Bericht zur Deutschen Einheit Osten krisenfester als der Westen
"Die Schere zwischen Ost und West schließt sich", verkündet die Politik seit Jahren. Nun könnte ausgerechnet die Wirtschaftskrise diesen Prozess beschleunigen

© Jean-Christophe Verhaegen/AFP/Getty Images
VW-Werk in Dresden: Eine der wenigen großen Industriestandorte im Osten
Wird die Wirtschaftskrise für Ostdeutschland zur Chance, den Westen schneller einzuholen als bisher gedacht? Ganz auszuschließen ist das nicht. Während die Bundesregierung für Westdeutschland ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um sechs Prozent erwartet, wird für den Osten nur ein Minus um fünf Prozent prognostiziert. Dies geht aus dem Jahresbericht zur Deutschen Einheit hervor, den der Ostbeauftragte der Regierung, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), am Mittwoch in Berlin vorstellte.
Tiefensee selbst gab sich allerdings eher zurückhaltend: Noch könne man nicht endgültig sagen, ob Ostdeutschland die Krise besser überstehen werde als die alten Bundesländer, sagte er. Die bisherige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt deute aber darauf hin. Während es im Osten derzeit eine "stabile Seitwärtsbewegung" gebe, sei die Arbeitslosigkeit im Westen gestiegen.
Ein möglicher Grund für die ausgeprägtere Krisenfestigkeit der fünf neuen Länder könnte nach Tiefensees Ansicht in der Unternehmensstruktur zu finden sein: In Ostdeutschland gibt es mehr kleinere bis mittlere Unternehmen, die flexibler reagieren können als Großbetriebe. Außerdem sei die ostdeutsche Wirtschaft weniger vom Export abhängig. Gleichwohl sagt der Bericht auch für den Osten einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen innerhalb der nächsten Monate voraus.
Insgesamt fällt Tiefensees Bilanz ziemlich durchwachsen aus: Auf der einen Seite gibt es ermutigende Indikatoren. Zum Beispiel hat das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im Osten mittlerweile 71 Prozent des westdeutschen erreicht. Vor neun Jahren waren es nur 67 Prozent. Die Industrie wuchs in den neuen Bundesländern mit plus 7,5 Prozent in den letzten drei Jahren zudem rasanter als in den alten Ländern, die nur einen Zuwachs von 4,3 Prozent verzeichneten.
Auch bei der Ansiedlung innovativer Branchen steht der Osten laut Tiefensee gut da. Darüber hinaus profitieren die ostdeutschen Länder nicht nur weiter von den Mitteln des Solidarpaktes, auch die Konjunkturprogramme der Bundesregierung kommen ihnen in besonderer Weise zugute.
Auf der anderen Seite hat sich an zentralen Problemen jedoch kaum etwas geändert. Die Zahl der Arbeitslosen beispielsweise ist zwar in den letzten drei Jahren um 500.000 zurückgegangen. Mit 13,3 Prozent im Mai 2009 ist die Quote aber noch immer fast doppelt so hoch wie im Westdurchschnitt (6,9 Prozent). Und auch der Bevölkerungsschwund geht weiter. Im vergangenen Jahr hätten 90.000 Ostdeutsche ihre Heimat verlassen, 40.000 seien zurückgewandert, so Tiefensee. Doch es seien eben vor allem die Jungen und Kreativen, die weggingen, betonte der Minister.
Generell formuliert die Regierung die Ziele des Angleichungsprozesses mittlerweile ziemlich zurückhaltend. "Es wäre ein enormer Erfolg, wenn Ostdeutschland bis 2019 an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der strukturschwachen West-Länder heranreichen würde", sagte Tiefensee. Überhaupt will er deren Stärke auch nicht mehr am westdeutschen sondern am gesamtdeutschen Durchschnitt messen. Nimmt man diesen zur Grundlage, fallen die Zahlen schon heute schöner aus. Demnach erreicht der Osten 75 Prozent der gesamtdeutschen Wirtschaftskraft, auch in Schleswig-Holstein sind es nur 85 Prozent.
- Datum 10.06.2009 - 16:19 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, ks
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rm
Ganz lapidar gesagt: wenn es eh keine Arbeitsplätze gibt, können auch keine verloren gehen. Denn was man ansonsten aus dem Osten hört ist eher bedenklich: die NPD zieht ein in den Kommunen, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Annäherung ist wohl eher so: im Osten gab's schon länger nichts zu lachen, im Westen geht es damit jetzt auch los.
Ich finde diese Tatsache auch erstaunlich, zumal die Armutsquote so hoch ist, wie passt das alles zusammen? Ich kann es nicht so glauben, aber dass die Bürger in den neuen Ländern fit sind, ist schon klar.
...wo nichts ist, kann auch nichts gebeutelt werden.
Kohl hat ja auch nicht von Industriestandorten gesprochen, sondern von blühenden Landschaften.
Vermutlich dachte er an einen einwohnerfreien Naturpark neue Bundesländer.
Im "Goldenen Westen" sieht es mit der Arbeitslosigkeit auch nicht viel anders aus - nur hier hat der Alt-Bundesbürger die Chance, nach BENELUX, A, SUI oder F auszuweichen und kann dort für gutes Geld arbeiten, ohne gleich - zigtausend Kilometer von seiner Familie getrennt zu leben.
Beim OSSI sieht die Sache da schon anders aus, denn wenn der in PL oder CZ arbeiten würde, dann hätte er bald ein finanzielles Problem.
Fakt ist aber auch, der Ossi ist wesentlich flexibler - jedenfalls all jene AN, die noch zu Ost-Zeiten ihre Ausbildung fertig bekommen haben.
Ich weiß, wovon ich rede, denn seit über 13 Jahren muss ich "flexibel" reagieren. Ich hätte auch lieber einen Job in einer Firma, wo ich hätte "alt" werden können.
Außer als Berufsbeamter oder im ÖD - keine Chance und so nehme ich jede Gelegenheit beim Schopfe und versuche mich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten.
Was jetzt über den "Westen" hereinbricht, dass ist nicht nur das Resultat maroder Wirtschaft in den letzten 20 Jahren - das ist die schon lange fällige Quittung für einen Lebensstandard, der unter der Regierung Kohl weit über den ökonomischen Verhältnissen lag.
Machen wir uns nichts vor:
Misswirtschaft gab es nicht nur im Osten, sondern auch im Westen.
Dass nun der Osten in einigen Dingen besser dasteht, dass liegt nicht allein an der "brüderlichen" Hilfe aus dem Westen, sondern das liegt an der Arbeitseinstellung der Generation "40+".
Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich nicht nur ein Unternehmen kenne, für das ich arbeitete, das erst die Fördergelder "Aufbau Ost" kassierte und nach Ablauf der "Friedenspflicht" mit Sack und Pack wieder das Ufer westlich der Elbe aufsuchte.
Die Dummen waren die fleißigen AN aus dem Osten, die für geringeren Lohn sogar noch länger arbeiteten als ihre "Klassenbrüder" aus dem Westen.
Ich finde diese Tatsache auch erstaunlich, zumal die Armutsquote so hoch ist, wie passt das alles zusammen? Ich kann es nicht so glauben, aber dass die Bürger in den neuen Ländern fit sind, ist schon klar.
...wo nichts ist, kann auch nichts gebeutelt werden.
Kohl hat ja auch nicht von Industriestandorten gesprochen, sondern von blühenden Landschaften.
Vermutlich dachte er an einen einwohnerfreien Naturpark neue Bundesländer.
Im "Goldenen Westen" sieht es mit der Arbeitslosigkeit auch nicht viel anders aus - nur hier hat der Alt-Bundesbürger die Chance, nach BENELUX, A, SUI oder F auszuweichen und kann dort für gutes Geld arbeiten, ohne gleich - zigtausend Kilometer von seiner Familie getrennt zu leben.
Beim OSSI sieht die Sache da schon anders aus, denn wenn der in PL oder CZ arbeiten würde, dann hätte er bald ein finanzielles Problem.
Fakt ist aber auch, der Ossi ist wesentlich flexibler - jedenfalls all jene AN, die noch zu Ost-Zeiten ihre Ausbildung fertig bekommen haben.
Ich weiß, wovon ich rede, denn seit über 13 Jahren muss ich "flexibel" reagieren. Ich hätte auch lieber einen Job in einer Firma, wo ich hätte "alt" werden können.
Außer als Berufsbeamter oder im ÖD - keine Chance und so nehme ich jede Gelegenheit beim Schopfe und versuche mich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten.
Was jetzt über den "Westen" hereinbricht, dass ist nicht nur das Resultat maroder Wirtschaft in den letzten 20 Jahren - das ist die schon lange fällige Quittung für einen Lebensstandard, der unter der Regierung Kohl weit über den ökonomischen Verhältnissen lag.
Machen wir uns nichts vor:
Misswirtschaft gab es nicht nur im Osten, sondern auch im Westen.
Dass nun der Osten in einigen Dingen besser dasteht, dass liegt nicht allein an der "brüderlichen" Hilfe aus dem Westen, sondern das liegt an der Arbeitseinstellung der Generation "40+".
Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich nicht nur ein Unternehmen kenne, für das ich arbeitete, das erst die Fördergelder "Aufbau Ost" kassierte und nach Ablauf der "Friedenspflicht" mit Sack und Pack wieder das Ufer westlich der Elbe aufsuchte.
Die Dummen waren die fleißigen AN aus dem Osten, die für geringeren Lohn sogar noch länger arbeiteten als ihre "Klassenbrüder" aus dem Westen.
Ich finde diese Tatsache auch erstaunlich, zumal die Armutsquote so hoch ist, wie passt das alles zusammen? Ich kann es nicht so glauben, aber dass die Bürger in den neuen Ländern fit sind, ist schon klar.
Zur Armut siehe auch die Angaben im Armutsaltlas, die uns auch einige Selbstüberzeugungskunst abverlangen:
http://kallewestrich.blog...
...wo nichts ist, kann auch nichts gebeutelt werden.
Kohl hat ja auch nicht von Industriestandorten gesprochen, sondern von blühenden Landschaften.
Vermutlich dachte er an einen einwohnerfreien Naturpark neue Bundesländer.
Die gesamte Denkweise bezüglich Krisenfestigkeit hinkt den neuen Realitäten hinterher. Am besten wird die Situation durch die Heuschrecken-Metapher beschrieben: Die USA und Westeuropa waren mal grün, nun haben die Heuschrecken das Grün gesehen und werden alles ratzekahl wegfressen bis nix Grünes mehr wächst. Zentral scheint es ein Kommunikationsproblem zu sein, welches uns die Glasnost-Öffnung und Globalisierung beschert hat, die Vernunft ist auf der Strecke geblieben. Es ist das Prinzip von Opel und Karstadt, die Betriebe laufen gut, wenn sie nicht kostendeckend arbeiten müssen, sondern sich immer noch irgendwo ein Geldgeber findet. Nur - wenn alles Grün weggefressen ist, dann ist die harte ökonomische Wirklichkeit dar, dass die Einnahmen für die Produkte über den Kosten liegen müssen. Die Wirtschaftsmanager von heute sollten meditierend an den Altbauruinen in Ostdeutschland vorbei pilgern und sich fragen, wie soetwas entstanden ist. Und wenn man dann soweit ist, dann käme die Frage, ob man Slums, Blechhütten, Blockhütten und Primitivbetriebe und Holzpflüge wirklich will oder ob man doch lieber wieder Wirtschaftswachstum und Wohlstand gerne hätte. Sollte man tatsächlich den allgemeinen Wohlstand kapitalistischer Gesellschaften anstreben wollen, dann müssten die Konzeptionen eines Ludwig Erhards mal wieder ausgepackt werden. Aber da das mit dem Durchdenken und der Vernunft stark rückläufig ist, wird die erfolgreiche Wirtschaftslehre nur graue Theorie bleiben und man wird sich an den Rezepten der Altbauruinen-Ideologen orientieren.
"Ost-West" ist schon lange nicht mehr die Lebensrealität.
Wir haben ein extremes Nord-Süd-Gefälle. Die Unterschiede in Lebensstandard, Einkommen, soziale Sicherheit ja selbst Lebenserwartung (!) sind inzwischen signifikant unterschiedlich ob man Südbayern oder das Ruhrgebiet (um im vermeintlichen "Westen" zu bleiben, was eine abstruse Bezeichnung ist wenn man auch nur einen Kompass "lesen" kann..) lebt und seine Beobachtungen macht. Es gibt kein "Deutschland" und kein "deutsch XY". Die Regionen sind so divers wie es nur geht innerhalb Westeuropas.
Darum ist allein schon die Überschrift des Artikels schlicht Schmarn. Dass das so verlautbart wird von der Politik, zufällig im beginnenden Wahlkampf, soll wohl die auf Dauerfrust abonnierten Ostdeutschen "besänftigen"... die sind dann vielleicht schadenfroh und fühlen sich nicht mehr "benachteiligt" oder so. Was weiss ich was sich die Politikstrategen da gedacht haben (diese Dinge werden nie ohne Hintergedanken lanciert, wir wollen nicht naiver als nötig sein).
Auch zwischen Bayern und Baden-Württemberg gibt es extreme Unterschiede. Was Kaufkraft angeht hat Bayern die westlichen Nachbarn in Baden-Württemberg schon 2007 abgehängt (die Kaufkraft in der Region München ist 1/5 höher als in der Region Stuttgart), in der Krise rächt sich doppelt die Ausrichtung der Schwaben auf mittelständige Fertigung während man in Bayern einen weitaus größeren Anteil an Tourismus und Dienstleistungen hat. Der Schwarzwald mag bezüglich Schönheit nun nicht ganz an Allgäu oder Berchtesgadener Land heranreichen ist aber dennoch eine attraktive Urlaubsregion, hat aber ein gänzlich anderes Image (eher "spießiges Heimatidyll") während ein paar Kilometer weiter in Bayern, in Österreich und vor allem in der Schweiz die sehr ähnlichen Landschaften, Dialekte und Dörfer auf einmal als "cooles Heimatidyll" gelten. Das ist kluges Marketing, Markenbildung und auch ein gewisser Hype (gerade die Schweizer haben da sehr klug für sich geworben und aus ihrem Land eine regelrechte Dachmarke gemacht mit dem Schweizerkreuz als Logo).
Man hat sich also einfach zu sehr auf "dem Daimler" und dergleichen ausgeruht und gedacht das geht schon immer so weiter. Die Produkte können aber so weltspitze sein wie sie wollen, und das sind sie (die Baden-Württemberger Firmen alleine melden im Jahr mehr neue Patente an als jene aus England und Frankreich - zusammen!). Man kann ihnen also nicht vorwerfen schlechte Produkte zu machen, das hilft aber nichts wenn es zu einseitig ist. Monostrukturen brechen einer Region all zu leicht das Genick.
Die brachiale Veränderungen in Ostdeutschland werden sich mit Sicherheit langfristig vielerorts auch auszahlen. Das ist so ein bischen wie "Bayern-light", Bayern war ja recht lange in allem hinterher wirtschaftlich und politisch, konnte dann aber umso schneller von einer eher agrarisch geprägten Wirtschaft in das HiTech-Zeitalter springen. Ohne Altlasten und Strukturwandel. Und die Leute haben das doppelt als bayrisches Wirtschaftswunder empfunden weil Landstriche die vormals einen bescheidenen Lebensstil hatten nun auf einmal mit an der europäische Spitze lagen was Wohlstand angeht. Das hat Lebensqualität, Stimmung und Zuversicht geschütz, Glücksritter aus den von viel Frust im Norden geprägten Regionen angelockt und durch diese "Brain-Infusion" den Aufschwung verstärkt, und so weiter. Eine Aufwärtsspirale.
Diese Brain-Infusion fehlt Ostdeutschland halt immer noch. Nach wie vor geht die Wanderung in die andere Richtung. Obwohl es dort auch wunderschöne Städte und Landschaften mit hoher Lebensqualität gäbe, auch dort zahlt sich in gewisser Weise die Rückständigkeit zwischen Kriegsende und 1990 aus. Man hatte schlicht nicht das Geld wunderschöne Städte wie Eisenach abzureißen (zu "modernisieren" wie das im Westen hieß), autogerecht umzugestalten, die schönen alten Straßenschilder aus Emaile durch zweckmäßige weiße Schilder auszutauschen die zwar Nachts das Scheinwerferlicht reflektieren und dadurch lesbarer sind aber furchtbar ausschauen.. all diese Details die einen gewachsenen urbanen Lebensraum ausmachen wurden im Westen, weil man das Geld hatte, rabiat auf den Schrott entsorgt. Städte wie Gelsenkirchen und Essen galten als schick und reich, das kann man sich heute kaum noch vorstellen.
Der Osten hätte schon Potential aber auch hier stimmt es mit Marketing, Image und Stimmung nicht ganz. Man nutzt das Potential nicht. Selbst das angrenzende Polen, was wenn man wirklich nur die Fakten betrachtet Welten von ostdeutschem Standard entfernt ist, gilt als "boomend". Halt von sehr niedrigem Ausgangsniveau. Das zeigt dass es den Leuten nicht so sehr um absolute Zahlen geht sondern um Zuversicht und das Gefühl in einer pulsierenden Region zu leben "wo was geht", nicht in einer Region die vor allem mit "Demographische Katastrophe", "Brauner Terror" oder "Rückbau Ost" Schlagzeilen macht. Und da komme mir keiner mit "gesundbeten geht auch nicht", ich bin schlicht für den moderaten Mittelweg zwischen Lamento und Jubel.
kann nicht mehr hinfallen. Altes Indigosprichwort
Ich bin tausend km von meiner Familie weg, damit ich Arbeit habe. Aber der Osten ist ja krisenfest!
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