistische Kopfnicken gegenüber dem Nächstmächtigen in der Partei, können wir doch von diesen nicht erwarten, dass sie die Folgen ihres Handelns abzuwägen in der Lage sind. Sie orientieren sich, wie ein Kleinkind oder ein Primat am kurzfristigen Beiphall aus den Vorstandsetagen des Managements, dass sie kurze Zeit später, ebenso populistisch (es stehen ja Wahlen an), als raffgierig stigmatisieren, in der berechtigten Hoffnung, das der doofe Wähler ein ausgesprochen schlecht strukturiertes Kurzzeitgedächtnis hat.

    1949 - 1978 ... Hhmm, das sind etwa 30 Jahre; 1978 - 2009 ... Hhmm das sind auch etwa 30 Jahre. Anscheinend (vielleicht ... hoffentlich) fegt jede Generation die durch den Politlitbetrieb verknöcherten Gehirne zum Teufel .. Öh nä ... heutzutage ja in die wohlverdiente Pension, unabhängig von den Schäden, die sie an der Gesellschft vollführten.

    Es sind immer wieder Studenten Schüler, die von dem Geseiere der Schröders, Schäubles, Steinmeiers usw. nicht mehr einlullen lassen. Stellt sich nur die Frage, ob der Viagrakonsument Müntefering sich von seinem Jugendtripp eine Modernisierung seiner Ansichten zwecks Verschlimmbesserung des Bildungssystems oder lediglich eine illusionistische Aufpeppelung seines Opatums erhofft ... fragt

    Kuni

    Besser semiintellektuel als grenzdebil

    Zitat: "Derweil gehen Primärtugenden wie Fleiß, Disziplin und Gehorsam den heutigen Schülern immer mehr ab"
    Sind das nicht eher "Sekundärtugenden, mit denen man", frei nach Lafontaine, " ein KZ betreiben" könnte?
    (An die Redaktion: das ist ein Originalzitat)

    Auch in der allgemein gebräuchlichen Definition:

    Tu|gend, die; -, -en [mhd. tugent, ahd. tugund, zu taugen u. eigtl.= Tauglichkeit, Kraft]: 1. Tugendhaftigkeit: T. üben; niemand zweifelt an seiner T.; sie ist ein Ausbund an/von T. 2. sittlich wertvolle Eigenschaft (eines Menschen): die T. der Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit;
    © Duden - Deutsches Universalwörterbuch. 4. Aufl. Mannheim 2001.

    vermag ich die von Ihnen als primär herausgestellten Eigenschaften nicht zu entdecken. In der Begriffsbestimmung entdecke ich viel mehr Zivilcourage und den jetzigen Protest der Schüler und Studenten.
    Völlig absonderlich ist jedoch Ihre Behauptung:
    "Historisch betrachtet geht es um die Folgen von 1945 und dem daraus resultierenden Verlust der eigenen kulturellen Identität."
    Wenn überhaupt geht es um den Zivilisationsbruch in Deutschland zwischen 1933 und 1945, die staatlich organisierte Barbarei, welche "die kulturelle Identität" der Deutschen bis heute nachhaltig geschädigt hat.
    Auch da gibt der heutige Protest der Jugend ein ermutigendes Zeichen.

    auf der ganzen Linie. Wenn wir den kurzfristig historischen Rückblick in die 70-ger einmal bei Seite lassen, entdecken wir hinter dem ganzen Wust an Nichtigkeiten doch nichts anderes als die Unfähigkeit derer, die sich mit Systemdiskussionen die Gemüter heiß und die Köpfe leer gelabert haben, eben jene die heute die Parlamente mit ihren Hohlheiten füllen.

    In einer Welt, in der das Wissen sich ca. alle 10 Jahre verdoppelt, haben Politiker, angestachelt von Systemauguren, genannt Volks- und Betriebswirte deren Wissen ohnehin das eines guten Buchhalters nicht übersteigen muss und deren hochintelligente Systeminterpretationen sich in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise kristallisieren, deren Predigten auf Rationalisierung der Bildung zwecks kostengünstiger industrieller Verwertung der Verbildeten zum Anlass genommen, um das Bildungssystem endgültig in den Abgrund zu treiben.

    Da es sich bei den so genannten Bildungspolitikern jedoch selten um Individuen handelt, die sich, in welcher Weise auch immer, durch besondere geistige Leistungen auszeichneten, sondern eher durch das opportunistische Kopfnicken gegenüber dem Nächstmächtigen in der Partei, können wir doch von diesen nicht erwarten, dass sie die Folgen ihres Handelns abzuwägen in der Lage sind. Sie orientieren sich, wie ein Kleinkind oder ein Primat am kurzfristigen Beiphall aus den Vorstandsetagen des Managements, dass sie kurze Zeit später, ebenso populistisch (es stehen ja Wahlen an), als raffgierig stigmatisieren, in der berechtigten Hoffnung, das der doofe Wähler ein ausgesprochen schlecht strukturiertes Kurzzeitgedächtnis hat.

    1949 - 1978 ... Hhmm, das sind etwa 30 Jahre; 1978 - 2009 ... Hhmm das sind auch etwa 30 Jahre. Anscheinend (vielleicht ... hoffentlich) fegt jede Generation die durch den Politlitbetrieb verknöcherten Gehirne zum Teufel .. Öh nä ... heutzutage ja in die wohlverdiente Pension, unabhängig von den Schäden, die sie an der Gesellschft vollführten.

    Es sind immer wieder Studenten Schüler, die von dem Geseiere der Schröders, Schäubles, Steinmeiers usw. nicht mehr einlullen lassen. Stellt sich nur die Frage, ob der Viagrakonsument Müntefering sich von seinem Jugendtripp eine Modernisierung seiner Ansichten zwecks Verschlimmbesserung des Bildungssystems oder lediglich eine illusionistische Aufpeppelung seines Opatums erhofft ... fragt

    Kuni

    Besser semiintellektuel als grenzdebil

    Zitat: "Derweil gehen Primärtugenden wie Fleiß, Disziplin und Gehorsam den heutigen Schülern immer mehr ab"
    Sind das nicht eher "Sekundärtugenden, mit denen man", frei nach Lafontaine, " ein KZ betreiben" könnte?
    (An die Redaktion: das ist ein Originalzitat)

    Auch in der allgemein gebräuchlichen Definition:

    Tu|gend, die; -, -en [mhd. tugent, ahd. tugund, zu taugen u. eigtl.= Tauglichkeit, Kraft]: 1. Tugendhaftigkeit: T. üben; niemand zweifelt an seiner T.; sie ist ein Ausbund an/von T. 2. sittlich wertvolle Eigenschaft (eines Menschen): die T. der Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit;
    © Duden - Deutsches Universalwörterbuch. 4. Aufl. Mannheim 2001.

    vermag ich die von Ihnen als primär herausgestellten Eigenschaften nicht zu entdecken. In der Begriffsbestimmung entdecke ich viel mehr Zivilcourage und den jetzigen Protest der Schüler und Studenten.
    Völlig absonderlich ist jedoch Ihre Behauptung:
    "Historisch betrachtet geht es um die Folgen von 1945 und dem daraus resultierenden Verlust der eigenen kulturellen Identität."
    Wenn überhaupt geht es um den Zivilisationsbruch in Deutschland zwischen 1933 und 1945, die staatlich organisierte Barbarei, welche "die kulturelle Identität" der Deutschen bis heute nachhaltig geschädigt hat.
    Auch da gibt der heutige Protest der Jugend ein ermutigendes Zeichen.

  3. Man kann sich sicherlich über den Bachelor streiten, aber vieles, was ihm hiervorgeworfen wird, hat nur sekundär mit ihm zu tun und hängt viel stärker vom Studienfach und ganz anderen Dingen ab.

    Mal ein paar Hinweise dazu, die ich u.a. aus persönlicher Beratung von Studierenden kenne:

    - Jeder Student kann, auch in Zeiten des Bachelor, verschiedene Vorlesungen besuchen und ein Semster dranhängen. Dies ist mit den gleichen Vor- und nachteilen verbunden wie beim alten Diplom, ... Außerdem werden viel stärker als früher Auslandssemester mit großzügiger Anerkennung von Prüfungsleistungen gefördert.

    - Bachelorstudiengänge werden akkreditiert. Dort wird eine Evaluation gefordert, wird ein Studium Generale oder Schritte in diese Richtung gefordert, werden Studierende intensiv nach ihren Problemen mit Prüfungen befragt, ...
    Das gab es vorher so nicht!

    - Irgendwann kommt der Augenblick, bei dem man mit dem, was man gelernt hat, auch seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Eine gewisse Ausrichtung auf Anwendung im Berufsleben halte ich daher für selbstverständlich. Oder soll die arbeitende Bevölkerung nur die Selbstfindung von Studierenden finanzieren und anshcließend überlegt man sich, wovon man wohl leben will?

    - Wonach soll ich denn den Studieninhalt ausrichten, wenn nicht vor allem nach einer späteren Berufstätigkeit? Soll man alles frei geben oder wer soll denn festlegen, was wichtig ist?

    Mal ein bisschen um zu polarisieren:
    Sollten vielleicht Naturwissenschaften auch für Sprachwissenschaftler, Künstler, usw. Pflicht sein: Physik für Journalisten?
    Sollten alle Ingenieure ein Instrument lernen müssen: E-Gitarre für Elektrotechniker?
    Was, wenn ein Anglistik-Student endgültig durch die Chemie-Prüfung rasselt?

    - Viele Studierende brauchen und wollen! (dies ist mir schon von vielen Studierenden gesagt worden) einen klaren Studienplan, um sich nicht in Beliebigkeit zu verlieren und um ihr Studium erfolgreich abzuschließen.

    - Ob wirklich der Leistungsdruck mit dem Bachelor gestiegen ist, halte ich als so pauschale Aussage für falsch. Sind denn die Abbrecherquoten gegenüber den alten Studiengängen gestiegen? Diese Abbrecherquten werden übrigens auch bei der Akkreditierung geprüft und es werden maßnahmen gefordert.
    Ich glaube eher, dass vorher in den Schulen zu wenig gelehrt und gelernt wurde, so dass dann an der Hochschule das große Erwachen folgt.

    - Wenn ich mit Absolventen spreche, sind lustigerweise fast alle der Meinung, dass der Leistunsgdruck genau richtig war. Während des Studiums hat sich das noch anders angehört. Spätestens wenn es um die Jobs geht, möchte man an einer guten Schule gewesen sein, die auch den Ruf hat, gute Absolventen zu liefern.
    Kurz gesagt: Wenn es keine Mühen kostet, ist es auch nichts wert!

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    was sie schreiben, findet in der Theorie meine volle Zustimmung. Allerdings sieht die Praxis an den Universitäten leider etwas anders aus.
    Beispielsweise müssen wir das mit den Abbrecherquoten differenzierter sehen. Für Geisteswissenschaftler mag es zutreffen, dass man sich im Studium ganz schön verlaufen konnte.
    In den Natur- und Ingenieurswissenschaften sind die Zahlen dagegen enorm in die Höhe geschossen, weil nicht nur ein gewisser Leistungsdruck herrscht,

    (nichts gegen hohe Anforderungen, Informatik, Physik oder Elektrotechnik SIND schwer, da kann der Prof auch nix dafür, es sei denn natürlich, es ist einer von den A...l.....ern, die schon in der ersten Vorlesung eine Durchfallquote von 65% prophezeien und dann auch alles daran, setzen, dass ihre Vorraussage eintrifft)

    sondern auf einmal erwartet wird, diese Stoffmengen in einer wesentlich kürzeren Zeit absolvieren zu müssen.

    Ein Stundenpaln für das Physikvordiplom sah früher ungefähr wie folgt aus:

    1. Semester:

    Analysis I
    Lin. Algebra I
    Experimentalphysik I
    Theoretische Physik I
    (Chemie für Physiker I)
    (Informatik I)

    2. Semester

    Analysis II
    Lin. Algebra II
    Experimentalphysik II
    Theoretische Physik II
    (Chemie für Physiker II)
    (Informatik II)

    3. Semester

    Analysis III
    Experimentalphysik III
    Theoretische Physik III
    (Nebenfach xyz)

    4. Semester

    Analysis IV
    Experimentalphysik IV
    Theoretische Physik IV
    (Nebenfach xyz)

    Diplomstudiengänge in Ingenieurswissenschaften waren ebenfalls stärker reglementiert.
    Dazu noch eine Anzahl von Praktikumsversuchen, die man mit den dazugehörigen Protokollen in einer gewissen Zeit abschließen musste. Sich zu verlaufen war eigentlich ziemlich unmöglich, wenn man Pech hatte, blieb man stecken, weil der Stoff teilweise schon recht anspruchsvoll war.
    Dafür hatte man eine Garantie, dass man sein Studium auch zu Ende führen durfte und nicht nach der Hälfte mehr oder weniger rausgeworfen wurde. Gut, man muss zugeben, wenn man zu den "besseren"

    [i.e. notentechnisch besser bewerteten Studenten gehört; aber nachdem ich selber schon beim Erstsemesterklausuren korrigiert habe, weiß ich, wie Noten an der Uni gemacht werden. Man könnte die Punktzahlen wirklich manchmal auswürfeln ;) ]

    Studenten gehört, dürfte das gar nicht das Problem sein. Aber auch für diese Gruppe ist es im Prinzip doch Quatsch, im 5. oder 6. Semester eine halbe wissenschaftliche "Abschlussarbeit" zu schreiben, um nach der Abschlussarbeit gleich weiterzustudieren.
    Dass es schlichtweg nicht möglich ist, einer hochqualifizierten Arbeitskraft in dre Jahren das zu vermitteln, was schon beim Diplom Durchschnittsstudienzeiten von 12 Semestern benötigte, sollte eigentlich offensichtlich sein.

    Jeder Student kann, auch in Zeiten des Bachelor, verschiedene Vorlesungen besuchen und ein Semster dranhängen. Dies ist mit den gleichen Vor- und nachteilen verbunden wie beim alten Diplom, ... Außerdem werden viel stärker als früher Auslandssemester mit großzügiger Anerkennung von Prüfungsleistungen gefördert
    Tatsache ist an unserer Hochschule, dass durch die "Modularisierung" sich sehr spezifische Agglomerate von verpflichtenden Lehrveranstaltungen herausgebildet haben, die auch auf mehrere Semester verteilt sind. Es ist praktisch unmöglich, eine Hochschule zu finden, die eine eigene, gleiche Kombination anbieten. Somit können zwar Leistungen von anderen Hochschulen als Wahlpflichtveranstaltung problemlos anerkannt werden, aber sie können die durch die Prüfungsordnung vorgeschrieben Leistungen an der eigenen Hochschule nicht ersetzen, was im Endeffekt dazu führt, dass Auslandsaufenthalte in jedem Fall die Studiendauer verlängern.

    Diese Abbrecherquten werden übrigens auch bei der Akkreditierung geprüft und es werden maßnahmen gefordert.
    Ich glaube eher, dass vorher in den Schulen zu wenig gelehrt und gelernt wurde, so dass dann an der Hochschule das große Erwachen folgt.

    Ich frage mich, wie das in Ihrer Weltsicht damit zu vereinen ist, dass jetzt noch ein Jahr Schule gestrichen werden sollte. Dazu gehört dann doch zwangsläufig die Annahme, dass die Schüler heute pauschal blöder sind als vor 25 Jahren, wenn sie den angeblich geringeren Stoff nicht in kürzerer Zeit in die Köpfe kriegen

    (Wobei ich es für ein Gerücht halte, dass das Abitur vor 25 Jahren soviel leichter war, wenn ich bedenke, dass meine Eltern noch in der Oberstufe am bayerischen Gymnasium sogar den Grundkurs Mathematik noch während der laufenden Schulzeit abwählen konnten, heute ist es verpflichtendes Fach in der Abiprüfung).

    was sie schreiben, findet in der Theorie meine volle Zustimmung. Allerdings sieht die Praxis an den Universitäten leider etwas anders aus.
    Beispielsweise müssen wir das mit den Abbrecherquoten differenzierter sehen. Für Geisteswissenschaftler mag es zutreffen, dass man sich im Studium ganz schön verlaufen konnte.
    In den Natur- und Ingenieurswissenschaften sind die Zahlen dagegen enorm in die Höhe geschossen, weil nicht nur ein gewisser Leistungsdruck herrscht,

    (nichts gegen hohe Anforderungen, Informatik, Physik oder Elektrotechnik SIND schwer, da kann der Prof auch nix dafür, es sei denn natürlich, es ist einer von den A...l.....ern, die schon in der ersten Vorlesung eine Durchfallquote von 65% prophezeien und dann auch alles daran, setzen, dass ihre Vorraussage eintrifft)

    sondern auf einmal erwartet wird, diese Stoffmengen in einer wesentlich kürzeren Zeit absolvieren zu müssen.

    Ein Stundenpaln für das Physikvordiplom sah früher ungefähr wie folgt aus:

    1. Semester:

    Analysis I
    Lin. Algebra I
    Experimentalphysik I
    Theoretische Physik I
    (Chemie für Physiker I)
    (Informatik I)

    2. Semester

    Analysis II
    Lin. Algebra II
    Experimentalphysik II
    Theoretische Physik II
    (Chemie für Physiker II)
    (Informatik II)

    3. Semester

    Analysis III
    Experimentalphysik III
    Theoretische Physik III
    (Nebenfach xyz)

    4. Semester

    Analysis IV
    Experimentalphysik IV
    Theoretische Physik IV
    (Nebenfach xyz)

    Diplomstudiengänge in Ingenieurswissenschaften waren ebenfalls stärker reglementiert.
    Dazu noch eine Anzahl von Praktikumsversuchen, die man mit den dazugehörigen Protokollen in einer gewissen Zeit abschließen musste. Sich zu verlaufen war eigentlich ziemlich unmöglich, wenn man Pech hatte, blieb man stecken, weil der Stoff teilweise schon recht anspruchsvoll war.
    Dafür hatte man eine Garantie, dass man sein Studium auch zu Ende führen durfte und nicht nach der Hälfte mehr oder weniger rausgeworfen wurde. Gut, man muss zugeben, wenn man zu den "besseren"

    [i.e. notentechnisch besser bewerteten Studenten gehört; aber nachdem ich selber schon beim Erstsemesterklausuren korrigiert habe, weiß ich, wie Noten an der Uni gemacht werden. Man könnte die Punktzahlen wirklich manchmal auswürfeln ;) ]

    Studenten gehört, dürfte das gar nicht das Problem sein. Aber auch für diese Gruppe ist es im Prinzip doch Quatsch, im 5. oder 6. Semester eine halbe wissenschaftliche "Abschlussarbeit" zu schreiben, um nach der Abschlussarbeit gleich weiterzustudieren.
    Dass es schlichtweg nicht möglich ist, einer hochqualifizierten Arbeitskraft in dre Jahren das zu vermitteln, was schon beim Diplom Durchschnittsstudienzeiten von 12 Semestern benötigte, sollte eigentlich offensichtlich sein.

    Jeder Student kann, auch in Zeiten des Bachelor, verschiedene Vorlesungen besuchen und ein Semster dranhängen. Dies ist mit den gleichen Vor- und nachteilen verbunden wie beim alten Diplom, ... Außerdem werden viel stärker als früher Auslandssemester mit großzügiger Anerkennung von Prüfungsleistungen gefördert
    Tatsache ist an unserer Hochschule, dass durch die "Modularisierung" sich sehr spezifische Agglomerate von verpflichtenden Lehrveranstaltungen herausgebildet haben, die auch auf mehrere Semester verteilt sind. Es ist praktisch unmöglich, eine Hochschule zu finden, die eine eigene, gleiche Kombination anbieten. Somit können zwar Leistungen von anderen Hochschulen als Wahlpflichtveranstaltung problemlos anerkannt werden, aber sie können die durch die Prüfungsordnung vorgeschrieben Leistungen an der eigenen Hochschule nicht ersetzen, was im Endeffekt dazu führt, dass Auslandsaufenthalte in jedem Fall die Studiendauer verlängern.

    Diese Abbrecherquten werden übrigens auch bei der Akkreditierung geprüft und es werden maßnahmen gefordert.
    Ich glaube eher, dass vorher in den Schulen zu wenig gelehrt und gelernt wurde, so dass dann an der Hochschule das große Erwachen folgt.

    Ich frage mich, wie das in Ihrer Weltsicht damit zu vereinen ist, dass jetzt noch ein Jahr Schule gestrichen werden sollte. Dazu gehört dann doch zwangsläufig die Annahme, dass die Schüler heute pauschal blöder sind als vor 25 Jahren, wenn sie den angeblich geringeren Stoff nicht in kürzerer Zeit in die Köpfe kriegen

    (Wobei ich es für ein Gerücht halte, dass das Abitur vor 25 Jahren soviel leichter war, wenn ich bedenke, dass meine Eltern noch in der Oberstufe am bayerischen Gymnasium sogar den Grundkurs Mathematik noch während der laufenden Schulzeit abwählen konnten, heute ist es verpflichtendes Fach in der Abiprüfung).

    • sv1en
    • 17.06.2009 um 10:11 Uhr

    Um junge Menschen schneller auf den Arbeitsmarkt zu führen, wurde die Schulzeit verkürzt – allerdings ohne die Stundentafel beherzt zu entschlacken

    Drei Kommentare dazu:

    1.) Die Schueler, fuer die das Gymnasium eigentlich urspruenglich offiziell mal gedacht war (Begabung ein bisschen ueber dem Durchschnitt, lerninteressiert), koennen das Abitur mit dem alten Lernstoff locker in 12 Jahren schaffen.

    2.) Wenn es gesellschaftlich erwuenscht ist, dass immer mehr junge Leute an die Unis gehen und dazu ein Abitur machen -- warum bietet man dann nicht zwei Wege zum Abitur an: einen via Gymnasium in 12 Jahren fuer die unter 1. genannte Gruppe und einen in 13 Jahren fuer die, die etwas mehr Zeit brauchen?

    3.) Das der Lernstoff nicht entschlackt worden sei, ist eine Luege.
    Es ist geradezu unglaublich, in welchem Umfang in den letzten Jahren z.B. in Mathematik grundlegende Prinzipien (etwa Konvergenz) aus dem Kurrikulum gestrichen wurden und damit andere Bereiche (etwa Integration, Differentiation) zu reinem Rechnen degradiert wurden, weil man sie ohne die grundlegenden Prinzipien nicht verstehen kann.

    Vielleicht sollte man auch mal fragen, warum der gleiche Stoffumfang, den die Schueler vor 20 Jahren selbstverstaendlich gelernt und gepaukt haben, heute ploetzlich eine Zumutung sein soll.

    Sie wollen nicht nur funktionieren.

    Vielleicht sollten wir uns erst einmal einigen, was wir mit "funktionieren" meinen.

    Viele StudentInnen und SchuelerInnen fuehlen sich ja schon gewaltsam unterdrueckt, wenn man sie darauf aufmerksam macht, dass sie an irgend einem Punkt ihre froehliche Kindheit beenden und Verantwortung fuer sich selbst uebernehmen muessen.

    Klassischerweise wird Funktionieren in Verbindung gebracht mit der planwirtschaftlichen Idee, dass eine abstrakte Institution einem Menschen eine Aufgabe zuweist und dieser Mensch in dieser Funktion gefaelligst zu funktionieren hat. Ueber diese Idee von Gesellschaft sind wir gluecklicherweise hinweg.

    Neuerdings wird das Wort Funktionieren auch verwendet, wenn man davon spricht, dass jeder Mensch in unserer Gesellschaft an irgend einem Punkt seines Lebens anfangen muss, (1.) fuer sich selbst und (2.) fuer die Gesellschaft Verantwortung zu uebernehmen.
    Was gegen diese Forderung einzuwenden sein soll (oder, wie eine Gesellschaft ohne diese allgemeine Anforderung funktionieren soll), verstehe ich nicht.

    Langer Rede kurzer Sinn, es ist vollkommen richtig, dass in unserer Gesellschaft viel zu wenige Ressourcen fuer Bildung bereitgestellt werden, dass die Zustaende in vielen Bildungseinrichtungen katastrophal sind, etc.

    Aber nicht alles, was im Bildungssystem falsch laeuft, ist auf das System zurueckzufuehren.

  4. 6. !

    Ob diejenigen, welche hier lauthals protestieren, auch diejenigen sind, welche privat alles daran setzen, sich zu bilden, d.h. ob sie wohl im Einklang mit ihren lauthals vorgetragenen Forderungen stehen? Es ist natürlich nicht alles toll in der Schule, und an den Universitäten - mit der Einführung des Bachelor/Master-Systems - schon gar nicht, von der finanziellen Ausstattung ganz zu schweigen. Aber Bildung ist ein hohes Wort, dessen volle Bedeutung vielen der Protestierer wahrscheinlich nicht klar ist, und von denen einige sicher viel lieber "gepflegt abhängen" bei einem Bierchen oder zwei und sich mit Big Brother, TV Total und allen diesen anderen superintelligenten Formaten berieseln lassen, anstelle einmal ein Buch in die Hand zu nehmen. Dabei war Bildung niemals in der deutschen Geschichte so billig zu haben, und doch gibt es so wenige Gebildete - weil es Mühe macht, sich Bildung anzueignen, und weil in dieser lauten Welt des amüsanten Zeitvertreibs die Ruhe und Ernsthaftigkeit dazu fehlt. Insofern wird dieser Streik in Sachen wirklicher Bildung sicher nichts bewegen, es kann gar nicht anders sein. Ich bezweifle ganz stark den tatsächlichen Bildungshunger der Streikenden.

  5. denn mit dem abweisen der Forderungen als "Linke" Wahlkampfveranstaltung diskreditiert man ja von interessierter Seite Forderungen nach fairen Bildungschancen. Wie sollte man sich aber auch von Seiten des "bürgerlichen Lagers"(ein unverschämter Etikettenschwindel von bestimmtn Parteien-wir sind alle Bürger) offen und ehrlich mit dem Thema auseinandersetzen?

    Was als Ideologiestreit irgendwann in den 60/70er Jahren begann bestehet doch im wesenlichen nur noch aus "Rückzugsgefechten" einer selbsternannten (konservativen) Elite. Wie will man auch ein Schul- und Studiensystem legitimieren, dass nachgewiesenen weder faire Bildungschancen schafft noch effektiv ist? Das schafft man nur wenn gegen die Kritiker die Ideologiekeule geschwungen wird und jede grundlegende Veränderung die an de Zuständen etwas ändern würde versucht auszusitzen.

    Aber seien wir fair, ein Teil der Absolventen des Bildungssystems gewinnt ja. Nicht weil Sie per se besser sind, sondern weil die Eltern in der Lage und Willens sind massiv in die Bildung ihrer Kinder zu investieren und so die Defizite über Sprachkurse, Hausaufgabenbetreuung, Auslandsaufenthalte, Finanierung während des Studiums und vor allem gute Vernetzung kompensieren können.

    Nur leider(?) reicht das nicht mehr. Deutschland befindet sich in einem weltweiten Wettbewerb um die beste Leistung in Forschung und Wirtschaft. Wir brauchen eine Gesellschaft in der alle Talente abgerufen werden können und jeder nach seien Fähigkeiten unabhängig von seiner sozialen Herkunft eine Chance erhält. Entweder wir sind berit diese Forderung anzunehmen oder wir fallen als Gesellschaft insgesamt zurück.

    Wenn das konservative Gruppen nicht erkennen können oder wollen, nun dann muss man sich an den wenden der bereit ist einen zu unterstützen. Jeder ist eingeladen mit zu wirken, aber man muss sich schon selbst einbringen.

  6. Es ist eine Schande, dass in Deutschland Jahrzehnte am Bildungssystem herum geschustert wurde. Eines der Grundübel in unserer Gesellschaft ist die Missachtung der Bildung, "wozu brauche ich Schule und wozu benötige ich Bildung überhaupt? Geld machen muss man, dann ist man wer in dieser Gesellschaft". Dieser Tenor wird genährt durch die Nichtbildung wie die Suche nach dem Model oder DSDS nach Bohlen. Ich erlebte beide deutsche Bildungssysteme. Mit 54 Jahren bin ich an eine süddeutsche Universität geholt worden, weil im Osten meine Abteilung geschlossen wurde. Ich hatte nie gespürt, dass mein Bildungsniveau niedrig war, im Gegenteil. Ein weiteres Beispiel ist ja auch unsere Bundeskanzlerin. Das "rumgemäre" am Schulsystem, an den Universitäten ist unerträglich. Der negative Umgang mit den Lehrern ist für das deutsche Bildungssystem tödlich, genau so tödlich ist für Deutschland, dass die Bildung Ländersache ist. Die Bildung ist eine nationale Angelegenheit und deshalb müssen alle unsere Kinder die gleiche Chance erhalten um ein möglichst hohes Bildungsniveau an guten Bildungseinrichtungen zu erreichen. Das gesamte System muss reformiert werden und nicht das Rumdoktern an einzelnen Bestandteilen. Die Schulen sind marode, die Universitäten sind krank, wo nehmen wir in den nächsten Jahren die fehlenden Ingenieure oder andere Fachkräfte her? Doch nicht durch unser Bildungssystem. Es ist eine Schande wie bei uns in Deutschland mit der Bildung umgegangen wird.

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