Bildungsstreik Chance für einen Neuanfang

Seit der Krise wird Bildung neu gesehen. Die streikenden Jugendlichen sehen, dass es nicht nur um Qualifikationen geht, sondern darum, wie wir leben wollen

Die Woche begann mit Protesten und Kundgebungen der Erzieherinnen. Allein 30.000 in Köln. Auch die Schüler und Studenten gehen seit Montag auf die Straße. Lehrer und Hochschullehrer folgen. Sie werden zu Manifestationen ihrer Unzufriedenheit zusammenkommen. Und am Ende der Woche lädt zum Beispiel in Freiburg das Theater zum "Schule träumen" ein.

In der Mittsommernacht von Samstag auf Sonntag wird sich ein kilometerlanger Tisch zwischen zwei Theatern durch die Freiburger Altstadt ziehen, garniert mit Sprüchen wie diesem: "Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Flammen, die entfacht werden wollen."  Der Satz von Francois Rabelais ist bald 500 Jahre alt, aber er wurde selten so missachtet wie derzeit in Deutschland. Unter dem absurden Fässerfüllen leiden zum Beispiel die Schüler im beschleunigten Gymnasium. Bildung in Deutschland kommt vielen vor wie Tennisspielen auf Kopfsteinpflaster.

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Eines der größten Probleme ist die traditionelle Geringschätzung der frühkindlichen Bildung. Sie zeigt sich an der niedrigen Einstufung der Erzieherinnen. Dabei ist inzwischen selbst von Bildungsökonomen nachgewiesen, dass Bildung - oder der Verzicht darauf - nie folgenreicher ist als bei den Kleinsten. Jeder in die frühen Jahre investierte Euro bringt der Gesellschaft eine Rendite von 13 Prozent! Ausgerechnet an dieser "Bank" wird in Deutschland am meisten geknausert.

Ähnlich verquer ist der Umgang mit Zeit. Lernzeit, ob bei Kindern oder bei Wissenschaftlern, ist immer diskontinuierlich. Man klebt an einem Problem. Man dreht sich im Kreis. Und plötzlich macht man einen Sprung. Das geht nicht im Gleichschritt und nicht unter Druck. Wenn nun in den meisten Schulen und Hochschulen der Zeitdruck erhöht und die Atmosphäre verschlechtert wird, verführt man immer mehr zum Bluff.  

Jugendliche wollen dann nur noch Prüfungszertifikate erwerben. Viele Schüler und Studenten sehen Ähnlichkeiten zwischen der Panikökonomie in der Wirtschaft und ihrer Ausbildung. Sie erfahren am eigenen Leib, wie die Ökonomisierung und Instrumentalisierung  den Lernbetrieb in den Leerlauf führt, wie diese Instrumentalisierung das Instrument selbst zerstört. Dabei heißt doch der Kern der europäischen Bildungsidee "Scholae". Und das bedeutete in der Antike "Muße", "frei sein von Geschäften". Muße ist auch ökonomisch gesehen produktiver als die Rituale von Lernen und Vergessen.

Der resignativ-apathische Schleier, der sich in den vergangenen Jahren über Schulen und Hochschulen gelegt hatte und dem die meisten nur durch Karriere oder privaten Rückzug zu entkommen glaubten, könnte sich jetzt auflösen.

Natürlich geht es dabei auch ums Geld. Schon wird für die Bildungsausgaben wieder mit der grausamen Sparpolitik gedroht. Politiker sagen, wir sind doch alle für die Bildung, aber woher denn das Geld nehmen?

Bildungskolumne
Reinhard Kahl schreibt für ZEIT ONLINE die Bildungskolumne Wurzeln und Flügel

Reinhard Kahl schreibt für ZEIT ONLINE die Bildungskolumne Wurzeln und Flügel

Doch wir reiben uns die Augen, wenn wir erfahren, dass der höchstbezahlte Hedgefonds-Manager in den USA in einem Jahr mehr verdient hat als alle New Yorker Lehrer in drei Jahren. Und nun werden die Wüsten, die solche Menschen hinterlassen haben, mit staatlichen Milliarden wieder aufgeforstet. Allein für Hypo Real Estate wurde eine Summe mobilisiert, die die staatlichen und privaten Ausgaben für Bildung in einem Jahr in Deutschland übersteigt – ohne Hochschule und Forschung, aber inklusive privat gezahlter Kindergartengebühren und der zwei Milliarden für Nachhilfe.

Aber trotz der Wut, die man angesichts solcher Bilanzen zügeln muss, steht nicht die Schlacht mit Feinden an, sondern die Suche nach Freunden, um mit dem großen Projekt zu beginnen, das der Neurobiologe Gerald Hüther so definiert: Abschied von einer Gesellschaft des Ressourcenverbrauchs zu einer der Ressourcenproduktion. Es geht auch nicht nur um die Kompetenzen von Menschen, es geht darum, sie so ins Leben einzuladen und willkommen zu heißen, dass sie selbst etwas wollen. Die Welt, in der Menschen entkernt wurden, damit sie wie Maschinen funktionieren, geht zu Ende.

Leser-Kommentare
  1. 1. Toll!

    Das ist wirklich ein großartiger Artikel!

  2. Welch eine Wohltat zu sehen, dass endlich mal wieder junge Menschen auf die Straße gehen und nicht länger in der Scheißegal-, Augen-zu- und-durch-, Kann -man-eh-nix-dran-ändern- Haltung verharren und den Bildungszirkus, anders kann man es wohl nicht nennen, nicht länger schweigend und frustriert hinnehmen. Die Bildungspolitik der letzten Jahre wenn nicht Jahrzehnte, ein ewiges unfruchtbares Hin und Her. Schnellstproduzierte unüberlegte Schnellschussreaktionen auf PISA Studien etc. Dazu Lehrer, die zynisch ihre Schüler beschimpfen ( leider oft genug Realität) als Dumpfbacken, mathematische Flaschen etc., Schüler, die eigentlich lernen wollen, interessanten Unterricht und gerechte Lehrer schätzen ( gibt es ebenso), stattdessen dumpf vor sich hin brüten und Eltern, die mit Hilfe von Milliarden Geldern für Nachhilfe versuchen das Schlimmste zu verhindern! Jeder ausgegebene Euro für Nachhilfe ist der Beweis für das Scheitern des Schulsystems. Die Konsequenz? Noch mehr Stoff in weniger Zeit, mehr Prüfungen, weniger Grundlagen, keine Zeit, keinen Spaß. Daneben gegangene Arbeiten mit einem katasprophalen Klassenschnitt brauchen nicht mehr wiederholt werden, keine Fragen mehr danach, warum eine ganze Klasse versagt, weitermachen egal, was dabei rauskommt, Hauptsache schnell, der Stoff muss rein, wer auf der Strecke bleibt, hat Pech gehabt. Frustration, Selbstzweifel, " kann ich eh nicht", das ist die Grunderfahrung mit der viele Schüler schon früh klar kommen müssen. Die Schule als Chance die Kreativität und das Potential jedes einzelnen zu fördern und den Spaß am Entdecken und Lernen zu entfalten - vertan. Mein Sohn sagte nach vier Jahren Grundschule: ich gehe auf keine weiterführende Schule mehr, ich hatte genug Schule. Na prima! Wie sehr habe ich in all den Jahren, in denen meine drei Kinder zur Schule gingen die Lehrer vermisst, die sich nicht als Aussieber, sondern als Pädagogen verstanden, als jemand der neugierige Wesen an die Hand nimmt und ihnen hilft, das Leben zu verstehen und ihren Weg darin zu finden. Als Menschenbegleiter sozusagen. Leider ist die Realität zwischen Schülern , Lehrern und Eltern oft geprägt von gegenseitigem Misstrauen, Verachtung, Ablehnung. Das alles müßte nicht sein. Und jetzt wird die Bildung an Sponsoren verkauft. Universitätslehrstühle zu 100% von Firmen unterhalten (z.B: UNI Essen : RWE) , jeder Gundschulcomputer von Banken o.Ä. gesponsert, Forschungsaufträge, Dissertationen im Auftrag für , unterstützt von Wirtschaftsunternehmen. Und wer die Musik bezahlt, kann auch die Inhalte bestimmen. Es geht nicht mehr um Bildung, sondern um wirtschaftsrelevantes Wissen. Bildung, das ist viel umfassender und erzeugt anschließend eine völlig andere Art von Mensch, von Philosophie, von selbstbestimmten Wesen, die letzlich für die gesamte Gesellschaft einen Schatz repräsentieren würden. Bildung formt eine umfassende Sichtweise, die ganz anderes Handeln und Denken ermöglichen würde.
    Meine geträumte Schule sähe so aus: Gebäude, die sich am gemeinsamen Arbeiten und Leben orientierten, die Erfahrungen zuließen allein schon durch die Art der Architektur und der verschiedenen Aspekte von Leben, die darin Platz hätten. Lehrer, die ihr Büro an der Schule und nicht zuhause hätten, und damit in ihrer unterrichtsfreien Zeit, in der sie ihre Unterrichtsvorbereitungen, Korrekturen etc. durchführten, Schülern oder auch Eltern für Fragen, Sorgen etc zur Verfügung stünden. Schule als Ort des gemeinsamen Erfahrens und Lernens, des gegenseitigen Respekts, in beide Richtungen. Psychologen und Sozialarbeiter an jeder Schule, damit die vielfältigen Probleme, die heute an der Schule das Lernen erschweren, besser abgefangen werden könnten. Frühzeitige Aufmerksamkeit für die Probleme, "Störungen", Lernschwierigkeiten, um sofort Hilfe zu geben und Schüler zu unterstützen und zu stärken. Schule sollte ein Ort der ausgesprochenen Menschenfreundlichkeit und Hoffnung sein. Damit meine ich keineswegs fehlende Regeln, Laisser-faire oder Ähnliches. Schule als Ort des Bewusstseins für den Schatz, den Kinder in Wirklichkeit darstellen, das ist mein Traum. Das geht weder in 12 Schuljahren, noch in einer Halbtagsschule, dazu braucht es Zeit zum Reifen und Sich-zu-entfalten. Und genau das fehlt heute dramatisch an der Schule. Und setzt sich jetzt, das ist doch mal konsequent, in den gehetzten Bachelorstudiengängen fort.

  3. In dem Artikel nicht. Das Bild sagt lediglich aus, dass Bildung missfällt.
    Die "Wie-Fragen" von Herrn Hüther sind ja treffend, aber ich glaube kaum, dass Theater spielen darauf konkrete Antworten gibt. Nur eine veränderte Raumaufteilung einer Schule lässt "das Gehirn weiter schrumpeln".
    Was die Streikenden bereit sind zu gestalten oder zu ändern, das entdecke ich in diesem Artikel nirgends.
    Eine breite Masse gebildeter Menschen gehört zu keiner Zielstellung eines Politkers. Und die paar Wissenschaftler und Ingenieure, die Deutschland benötigt, werden schon irgendwie den Bildungsweg durchstehen.
    Also schön weiter träumen.

  4. In der Karriereberatung der VDI-Nachrichten (VDI = verein Deutscher Ingenieure) fragte vor einiger Zeit ein junger Ingenieur, nach eigenen Angaben hochbegabt, einmal nach, was er machen könne, er werde an seinen Arbeitsplätzen stets mit langweiligen Routineaufgaben für viele Überstunden zugepflastert und habe den Eindruck sich in einem sinnlosen Hamsterad zu drehen oder so ähnlich - an die Formulierung des Fragestellers erinnere ich mich nicht so genau.

    Die Antwort des beratenden Professors hingegen ist mir sehr gut in Erinnerung:
    Eine Firma sucht einen Mitarbeiter mit bestimmten Fähigkeiten. Der muss genau in seine Stelle passen - wie eine genormte Schraube an eine bestimmte Stelle in einer Maschine. Niemand könne erwarten, auf ihn zugeschnittene Aufgaben zu bekommen, da der Mitarbeiter genauso austauschbar sein muss wie eine Schraube.

    Der Mensch wird also durch das Bildungssystem zum Facharbeiter nach DIN 08/15 gestanzt. Das erinnert auch an den Zeichentrickfilm "Antz", der von einer Ameise, die daran verzweifelt, dass das Leben einer einzelnen Ameise in einem Haufen sinnlos ist.
    Eines solchen Menschenbildes wurde einst der Ostblock gescholten, dabei ist es zutiefst kapitalistisch.

    Wollen wir wirklich Menschen zu Denkern ausbilden?

    Wer in Ruhe darüber nachgrübelt, was die Welt im Innersten zusammenhält, wird als Entwickler betriebswirtschaftlicher Software kaum Erfüllung finden, erst recht nicht als Ein-Euro-Jobber im Supermarkt.
    Dauerpraktikanten und Mitarbeiter, die sich für die Shareholder Value aussaugen lassen, müssen billig, willig und schnell sein. Wer nachdenkt, bleibt stehen und hat das Rattenrennen um die Arbeitsplätze schnell verloren.

    Auch der Wissenschaftsbetrieb funktioniert inzwischen so:
    Erforscht wird nur etwas von dem zum Einen das Ergebnis von vorne herein klar ist und das zum Anderen mit ausreichend vielen Buzzwords wie Nano, LifeScience, Q-Bits o.ä. unterlegt werden kann. Ohne Letzteres wird der Drittmittelantrag nicht genehmigt, ohne Ersteres könnte etwas Unerwartetes entdeckt werden - und das ist im Forschungsantrag nicht vorgesehen, der SFB läuft dann schnell aus.
    Wie viele Physiklehrstühle in Deutschland beschäftigen sich heute noch mit Kosmologie, also dem Gebiet, welchem die Physik ihre Entstehung verdankt? Kaum einer, keine Buzzwords, keine Drittmittel,...

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    Sollte Ihr Ingenier später eine Arbeit finden, wird die Firma ihn einstellen für etwas für was man braucht. Das ist natürlich nur ein Bruchteil dessen. wofür er sich interressiert und was er angeschnuppert hat. Da dieser Mensch keine Ahnung hat, wie es im wirklichen Leben im Betrieb läuft, wird man Mr. X anlernen müssen. Dass da keine Spitzengehälter drin sind, ist natürlich schade. Und wer glaubt als UNI Absovent der Held zu sein, sollte sich einfach mal fragen, was kann ich?

    Sollte Ihr Ingenier später eine Arbeit finden, wird die Firma ihn einstellen für etwas für was man braucht. Das ist natürlich nur ein Bruchteil dessen. wofür er sich interressiert und was er angeschnuppert hat. Da dieser Mensch keine Ahnung hat, wie es im wirklichen Leben im Betrieb läuft, wird man Mr. X anlernen müssen. Dass da keine Spitzengehälter drin sind, ist natürlich schade. Und wer glaubt als UNI Absovent der Held zu sein, sollte sich einfach mal fragen, was kann ich?

  5. Herrn Kahls Zuversicht in Ehren, jedoch die traurige Realität der Gegenwart wird bestimmt von "Experten" denen alles Kapial ist. Unsere Kinder sind ihnen Humankapital und das gilt es so schnell als möglich zu verwerten. Da wird Bildung zur bloßen Ausbildung, zur Zurichtung auf die Abnehmer in Dienstleistung und Industrie. Da gib´s keinen pleonastischen Neuanfang, eher das Gegenteil. Das Turbo-Abitur für Gesamtschulen wurde heute im niedersächsischen Landtag beschlossen und damit diese Schulform des gemeinsamen, integrativen Lernens im Kern zerstört, auch dort realiter das unsägliche 50er Jahre Modell der Schülerselektion im 10. Lebensjahr wieder eingeführt. Allen unzähligen Protesten der betroffenen Eltern, Kinder und Lehrer/-innen - siehe Titelbild - zum Trotz.
    Letzendlich kein Wunder, denn im Hintergrund bestimmt ein privates Unternehmen die Schul- und Hochschulpolitik in den meisten Ländern der Republik. Dem CHE -"Reformwerkstatt" der Bertelsmannstiftung - "verdanken" wir Hochschulgebühren und die Flops der Bachelor- und Mastersstudiengänge.
    Und Niedersachsens Schulen müssen sich an den „Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen“ halten. Die darin enthaltenen "Qualitätskriterien" sind nahezu deckungsgleich mit dem vorher entwickelten „SEIS“ Instrumentarium der Bertelsmannstiftung.
    Der Bertelsmann Konzern erzielt den größten Teil seiner Gewinne mit der „RTL Group“, also mit Fernsehsendern. Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frau von der Leyen stellte fest, Fernsehen mache "dick, faul und dumm". Professor Pfeiffers Untersuchung zur Medienverwahrlosung, die Pilotstudie wurde an einer Gesamtschule erstellt, bestätigte die Meinung der Ministerin insofern, als starker Fernsehkonsum die schulischen Leistungen signifikant beeinträchtigt.
    Es ist außerordentlich befremdlich, ausgerechnet die operative Stiftung eines Konzerns, der wesentlich zur Verdummung unserer Gesellschaft beiträgt, als Quelle der Qualitätskriterien unserer Schulen zu wählen.
    Der erste Schritt für eine tatsächlich neue, nicht ausschließlich an wirtschaftlichen Verwertungskriteren ausgerichtete Bildungspolitik wäre die Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Bertelsmann-Stiftung, denn die agiert ausschließlich operativ im Interesse des Konzerns.

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    für Ihre offenen Worte. Zum Menschenbild von Bertelsmann ( dem auch RTL gehört) gibt die Sendung "Erwachsen auf Probe" Auskunft.
    Menschenversuche zur Belustigung des Pöbels, für den die RTL-Macher all die halten, die sich ihren Sendungen aussetzen.

    sage ich nur: auf'm Punkt!

    Vielen Dank mistablista für Ihre treffliche pointierte Darstellung, in der Sie den Urheber des Übels benennen. Unsere Kinder leiden unter einer doppelten schulischen Perfidie, die zunehmend ihren Alltag beherrscht, deren Maximen aber eine contradictio in adiecto darstellen.
    Da werden zum einen "Kompetenzbereiche" und "Qualitätskriterien" definiert, die zu erreichen unerlässlich sind. Auf der anderen Seite wird schulische Arbeit zur Erreichung dieser Kriterien dauernd diskreditiert und es wird permanent suggeriert, diese Kriterien seien bereits durch "Öffnung der Schule", "Anzünden", "Erweckung des Lerneifers" "Auf-den-Weg-machen" und ähnliches quasi von alleine zu erreichen.

    Die Auflösung des scheinbaren Widerspruchs sich ausschließender Maximen ergibt sich, wenn man die Folgen betrachtet. Durch dieses Bündel an Maßnahmen, i.e. Reduktion schulischer Qualität bei gleichzeitig erhöhten Anforderungen, wurde das Bedürfnis nach einem zusätzlichen privaten Bildungsmedien-Absatzmarkt überhaupt erst generiert - in jeder Buchhandlung zu besichtigen. So oder so wird das Säckel gefüllt, die soziale Schere öffnet sich, das abgehängte Drittel wird mit anderen als Bildungserzeugnissen aus dem Hause Bertelsmann bespielt - pecunia non olet.

    Es sei daran erinnert, dass es Reinhard Kahl war, der, finanziert durch eben die Bertelsmannstiftung, jahrzehntelang die Forderung nach "Öffnung der Schulen" verbreitet hat, verbunden mit der Phrase, Kinder seien nicht Fässer, die es zu füllen, sondern Flammen, die es zu entzünden gelte. Diese hohle ideologische Phraseologie hat leider Flammwirkung, die in Folge inhaltliches Lernen nicht mehr in den Vordergrund schulischer Arbeit stellt.
    Viele Lehrer sind mitentzündet, wer nicht, wird als Ewiggestriger, nicht-Teil-der- Bewegung gebranntmarkt.

    Wenn Herr Kahl jetzt im Zirkelschluss den Gedanken der Schule als Ort der "scholae", der Muße, wiederbelebt, bleibt mir, obwohl inhaltlich genau dieser Ansicht, das Lachen im Halse stecken. Herr Kahl hat eben jene Schulrealität der "scholae" jahrzehntelang diskreditiert und den jetzigen Scherbenhaufen mitzuverantworten.

    Mein Vater hatte vor fast siebzig Jahren das Glück, auf nicht enflammte Lehrer zu treffen. Sie füllten im Englisch- und Geschichtsunterricht beharrlich das Wissensfass über die Grundlagen demokratischer Gesellschaften.
    Er ist überzeugt, dass ihn vor allem dieser schulische Flammschutz befähigt hat, sich - anders als so viele seiner Generation - der Bestimmung als lebende jugendliche Fackel zu entziehen und ihm so das Leben gerettet hat.

    für Ihre offenen Worte. Zum Menschenbild von Bertelsmann ( dem auch RTL gehört) gibt die Sendung "Erwachsen auf Probe" Auskunft.
    Menschenversuche zur Belustigung des Pöbels, für den die RTL-Macher all die halten, die sich ihren Sendungen aussetzen.

    sage ich nur: auf'm Punkt!

    Vielen Dank mistablista für Ihre treffliche pointierte Darstellung, in der Sie den Urheber des Übels benennen. Unsere Kinder leiden unter einer doppelten schulischen Perfidie, die zunehmend ihren Alltag beherrscht, deren Maximen aber eine contradictio in adiecto darstellen.
    Da werden zum einen "Kompetenzbereiche" und "Qualitätskriterien" definiert, die zu erreichen unerlässlich sind. Auf der anderen Seite wird schulische Arbeit zur Erreichung dieser Kriterien dauernd diskreditiert und es wird permanent suggeriert, diese Kriterien seien bereits durch "Öffnung der Schule", "Anzünden", "Erweckung des Lerneifers" "Auf-den-Weg-machen" und ähnliches quasi von alleine zu erreichen.

    Die Auflösung des scheinbaren Widerspruchs sich ausschließender Maximen ergibt sich, wenn man die Folgen betrachtet. Durch dieses Bündel an Maßnahmen, i.e. Reduktion schulischer Qualität bei gleichzeitig erhöhten Anforderungen, wurde das Bedürfnis nach einem zusätzlichen privaten Bildungsmedien-Absatzmarkt überhaupt erst generiert - in jeder Buchhandlung zu besichtigen. So oder so wird das Säckel gefüllt, die soziale Schere öffnet sich, das abgehängte Drittel wird mit anderen als Bildungserzeugnissen aus dem Hause Bertelsmann bespielt - pecunia non olet.

    Es sei daran erinnert, dass es Reinhard Kahl war, der, finanziert durch eben die Bertelsmannstiftung, jahrzehntelang die Forderung nach "Öffnung der Schulen" verbreitet hat, verbunden mit der Phrase, Kinder seien nicht Fässer, die es zu füllen, sondern Flammen, die es zu entzünden gelte. Diese hohle ideologische Phraseologie hat leider Flammwirkung, die in Folge inhaltliches Lernen nicht mehr in den Vordergrund schulischer Arbeit stellt.
    Viele Lehrer sind mitentzündet, wer nicht, wird als Ewiggestriger, nicht-Teil-der- Bewegung gebranntmarkt.

    Wenn Herr Kahl jetzt im Zirkelschluss den Gedanken der Schule als Ort der "scholae", der Muße, wiederbelebt, bleibt mir, obwohl inhaltlich genau dieser Ansicht, das Lachen im Halse stecken. Herr Kahl hat eben jene Schulrealität der "scholae" jahrzehntelang diskreditiert und den jetzigen Scherbenhaufen mitzuverantworten.

    Mein Vater hatte vor fast siebzig Jahren das Glück, auf nicht enflammte Lehrer zu treffen. Sie füllten im Englisch- und Geschichtsunterricht beharrlich das Wissensfass über die Grundlagen demokratischer Gesellschaften.
    Er ist überzeugt, dass ihn vor allem dieser schulische Flammschutz befähigt hat, sich - anders als so viele seiner Generation - der Bestimmung als lebende jugendliche Fackel zu entziehen und ihm so das Leben gerettet hat.

  6. für Ihre offenen Worte. Zum Menschenbild von Bertelsmann ( dem auch RTL gehört) gibt die Sendung "Erwachsen auf Probe" Auskunft.
    Menschenversuche zur Belustigung des Pöbels, für den die RTL-Macher all die halten, die sich ihren Sendungen aussetzen.

    Antwort auf "Zurück in die 50er"
  7. sage ich nur: auf'm Punkt!

    Antwort auf "Zurück in die 50er"
  8. "von einer Gesellschaft des Ressourcenverbrauchs zu einer der Ressourcenproduktion" - vollkommen inhaltsfreies Getexte, fällt das keinem auf? Genauso, wie der ganze andere Unfug, den Hüther, Roth, Spitzer und die anderen "Neuro-Päpste" in schön regelmäßigem Abstand absondern, wenn's um Bildung oder "den Blick in die Seele mit funktioneller Kernspintomografie" geht. Befragt doch mal Forscher, die selbst noch relevante Studien durchführen, statt immer nur das angestaubte, verkalkte Alteisen zu Rate zu ziehen.

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    Bezahlte Studien sind doch was Feines. Sie erledigen den Lobbyisten in Deutschland jegliche Arbeit, damit diese sich nicht auch noch mit solch unsäglichen Themen wie "Bildung" und "Studium" beschäftigen müssen. Forscher erleben das Studium nicht mit. Forscher erleben den Schüleralltag nicht mit. Es geht doch lediglich um Zahlen die aber nicht das wahre Scheitern dieser Reformen anzeigen sondern nur die Meinung des jeweiligen Geldgebers, der mittlerweile eine Vielzahl multinationaler und vor allem deutscher Konzerne - die Deutschland AG lebt immer noch!!!

    Ich war heute auch in Köln auf der Demo und ich muss einfach sagen: ES REICHT!
    Seit Jahren redet man und labert man von Bildungsinvestitionen. Bildung = Zukunft heißt es. Doch dafür geleistet wird de facto so gut wie gar nichts. Das Fördergeld kommt lediglich der ohnehin wollmilchsaugenden Elite zur Gute, die in ihren hübsch ausgestatteten Forschungszentren sitzt. Doch sonst?

    Normale Studenten sind der Politik scheißegal, und das sollte nicht so sein. Wenn ich alleine sehe, dass der Maßstab im Unirat 1 Student: 10-xx Professoren sind dann ist da nicht von Demokratie die Rede. Am schlechtesten vertreten in der Bildungspolitik sind DIE, die es betrifft.

    Die Direktorin der Hochschulkonferenz in Deutschland sagte heute morgen im Morgenmagazin etwas von 35 Wochenstunden Belastung grob gesagt pro Student. Offensichtlich kennt sie selbst diese Zeit nicht mehr, aber einige meiner Bekannten haben z.T. das DOPPELTE - nämlich inklusive Lernzeit, Nachholzeit usw.

    Daran Schuld? Die Bachelor und Masterstudiengänge. Grob gesagt 1/3 der Studenten schafft es überhaupt in einen Masterstudiengang und wenn man diesen abgeschlossen hat kann man, sofern man überhaupt es vergleichen kann, darüber reden, ein früheres Diplom erreicht zu haben. Dafür aber ist die Lerneffektivität viel geringer, der Lernaufwand ungleich größer und der Druck unter den Studenten höher. Vielleicht sollte die achso-objektive "Forschung" einmal die Betroffenen fragen...dann werden sie nämlich Antworten bekommen die ihrem beschränkten Weltbild nicht entsprechen.

    Auch sollten die Bachelor - und Masterstudiengänge vor allem Auslandsaufenthalte erleichtern, doch stattdessen finden weniger statt als je zuvor - ganz einfach, weil die Studienbedingungen so hart sind dass ein derartiger Aufenthalt zeitlich unmöglich ist.

    Ergo, quo vadis? Wollen wir wieder zurück in die drittklassige Ständegesellschaft? Wollen wir wirklich ein derartig erwiesen miserables Bildungssystem noch weiter behalten? Oder wollen wir nicht etwas dagegen tun, etwas tun, was schon seit langer Zeit nötig wäre?

    Als die ZEIT noch eine wissenschaftliche Qualitätszeitung war, wurde wissenschaftlichen Schaumschlägern nicht ein dermaßen breiter Raum wie heute eingeräumt. Ein Blick in die Publikationsliste des "Lernforschers" Hüther zeigt: er hat auf den Gebieten circadiane Rhythmik, Cortisolproduktion und Stressforschung bei Primaten veröffentlicht, mit marginalen inhaltlichen Berührungspunkte zum heutigen populistischem Sperrfeuer.
    Es bleibt der schale Beigeschmack, Leuten vom Schlage Roth und Hüther missbrauchen eigene ehemalige Reputation, um dem geneigten Publikum mitzuteilen, was sie immer schon einmal sagen wollten. Vielleicht gerade weil sie sich diametral zur fachwissenschaftlichen Diskussion positionieren? Schade, dass die ZEIT nicht mehr in der Lage ist, die Spreu vom Weizen zu trennen, und statt Ideologie im wissenschaftlichen Gewand echte biologische Lernforscher zu Wort kommen lässt. Aber so verkauft es sich halt besser.

    Bezahlte Studien sind doch was Feines. Sie erledigen den Lobbyisten in Deutschland jegliche Arbeit, damit diese sich nicht auch noch mit solch unsäglichen Themen wie "Bildung" und "Studium" beschäftigen müssen. Forscher erleben das Studium nicht mit. Forscher erleben den Schüleralltag nicht mit. Es geht doch lediglich um Zahlen die aber nicht das wahre Scheitern dieser Reformen anzeigen sondern nur die Meinung des jeweiligen Geldgebers, der mittlerweile eine Vielzahl multinationaler und vor allem deutscher Konzerne - die Deutschland AG lebt immer noch!!!

    Ich war heute auch in Köln auf der Demo und ich muss einfach sagen: ES REICHT!
    Seit Jahren redet man und labert man von Bildungsinvestitionen. Bildung = Zukunft heißt es. Doch dafür geleistet wird de facto so gut wie gar nichts. Das Fördergeld kommt lediglich der ohnehin wollmilchsaugenden Elite zur Gute, die in ihren hübsch ausgestatteten Forschungszentren sitzt. Doch sonst?

    Normale Studenten sind der Politik scheißegal, und das sollte nicht so sein. Wenn ich alleine sehe, dass der Maßstab im Unirat 1 Student: 10-xx Professoren sind dann ist da nicht von Demokratie die Rede. Am schlechtesten vertreten in der Bildungspolitik sind DIE, die es betrifft.

    Die Direktorin der Hochschulkonferenz in Deutschland sagte heute morgen im Morgenmagazin etwas von 35 Wochenstunden Belastung grob gesagt pro Student. Offensichtlich kennt sie selbst diese Zeit nicht mehr, aber einige meiner Bekannten haben z.T. das DOPPELTE - nämlich inklusive Lernzeit, Nachholzeit usw.

    Daran Schuld? Die Bachelor und Masterstudiengänge. Grob gesagt 1/3 der Studenten schafft es überhaupt in einen Masterstudiengang und wenn man diesen abgeschlossen hat kann man, sofern man überhaupt es vergleichen kann, darüber reden, ein früheres Diplom erreicht zu haben. Dafür aber ist die Lerneffektivität viel geringer, der Lernaufwand ungleich größer und der Druck unter den Studenten höher. Vielleicht sollte die achso-objektive "Forschung" einmal die Betroffenen fragen...dann werden sie nämlich Antworten bekommen die ihrem beschränkten Weltbild nicht entsprechen.

    Auch sollten die Bachelor - und Masterstudiengänge vor allem Auslandsaufenthalte erleichtern, doch stattdessen finden weniger statt als je zuvor - ganz einfach, weil die Studienbedingungen so hart sind dass ein derartiger Aufenthalt zeitlich unmöglich ist.

    Ergo, quo vadis? Wollen wir wieder zurück in die drittklassige Ständegesellschaft? Wollen wir wirklich ein derartig erwiesen miserables Bildungssystem noch weiter behalten? Oder wollen wir nicht etwas dagegen tun, etwas tun, was schon seit langer Zeit nötig wäre?

    Als die ZEIT noch eine wissenschaftliche Qualitätszeitung war, wurde wissenschaftlichen Schaumschlägern nicht ein dermaßen breiter Raum wie heute eingeräumt. Ein Blick in die Publikationsliste des "Lernforschers" Hüther zeigt: er hat auf den Gebieten circadiane Rhythmik, Cortisolproduktion und Stressforschung bei Primaten veröffentlicht, mit marginalen inhaltlichen Berührungspunkte zum heutigen populistischem Sperrfeuer.
    Es bleibt der schale Beigeschmack, Leuten vom Schlage Roth und Hüther missbrauchen eigene ehemalige Reputation, um dem geneigten Publikum mitzuteilen, was sie immer schon einmal sagen wollten. Vielleicht gerade weil sie sich diametral zur fachwissenschaftlichen Diskussion positionieren? Schade, dass die ZEIT nicht mehr in der Lage ist, die Spreu vom Weizen zu trennen, und statt Ideologie im wissenschaftlichen Gewand echte biologische Lernforscher zu Wort kommen lässt. Aber so verkauft es sich halt besser.

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