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Tag fünf: Twitter durchbricht Irans Zensur

Iran am Tag fünf nach der Wahl: Über Twitter verbreiteten sich weltweit neue Meldungen zur Protestbewegung in Iran – aller staatlichen Zensur zum Trotz. Eine Übersicht

Den Live-Blog zu den Ereignissen von heute finden Sie hier.

Twitter ist ihr Nachrichtendienst, Youtube ihr Fernsehsender:  Seit Samstag protestieren die Gegner von Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad gegen die offensichtlich manipulierte Wahl. Über die sozialen Netzwerke werden Demos organisiert, Berichte von Übergriffen machen die Runde, Videos zeigen der ganzen Welt, dass der Protest viel größer ist als es Ahmadineschad glauben machen mag. Millionen Internet-User in aller Welt werden Zeuge einer Freiheitsbewegung und solidarisieren sich via Twitter mit den Demonstranten.

Hier hat ZEIT ONLINE dokumentiert, wie das Netz den fünften Tag der Proteste erlebte:

 

19.45 Uhr
Bis zur Bekanntgabe der "offiziellen Wahlergebnisse" wollen Mussawi-Anhänger ihre allabendliche Sprechchöre von den Dächern der Stadt fortsetzen: "Allah o akbar!" ("Gott ist groß"). Folgendes Video von vergangenem Sonntag vermittelt einen Eindruck von diesem Ritual:

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19.15 Uhr
Zu vielen Websites und Internetdiensten wird der Zugang seit Tagen im Land von der iranischen Regierung blockiert oder erschwert. Mittlerweile kursiert über Twitter eine Liste der verbotenen Adressen: Darunter sollen sich neben den Websites von BBC, Deutschen Welle, Facebook und Friendfeed auch zahlreiche Blogs befinden.

18.45 Uhr
Aus mehreren bislang unbestätigtenQuellen heißt es, die Botschafter aus Großbritannien, Tschechien, Frankreich und Schweiz seien in das iranischen Außenministerium berufen worden. Zu den Gründen gibt es bislang keine Angaben.

18.15 Uhr
Seltenes Videomaterial: Ein Gespräch zwischen Polizisten und Demonstranten, vermutlich von heute:

18.00 Uhr
Auf Youtube ist ein Video über den stillen Protestmarsch der Mussawi-Anhänger auf der Karimkhan-Brücke veröffentlicht worden:

17.30 Uhr
Angeblich habe sich der Ahmadineschad-Gegner Mehdi Karroubi heute unter den Demonstranten auf dem Haft-e-Tir-Platz in Teheran befunden.

17.00 Uhr
Derweil kursieren über Twitter unterschiedliche Informationen über die Lage an der Teheraner Universität: Während zum einen davor gewarnt wird, dass das Gebäude komplett von Kämpfern der Basij-Miliz umstellt sei, ist in anderen Meldungen die Rede, dass die Miliz die Kontrolle lockere: "If you are there, leave now." Hier heißt es, dass für Studenten, die sich noch auf dem Campus aufhalten, Richtung Osten Fluchtmöglichkeiten bestünden.

16.45 Uhr
Gerüchten zufolge sollen zwei Kämpfer der paramilitärischen Basij-Miliz in Teheran von der Polizei verhaftet worden sein: zum einen in Vanak, einem Stadtteil im Norden Teherans, sowie außerhalb der Universität.

16.30 Uhr
Folgende Aufnahme ist heute über Twitpic veröffentlicht worden und dokumentiert allem Anschein nach den Protestmarsch der Mussawi-Anhänger auf der Karimkhan-Brücke in Teheran:

16.15 Uhr
Offenbar versammeln sich derzeit Zehntausende Demonstranten auf und rund um den Haft-e-Tir-Platz im Zentrum Teherans zu einer Pro-Mussawi-Kundgebung.

15.50 Uhr
Die Website von Mohammed Ali Abtahi ist wieder erreichbar. Dort findet sich auch eine offizielle Bestätigung der bereits gestern kursierenden Vermutung, dass er verhaftet wurde: "Mohammad Ali Abtahi, former vice president during Mr. Khatami's presidency and the advisor to Mr. Karroubi in the presidential election had been arrested today (Tuesday). Whenever he gets released, he will write here on his website."

15.30 Uhr
Großayatollah Hussein Ali Montazeri, ein regimekritischer und unter Hausarrest gestellter Geistlicher, soll auf seiner Website einen Brief an das iranische Volk veröffentlicht haben, wie das Blog Hotair schreibt. In diesem Brief zweifelt er die Ergebnisse der Wahl schwer an und bezeichnet das derzeitige Regime als "rechtswidrig".

14.45 Uhr
Wie das Blog Iran in the Gulf schreibt, soll der iranische Student Mohammadreza Jalaeipour, ein Sprecher der Pro-Mussawi-Bewegung Third Wave ("Dritte Welle"), am Morgen am Flughafen verhaftet und sein Pass beschlagnahmt worden sein. Der Oxford-Student wollte offenbar nach England ausreisen.

14.25 Uhr
Die Spieler, die zu Beginn des Fußballspiels Iran – Korea grüne Schweißbänder getragen haben, sollen diese zur zweiten Halbzeit wiederentfernt haben.

14.00 Uhr
Das Blog Loft965 hat Aufnahmen veröffentlicht, welche die Hochrechnungen nach der Wahl im staatlichen Fernsehen zeigen und weitere Zweifel an den Auszählungsmethoden wecken. Das Interessante: Um 9.47 Uhr hat der Präsidentschaftskandidat Mohsen Rezai 633.048 Stimmen, gut vier Stunden später um 13.53 Uhr sind es allerdings nur noch 587.913 Stimmen. Wo sind die restlichen Stimmen geblieben?

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Leser-Kommentare

  1. Und der große Peter Scholl-Latour erklärt die Welt:

    http://www.zdf.de/ZDFmedi...

    Alles ganz harmlos....

    Ein Schlag ins Gesicht aller freiheits- und demokratieliebender Iraner ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich weis auch nicht warum man bei jeder Gelegenheit diesen Herren aus der Mottenkiste rausholt. Mittlerweile halte ich ihn soger für peinlich wenn man hört was er zum Teil für rasistischen Bemerkungen von sich gibt und ständig bemüht ist die Völker dieser Welt in Schubladen zu stecken. Zur Zeit glaubt er tatsachlich Iran immer noch zu kennen weil er vor 30 Jahren herren Khomeini interviewt hat. Auf der anderen Seite wenn er immernoch ständig zu solchen Themen befragt wird, kann er ja nur in seinem Wahn gestärkt. Peter Scholl-Latour ist ein Paradebeispiel für Menschen, die nicht wissen wann sie aufhören sollten.

  2. Mit Freude sehe ich die unglaublichen Möglichkeiten von TWITTER, die z.B. von den protestierenden Iranern intensiv genutzt werden. So entstehen Revolutionen, die von den Herrschenden nicht mehr kontrolliert werden können (vergebliche Warnung an die online-Dienste). In einem sehr viel kleineren Rahmen - aber ebenfalls mit sehr positiver Wirkung - nutze ich die weltweiten Möglichkeiten, an den Judenretter OSKAR SCHINDLER zu erinnern, der in meiner Heimatstadt HILDESHEIM immer noch verleugnet wird (er hat hier von 1971 bis zu seinem Tode am 9. Oktober 1974 unter Freunden gelebt).

    Herzliche Grüsse

    Klaus Metzger
    HILDESHEIM
    www.twitter.com/klmmetzger

  3. Ich weis auch nicht warum man bei jeder Gelegenheit diesen Herren aus der Mottenkiste rausholt. Mittlerweile halte ich ihn soger für peinlich wenn man hört was er zum Teil für rasistischen Bemerkungen von sich gibt und ständig bemüht ist die Völker dieser Welt in Schubladen zu stecken. Zur Zeit glaubt er tatsachlich Iran immer noch zu kennen weil er vor 30 Jahren herren Khomeini interviewt hat. Auf der anderen Seite wenn er immernoch ständig zu solchen Themen befragt wird, kann er ja nur in seinem Wahn gestärkt. Peter Scholl-Latour ist ein Paradebeispiel für Menschen, die nicht wissen wann sie aufhören sollten.

    Antwort auf "Und der große Peter"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Mann hat mehr Ahnung als die meisten Deutschen Politiker. Vor allem verbreitet er keine Propaganda oder Lügen wie die meisten deutschen Medien, was man im Georgien Konflikt sehr gut sehen konnte.

    Man mag ihm nicht bei jedem seiner Sätze beipflichten, nichtsdestotrotz halte ich Scholl-Latour schon für eine Bereicherung der deutschen Medienlandschaft - eben weil er nicht immer dem Mainstream folgt.
    Bei aller Antipathie für Ahmadineschad: Wenn Scholl-Latour von einer Protestbewegung der Eliten spricht, dann ist das doch in keinster Weise falsch. Man mag seiner Vorstellung von Realpolitik "um jeden Preis" widersprechen, aber kann es denn ernsthaft schaden, sich zumindest eine andere Meinung anzuhören, ehe man sich sein Urteil fällt? Argumente und verschiedene Darstellungen gegeneinander abwägen, das gehört doch letztlich auch zu einer demokratischen Gesellschaft. So verallgemeinerte Anschuldigungen wie die Ihren bringen die Diskussion jedenfalls weniger voran als das Interview mit Peter Scholl-Latour.

  4. Der Mann hat mehr Ahnung als die meisten Deutschen Politiker. Vor allem verbreitet er keine Propaganda oder Lügen wie die meisten deutschen Medien, was man im Georgien Konflikt sehr gut sehen konnte.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die armen deutschen Politiker müssen wohl für alle Verleiche herhalten. Damit bekommt man ja auch häufig applaus, egal ob der Vergleich angebracht ist oder Nicht.
    Herr Scholl-Latour war neben Kriegsjournalist auch ein ehemaliger Fremdenlegionär, der in Algerien Wiederstandskämpfer abgemurkst hat. Wenn man seine Reden hört und seine Bücher liest, spürt man auch sehr häufig die Arroganz und die abwertende Haltung die er gegenüber den Völkern des mittleren Ostens hat. Damit kann er anscheinend aber ein paar möchtegern Kosmopoliten beeindrüken.

  5. Man mag ihm nicht bei jedem seiner Sätze beipflichten, nichtsdestotrotz halte ich Scholl-Latour schon für eine Bereicherung der deutschen Medienlandschaft - eben weil er nicht immer dem Mainstream folgt.
    Bei aller Antipathie für Ahmadineschad: Wenn Scholl-Latour von einer Protestbewegung der Eliten spricht, dann ist das doch in keinster Weise falsch. Man mag seiner Vorstellung von Realpolitik "um jeden Preis" widersprechen, aber kann es denn ernsthaft schaden, sich zumindest eine andere Meinung anzuhören, ehe man sich sein Urteil fällt? Argumente und verschiedene Darstellungen gegeneinander abwägen, das gehört doch letztlich auch zu einer demokratischen Gesellschaft. So verallgemeinerte Anschuldigungen wie die Ihren bringen die Diskussion jedenfalls weniger voran als das Interview mit Peter Scholl-Latour.

  6. Die armen deutschen Politiker müssen wohl für alle Verleiche herhalten. Damit bekommt man ja auch häufig applaus, egal ob der Vergleich angebracht ist oder Nicht.
    Herr Scholl-Latour war neben Kriegsjournalist auch ein ehemaliger Fremdenlegionär, der in Algerien Wiederstandskämpfer abgemurkst hat. Wenn man seine Reden hört und seine Bücher liest, spürt man auch sehr häufig die Arroganz und die abwertende Haltung die er gegenüber den Völkern des mittleren Ostens hat. Damit kann er anscheinend aber ein paar möchtegern Kosmopoliten beeindrüken.

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  • Von Daniel Schlicht
  • Datum 23.6.2009 - 11:00 Uhr
  • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE, 17.06.2009
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  • Schlagworte Iran | Staat | Protest | Demonstration | Internet
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