Protestbewegung Sahra Rahnavard, Hoffnung der Iranerinnen
Sie will sich für Frauenrechte einsetzen und wettert gegen männliche Bevormundung: Sahra Rahnavard, Frau des Oppositionskandidaten Mussawi, ist in Iran zu einem Star geworden

© ATTA KENARE/AFP/Getty Images
Prominente Kandidatengattin: Sahra Rahnavard, Frau von Mir Hussein Mussawi (r.)
Die Bilder gingen um die Welt: Mir Hussein Mussawi inmitten der unübersehbaren Menschenmenge auf einem Autodach – winkend, mit einem Mikrofon in der Hand. Neben ihm eine Frau in schwarzem Schador und Blumen besticktem Kopftuch, die aufmerksam die Menschen musterte und sich eine rote Rose vor die Lippen hielt. Wie immer in den letzten Wochen war sie an seiner Seite, auch bei dem Millionenmarsch am letzten Montag auf dem Asadi-Platz in Teheran. Sahra Rahnavard, die Frau des den Reformern nahestehenden Kandidaten, bekannte Malerin und Bildhauerin, promovierte Politologin und für viele iranische Wählerinnen der eigentliche Star der "grünen Bewegung".
So wie sie auf den Wahlveranstaltungen redete, traute sich ihr Mann es nicht. "Das ist die mieseste und dreckigste männliche Bevormundung von Frauen", geißelte sie das rabiate Vorgehen der Sittenpolizei gegen sogenannte unislamische Kleidung. Frauen würden in Iran systematisch erniedrigt und behandelt wie Bürger zweiter Klasse, setzte sie in den jubelnden Beifall hinzu.
"Ihr seid hier, weil ihr die Nase voll habt von der Diktatur. Ihr seid hier, weil ihr Fanatismus hasst. Ihr seid hier, weil ihr von einem freien Iran und friedlichen Beziehungen mit dem Rest der Welt träumt", rief sie aus. Auch frage sie sich, warum der Wächterrat noch nie einer Frau die Kandidatur für das Präsidentenamt erlaubt habe. Die Menschen antworteten mit stehenden Ovationen und skandierten in Sprechchören: "Wir lieben dich, Rahnavard!"
Wie schon in den aufgewühlten Mussawi-Versammlungen während des Wahlkampfs so auch bei den grünen Großdemonstrationen in dieser Woche: Ob jung oder alt, ob mit traditionellen Schador oder modischen Kopftuch plus Chanel-Sonnenbrille – vor allem Frauen setzen ihre Hoffnungen auf den Kandidaten Mussawi und seine wortgewaltige "First Lady".
Iranische Frauen haben zwar bei dem Sturz des Schahs 1979 eine zentrale Rolle gespielt, eine gleichberechtigte Stellung in der Gesellschaft sowie eine echte Beteiligung an der Macht jedoch haben sie nie bekommen. Eine Handvoll Abgeordnetensitze und zwei Kabinettsposten – mehr sind in den 30 Jahren Islamischer Republik nicht herausgesprungen. Dabei ist Iran im ganzen Mittleren Osten die Nation mit der höchsten Frauenbildung. 60 Prozent aller Studenten sind weiblich, hochbegabt, bestens qualifiziert und doch ohne Chancen auf einen Aufstieg in Spitzenpositionen.

Kartenausschnitt Iran
Im Westen ist ein gemeinsam auftretendes Politikerpaar in Wahlkämpfen ein vertrauter Anblick. Im traditionellen Iran jedoch betrat Sahra Rahnavard damit Neuland. "Mussawi ist gut zu seiner Frau, und das ist mir wichtig", sagt Mariam Fathali, die von einer Karriere im Judo träumt. Wie die 22-Jährige hüten viele junge Leute das eine Wahlplakat, was Rahnavard Hand in Hand mit ihrem Mann zeigt, wie einen kostbaren Schatz. "Das habe ich noch nie bei einem Politiker gesehen", sagt sie. "Und er hält ihre Hand mit Liebe und Respekt und nicht, als sei sie sein Besitz."
- Datum 17.06.2009 - 18:47 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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