British Airways Wir alle sanieren die Firma

British Airways will seine Mitarbeiter veranlassen, einen Monat lang umsonst zu arbeiten. Doch so können die Angestellten das Unternehmen nicht retten. Ein Kommentar

Der Chef von British Airways, Willie Walsh, fordert von rund 30.000 Beschäftigten Gehaltsverzicht

Der Chef von British Airways, Willie Walsh, fordert von rund 30.000 Beschäftigten Gehaltsverzicht

Stellen Sie sich vor, Ihr Chef käme in ihr Büro, kleinlaut und mit einer Bitte: Dem Unternehmen gehe es schlecht, die Krise, man wisse ja. Ob man sich nicht vorstellen könne, umsonst zu arbeiten? Einen Monat nur? Wie würden Sie reagieren?

Vor dieser Frage stehen dieser Tage rund 30.000 Beschäftigte der Fluglinie British Airways. Am Dienstag landete eine Mail ihres Chefs Willie Walsh in ihrem Briefkasten. Der Ton war dringlich: Der BA stehe ein "Kampf ums Überleben" bevor, die Zeiten seien hart, sodass Solidarität angesagt sei. Kurzum: Walsh bat die Mitarbeiter, bis zu einen Monat lang auf Lohn zu verzichten. Er selbst werde mit gutem Beispiel vorangehen und sein Juli-Gehalt dem Unternehmen spenden, umgerecht rund 75.000 Euro.

Solche Geschichten häufen sich derzeit. Der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna, dem womöglich bald Opel gehört, hat seinen Mitarbeitern in Europa bereits fünf Prozent Lohnverzicht abgerungen. Die Eigner der amerikanischen Zeitung Boston Globe verlangten vergangene Woche von ihren Redakteuren und Druckern, zehn Millionen einzusparen. Als die Gewerkschaft sich weigerte, strich das Unternehmen verärgert die Gehälter der Gewerkschaftsmitglieder zusammen.

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Daran ließen sich Fragen anknüpfen: Warum sollten die Mitarbeiter den gleichen Eignern Verluste ersparen, die noch vor Jahren satte Gewinne einstrichen? Es mag zwar der leichteste Weg sein, die Löhne in der Krise zu kürzen, um dem Unternehmen kurzfristig Luft zu verschaffen. Gerecht geht es dabei niemals zu, selbst wenn der Arbeitsplatz einiger Mitarbeiter für eine Weile sicherer wird.

Langfristig aber kann kein Arbeiter seine Firma retten. Würden die Beschäftigten der British Airways einen Monat lang auf ihr Gehalt verzichten, brächte das der Fluglinie eine Entlastung von womöglich 50 bis 100 Millionen Euro. Der Verlust des Unternehmens betrug aber allein im letzten Jahr rund 500 Millionen Euro. Die BA braucht also mehr als nur loyale Mitarbeiter.

Die Beschäftigten des deutschen Versandhauses Quelle wissen das nur zu gut. Im Jahr 2005 stimmten sie einem Sanierungstarifvertrag zu, der den rund 15.000 Mitarbeitern nach Schätzungen Einbußen in Milliardenhöhe beschert hat. Das Versprechen, im Gegenzug einen sicheren Job zu haben als früher, ist mit der Pleite der Mutter Arcandor nichts mehr wert.

Ist die Bitte von Unternehmen um Gratisarbeit dreist oder eine unkonventionelle Möglichkeit, eine Firma zu retten? Wären Sie bereit, für einen Monat umsonst zu arbeiten? Diskutieren Sie in unserer Community.

 
Leser-Kommentare
  1. Ein Grund für eine fristlose Kündigung. An Dreistigkeit ist sowas nicht zu überbieten. Klar, wer 75000 im Monat verdient kann auch mal 'nen Monat aussetzen. Bei normalen Arbeiter-Bezügen ist das nicht drin. Eine Variante, die ich für moralich noch akzeptabel halten würde, wäre dass man den Arbeitnehmer als Gegenleistung Unternehmensanteile, mindestens im Gegenwert des Gehaltsverzichtes, als Ersatzleistung anbietet. Das macht aber auch nur Sinn bei Unternehmen, die längerfristig vital sind.

  2. Gewinne privatisieren und Verluste vergesellschaften die Xte.

    Die 75000 von diesem Dings treffen ihn weniger hart als ein Tagesgehalt einer BA-Reinigungskraft. Diese Dings, austauschbar, beliebig, finden offensichtlich immer noch Dumme, die ihren Krampf nachbeten.

    _____________________________________________________
    Sie werden Deutschland nie regieren - Sie nicht!
    (Gerhard Schröders wahre Worte)

    • mexi42
    • 17.06.2009 um 17:15 Uhr

    derartige Koryphäen: Nieten in Nadelstreifen

    • HBogon
    • 17.06.2009 um 17:20 Uhr

    1. Wie hoch sind die Personalkosten an den Betriebsausgaben?

    2. Wie hoch sind die Kapitalkosten für Gebäude, Anlagen und sonstige kreditfinanzierte Beschaffungen? Wie hoch sind die Anteile von Tilgung und Verzinsung hierbei.

    In der Regel ist Nr. 2 sehr viel größer als Nr. 1, gerade bei hochtechnisierten Industrien.

    Mit dieser Schnapsidee wird BA nichts erreichen - außer einer weiteren Demotivation von Mitarbeitern natürlich.

    Oder anders: wer mit solchen Ideen hausieren geht, hat nicht nur den intellektuellen Bankrott angemeldet, sondern wird demnächst auch den realen vor dem Insolvenzgericht anmelden können.

    Eigentlich geht es hier wohl bereits um eine Fall von Insolvenzverschleppung.

    Aber immerhin sieht man jetzt, wo der Hammer hängt. Lohndumping reichte noch nicht, jetzt geht es um Lohnraub.

    • hagego
    • 17.06.2009 um 17:35 Uhr

    Umsonst arbeiten? Wenns dem Unternehmen schlecht ginge? Würde ich ohne zu zögern sofort machen! Wenn ich die Boni behalten könnte! Ich meine, die von meinen Chefs!

    ,-)

  3. In den Kommentaren wird zu pauschal argumentiert. Es kommt auf das Unternehmen an, wie lange man dabei ist, welchen Posten man hat, welche Informationen. Ich glaube auch, dass es rechtlich gar nicht moeglich ist, Gehaelter zu kuerzen oder nicht auszuzahlen, selbst wenn die Mitarbeiter durch praktisch Erpressung damit einverstanden waeren.

  4. Ich selbst habe fast ein dreiviertel Jahr unbezahlt für ein Unternehmen gearbeitet, allerdings war mir die Sache vorher klar (weil die Stelle als unbezahlt ausgeschrieben war), zweitens hatte ich ausreichend Reserven, um während dieser Zeit kein Arbeitsentgelt zu benötigen, und drittens gibt es keine Familienmitglieder oder andere Menschen, die von meinem Einkommen abhängig wären.

    In anderen Worten: Ich konnte es mir leisten.

    Das trifft allerdings für die ganz überwiegende Zahl der abhängig Beschäftigten aber überhaupt nicht zu. Wäre mein Arbeitslohn das primäre oder gar einzige Einkommen (und das ist ja bei den meisten Beschäftigten so) und müßte ich davon auch noch andere Personen versorgen, würde ich auf gar keinen Fall auf meinen Lohn verzichten, auch nícht für die Dauer eines Monats.

    Was ich an dem Artikel trotzdem nicht so recht verstanden habe ist die ominöse Zahl von 500 Millionen, die als Verlust für das abgelaufene Geschäftsjahr ausgewiesen wurden. So, wie der Artikel formuliert ist, entsteht der Eindruck, das Personal solle die 500 Millionen nun dieses Jahr einsparen—abgesehen davon, daß das wohl schon von der Summe nicht möglich ist, geht das auch aus anderen Gründen nicht: Man kann Verluste, die letztes Jahr aufliefen, nicht dieses Jahr einsparen, der Fehlbetrag steht ja ohnehin schon in den Büchern, kann also schon dieses Jahr kassenmäßig nicht mehr 'reingeholt' werden. Es geht vermutlich darum, dem Unternehmen ein weiteres Verlustjahr zu ersparen oder den Verlust wenigstens zu verringern.

    Um Lohn»raub« oder dergleichen handelt es sich hier trotz allem nicht. Man erinnere sich an die im Artikel dargestellten Fakten: Das Unternehmen ersucht die Mitarbeiter um einen Lohnverzicht—für die Mitarbeiter ist das rechtlich übrigens sehr wohl möglich, auf ihren Lohn zu verzichten, so wie man auf jede andere Forderung (hier eben: die über das vereinbarte Arbeitsentgelt) ja auch verzichten kann.

    Zum anderen kann man es manchem Kommentator schon auch nicht recht machen. Sicherlich ist es für die Geschäftsführung angesichts des Jahresverdiensts mit weitaus weniger Härte verbunden, einen Monat lang auf die Bezüge zu verzichten. Daraus dreht man nun einen Strick—ich würde die Stimmen der Kritiker aber einmal hören wollen, wenn die Geschäftsführung auf ihre Bezüge nicht verzichtet hätte. Was wäre dann wohl los gewesen?

    Wie man's macht, macht man's falsch; das gilt wohl nicht nur hier.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie haben recht: Ob man Lohn-/Gehalts-/Honorarabstriche akzeptiert, ist so individuell, wie viele andere Entscheidungen. Ich verhalte mich dabei nicht immer rational. Allerdings ist auch von meinem Einkommen niemand anderes abhängig, sonst müsste und würde ich anders handeln.

    Als freier Journalist und Autor arbeite ich in einem Umfeld, das in den letzten Jahren mehrfach gekriselt und sich deutlich verändert hat. Nun wird es durch die Wirtschaftskrise für längere Zeit auch noch chaotischer werden.

    Für mich ist die Krise -- bei aller Kritik, an der ich mich aus Überzeugung beteilige -- deshalb auch die wohl einmalige Chance, Dinge lernen zu müssen oder unter erschwerten Bedingungen neu zu lernen, die mir fast zwangsläufig viel Nutzen bringen werden. Zum Beispiel egoistischer sein, Aquise, "Nein" sagen, härter verhandeln, Instinkte entwickeln und ihnen vertrauen, unter Druck ungewöhnliche Lösungen finden, Zufälle ausnutzen, schnell Entscheidungen treffen, immer wieder etwas Neues beginnen und natürlich Erfolge genauso nutzen, wie Rückschläge.

    Als Angestellter hätte ich vielleicht mehr Sicherheit aber weniger Freiheit und Möglichkeiten. Es wäre schwieriger, wenn nicht unmöglich, in der Krise auch etwas Positives zu sehen und -- toi, toi, toi -- davon zu profitieren. Da würde ich wohl kaum auf den Vorteil und die Sicherheit des normalen Gehaltes verzichten.

    Alles Gute
    Kai Hamann

    Zum "Wie man's macht, macht man's falsch" noch ein Praxisbeispiel aus einem anderen Blickwinkel.

    Ein Freund hat vor Jahren in einer Betriebsversammlung eines großen Telekommunikationsherstellers, bei der es um etwa 25% Lohnverzicht ging, Dampf abgelassen.

    Er hat der Firmenleitung gesagt, dass sich jeder auf dem Parkplatz die vor wenigen Tagen gelieferten neuen Luxus-Firmenwagen genau der Leute ansehen kann, die Lohnverzicht von den einfachen Angestellten fordern. Das würde nicht zusammenpassen. Wenn die Wagen wieder zurückgegeben werden und auch das Management auf den selben Teil Lohn verzichtet, würde er zustimmen, sonst nicht.

    Folge 1: Kündigung. Ein Grund findet sich immer.

    Folge 2: Arbeitslosengeld.

    Folge 3: Einige Monate später ist das Unternehmen endgültig pleite. Alle Angestellten werden entlassen.

    Folge 4: Wer zum Lohnverzicht bereit war, bekommt genau deswegen weniger Arbeitslosengeld, weil das Gehalt kleiner geworden ist.

    Wenn es nicht nur befreit, sondern am Ende sogar finanziell lohnt, dem Management die Meinung zu sagen: unbezahlbar!

    Man sollte sich also genau überlegen, welche Folgen ein Lohnverzicht in verschiedenen möglichen Szenarien haben könnte.

    Alles Gute
    Kai Hamann

    Sie haben recht: Ob man Lohn-/Gehalts-/Honorarabstriche akzeptiert, ist so individuell, wie viele andere Entscheidungen. Ich verhalte mich dabei nicht immer rational. Allerdings ist auch von meinem Einkommen niemand anderes abhängig, sonst müsste und würde ich anders handeln.

    Als freier Journalist und Autor arbeite ich in einem Umfeld, das in den letzten Jahren mehrfach gekriselt und sich deutlich verändert hat. Nun wird es durch die Wirtschaftskrise für längere Zeit auch noch chaotischer werden.

    Für mich ist die Krise -- bei aller Kritik, an der ich mich aus Überzeugung beteilige -- deshalb auch die wohl einmalige Chance, Dinge lernen zu müssen oder unter erschwerten Bedingungen neu zu lernen, die mir fast zwangsläufig viel Nutzen bringen werden. Zum Beispiel egoistischer sein, Aquise, "Nein" sagen, härter verhandeln, Instinkte entwickeln und ihnen vertrauen, unter Druck ungewöhnliche Lösungen finden, Zufälle ausnutzen, schnell Entscheidungen treffen, immer wieder etwas Neues beginnen und natürlich Erfolge genauso nutzen, wie Rückschläge.

    Als Angestellter hätte ich vielleicht mehr Sicherheit aber weniger Freiheit und Möglichkeiten. Es wäre schwieriger, wenn nicht unmöglich, in der Krise auch etwas Positives zu sehen und -- toi, toi, toi -- davon zu profitieren. Da würde ich wohl kaum auf den Vorteil und die Sicherheit des normalen Gehaltes verzichten.

    Alles Gute
    Kai Hamann

    Zum "Wie man's macht, macht man's falsch" noch ein Praxisbeispiel aus einem anderen Blickwinkel.

    Ein Freund hat vor Jahren in einer Betriebsversammlung eines großen Telekommunikationsherstellers, bei der es um etwa 25% Lohnverzicht ging, Dampf abgelassen.

    Er hat der Firmenleitung gesagt, dass sich jeder auf dem Parkplatz die vor wenigen Tagen gelieferten neuen Luxus-Firmenwagen genau der Leute ansehen kann, die Lohnverzicht von den einfachen Angestellten fordern. Das würde nicht zusammenpassen. Wenn die Wagen wieder zurückgegeben werden und auch das Management auf den selben Teil Lohn verzichtet, würde er zustimmen, sonst nicht.

    Folge 1: Kündigung. Ein Grund findet sich immer.

    Folge 2: Arbeitslosengeld.

    Folge 3: Einige Monate später ist das Unternehmen endgültig pleite. Alle Angestellten werden entlassen.

    Folge 4: Wer zum Lohnverzicht bereit war, bekommt genau deswegen weniger Arbeitslosengeld, weil das Gehalt kleiner geworden ist.

    Wenn es nicht nur befreit, sondern am Ende sogar finanziell lohnt, dem Management die Meinung zu sagen: unbezahlbar!

    Man sollte sich also genau überlegen, welche Folgen ein Lohnverzicht in verschiedenen möglichen Szenarien haben könnte.

    Alles Gute
    Kai Hamann

    • Faun
    • 17.06.2009 um 18:16 Uhr

    Entgegenkommen der Belegschaft letztlich nicht honoriert wird.

    Ob Nokia, Bochum - Mannesmann/Vodafone, Düsseldorf oder - jüngst Karstadt/Quelle: Zunächst wurden jeweils, in Absprache mit dem Betriebsrat, Urlaubs- und Weihnachtsgeld gekürzt oder gestrichen. Dann wurden vereinbarte
    Tariferhöhungen, in Absprache mit der zuständigen Gewerkschaft, ausgesetzt. Irgendwann wurden dann schließlich auch Zulagen gestrichen und letztlich Gehälter gekürzt.

    "Mit größtem Bedauern" erklärte schließlich in all diesen Fällen (das ist ja nur die von mir genannte "Spitze des Eisbergs") die Firmenleitung anschließend:
    "Leider hätten alle Sparmaßnahmen nicht verhindern können, dass wahlweise
    a) der Sitz des Betriebes in ein osteuropäisches Land verlegt wird
    b) das Unternehmen an einen (britischen) Konzern verkauft wird oder
    c) Insolvenz angemeldet wird.

    Dass von den genannten Gehalts- und Zulagenkürzungen jeweils ausschließlich die "normalen" Beschäftigten betroffen waren und nicht die Ebene des mittleren und höheren Managements, ist natürlich eine bösartige Lüge!

    Faun

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    ..., dass Arcandor noch 49% Anteil am Immobilienvermögen von Karstadt hat. Als Vermieter aber nicht den hohen Mietzins senkte, um im die fixen Kosten zu reduzieren.

    Michel Katzentisch

    ..., dass Arcandor noch 49% Anteil am Immobilienvermögen von Karstadt hat. Als Vermieter aber nicht den hohen Mietzins senkte, um im die fixen Kosten zu reduzieren.

    Michel Katzentisch

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