Bundeswehr General beklagt sich über zu viele jammernde Soldaten

In seltener Offenheit hat Generalinspekteur Schneiderhan den inneren Zustand der Bundeswehr kritisiert und die Anspruchhaltung von Soldaten. Viele erwarteten ein "Rundum-Wohlfühlangebot mit Erfolgserlebnis"

Schneiderhan beklagte mangelhaftes Verantwortungsbewusstsein von Soldaten für den Staat und Kommunikationsprobleme bis hin zu Führungsebenen. Bei einer Veranstaltung des Bundeswehrverbandes sagte der Vier-Sterne-General in Berlin, viele Soldaten "jammern auf hohem Niveau". Zugleich stellte er die Frage, ob immer "die richtigen Leute in der Bundeswehr Spieß und Chef sind" und "die Binnenkommunikation stimmt".

Er machte deutlich, dass er seinen Ärger nicht als pauschale Kritik an allen Soldaten und Führungsoffizieren verstanden wissen wollte, und hob daher auch die Erfolge der Bundeswehr in den vergangenen Jahrzehnten hervor. Er mahnte aber, auch die Bundeswehr müsse Kommunikation als Schlüsselkompetenz erkennen. Es gebe so viele Zuständigkeiten, dass sich "keiner mehr so richtig zuständig fühlt".

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Schon am Vorabend hatte er beim Empfang des Wehrbeauftragten des Bundestags, Reinhold Robbe, vor mehreren hundert Gästen über die Anspruchshaltung vieler Soldaten an den Bund geklagt. Sie erwarteten für ihren Dienst an dem Land ein "Rundum-Wohlfühlangebot mit Erfolgserlebnis". So sei die Bereitstellung ungeeigneter Schlafsäcke im Kongo-Einsatz womöglich von medialem Interesse, sollte aber "keine parlamentarische Betroffenheit auslösen". Einem Berufssoldaten, der sich über den dritten Auslandseinsatz beklage, solle man deutlich sagen, dass es keine Abhilfe geben werde – denn das sei sein Beruf.

"Herr Wehrbeauftragter, wir befinden uns hier im Krieg"

Der Deutsche Bundeswehrverband, die größte Vertretung der Soldaten, veranstaltet einmal im Jahr das sogenannte Parlament der Wehrpflichtigen. Rund 50 delegierte Wehrdienstleistende aus allen Bundesländern diskutieren mit Politikern und Generälen. Verbandschef Ulrich Kirsch sagte, die Bundestagsabgeordneten müssten sich als Auftraggeber für die Auslandseinsätze der Bundeswehr intensiver über die Lage der Soldaten informieren und die Missionen den Deutschen besser vermitteln. Zwei Wehrpflichtige beklagten, die Regierung könne den Sinn des Afghanistan-Einsatzes nicht vermitteln. Es sei "erbärmlich", dass sie Soldaten nur mit Geld dafür motivieren könne.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte: "Wir müssen die Risiken an den Quellen beseitigen, bevor sie in größeren Dimensionen Deutschland erreichen." Er bestätigte, dass die Soldaten in Afghanistan zunehmend mit Hinterhalten von Aufständischen zu kämpfen haben. Ebenso müssten sie sich Feuergefechten stellen. Robbe berichtete, noch nie habe er die Situation in dem Einsatz am Hindukusch "so schlimm erlebt" wie jüngt bei seinem Besuch der Soldaten im nordafghanischen Kundus. Die Soldaten hätten ihm gesagt: "Wir bauen hier im Moment keine Brücken und bohren keine Brunnen. Herr Wehrbeauftragter, wir befinden uns hier im Krieg."
 

 
Leser-Kommentare
    • lispm
    • 16.06.2009 um 19:24 Uhr

    ...isst nicht im Offizierskasino ?

  1. ...hätten mal ihren Wehrdienst bei der NVA leisten sollen.

    Aber auch beim MdI und bei "Feliks" gab es nichts zu lachen.

    Dort hätten diese armen Kerle nicht einmal die Zeit zum Weinen gehabt - Urlaub gab es kaum und Freizeit, das war damals ein Fremdwort!

    Selbst die Offiziersschüler durften nur alle 4 Wochen zu Mutti fahren.

    Und dann auch nur entweder von Samstag 12.00 Uhr bis Montag 07.00 Uhr oder von Freitag 14.15 Uhr bis Mittwoch 07.00 Uhr im Wechsel, natürlich hier unter Anrechnung von 2 Urlaubstagen.

    Dienstbeginn war immer 06.00 Uhr mit Frühsport und Dienstschluss erst dann, wenn die Aufgaben alle erledigt waren - das konnte schon mal bis weit nach Mitternacht gehen! Der Wehrsold, den diese Leute bekamen, der würde heute nicht mal einem Hartz IV-Empfänger über eine ganze Woche hinweg helfen.

    Aber nicht nur die Soldaten traf es - auch die meist jungen Offiziere wurden nach Strich und Faden verars...!

    Nur sehr wenige Offiziere hatten damals den Mut, den Beruf an den Nagel zu hängen - wer es dennoch tat, der fing wieder ganz von vorne an!

    Aber lieber damals ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

    Jedenfalls mit dem polit-moralischen Zustand unter allen Wehrdienstleistenden sah es genauso aus wie mit der DDR-Wirtschaft - die meisten Leute hatten die Nase gestrichen voll.

    Leider gab es damals keine Seelsorger, sondern nur die Polit-Heinis, die das ganze Dilemma auch noch nach Oben hin schön redeten.

    Heute kann sich wahrlich kein Zeitsoldat beklagen oder gar jemand, der seinen Grundwehrdienst absolviert.

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    ...macht alte Kriegsleute. Waren Sie schon in Afghanistan?!? Haben Sie das lange, sinnlose Warten erlebt. Sie sprechen davon, dass "alle Aufgaben erledigt sein mussten" bevor man gehen konnte. In Afghanistan kann man keine Aufgaben erledigen. Denn zuvor muss man sich absichern, dass nicht irgendein durchgeknallter einen mit Sprengstoff beladenen LKW herankarrt, der dann unversehens vor einem explodiert.
    Ihr Artikel liest sich wie die Sprüche, die der Lehrer von Paul Baumer im Film "im Westen nichts neues" seinen Schülern jeden Tag heruntersabbert, vom glorreichen Krieg.
    Ich kann die Soldaten verstehen. Denn die 4 Sterne Generäle kriegen vom Alltag des Krieges, von der bohrenden Sinnlosigkeit und Langeweile, die jederzeit durch einen Anschlag unterbrochen werden kann nichts mit. Es ist genau diese Langeweile, die einen ruiniert, das Warten, das nichts tun können. Wir sind wieder in einer ähnlichen Situation wie vor dem 1. Weltkrieg. Unsere Generäle sind schon angekommen. Sie zeigen schon heftige Symptome von Realitätsverlust und mangelndes Vorstellungsvermögen für die Situation der Soldaten vor Ort.

    ...macht alte Kriegsleute. Waren Sie schon in Afghanistan?!? Haben Sie das lange, sinnlose Warten erlebt. Sie sprechen davon, dass "alle Aufgaben erledigt sein mussten" bevor man gehen konnte. In Afghanistan kann man keine Aufgaben erledigen. Denn zuvor muss man sich absichern, dass nicht irgendein durchgeknallter einen mit Sprengstoff beladenen LKW herankarrt, der dann unversehens vor einem explodiert.
    Ihr Artikel liest sich wie die Sprüche, die der Lehrer von Paul Baumer im Film "im Westen nichts neues" seinen Schülern jeden Tag heruntersabbert, vom glorreichen Krieg.
    Ich kann die Soldaten verstehen. Denn die 4 Sterne Generäle kriegen vom Alltag des Krieges, von der bohrenden Sinnlosigkeit und Langeweile, die jederzeit durch einen Anschlag unterbrochen werden kann nichts mit. Es ist genau diese Langeweile, die einen ruiniert, das Warten, das nichts tun können. Wir sind wieder in einer ähnlichen Situation wie vor dem 1. Weltkrieg. Unsere Generäle sind schon angekommen. Sie zeigen schon heftige Symptome von Realitätsverlust und mangelndes Vorstellungsvermögen für die Situation der Soldaten vor Ort.

    • HBogon
    • 16.06.2009 um 23:15 Uhr

    Na sowas aber auch, Soldaten wollen nicht mehr für wenig Sold irgendwo auf der Welt in Dreck und Staub verrecken, zerfetzt oder vergiftet werden.
    Das war früher aber anders, also damals in den Weltkriegen.

    Wo doch das geliebte Vaterland zu Hause gerade alles dafür tut, um überbezahlten Schaumschlägern, Spekulanten, Bankrotteuren und Betrügern mit Milliarden aus dem selbstverschuldeten Schlamassel zu helfen.

    Es ist, wie es immer schon war im Krieg: Die einen sitzen im klimatisierten Büro, bringen eben mal schnell ein paar Milliönchen oder Milliardchen auf die Seite, bestechen den einen oder anderen Abgeordneten, reden Blech.

    Und genau diese Bande verlangt von jungen Menschen, ihren Kopf hinzuhalten und darin auch noch einen tieferen Sinn erkennen zu müssen.

  2. was kann man auch von einer Generation erwarten die in der Kindheit nicht erzogen wurde und der man jeden Anflug von Partriotismus in der Schule ausgetrieben hat und der man immer wieder vorbetet wie schlecht Deutschland ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • zorc
    • 17.06.2009 um 1:40 Uhr

    ... als z.B. von den Generationen, denen man in der Schule den Patriotismus von früh bis spät eingetrichtert und vorgebetet hat, dass Deutschland das Tollste seit Erfindung des Schnittbrotes ist, und die sich 1914-1918 und 1939-1945 brav zur Schlachtbank haben führen lassen, um den Wahn derer zu befriedigen, die sich für die Verkörperung deutscher Großartigkeit hielten. Echt überzeugende Gegenbeispiele.

    • zorc
    • 17.06.2009 um 1:40 Uhr

    ... als z.B. von den Generationen, denen man in der Schule den Patriotismus von früh bis spät eingetrichtert und vorgebetet hat, dass Deutschland das Tollste seit Erfindung des Schnittbrotes ist, und die sich 1914-1918 und 1939-1945 brav zur Schlachtbank haben führen lassen, um den Wahn derer zu befriedigen, die sich für die Verkörperung deutscher Großartigkeit hielten. Echt überzeugende Gegenbeispiele.

    • zorc
    • 17.06.2009 um 1:40 Uhr

    ... als z.B. von den Generationen, denen man in der Schule den Patriotismus von früh bis spät eingetrichtert und vorgebetet hat, dass Deutschland das Tollste seit Erfindung des Schnittbrotes ist, und die sich 1914-1918 und 1939-1945 brav zur Schlachtbank haben führen lassen, um den Wahn derer zu befriedigen, die sich für die Verkörperung deutscher Großartigkeit hielten. Echt überzeugende Gegenbeispiele.

    • Chali
    • 17.06.2009 um 6:08 Uhr

    ... und der Krieg wär' längst vergessen"
    (Volksweisheit aus dem 1.Weltkrieg)

    Ich kann die Jungs (und, heutzutage, auch Mädels) schon verstehen:
    Die verteidigen ja nicht das Vaterland, sondern "die Freiheit" (vermutlich - so genau erfährt man es ja nicht - die der Warlords und Drogenbarone).

    Kurzum:
    Sie erledigen die Aufgaben von Blackwater und anderen Söldner-Unternehmen.

    • keox
    • 17.06.2009 um 6:22 Uhr

    das ist die nächste Stufe militärischer Eskalation, daß jungen Männern, die für fremde Interessen den Arsch hin halten, für mangelndes Engagement öffentlich der Prozeß gemacht wird.

    Ich bin sicher, eine Elite-Einheit, bestehend aus den profitierenden HerrenDamen, hätte im Nu Buxtehude von halbseitig gelähmten Südseeinsulanern auf Koks befreit.

    Aber die Herrschaften lassen ja lieber kämpfen.

  3. Gibt es im Militär nicht die zwei Konzepte, Sparta oder Athen? In Rußland zB müssen Soldaten in Zelten und mit unzureichender Ausrüstung in frostigem Klima wochenlang ausharren. Pissoirs in den Kasernen gammeln vor sich hin. Die Medien deuteten das damals als Armutszeugnis - es hat aber möglicherweise Konzept. So ein Mensch mag verroht sein. Demgegenüber bersorgt sich der "Bürger in Uniform" die beste und schickste Ausrüstung und hat es immer schön warm, und unter seiner teuren Schutzbrille staubfrei. Aber dieses schützt ihn nicht davor atrocities zu begehen (Irak, Afghanistan). Die psychische Belastung ist für einen Soldaten, der die Härte seines Umstands physiologisch gar nicht spürt (bis er getroffen wird) eher größer. Die BRD hat sich für Athen entschieden, und es passt sicher besser zu unserem Land.

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