Schwangerschaft und Geburt Früh geboren, spät Probleme

Sieben Prozent aller Babys kommen zu früh zur Welt. Auch wenn sie sich körperlich gut entwickeln, brauchen diese Kinder eine besondere Förderung. Das zeigt eine Studie aus Großbritannien

Dieses Frühchen ist mit rund 1800 Gramm zu leicht für ein Neugeborenes

Dieses Frühchen ist mit rund 1800 Gramm zu leicht für ein Neugeborenes

Frühgeborene sind die größte Patientengruppe in Kinderkliniken. Sieben von 100 Kindern werden heute in Deutschland vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren, eines von ihnen wiegt sogar weniger als 1500 Gramm.

Immer mehr dieser ganz kleinen und leichten Frühchen überleben heute, oft nach monatelanger Behandlung auf einer Intensivstation. Jedes siebte von ihnen stirbt allerdings, und von den Überlebenden wächst jedes Fünfte mit einer Behinderung auf.

In einer Langzeitstudie mit Namen "Epicure" wurden seit 1995 alle vor der 26. Schwangerschaftswoche geborenen Kinder aus ganz Großbritannien über elf Jahre begleitet und mit einer Gruppe Gleichaltriger verglichen. Nun liegen die Ergebnisse vor. "Unsere Befunde sind erschreckend", so fasste der deutsche Psychologe Dieter Wolke von der Warwick Medical School in Coventry auf dem Kongress für Perinatale Medizin in Berlin zusammen.

Bei vier von zehn extrem früh geborenen Kindern zeigten sich Lernbehinderungen, bei den Kindern aus der Kontrollgruppe, die länger im Bauch der Mutter heranreifen durften, war es nur eines von 100.

Zu früh geborene Jungen sind doppelt so häufig von Lernproblemen betroffen wie Mädchen. Weit über die Hälfte der Frühchen, die mit sehr unreifem Gehirn auf die Welt kamen, brauchen später in der Schule besondere Förderung, bis zu 15 Mal häufiger leiden sie an Aufmerksamkeitsproblemen, sozialen und emotionalen Störungen.

Bei acht Prozent der extrem Frühgeborenen wurde Autismus festgestellt, aber bei keinem einzigen der Kinder aus der Kontrollgruppe. Als extrem kleines Frühchen auf die Welt zu kommen, führt zu Problemen, die sich bei vielen Kindern nie ganz auswachsen.

Vor allem die Unterstützung der Familien und die gezielte Förderung der Kinder entscheiden darüber, was aus den Kindern wird. "Wenn man zu Beginn 200.000 Euro für die Behandlung ausgibt, muss man auch später Geld investieren, um zu helfen", sagte Wolke.

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