Es ist ein Wort, vor dem viele Deutsche Angst haben: Insolvenz. Eine Firmenpleite gilt als Inbegriff des Scheiterns und Todesstoß für Unternehmen und Mitarbeiter. Allein in diesem Jahr sollen nach Angaben der Wirtschaftsdatenbank Creditreform mehr als 35.000 Unternehmen Insolvenz anmelden – rund 20 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Nicht jede dieser Firmen wird von der Bildfläche verschwinden. Einige werden die Insolvenz überleben und sogar in ein paar Jahren wieder gute Geschäfte machen.

Wann muss ein Unternehmen Insolvenz beantragen?

Wenn ein Betrieb seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann oder verschuldet ist, muss er Insolvenz anmelden. Der Antrag muss vom Unternehmen selbst oder einem Gläubiger – also zum Beispiel einem Lieferanten, der unbeglichene Rechnungen hat – beim zuständigen Amtsgericht eingereicht werden. Das alles sollte schnell gehen: Laut deutscher Insolvenzordnung muss die Firma "ohne schuldhaftes Zögern, spätestens aber drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung" den Antrag stellen. Ansonsten macht sie sich strafbar. Denn wer seine Pleite nicht rechtzeitig anmeldet, kann dafür bis zu drei Jahre ins Gefängnis kommen. Man nennt das "Insolvenzverschleppung".

Kann man auch Insolvenz beantragen, bevor man pleite ist?

Ja. Das Insolvenzrecht erlaubt es, auch bei "drohender Zahlungsunfähigkeit" die Notbremse zu ziehen. Davor scheuen aber viele Firmen zurück. Ein Fehler, finden Insolvenzverwalter: "Im Hinblick auf die spätere Fortführung des Geschäftsbetriebes ist der rechtzeitige Einsatz der Insolvenz häufig das richtige Instrument zur Sanierung von Unternehmen", sagt der Berliner Rechtsanwalt Hans-Jörg Briest. Wer erst Insolvenz beantragt, wenn er dazu gezwungen wird, hat schlechtere Karten. "Dann fehlt erfahrungsgemäß jede Möglichkeit, noch viel zu gestalten", sagt Briest.

Wie gehen die Geschäfte nach der Insolvenz weiter?

Das Gericht ernennt nach jedem Insolvenzantrag einen vorläufigen Insolvenzverwalter. In der Regel ist das ein erfahrener Jurist und Betriebswirt. Hierzulande gibt es nach Angaben des Verbands der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) rund 1800 Anwälte die als Insolvenzverwalter arbeiten – rund ein Drittel von ihnen sind Hauptberufler. Der Insolvenzverwalter ist der neue Chef im Haus. Er spricht mit potenziellen Investoren, Mitarbeitern, Kunden sowie Banken und versucht, die Kosten zu drücken. Zugleich muss er versuchen, die Gläubiger von seinen Plänen zu überzeugen. Dazu finden Gläubigerversammlungen statt. Diese und das zuständige Gericht kontrollieren die Arbeit des Insolvenzverwalters.

Wie lange hat ein Insolvenzverwalter Zeit?