Runder Tisch Heimkinder Das Heim im Kopf
Peter Laxy war ein Heimkind der frühen Bundesrepublik. Er erzählt von seiner Zeit im Erziehungsheim Fichtenhain. Von Demütigung, Gewalt und Hunger

© Maike Freund
Peter Laxy heute in seinem Garten
Er hat wieder nur wenig geschlafen. Denn die Bilder lassen ihn nicht los. Wenn er die Augen schließt, kann er ihn sehen: Den Junge aus der Abteilung 6, der eines Nachts versucht, an zusammengeknoteten Nachthemden durch das vergitterte Fenster zu entkommen. Der Knoten löst sich. Und einen Moment ist es so, als schwebe der Junge in der Luft. Dann schlägt er auf dem Steinboden auf. Überall ist Blut. Und in seinen Ohren klingt das Geräusch nach, als würde eine Nuss geknackt; der Kopf, der auf Stein zerbricht.
Peter Laxy hat selbst mehr als einmal versucht, aus dem Kinderheim Fichtenhain bei Krefeld zu fliehen, das damals in Trägerschaft des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) stand. Dort lebte er von 1953 bis 1956. Jetzt, mehr als 50 Jahre danach, erzählt er zum ersten Mal von seinen Erlebnissen.
Er selbst nutzt nur Gelegenheiten für eine Flucht und wurde immer wieder aufgegriffen. Die Strafe: Für zwei Tage Abwesenheit gibt es vier Tage Arrest in einer Einzelzelle. Ein Raum mit Betonbett. Ein Gitter. Sonst nichts.
Schätzungsweise 800.000 Kinder lebten in der Nachkriegszeit bis Mitte der 70er Jahre zumindest zeitweise in Heimen. Wie viele von ihnen wie Peter Laxy Gewalt, Demütigung und Hunger ertragen mussten, ist nicht klar. Seit Februar 2009 beschäftigt sich auch die Politik mit dem Thema. An einem Runden Tisch in Berlin versammeln sich alle zwei Monate ehemaligen Heimkinder, Vertreter von Bund, Ländern, Kirchen und der Jugendhilfe. Dabei geht es laut der Vorsitzenden und ehemalige Vizepräsidentin des Bundestages Antje Vollmer (Grüne) um Entschuldigungen und die Frage, ob eine Entschädigung der Betroffenen möglich ist. Die dritte Sitzung des runden Tisches findet am 15. und 16. Juni statt. Vorher schon hat der Verein ehemaliger Heimkinder (VEH) gefordert, einen Entschädigungsfonds in Höhe von 25 Milliarden Euro einzurichten.
An guten Tagen im Knast, erzählt Laxy, gibt es normale Essensrationen. Morgens ein Becher Muckefuck und zwei Scheiben Brot, mittags Kartoffeln und Gemüse, was oft ungenießbar ist, weil vieles verfault ist. Abends Brot. An schlechten Tagen bekam er nur einen Kanten Brot. Mit 14 Jahren wiegt er 38 Kilo.
Strafe gibt es, weil dem Erzieher danach ist. Niemand weiß wann, aber alle wissen, dass es kein Entkommen gibt. "Der bekommt heute den ,Heiligen Geist’", sagt der Erzieher grinsend. In einer Nacht kommen die Mitzöglinge, die dem Erzieher ergeben sind, in den Schlafsaal zu Laxy, ziehen ihm die Decke über den Körper, dass er wie in einem Sack gefangen ist. Sie wickeln Lederpantoffeln in ein Handtuch, machen es nass und schlagen auf ihn ein, bis ihnen die Arme müde werden. Am nächsten Tag feixt der Erzieher: "Na, biste die Treppe runtergefallen?"
Laxy ist "ein harter Hund", sonst hätte er das alles nicht überleben können. Er fragt sich, wie in einer neu erwachten Demokratie so etwas überhaupt möglich war. "Was waren das für Menschen?"
- Datum 15.06.2009 - 15:53 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Hierzu gibt es von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover doch sehr aufschlussreiche Zusatzinfos, welche den politischen Umgang mit diesem Thema in ein grelles Licht stellt.
http://www.evlka.de/conte...
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will offenbar eine Debatte über einen Entschädigungsfonds für ehemalige Heimkinder verhindern. In einem Brief an die Länderminister, der dem epd vorliegt, schreibt die Ministerin: "Die Einrichtung eines 'Nationalen Entschädigungsfonds' wird von Bundestag und Bundesregierung nicht angestrebt." Eine Beschlussempfehlung des Bundestags lässt demgegenüber die Frage nach der Form möglicher Entschädigungen an ehemalige Heimkinder offen. Die Einrichtung eines Fonds war unter anderem von den Grünen ins Gespräch gebracht worden.
.....
Ein Sprecher von der Leyens erklärte in Berlin, er könne keine Auskunft »über ein laufendes Verfahren" geben. Es gehe der Ministerin aber nicht darum, Dinge auszuschließen. Der Sprecher bestätigte, dass von der Leyen die Organisation des Runden Tisches entgegen anderer Empfehlungen des Bundestages dem Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge übertragen will. Dies werde von allen Beteiligten auch so gewünscht.
...
Der Vorsitzende des Heimkinder-Vereins, Hans-Siegfried Wiegand, sagte dem epd, den Deutschen Verein beauftragen zu wollen, sei "ein Missgriff der Ministerin". Der Deutsche Verein sei wegen seiner Geschichte nicht geeignet, den Runden Tisch zu organisieren, da er in die Heimerziehung des Nationalsozialismus sowie der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland selbst verstrickt gewesen sei.
...
Insgesamt bewertet der Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder von der Leyens Vorgehen skeptisch: "Was die Ministerin will, sieht aus wie eine geschäftsmäßige Erledigung".
Über die Zustände in deutschen Heimen ist mir persönlich nichts bekannt. Ich kann jedoch die Aussagen von Peter Laxy nachvollziehen, war ich doch selbst im Alter von sechs bis 15 Jahren, hier in der Schweiz, Insasse eines so genannten «Landschulheimes», dem ein Bauerhof angegliedert war. Unterrichtet wurde überwiegend in den Schwerpunktfächern Stallarbeiten, Gras mähen und einbringen, Kartoffeln pflanzen und wieder ernten, heuen, Getreide mähen, Garben stellen usw. usf. All das ist zwar lange her, doch wenn ich ab und zu wieder daran denke, wundert es mich, dass wir zwar Schulnoten in Rechnen, Lesen und Schreiben bekamen, jedoch kein Zeugnis zum Abschluss einer überlang dauernden «landwirtschaftlichen Lehre». Doch so tragisch, jetzt wieder allgemein gesprochen, all diese Biografien auch waren, denke ich heute, dass es wohl nützlicher wäre, hier und jetzt und immer wieder, ganz genau hin zu sehen und hin zu hören, wenn es um Berichte über Vorfälle in staatlichen wie privaten Erziehungsinstitutionen geht. Statt in dreissig oder fünfzig Jahren an einem Runden Tisch wiederum unmenschliche Schicksale aufarbeiten zu müssen.
dann ist das nicht so schlimm. Ist ja nichts sexuelles... Man kann gar nicht oft genung darauf hinweisen, dass die treibenden Kräfte in diesem Heimsystem die katholischen Nonnenstifte waren, die diese Heime betrieben. Da stand das Antasten der kindlichen Menschenwürde immer ganz oben im Programm. Ich weiss das alles noch ganz genau, denn meine politische Sozialisation begann mit der Besetzung eines Hauses in Dortmund, um den entkommenen Opfern des St.Vincent-Kinderheims am Borsigplatz ein Dach über dem Kopf zu geben und ihren Häschern zu entziehen. Was wir von 12-16 jährigen Kindern da so zu hören kriegten, brachte uns zu der Überzeugung, dass der Faschismus in Deutschland niemals aufgehört hatte und nunmehr unterm Kreuz stattfand.
Die katholische Kirche wird nicht müde, die Lüge zu verbreiten, die Zustände in den Heimen seien "bedauerliche Einzelfälle" gewesen, aber erstens findet sich niemand, der aussagt, dass es in seinem Heim besser war und zweitens hat sich in Irland gezeigt, dass die Menschenhasser ihre Christliche Barmherzigkeit noch bis in dieses Jahrtausend an wehrlosen Kindern durchkonjugiert haben.
Frau v.d. Laiens rote Stoppschilder, wären, wenn irgend, an Kirchentüren sinnvoll.
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In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
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wie jämmerlich erst nach einer so langen zeit mit einer entschuldigung zu kommen. auch erinnert mich diese "aufarbeitung" an die aktuelle aufarbeitung mit dem Dritten Reich.
diese ignoranz scheint mir keine ausnahmen zu sein.
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Christdemokraten: Für Alles zu haben, zu Nichts zu gebrauchen.
Im Artikel fragt sich Laxy, was das für Menschen waren. Aus meiner Sicht waren es radfahrende Nazis, die, wie alle Nazis, ihre physische Überlegenheit an wehrlosen ausgelassen haben. Leute, die immer ihren Leitern in den Hintern gekrochen sind und diejenigen, für die sie verantwortlich waren, als ihr Eigentum betrachtet haben, mit dem man tun kann was man will.
Diese Zustände in Kinderheimen belegen leider, dass die Nazis keineswegs nach dem 2. Weltkrieg ausgelöscht waren, sondern deren hasserfüllte Ideen noch sehr tief in den Köpfen steckten. Insofern haben die 68er doch großes geleistet: Sie haben gezeigt, wie sehr verbohrt die "normalen Leute" im Grunde waren und wie sehr sie unbewusst an abstrusen Ideen festhielten.
Ohne die Ereignisse der 68er wäre heute ein so offener Umgang mit den damaligen Ereignissen in den Kinderheimen nicht möglich und die damals malträtierten Kinder, die heute als Erwachsene immer noch an dem unmenschlichen Verhalten der damaligen "Heimleiter" leiden, wären immer noch allein.
Leute wie Filbinger (Ex Ministerpräsident von Baden Württemberg, der sich ungerecht behandelt fühlte, nachdem er über Jahrzehnte seine Schuld geleugnet hatte), die sich auch noch beschweren, wenn man ihre Vergangenheit aufdeckt und sie zur Verantwortung zieht, lösen bei mir noch größeren Brechreiz aus, wenn ich in Artikeln wie diesem hier lese, wieviel Leid ihre "Idee" des Herrenmenschen gebracht hat.
Sicher hat der radfahrende Nazi das Nachkriegsdeutschland geprägt. Der Mißbrauch in deutschen Kinderheimen läßt sich aber meines Erachtens nicht nur auf die Auswüchse der Herrenmenschenideologie der Nazis zurückführen. Auf die Frage, was sind das für Menschen gewesen, würde ich, die ich als Kleinkind selbst betroffen war, spontan antworten: in der Regel Durchschnittstypen, vom Leben benachteiligt (oder sich so fühlend), ein Tick gleichgültiger, gewalttätiger, geisteskranker als andere, die Dietrich Heßlings dieser Welt, die mit der Macht, welche ihnen übertragen wurde, ihre eigene Ohnmacht zu betäuben suchen.
Sicher hat der radfahrende Nazi das Nachkriegsdeutschland geprägt. Der Mißbrauch in deutschen Kinderheimen läßt sich aber meines Erachtens nicht nur auf die Auswüchse der Herrenmenschenideologie der Nazis zurückführen. Auf die Frage, was sind das für Menschen gewesen, würde ich, die ich als Kleinkind selbst betroffen war, spontan antworten: in der Regel Durchschnittstypen, vom Leben benachteiligt (oder sich so fühlend), ein Tick gleichgültiger, gewalttätiger, geisteskranker als andere, die Dietrich Heßlings dieser Welt, die mit der Macht, welche ihnen übertragen wurde, ihre eigene Ohnmacht zu betäuben suchen.
Sicher hat der radfahrende Nazi das Nachkriegsdeutschland geprägt. Der Mißbrauch in deutschen Kinderheimen läßt sich aber meines Erachtens nicht nur auf die Auswüchse der Herrenmenschenideologie der Nazis zurückführen. Auf die Frage, was sind das für Menschen gewesen, würde ich, die ich als Kleinkind selbst betroffen war, spontan antworten: in der Regel Durchschnittstypen, vom Leben benachteiligt (oder sich so fühlend), ein Tick gleichgültiger, gewalttätiger, geisteskranker als andere, die Dietrich Heßlings dieser Welt, die mit der Macht, welche ihnen übertragen wurde, ihre eigene Ohnmacht zu betäuben suchen.
Bitte weltweit verbreiten und bekanntmachen !
2010 »RECHTSGUTACHTEN vorgelegt beim »Runder Tisch Heimerziehung« in Berlin bestätigt alles was „ehemalige Heimkinder“ in ihren Anklagen behauptet haben.«
in meinem EHEMALIGE HEIMKINDER BLOG Nr. 1
( http://www.heimkinderopfe... ) @ http://heimkinderopfer.bl... ( 05.07.2010 ) [ RECHTSGUTACHTEN dem »Runden Tisch Heimerziehung« vorgelgt am 1. Juli 2010 ! ]
»Synopse zu dem Heimerziehung-RECHTSGUTACHTEN, dass am 01.07.2010 dem »Runden Tisch Heimerziehung«, unter Vorsitz von Antje Vollmer, vorgelegt wurde.«
in meinem EHEMALIGE HEIMKINDER BLOG Nr. 2
( http://www.heimkinderopfe... ) @ http://heimkinderopfer2.b... ( 06.07.2010 )
2010 EXPERTISE der damaligen HEIMERZIEHUNG von Prof. Dr. Karola Kuhlmann auch in der Synopse am Rande erwähnt [ ebenso dem »Runden Tisch Heimerziehung« vorgelegt am 1. Juli 2010 ! ].
2010 STUDIE zur HEIMERZIEHUNG in Auftrag gegeben vom NRW LANDSCHAFTSVERBAND – vorgelegt [ beim Landeshaus NRW am 18.03.2010 ! ] von Henkelmann, Pierlings, Kaminsky, Swiderek und Banach @ http://dierkschaefer.file... zu finden.
Alle drei: das RECHTSGUTACHTEN, die EXPERTISE, und die STUDIE ( alle aus dem Jahre 2010 ) bestatigen alles was „Ehemalige Heimkinder“ schon immer gesagt und behaupted haben !!!
Grüße aus Australien !
Engagierter Bürger
Wie viele Todesfälle in der Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland über die Dekaden hinweg waren es insgesamt ? – Ist DAS schon festgestellt worden ?
Und was waren die jeweiligen Todesursachen dieser „Heimerziehungstodesfälle“ ?
Und ich rede hier NICHT NUR von den Todesfällen in dem „Wellness Hotel“ „Glückstadt“ ( 1949-1974 ) = Kinder-KZ „Landesfürsorgeheim Glückstadt“ Schleswig-Holstein ( 1949-1974 ) !
Ja, ich will das Gedenken an diese Todesfälle in der bundesrepublikanischen „Heimerziehung unter dem JUGENDWOHLFAHRTSGESETZ“ ( zwischen 1945 und 1992 ), aber auch das Gedenken an diese Todesfälle unter den „Behinderten Heimkindern“ die einer „Spezialbehandlung“ unter spezifischen GESETZEN und RICHTLINIEN Westdeutschlands für „behinderte Heimkinder“ ( zwischen 1945 und 1992 ) [ was auch immer die Benennung dieser diesbezüglich angewendeten GESETZE und RICHTLINIEN für die „Behinderten Heimkinder“ gewesen sein mögen ] unterstanden, wachhalten !
Wollt Ihr das nicht auch ?
Was also wird in Deutschland DIESBETREFFEND unternommen und von wem ?
Ja, es geht hier um „Misshandlung von Kindern“ / „Misshandlung von Jugendlichen“ / „Misshandlung von jungen Erwachsenen“, „MISSHANDLUNG“ und „MENSCHENRECHTSVERLETZUNG“ ( „VERBRECHEN“, „FAHRLÄSSIGKEIT“ und „PFLICHTVERGESSEN“ !!! ), die den Tod dieser jungen Menschen in Westdeutschland verursachte.
In der niedersächsischen Politik interessiert man sich schon DAFÜR, aber am »Runden Tisch Heimerziehung« in Berlin bisher nicht !
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