Präsidentschaftswahl Iran wartet gespannt auf das Wahlergebnis
Noch nie strömten so viele Iraner an die Urnen und wählten ihren künftigen Präsidenten. Die Wahllokale blieben gar länger geöffnet – einen Sieger aber gibt es noch nicht

© Farzaneh Khademian/AFP/Getty Images
Zwischen Tradition und Moderne: Die Iraner haben über ihren künftigen Präsidenten entschieden
Die iranische Präsidentschaftswahl sorgte für eine bislang ungeahnte Euphorie im Land: In einem nie gekannten Ausmaß sind die Iraner der Aufforderung zur Stimmabgabe gefolgt und bildeten schon am Morgen lange Schlangen vor den 45.000 Wahllokalen. Stundenlang mussten Wähler anstehen, bevor sie ihre Stimme abgeben konnten. Die Öffnungszeiten wurden deshalb um sechs Stunden verlängert, erst um Mitternacht iranischer Zeit sollen der Urnengang beendet sein. Das Innenministerium rechnet damit, dass mehr als 70 Prozent der etwa 46 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben haben – so viele wie nie zuvor.
In vielen Wahllokalen gingen schon am Mittag die Stimmzettel aus. In kleineren Dörfern gaben bis zu 90 Prozent der Berechtigten ihre Stimme ab. "Wir hatten nicht einmal eine Minute Zeit, um unseren Tee zu trinken", berichtete ein Wahlhelfer in Teheran. Die Nachrichtenagentur ILNA berichtete, auch viele bisherige Nichtwähler hätten ihre Stimme abgegeben. In iranischen Personalausweisen gibt es eine Seite, wo jede Stimmenabgabe registriert wird.
Der Ausgang der Wahl gilt als völlig offen, auch wenn die Anhänger des wichtigsten Herausforderers von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad, des moderaten Konservativen Mir Hussein Mussawi, bereits am Mittag den Wahlsieg ausgerufen hatten. 58 bis 60 Prozent der bislang abgegeben Stimmen seien an den 67-Jährigen gegangen, sagte Sadegh Charasi, ein wichtiger Mitstreiter des Kandidaten. Er stützte sich auf Erhebungen, die von Reformern erstellt worden seien. "Wir sind die Gewinner". Mussawi selbst sagte bei seiner Stimmabgabe in einer Moschee in Teheran: "Der Wählerenthusiasmus zeigt den Wunsch nach einem Wandel im Land".
Zugleich warf er den Behörden eine Behinderung der Wahlbeobachter vor. Einigen seiner Vertreter sei der Zugang zu den Wahllokalen verweigert worden, als diese dort den ordnungsgemäßen Ablauf der Wahl überprüfen wollten. Darüber hinaus sei es in Teheran und anderen Großstädten seit Donnerstagabend nicht mehr möglich, SMS-Nachrichten per Handy zu verschicken. Dies wird vor allem Mussawis jüngere Anhänger empören, die sich während des Wahlkampfs, den ihr Kandidat ganz im Stil des US-Präsidenten Barack Obama geführt hatte, organisierten. Das Kommunikationsministerium räumte inzwischen technische Probleme ein.
Der ehemalige Ministerpräsident Mussawi ist besonders bei Reform-Befürwortern und jungen Iranern beliebt, von denen viele bei der Wahl vor vier Jahren zu Hause blieben. Doch in den vergangenen Tagen zogen sie, geschmückt mit grünen Tüchern und Schals als Zeichen des Wandels, zu Tausenden durch die Straßen Teherans, um für ihren Kandidaten zu werben. Außerdem unterstützen Mussawi auch jene Konservative, die Ahmadineschad mit seiner extrem harten Linie verprellt hat. Als Geheimwaffe im Wahlkampf galt Mussawis Frau Sahra Rahnaward. Die Hochschullehrerin und Verfechterin von Frauenrechten war stets an der Seite ihres Mannes, der mit ihr besonders bei Wählerinnen um Stimmen warb.
Der noch amtierende Präsident indes hält dagegen: Die hohe Wahlbeteiligung sei vielmehr Ausdruck des Wunsches, auf dem Weg des "Stolzes, Fortschritts und Wohlstands" weiterzumachen, sagte Ahmadineschad seinerseits bei der Stimmabgabe. Auch sein Lager hat für die vorauseilende Siegesgewissheit des Kontrahenten nur Verachtung übrig: "Das ist ein Psycho-Krieg, den sie angefangen haben, um die Wahl zu beeinflussen", sagte Ali Akbar Dschawanfekr, ein Berater des Präsidenten. Der Ausgang sei unmöglich hervorzusagen. Erste Ergebnisse würden erst am Samstagmorgen erwartet.
Dem Hardliner Ahmadineschad, der wegen seiner Hass-Tiraden gegen Israel und dem Festhalten am Atomprogramm auch Politikern im Westen ein Dorn im Auge ist, macht vor allem die angeschlagene Wirtschaftslage zu schaffen. Iran leidet unter dem Verfall des Ölpreises und erheblich gestiegenen Preisen. Gleichwohl genießt Ahmadineschad gerade bei der verarmten Landbevölkerung immer noch starken Rückhalt. Dieser verdankt der 53-Jährige auch seinen ersten Wahlsieg, als er mit dem Versprechen antrat, die Werte der Islamischen Revolution von 1979 wiederzubeleben.
Für einen Sieg benötigen die Kandidaten 50 Prozent der Stimmen. Experten erwarteten nicht, dass einer der Bewerber diesen Anteil bereits in der ersten Runde erreicht. Stattdessen gingen sie davon aus, dass die Entscheidung in einer Stichwahl zwischen Ahmadineschad und Mussawi am kommenden Freitag fällt. Den beiden anderen Kandidaten, dem reformorientierten Kleriker Mehdi Karubi und dem Ex-Kommandeur der Revolutionsgarden Mohsen Resai, räumen sie dagegen keine Chancen mehr ein.
Entsprechend hatte sich das Augenmerk bereits während des erbittert geführten Wahlkampfes auf die beiden Spitzenkandidaten konzentriert. Ahmadineschad warf seinen Rivalen vor, korrupt zu sein. Diese beschuldigten ihn wiederum, er habe bei der Darstellung der Wirtschaftslage gelogen, was den für seine oft drastische Wortwahl berüchtigten Ahmadineschad veranlasste, seinen Herausforderern mit Gefängnis zu drohen, da sie sich "Hitler-Methoden" bedienten.
Mit Spannung wurde die Wahl auch im Westen verfolgt. Das Ergebnis dürfte entscheidend für die künftigen Beziehungen vieler Staaten zum Iran sein. Vor allem der seit Jahren andauernde Streit um das iranische Atomprogramm hat dieses immer wieder belastet. Mussawi hat angekündigt, das Verhältnis zum Westen verbessern zu wollen. Keiner der vier Kandidaten hat jedoch eine wirkliche Änderung der Atompolitik in Aussicht gestellt. Sie verwiesen auf das Geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, der über solche Grundsatzfragen zu entscheiden habe.
- Datum 12.06.2009 - 19:33 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, kg, dpa, Reuters
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Ich frage mich wie der Wächter Rat wohl reagiert falls es nach einer wiederwahl dieses Narren zu Ausschreitungen kommen sollte
ein Land in dem sich die politische Kaste noch nicht gegen die Bürger verschworen hat, wo es noch Alternativen gibt.
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Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
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Gruß, Bernd
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Zunächst einmal hat der Wächterrat die allermeisten Kandidaten gar nicht zur Wahl zugelassen. Frauen wurden nicht zur Wahl zugelassen. Die "Wahl" ist nicht demokratisch.
Das Zweite: Ausländische Journalisten haben massenweise kein Visum für Iran erhalten
Das Drtitte: Es gehört zu den Eigenarten der Islamischen Republik, dass letztendlich alle politischen Fäden beim Revolutionsführer, Ali Chamenei, zusammenlaufen. Und er bei allen politischen Fragen, das letzte Wort hat.
Das Vierte: Bei allen "Wahlen" würde bisher Wegen des hohen Andrangs bleiben die Wahllokale noch zwei Stunden länger geöffnet. Der Wächterrat hat schon heute morgen von einer 70 prozentige "Wahlbeteiligung" gesprochen.
Und letzten Endes: Wie alle bisherigen "wahlen", ist auch diese eine Farce. Nach ein Dekret von Chamenei, soll die Wahlbeteiligung über 70 % und Ahmadinedjad als Gewinner der "Wahl" erklärt werden. Hätten sovile Menschen im Iran sich für das Regime ausgesprochen, wären solch eine brutale Unterdrückung des Volkes nicht nötwendig.
Nach ein Dekret von Chamenei, soll die Wahlbeteiligung über 70 % und Ahmadinedjad als Gewinner der "Wahl" erklärt werden.
Woher haben sie bitte diese Informationen?
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"Diese Zustände werden wir nicht weiter hinnehmen - gegen diesen Haufen kann man sich ja kaum mehr auf der Straße blicken lassen!"
Wahrscheinlich werden die Wahllokale überraschenderweise noch bis heute abend offen haben. Denn es scheint für viele Iraner die vorerst letzte Möglichkeit zu sein, ihren irren und barbarischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad los zu werden und das haben bisher die meisten Iraner begriffen. Der schiitische Mullahstaat, der seine Rechte aus dem Koran und Scharia bezieht, scheint im Volk keine große Akzeptanz mehr zu haben. Der Bevormundungsstaat hat bisher alles unternommen um sich bei der Bevölkerung extrem "beliebt" zumachen? Der Überwachungsstaat (DDR) Iran hat Religionswächter, die strengentens darauf achten, das ihre "Schäflein" nicht unsittliches machen.
Dabei ist Messlatte ziemlich hochgelegt. Wer zum Bêispiel sich draußen in der Öffentlichkeit heraus nimmt als Frau ohne Kopftuch rumzulaufen und mit anderen jungen Männer feiert, findet sich zu meist im Knast wieder.
Gemäßigte Barbarei
Auch sollte er sich nicht erschrecken lassen, wenn auf irgend ein Marktplatz, Aufhängungen von Menschen beiwohnen kann. Im Jahr werden so auf diese weise ca. 1500 Menschen umgebracht. Meist sind es Menschen von Minderheiten wie Bahais, Christen, Homosexuelle, Atheisten und Ehebrecherinnen. Soviel zum Schutz von Minderheiten im Iran.
Nun haben die Iraner die Möglichkeit am Freitag „demokratisch“ darüber zu entscheiden, ob sie weiterhin Mahmud Ahmadinedschad oder den gemäßigten Hossein Mussawi als ihren neuen Präsidenten wählen wollen. Das es aber im Gottes- und Mullahstaat nur einem gibt der über Veränderung entscheidet, wird bei der euphorischen Berichterstattung gerne vergessen. Irans oberster Rechtsgelehrter Seyyed Ali Chamenei, ist der jenige der die gleiche Position einnimmt, wie damals der Schah von Persien. Auch er konnte walten und schalten, wie es im beliebt. Seyyed Ali Chamenei’s „Kabinett oder Mullah-Clique“ haben nur den Job, die wichtigen Themen zu benennen und „ihren Chef“ darüber zu entscheiden zulassen. Den Rest besorgt der Mob auf der Straße.
Frauenrechte? Fehlanzeige! - Minderheitsrechte? Fehlanzeige! - Glaubensfreiheit? Fehlanzeige! - Meinungsfreiheit? Fehlanzeige! - Freiheit? Fehlanzeige! Demokratie? –Fehlanzeige! Wählen gehen? Ja und nochmals Ja.
Der Schrei nach Freiheit ist im Iran wahrscheinlich so groß, wie damals unter der Schah-Herrschaft. Ja, ich gehe davon aus, dass es noch ca.10 Jahre dauern wird, bis dieses barbarische Regime zusammenbricht. Wie damals, das DDR-Regime. Es brach auch nach 40 Jahren zusammen. Wenn die Iraner gemäßigt feiern wollen, dann müssen sie das heute noch Zuhause machen. Die Religions-Wächter des Überwachungsstaates lassen nichts dergleichen zu. Wegen des strengen Alkoholverbots nehmen die Hälfte der Iraner oral ihre Drogen. Kein Wunder bei soviel Bevormundung.
Meinen Glückwunsch - dem neuen Präsidenten Hossein Mussawi
KHJ aus Köln
Mir ist schleierhaft wie Sie einerseits das Regime in Teheran, ein Überwachungsstaat, Bevormundungsstaat nennen und gleichzeitig behaupten, dass Iraner ganz „demokratisch“ wählen können?
So würden auch die Mullahs argumentieren, um so viele Menschen wie möglich vor die ausländlichen Kameras zu locken.
Wir aber leben in einer aufgeklärten Welt und lassen uns nicht so leicht in die Irre führen. Das Märchen von friedlicher Revolution würde acht Jahren über Chatami gedichtet und endete mit Ahmadinedjad!
Mir ist schleierhaft wie Sie einerseits das Regime in Teheran, ein Überwachungsstaat, Bevormundungsstaat nennen und gleichzeitig behaupten, dass Iraner ganz „demokratisch“ wählen können?
So würden auch die Mullahs argumentieren, um so viele Menschen wie möglich vor die ausländlichen Kameras zu locken.
Wir aber leben in einer aufgeklärten Welt und lassen uns nicht so leicht in die Irre führen. Das Märchen von friedlicher Revolution würde acht Jahren über Chatami gedichtet und endete mit Ahmadinedjad!
Dies ist meines Wissens das dritte Mal, dass Sie faelschlich behaupten, im Iran werden jaehrlich 1500 Menschen hingerichtet. Dies ist nicht wahr. Jedes Todesurteil und insbesondere jede Exekution muessen aufs Schaerfste verurteilt werden, aber es ist wichtig, die offiziellen (bekannten) Zahlen zu nennen, die laut ai "mindestens 346 in 2008" (Exekutionen, leider zunehmend) betrugen.
Falls Sie mal im Iran waren, koennen wir uns gerne ueber Ihre und meine Erfahrungen austauschen.
Ich dachte immer das Kirchenoberhaupt haette die meiste Macht im Lande. Warum wird dann ein moeglicher Wechsel in Aussicht gestellt? Klaert mich wer auf?
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