Schneiderhan betrachte mit Sorge, dass Politiker und Institutionen den Soldaten ein "Überangebot" an Lösungsvorschlägen für Probleme und damit einen "Fluchtweg aus eigener Verantwortung" eröffneten, sagte er bei einem Empfang des Wehrbeauftragten des Bundestags, Reinhold Robbe, in Berlin.

Die Bereitstellung ungeeigneter Schlafsäcke im Kongo-Einsatz sei womöglich von medialem Interesse, sollte aber "keine parlamentarische Betroffenheit auslösen", sagte Schneiderhan in seiner auffallend kritischen Rede als Ehrengast vor mehreren hundert Gästen aus Politik, Bundeswehr, Wirtschaft und Gesellschaft.

Einem Berufssoldaten, der sich über den dritten Auslandseinsatz beklage, solle man deutlich machen, dass dies nun mal sein Beruf. Die Beschwerden zögen sich durch alle Dienstgrade und Altersklassen. Der Generalinspekteur betonte jedoch, er wolle seine Beobachtungen vorsichtig und nicht verallgemeinernd anbringen.

Möglicherweise lägen die Probleme unter anderem an der gesamtgesellschaftlichen Tendenz, Verantwortung delegieren zu wollen, an einem allgemeinen Veränderungsstress und an der Personalauswahl.

Robbe beklagte, dass die deutsche Bevölkerung, wenn überhaupt, nur am Rande Anteil am schwierigen Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr nehme. Die Soldaten wünschten sich eine Würdigung ihrer Leistung. Sie bräuchten moralische Unterstützung und menschliche Zuwendung.

Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner (SPD) verwies auf die bei Auslandseinsätzen verwundeten Soldaten. Nicht alle von ihnen könnten die seelischen Belastungen verarbeiten.