Währungen Noch steigt der Dollar

Die amerikanische Währung hat ihre Schwächephase überwunden, die Börsianer glauben an die Selbstheilungskräfte der US-Wirtschaft. Sie gehen eine riskante Wette ein

Der Dollar scheint sich etwas zu berappeln: Nach einer kurzen Schwächephase steigt er wieder im Wert. Momentan zahlt man für einen Euro fast 1,39 Dollar, umgekehrt ist eine Einheit der amerikanischen Währung rund 72 Eurocent wert. Das ist ein wenig mehr als zu Beginn des Monats, als ein Euro 1,43 Dollar kostete und der Kurs des Greenback bei knapp 70 Eurocent lag.

Eine Währung ist immer nur so stark wie der Wirtschaftsraum, den sie repräsentiert – oder wie das Bild, das die Börsianer von diesem Raum haben. Zwar glauben viele, dass auch die USA in Zukunft mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben wird. Doch über Devisenhändler sagt man, ihr durchschnittlicher Betrachtungszeitraum sei nicht länger als 30 Minuten.

Anzeige

Selbst wenn die Börsianer versuchten, die ganze kommende Woche in ihre Analysen einzubeziehen, sähen sie vor allem Positives: entschlossenes Handeln der Politik, unvorstellbar große Hilfspakete und Konjunkturdaten, die auf eine Verbesserung der Lage hindeuten. In Euroland hingegen ist das Panorama düsterer. Zwar deuten auch hier einzelne Frühindikatoren nach oben, etwa der sentix-Konjunkturindikator, jedoch viel zaghafter als in den USA. Neue Hilfspakete sind nicht in Sicht, ganz im Gegenteil: Im Zusammenhang mit der Arcandor-Pleite bemühen die Politiker plötzlich ihr ordnungspolitische Gewissen.

Darüber hinaus hat es den Dollar gestützt, dass die Rufe nach einer neuen Weltleitwährung leiser geworden sind. Das ist auch gut so, schließlich kann man eine Leitwährung nicht per Dekret verordnen. Sie entsteht von selbst, wenn die Rahmenbedingungen passen, wenn also ein Währungsraum wirtschaftlich stark ist und seine Devise auch als Anlageinstrument genutzt werden kann.

Russland hat am Wochenende nochmals betont, dass die Behörden des Landes auch weiterhin der Anlagewährung US-Dollar vertrauen. Es darf auch vermutet werden, dass hinter den Kulissen kräftig dafür geworben wurde, die Querschüsse gegen den Greenback zu unterlassen. Das hat den Druck von ihm genommen. Zunächst könnte sein Kurs weiter steigen, denn die Marktteilnehmer waren zuletzt wohl allzu einseitig gegen den Dollar positioniert, und die Schieflage ist immer noch  nicht ausgebügelt. Auch das fundamentale Umfeld und die Sentimentindikatoren sprechen für einen weiteren Anstieg.

Dabei sieht es langfristig für die amerikanische Wirtschaft eher düster aus. Die Regierung häuft wachsende Schulden auf, der Staat mischt sich immer stärker in das Geschäft der Unternehmen ein, das Inflationsrisiko steigt. Doch all das scheint die Devisenmärkte nicht zu interessieren. Möglicherweise gehen die Börsianer auch einfach davon aus, dass die aktuellen Probleme dringlicher sind als langfristige Gefahren, zu deren Lösung immer noch genügend Zeit bleibe. Darauf zu vertrauen, könnte sich als falsch erweisen.

Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Auf ZEIT ONLINE beleuchtet er immer zum Wochenbeginn die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten.
 

 
Leser-Kommentare
    • HBogon
    • 15.06.2009 um 16:23 Uhr

    Ja, und wen interessiert das nun?

    Hier geht es um kurzfristige Währungsschwankungen, die mit Kaffeesatzleserei irgendwie erklärt werden.
    Da ich selbst so gut aus dem Kaffeesatz lesen kann wie jeder andere, kann ich dann auch die Fachkompetenz eines "Experten" verzichten, der ohne eine einzige Zahl zu nennen so eine Art ökonomische Analyse hinlegt, wie man sie zur Genüge übersatt hat.

    Was Sie hier schreiben, könnte höchstens die Devisen-Spekulanten in London und New York interessieren - nur werden die das garantiert nicht lesen. Warum auch?

    Wie sieht es mit dem Dollar denn für die nächsten 2 Bis 3 Jahre aus?
    Chancen, Risiken, Zahlen, Fakten, Daten, Analyse ....

    Wenn ich Satire hören möchte, gehen ich doch lieber zu denen, die das richtig können. Obwohl die ZEIT ja mittlerweile durchaus in harter Konkurrenz zur Titanic zu sehen ist.

  1. Währungsschwankungen mit Gründen zu erklären zu versuchen, ist bisher niemand so recht gelungen ... aber ein wenig mehrl Realitätssinn darf man wohl erwarten.

  2. Die Inbrunst, mit der eine wirtschaftliche Erholung in den USA beschworen wird, speist sich anscheinend nicht zuletzt aus frommen Wünschen.

    Welche Waren und Dienstleistungen können die USA heute und in naher Zukunft auf dem Weltmarkt absetzen? Und in welcher Menge, zu welchem Wert, mit welcher Gewinnspanne?
    Was ist nötig, um den Markt für die als Hoffnungsträger gehandelte, "grüne Technik" zu entwickeln? Wie werden sich die USA in der globalen Konkurrenz als Entwicklungs- und wie als Produktionsstandort schlagen?
    Wie sieht es mit der Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft der möglichen Kundschaft aus?
    Ich habe den Eindruck, dass es hier Zweckhoffnung gibt, aber vorläufig wenig Greifbares vorhanden ist.

    Es sieht auch nicht danach aus, dass Finanzgeschäfte nach dem angelsächsichen Modell der vergangenen 2-3 Dekaden eine allzu strahlende Zukunft haben werden.

    Das scheinen auch besser Informierte so zu sehen:
    Irgendjemand versucht, an allen Kontrollinstanzen der globalen Finanzströme vorbei, klammheimlich rund 100 Mrd Euro in US-Staatsanleihen unter der Hand zu Geld zu machen.

    Allein die unvorstellbar hohe Summe schränkt die Zahl der möglichen Besitzer der Papiere ein (wenn's hochkommt, vielleicht einige hundert Anleger, der Betrag überschreitet das Jahresbudget mancher Industriestaaten), die da dem italienischen Zoll in die Hände gefallen sein sollen. Und dieser "Major Player" will das Zeug auf Biegen und Brechen loswerden und offensichtlich zu etwas Wertbeständigerem machen.

    Kaum eine Meldung hat meinen Glauben in die wirtschaftliche Zukunft der USA so erschüttert, wie dieser Schmuggler-Krimi.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • HBogon
    • 15.06.2009 um 18:28 Uhr

    Wenn man - wie USA und GB - fast nichts mehr zu verkaufen hat (von Waffen jeder Art einmal abgesehen), dann scheint es so ungefähr 3 Möglichkeiten zu geben:

    - Man definiert eine kriminelle Casinowirtschaft zur "Finanzindustrie", produziert Fiat-Money ohne Ende und versucht, durch den Verkauf von "Geld" Geld zu verdienen.

    - Man reißt sich die Ressourcen, ganz besonders das Öl anderer Staaten unter den Nagel.

    Im ersten Fall geht als Kollateralschaden mal eben die Finanzwirtschaft und in der Folge die Weltwirtschaft hops, im zweiten Fall sind ungefähr 1 Mio Tote als Kriegsfolge im Irak zu beklagen.

    Dagegen erscheint die 3. Möglichkeit, nämlich Schulden zu machen, die man niemals wird zurückzahlen können, fast noch als humanitäre Maßnahme.

    Ganz blöd ist nun aber, wenn man alle 3 Alternativen gleichzeitig ausprobiert. Ziemlich blöd ist auch, wer glaubt, dass die USA aus dieser selbstgemachten Falle so einfach wieder herauskommen werden.

    • HBogon
    • 15.06.2009 um 18:28 Uhr

    Wenn man - wie USA und GB - fast nichts mehr zu verkaufen hat (von Waffen jeder Art einmal abgesehen), dann scheint es so ungefähr 3 Möglichkeiten zu geben:

    - Man definiert eine kriminelle Casinowirtschaft zur "Finanzindustrie", produziert Fiat-Money ohne Ende und versucht, durch den Verkauf von "Geld" Geld zu verdienen.

    - Man reißt sich die Ressourcen, ganz besonders das Öl anderer Staaten unter den Nagel.

    Im ersten Fall geht als Kollateralschaden mal eben die Finanzwirtschaft und in der Folge die Weltwirtschaft hops, im zweiten Fall sind ungefähr 1 Mio Tote als Kriegsfolge im Irak zu beklagen.

    Dagegen erscheint die 3. Möglichkeit, nämlich Schulden zu machen, die man niemals wird zurückzahlen können, fast noch als humanitäre Maßnahme.

    Ganz blöd ist nun aber, wenn man alle 3 Alternativen gleichzeitig ausprobiert. Ziemlich blöd ist auch, wer glaubt, dass die USA aus dieser selbstgemachten Falle so einfach wieder herauskommen werden.

    • HBogon
    • 15.06.2009 um 18:28 Uhr

    Wenn man - wie USA und GB - fast nichts mehr zu verkaufen hat (von Waffen jeder Art einmal abgesehen), dann scheint es so ungefähr 3 Möglichkeiten zu geben:

    - Man definiert eine kriminelle Casinowirtschaft zur "Finanzindustrie", produziert Fiat-Money ohne Ende und versucht, durch den Verkauf von "Geld" Geld zu verdienen.

    - Man reißt sich die Ressourcen, ganz besonders das Öl anderer Staaten unter den Nagel.

    Im ersten Fall geht als Kollateralschaden mal eben die Finanzwirtschaft und in der Folge die Weltwirtschaft hops, im zweiten Fall sind ungefähr 1 Mio Tote als Kriegsfolge im Irak zu beklagen.

    Dagegen erscheint die 3. Möglichkeit, nämlich Schulden zu machen, die man niemals wird zurückzahlen können, fast noch als humanitäre Maßnahme.

    Ganz blöd ist nun aber, wenn man alle 3 Alternativen gleichzeitig ausprobiert. Ziemlich blöd ist auch, wer glaubt, dass die USA aus dieser selbstgemachten Falle so einfach wieder herauskommen werden.

    Antwort auf "Gesundbeterei"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service