Bildungsstreik: "Wir sollten Ministerien besetzen"
Studierende blockieren Institute und Straßen: In Berlin beginnt der Bildungsstreik an allen Universitäten
An den Türen des Otto-Suhr-Instituts (OSI) der Freien Universität in Dahlem versperren Ketten, aufgetürmte Tische und Stühle den Zugang. „Adornos Dialektik verträgt nicht diese Hektik“ heißt es auf einem Transparent, das außen am Institutsgebäude hängt. „Heut’ mal ohne Macht und Herrschaft“ steht auf einem anderen. Gut 150 Studenten und Mitarbeiter demonstrieren und diskutieren gestern Mittag vor dem Institut. Das OSI ist blockiert – die Studierenden protestieren gegen die aus ihrer Sicht miserablen Bedingungen an den Hochschulen.
An allen Berliner Universitäten gab es am gestrigen Montag Protestaktionen zum Auftakt des bundesweiten „Bildungsstreiks 2009“. An der Technischen Universität besetzten Studierende das Architekturgebäude – und zogen nach einer Vollversammlung zum Tauentzien, wo mehrere hundert von der Polizei gestoppt wurden. Der Zug formierte sich auf der Straße des 17. Juni neu und kam am frühen Abend Unter den Linden an. Die Sozialwissenschaftler der Humboldt-Uni beschlossen am Mittag, die regulären Lehrveranstaltungen abzubrechen und ihre Möbel auf die Universitätsstraße in Mitte zu räumen. Auf Plakaten war zu lesen: „Elite war schon als Kind Scheiße“ oder „180 Millionen Euro sind das Minimum“ – eine Anspielung auf die Hochschulvertragsverhandlungen, bei denen die Hochschulen diese Summe zusätzlich im Jahr fordern.
Bundesweit protestierten gestern Studierende in 60 Städten. In Hamburg blockierten sie Straßen, in München kampierten sie in Zelten vor der Ludwig-Maximilians-Universität. Die ganze Woche lang wollen Studierende und Schüler im Rahmen des „Bildungsstreiks 2009“ demonstrieren. Als eine zentrale Forderung nannte HU-Studentensprecher Tobias Roßmann die Umgestaltung des Bachelor- und Mastersystems. In ihrer derzeitigen Form gehörten die Programme abgeschafft. Die Arbeitsbelastungen seien zu hoch, das Studium sei zu verschult, das Bildungssystem in Deutschland insgesamt sozial selektiv. Zulassungsbeschränkungen an den Hochschulen sollten wegfallen. Für die Lehre müsse die Politik deutlich mehr Geld zur Verfügung stellen.
Wer gestern ins Architekturgebäude der TU will, muss seinen Mitarbeiter- oder Studentenausweis vorzeigen. Die Streikposten lassen nur Wissenschaftler durch – und Studierende, die Bücher abgeben oder Klausuren schreiben müssen. „Die Mitarbeiter akzeptieren unseren Protest, unterstützen ihn aber nicht. Das ist ein Problem“, sagt Aktivist Joshua (28). An allen Eingängen kommt es zu heftigen Diskussionen zwischen Blockierern und Studierenden, doch die Streikposten bleiben hart.
Wie sinnvoll Blockaden von Unigebäuden sind, ist auch bei der studentischen Vollversammlung im Audimax umstritten. Zwar bejubeln die rund 1200 Menschen im überfüllten Saal Besetzungsmeldungen aus anderen Städten. Den meisten Applaus erhält jedoch eine Studentin, die ruft: „Wir müssen dahin gehen, wo Politik gemacht wird – wir sollten Ministerien besetzen, vor den Reichstag und vors Rote Rathaus gehen.“ Auffällig sind im Audimax Bezüge zur Finanzkrise. An der Hörsaalwand hängt ein Plakat mit der Aufschrift: „Bachelor und Banker statt Dichter und Denker.“
Einige hundert Meter entfernt vom OSI zelten Ethnologen der FU – sie wollen über Nacht bleiben. „Wir wollen diese Woche ins Gespräch mit den Dozierenden kommen“, sagen sie. Häufige Personalwechsel verhinderten eine gute Betreuung, ihnen fehle auch ein Studentencafé. Zudem litten auch viele Dozenten unter der Finanzknappheit: Schlecht bezahlte Lehraufträge sorgten für prekäre Lebensverhältnisse vieler Nachwuchswissenschaftler. Viele Studenten lassen die Proteste allerdings kalt: Ein Pulk aus dem OSI Ausgesperrter läuft Richtung U-Bahnhof Thielplatz, um den Heimweg anzutreten. Auch im „Streikzentrum“ in der Rost- und Silberlaube ist von Protest noch wenig zu spüren. Ein Seminarraum ist besetzt – ansonsten läuft weitgehend der normale Lehrbetrieb.
Im Innenhof der HU hängen Studierende am Vormittag ihre Forderungen an eine symbolische „Klagemauer“: „Mehr Bücher für die Bibliotheken“ steht da auf kleinen Zetteln, „Anwesenheit muss freiwillig sein“, „Engagierte Dozenten“ oder „Früher war alles besser“. Aus Boxen an einem Infostand schallt laute Musik: „Guten Tag, das ist die Revolution“, singt die Band „Wir sind Helden“ – ein Klassiker, der bereits beim großen Bildungsstreik 2003 als inoffizielle Streikhymne galt. Gleichwohl hält sich die Proteststimmung auch auf dem HU-Innenhof in Grenzen. Nur wenige Studierende sind überhaupt zu sehen. Als am Nachmittag Protestierende Luftballons mit ihren Forderungen in die Luft steigen lassen, nimmt die Polizei nach Angaben der Studenten die Personalien einiger Teilnehmer auf.





"Vier von drei Deutschen können nicht richtig rechnen". (Andreas Rebers, Kabarettist). Der Bildungsstreik war längst überfällig
Armselige Proteste in Berlin.
Adornos Dialektik, Macht- und Herrschaftsdiskurs, das ist doch schon alles toter als tot. Wenn man dann noch Slogans wie „Anwesenheit muss freiwillig sein“ und “Früher war alles besser“ sieht, weiß man, auf welchem Niveau sich diese Proteste (oder viele Studenten?) bewegen. So klappt’s jedenfalls nicht mit dem Bildungsstreik.
Anwesenheitspflicht ist ein Armutszeugnis für eine Universität.
Ich selbst bin in einem Bachelorstudiengang ohne Anwesenheitspflicht und bei gut gehaltenen Vorlesungen ist der Hörsaal trotzdem immer voll. Bei schlecht gehaltenen Vorlesungen ist es meistens besser sich zu Hause in Ruhe mit dem Thema zu beschäftigen, als in der Uni nur die Zeit abzusitzen.
Manche Leute lernen grundsätzlich effektiver alleine aus einem Buch, als in einer Vorlesung. Wieso soll die Uni diese Leute zur Vorlesung zwingen?
Adornos Dialektik, Macht- und Herrschaftsdiskurs, das ist doch schon alles toter als tot.
Mir fielen da noch viele Tote ein, und nicht zu vergessen die Lebenden.
Ihre Argumentation erscheint mir eher etwas für Totengräber zu sein.
Viele Tote sind lebendiger als die lebenden Leichen, die man über die Mattscheibe wandern sieht.
Anwesenheitspflicht ist ein Armutszeugnis für eine Universität.
Ich selbst bin in einem Bachelorstudiengang ohne Anwesenheitspflicht und bei gut gehaltenen Vorlesungen ist der Hörsaal trotzdem immer voll. Bei schlecht gehaltenen Vorlesungen ist es meistens besser sich zu Hause in Ruhe mit dem Thema zu beschäftigen, als in der Uni nur die Zeit abzusitzen.
Manche Leute lernen grundsätzlich effektiver alleine aus einem Buch, als in einer Vorlesung. Wieso soll die Uni diese Leute zur Vorlesung zwingen?
Adornos Dialektik, Macht- und Herrschaftsdiskurs, das ist doch schon alles toter als tot.
Mir fielen da noch viele Tote ein, und nicht zu vergessen die Lebenden.
Ihre Argumentation erscheint mir eher etwas für Totengräber zu sein.
Viele Tote sind lebendiger als die lebenden Leichen, die man über die Mattscheibe wandern sieht.
Anwesenheitspflicht ist ein Armutszeugnis für eine Universität.
Ich selbst bin in einem Bachelorstudiengang ohne Anwesenheitspflicht und bei gut gehaltenen Vorlesungen ist der Hörsaal trotzdem immer voll. Bei schlecht gehaltenen Vorlesungen ist es meistens besser sich zu Hause in Ruhe mit dem Thema zu beschäftigen, als in der Uni nur die Zeit abzusitzen.
Manche Leute lernen grundsätzlich effektiver alleine aus einem Buch, als in einer Vorlesung. Wieso soll die Uni diese Leute zur Vorlesung zwingen?
Ja, aber Themen wie Anwesenheitspflicht sind doch nur Nebenkriegsschauplätze (wenn überhaupt).
Ein Streik muss doch an den wirklich brennenden Punkten im deutschen Hochschulsystem ansetzen und nicht mit so einem Unsinn kommen. In der Form wird der Streik verpuffen.
Ja, aber Themen wie Anwesenheitspflicht sind doch nur Nebenkriegsschauplätze (wenn überhaupt).
Ein Streik muss doch an den wirklich brennenden Punkten im deutschen Hochschulsystem ansetzen und nicht mit so einem Unsinn kommen. In der Form wird der Streik verpuffen.
Ja, aber Themen wie Anwesenheitspflicht sind doch nur Nebenkriegsschauplätze (wenn überhaupt).
Ein Streik muss doch an den wirklich brennenden Punkten im deutschen Hochschulsystem ansetzen und nicht mit so einem Unsinn kommen. In der Form wird der Streik verpuffen.
Aber die Anwesenheitspflicht ist doch ein deutliches Symptom für den Zustand der Unis. Alles wird vermehrt reglementiert. Die Studiendauer wird vorgeschrieben und wann welche Prüfung abzulegen ist. Hoffnung ist wohl das dadurch zügiger große Geister entstehen. Was passiert ist das schnell Fachidioten aus der Uni kommen. Es ist schon schade wenn 80% der deutschen Elite aus Mitläufern besteht die alles mit sich machen lassen wenn man ihnen nur verspricht dass der erste Gehaltsscheck nach der Uni hoch genug ausfällt. Traurig aber wahr.
Da haben sie uneingeschränkt recht. Nur leider geht es den meisten Studenten nur um diese "Nebenkriegsschauplätze" und nicht um "das große Ganze". In Diskussionen zu diesem Thema kann man da schon manchmal verzweifeln.
Aber die Anwesenheitspflicht ist doch ein deutliches Symptom für den Zustand der Unis. Alles wird vermehrt reglementiert. Die Studiendauer wird vorgeschrieben und wann welche Prüfung abzulegen ist. Hoffnung ist wohl das dadurch zügiger große Geister entstehen. Was passiert ist das schnell Fachidioten aus der Uni kommen. Es ist schon schade wenn 80% der deutschen Elite aus Mitläufern besteht die alles mit sich machen lassen wenn man ihnen nur verspricht dass der erste Gehaltsscheck nach der Uni hoch genug ausfällt. Traurig aber wahr.
Da haben sie uneingeschränkt recht. Nur leider geht es den meisten Studenten nur um diese "Nebenkriegsschauplätze" und nicht um "das große Ganze". In Diskussionen zu diesem Thema kann man da schon manchmal verzweifeln.
DieMilliardenpakete für die Banken hätten gezeigt, „dass genug Geld für alle da ist.“
Das ist doch eine sehr schöne dialektische Verkürzung auf das Wesentliche.
Nur muss man sich das Geld auch endlich holen.
Nur die Versager aus dem Finanzadel bekommen es freiwillig und ohne jede Gegenleistung hintergeworfen.
Aber die Anwesenheitspflicht ist doch ein deutliches Symptom für den Zustand der Unis. Alles wird vermehrt reglementiert. Die Studiendauer wird vorgeschrieben und wann welche Prüfung abzulegen ist. Hoffnung ist wohl das dadurch zügiger große Geister entstehen. Was passiert ist das schnell Fachidioten aus der Uni kommen. Es ist schon schade wenn 80% der deutschen Elite aus Mitläufern besteht die alles mit sich machen lassen wenn man ihnen nur verspricht dass der erste Gehaltsscheck nach der Uni hoch genug ausfällt. Traurig aber wahr.
das ist vollkommen richtig, nur das dass gesteckte Ziel so nicht erreicht werden wird. Der Erfolg von generalistischer Bildung wird ja auch von Experten in Friedrichshafen oder Lüneburg bewundert. Aber komischerweise passiert auch im Bildungssystem nicht das was anscheinend alle wollen...
das ist vollkommen richtig, nur das dass gesteckte Ziel so nicht erreicht werden wird. Der Erfolg von generalistischer Bildung wird ja auch von Experten in Friedrichshafen oder Lüneburg bewundert. Aber komischerweise passiert auch im Bildungssystem nicht das was anscheinend alle wollen...
Da haben sie uneingeschränkt recht. Nur leider geht es den meisten Studenten nur um diese "Nebenkriegsschauplätze" und nicht um "das große Ganze". In Diskussionen zu diesem Thema kann man da schon manchmal verzweifeln.
Naja, es geht hier nicht wirklich nur um geld.
Es geht hier um die Umgestaltung der deutschen Universitäten zwecks einer einheitlichen Universitätslandschaft in Europa, wobei dabei auch gespart werden soll.
Zudem soll die Universität als Bildungseinrichtung abgeschafft werden de facto - und zu einer Ausbildungsstätte werden.
In kürzestmöglicher Zeit soll Wissen den Studenten vermittelt werden, damit diese dadurch dann einen Beruf möglichst schnell nachgehen können.
Das problem dabei: keine möglichkeit sich in seinem fach umzublicken und letztendlich sitzt man dann in einem völlig überfüllten Seminar mit möglcherweise auch noch einen didaktisch schlechten Professor, der eh über die irrwitzige Menge an Kurzteilnehmern völlig genervt ist, und wird von vorne beschallt (da eine diskussion bei solchen seminaren eh für die Katz' ist).
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