EU-Agrarsubventionen Wer noch Geld bekommen hat

Auf der Liste mit Empfängern von Agrarzuschüssen der Europäischen Union stehen nicht nur Stadtwerke, Universitäten oder Gestüte sondern auch Politiker und Spitzenfunktionäre des Bauernverbandes.

Mit einiger Verspätung war Deutschland gestern der Aufforderung nachgekommen, Empfänger von EU-Agrarsubventionen aus 2008 im Internet öffentlich zu benennen und damit die Verteilung der Gelder transparenter zu machen. Nun stehen alle drin, bis auf die, die in Bayern wohnen und arbeiten. Und das wird ein Nachspiel haben, denn die EU leitet nun ein Verfahren gegen Deutschland ein.

Viele Empfänger sind auf Anhieb nicht als die eigentlichen Adressaten erkennbar. Sogar rund 190 deutsche Städte oder Stadtwerke profitieren etwa davon. Auch mehrere Kunsthäuser wie das Emsland Moormuseum. Selbst Hochschulen stellten erfolgreich Anträge. Mehr als 100.000 Euro strich allein die Universität Hohenheim ein.

Rund deutsche 20 Klöster sammelten ebenfalls EU-Gelder ein, in einem Fall einen Betrag von knapp 300.000 Euro. Zu den Direktempfängern gehören auch 17 Gestüte, vom Rennstall Zoppenbroich bis zum ehemaligen Springreiter-Ass Alwin Schockemöhle. Für Auto-Erben Wolfgang Porsche blieb noch ein kleiner Betrag übrig. Zu den Empfängern gehören weiter diverse Stiftungen. Knapp 612.000 Euro aus Brüssel konnte etwa die Hessische Hausstiftung verbuchen, die vor allem die Kunstsammlung der früheren Herrscherfamilie samt Weingut verwaltet.

Neben vielen zum Teil kuriosen Zahlungen konnten sich auch eine Reihe von Politikern mit Hof- oder Landbesitz über EU-Hilfen freuen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Röring, dem ein Schweinemastbetrieb im Ostwestfälischen gehört, kam laut Internet-Liste auf mehr als 38 000 Euro Förderung. Noch 1000 Euro mehr wurden seinem Fraktionskollegen Bernhard Schulte-Drüggelte überwiesen, der am Möhnesee einen historischen Gutshof besitzt. Mit gut 11.000 Euro ist auch der FDP-Wirtschaftsexperte Paul Friedhoff dabei, dessen Familie im Oldenburger Münsterland einen "Erlebnis"-Bauernhof betreibt.

Zum Teil weit stattlichere Beträge flossen aus Brüssel an Spitzenfunktionäre des Deutschen Bauernverbandes, der bis zuletzt die Veröffentlichung verhindern wollte. So gingen an den schleswig-holsteinischen Verbandschef Werner Schwarz, der in der Nähe von Bad Oldesloe ein Gut betreibt, 162.000 Euro. Sein saarländischer Amtskollege Klaus Lafontaine kam auf 117.000 und der rheinische Verbandspräsident Friedhelm Decker auf 50.000 Euro. Ein Landwirtschaftsbetrieb in Bad Langensalza, bei dem Thüringens Bauern-Präsident Klaus Kliem Geschäftsführer ist, bekam 1,6 Millionen aus den Brüsseler Kassen.

Auch in der Spitze des Bauernverbandes gibt es namhafte Empfänger. Vizepräsident Werner Hilse, der dem Landvolk in Niedersachsen vorsteht, kam auf rund 111.000 Euro an Direkthilfen für seinen eigenen Gemischtbetrieb. Für die Agrarflächen von Mit-Vize Norbert Schindler aus Rheinland-Pfalz weist die Liste einen Betrag von 93.000 Euro aus. Die Gelder für den Präsidenten der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, Carl-Albrecht Bartmer, summierten sich auf knapp 366.000 Euro für sein Gut Löbitz.

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Leser-Kommentare
    • carol
    • 17.06.2009 um 16:13 Uhr

    diese agrarsubventionen waren mit ihren millarden für mich immer schon zuviel gewesen. es machte nie sinn, dass man alles zu centbeträgen aber die qualität immer weiter abnahm. und das wurde auch noch subventioniert.

    das auch noch "irgendwer" dieses geld erhalten hat, erfüllt bei mir alle vorurteile.

    __________________________________________________
    Christdemokraten: Für Alles zu haben, zu Nichts zu gebrauchen.

  1. Mittels der Subventionen, die zur Zeit in große Konzerne fließen, wäre es ein leichtes eine Landwirtschaft zu fördern, die nicht nur den ökologischen Interessen Einzelner dient, sondern die umwelt- und tiergerecht funktioniert, gesundes(!) Essen produziert anstatt regelmäßiger Seuchen und zudem die Chancengleichheit in der Welt erhöht statt einheimische Bauern durch hoch subventionierte, europäische Lebensmittel in den Ruin zu treiben.

    Dass hier etwas ganz und gar schief läuft wird ja nun mehr und mehr klar. Alleine, dass der Bauernverband sich so gegen diese Veröffentlichung gesperrt hat zeigt, dass da einiges im Argen steckt. Dass Industrieriesen gefördert werden schlägt ja nun auch dem Fass den Boden aus.

    Dass "Verbraucherschutz"Ministerin Aigner daher eher den Titel "Bauernverbandsschützerin" verdient ist schon lange klar. Aber dass der Verband nur auch noch eine Task Force gegründet hat um die öffentliche Meinung zu beeinflussen... da fällt einem doch nichts mehr ein.

    Da werden große Massentierproduktionen gefördert, die Verfütterung von Tierkadavern wieder zugelassen (obwohl eben das ja zu BSE geführt hatte) und alles getan um die Käfighaltung von Hennen durch die Hintertür mittels "Kleintiergruppen" wieder einzuführen, anstatt einfach mal umzudenken und den Trend zu umwelt- und tiergerechter Landwirtschaft anzuerkennen (der hoffentlich mehr als ein kurzzeitiger Trend ist).

  2. Früher waren die Bauern die Ernährer der Nation, heute sind sie die Kostgänger der Nation.
    Wenn zum Beispiel die Installateurbetriebe so chronisch defizitär arbeiten würden, würden die dann auch subventioniert?
    Es freut mich darum immer, wenn ich in einer langen Kolonne hinter einem Trecker hinterfahren muss, der mir mit dem von mir subventionierten Agrardiesel den Weg versperrt.

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    • Aha°
    • 09.11.2010 um 19:38 Uhr

    kaufen Sie sich Ihr Essen doch woanders! Ein Sack Gen-Soyaschrot aus Brasilien erfüllt vielleicht bei manchen Zeitgenossen seinen Zweck sehr gut. Reicht ein Jahr, kostet 40 Euro.

    Und wenn Sie nächstes Mal hinter einem Bauern herfahren müssen, denken Sie dran: Sie sind wahrscheinlich auf dem Nachhauseweg, der Bauer aber kann oft nach 12-14 Stunden noch nicht Feierabend machen und sich über andere aufregen. Viele von denen machen im Schnitt 60, 70 oder 80 Stunden in der Woche, Winter mit eingerechnet, damit andere was zu Fr***en haben und dann über jeden Subventionscent die Nase rümpfen.
    Und was bleibt bei den Bauern hängen? Fast Nüschte.
    Fragen Sie doch mal nen Bankmenschen auf dem Land, der kann das ganz gut beurteilen.
    Kucken Sie sich doch mal um, wie viele Höfe seit den 80ern dichtmachen mussten, nach jahrzehntelanger familienbetrieblicher Selbstquälerei ak. "Idealismus".

    Einigen Bauern geht es durchaus gut, aber wenn da mal einer den Stundenlohn berechnen würde, wäre das Ergebnis ziemlich bitter. Nur die richtig Großen machen einen fetten Schnitt.

    Apropos Subvention: Wussten Sie, dass z.B. der Automobilverkehr mit 3-5.000 € / Jahr von der Gesellschaft subventioniert wird?

    • Aha°
    • 09.11.2010 um 19:38 Uhr

    kaufen Sie sich Ihr Essen doch woanders! Ein Sack Gen-Soyaschrot aus Brasilien erfüllt vielleicht bei manchen Zeitgenossen seinen Zweck sehr gut. Reicht ein Jahr, kostet 40 Euro.

    Und wenn Sie nächstes Mal hinter einem Bauern herfahren müssen, denken Sie dran: Sie sind wahrscheinlich auf dem Nachhauseweg, der Bauer aber kann oft nach 12-14 Stunden noch nicht Feierabend machen und sich über andere aufregen. Viele von denen machen im Schnitt 60, 70 oder 80 Stunden in der Woche, Winter mit eingerechnet, damit andere was zu Fr***en haben und dann über jeden Subventionscent die Nase rümpfen.
    Und was bleibt bei den Bauern hängen? Fast Nüschte.
    Fragen Sie doch mal nen Bankmenschen auf dem Land, der kann das ganz gut beurteilen.
    Kucken Sie sich doch mal um, wie viele Höfe seit den 80ern dichtmachen mussten, nach jahrzehntelanger familienbetrieblicher Selbstquälerei ak. "Idealismus".

    Einigen Bauern geht es durchaus gut, aber wenn da mal einer den Stundenlohn berechnen würde, wäre das Ergebnis ziemlich bitter. Nur die richtig Großen machen einen fetten Schnitt.

    Apropos Subvention: Wussten Sie, dass z.B. der Automobilverkehr mit 3-5.000 € / Jahr von der Gesellschaft subventioniert wird?

    • Aha°
    • 09.11.2010 um 19:38 Uhr

    kaufen Sie sich Ihr Essen doch woanders! Ein Sack Gen-Soyaschrot aus Brasilien erfüllt vielleicht bei manchen Zeitgenossen seinen Zweck sehr gut. Reicht ein Jahr, kostet 40 Euro.

    Und wenn Sie nächstes Mal hinter einem Bauern herfahren müssen, denken Sie dran: Sie sind wahrscheinlich auf dem Nachhauseweg, der Bauer aber kann oft nach 12-14 Stunden noch nicht Feierabend machen und sich über andere aufregen. Viele von denen machen im Schnitt 60, 70 oder 80 Stunden in der Woche, Winter mit eingerechnet, damit andere was zu Fr***en haben und dann über jeden Subventionscent die Nase rümpfen.
    Und was bleibt bei den Bauern hängen? Fast Nüschte.
    Fragen Sie doch mal nen Bankmenschen auf dem Land, der kann das ganz gut beurteilen.
    Kucken Sie sich doch mal um, wie viele Höfe seit den 80ern dichtmachen mussten, nach jahrzehntelanger familienbetrieblicher Selbstquälerei ak. "Idealismus".

    Einigen Bauern geht es durchaus gut, aber wenn da mal einer den Stundenlohn berechnen würde, wäre das Ergebnis ziemlich bitter. Nur die richtig Großen machen einen fetten Schnitt.

    Apropos Subvention: Wussten Sie, dass z.B. der Automobilverkehr mit 3-5.000 € / Jahr von der Gesellschaft subventioniert wird?

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