Iran vor der Wahl Irans Reformer fürchten Wahlbetrug

Heftige Schlussphase im Wahlkampf: Das Lager des Präsidenten und Hardliners Ahmadineschad wird der Wahlmanipulation verdächtigt

Präsident Ahmadineschad (hinten links) und sein Herausforderer Mussawi im TV-Studio: Die Reformer fürchten Wahlmanipulationen

Teheran steht Kopf. Erst bildeten mehr als eine halbe Million Anhänger von Herausforderer Mir-Hossein Mussawi eine Menschenkette quer durch die iranische Hauptstadt – von den armen Wohnbezirken im Süden bis zu den wohlhabenden Vierteln im Norden am Fuße des Alborz-Gebirges. Dann ließ Präsident Mahmud Ahmadineschad 400.000 Anhänger mit Bussen auf das Messegelände in Mosalla bringen, die ihr Idol mit "Gott ist groß"-Rufen und "Wir lieben dich" feierten. Eine solche Atmosphäre habe es in der Stadt seit der Revolution 1979 nicht mehr gegeben, schrieb dieser Tage eine Beobachterin.

Abend für Abend versammeln sich Zehntausende junger Menschen in den Stadtparks zu Sit-ins, sitzen bis in die frühen Morgenstunden zusammen und diskutieren über Politik. "Die grüne Welle" nennen Mussawis Anhänger ihre Kampagne, die teilweise zum Straßenkarneval mutierte. Die Farbe des Islam, die Farbe des Propheten ist auch die Farbe des Kandidaten, dessen Anhänger mit ihren grünen Schals, Luftballons, Plakaten, geschminkten Gesichtern und Stirnbändern inzwischen das Stadtbild prägen. "Ahmadini-bye-bye", skandieren sie. Und Mussawis offizieller Wahlfilm endet mit einer Widmung an "alle, deren Herz für einen entwickelten, freien und unabhängigen Iran schlägt".

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Am Freitag wählt die Islamische Republik ihren nächsten Präsidenten. Vier Kandidaten sind im Rennen - neben den beiden Hauptkontrahenten Ahmadineschad und Mussawi der Reformgeistliche Mehdi Karroubi und der langjährige Chef der Revolutionären Garden, Mohsen Rezai. Wenn keiner auf Anhieb mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält, gehen die beiden Erstplatzierten eine Woche später in die Stichwahl.

Sogar Fernsehduelle gab es diesmal zwischen den Kandidaten – eine Premiere für die Islamische Republik. Die Straßen in den Städten waren leer gefegt, die Bürger erlebten einen Amtsinhaber, der nervös auf seinem Stuhl herumrutschte und verbal um sich schlug. Fast alle Regierungen der vergangenen 24 Jahre seien "korrupt und unfähig" gewesen, donnerte er, bis ihm sein Kontrahent Mussawi kühl in die Parade fuhr. "Sie haben die Würde der iranischen Nation zerstört. Sie haben Spannungen mit vielen anderen Ländern erzeugt, sodass wir heute nicht einen einzigen Freund mehr in der Region haben." Eine solche Kritik hat sich noch nie ein iranischer Präsident öffentlich im Staatsfernsehen anhören müssen. Die Außenpolitik sei "Abenteurerei, Protzerei und Extremismus", setzte Mussawi nach - Sätze, die Ahmadineschad mit eisigem Grinsen quittierte.

So hart die Auseinandersetzung ist, so viel steht für das Land auf dem Spiel. Geht es unter Ahmadineschad weiter wie bisher mit den gereizten Beziehungen zu den arabischen Nachbarn, Europa und den USA, mit dem zwielichtigen Atomprogramm und dem harten Vorgehen gegen Menschenrechtler? Oder kann sein Rivale Mussawi einen Neuanfang mit den Vereinigten Staaten erreichen, die diplomatischen Knoten beim Atomprogramm und westlichen Sanktionen in einem "großen Verhandlungspaket" entwirren?

Den Frauen versprach Mussawi, alle Gesetze zu reformieren, die diskriminierend und unfair sind. Die Sittenpolizei will er abschaffen, die gerade in den letzten vier Jahren wieder stark im Privatleben der Menschen herumschnüffelte. "Warum haben unsere Kinder nach dem Studium nur noch einen Gedanken – auszuwandern?", fragte der gelernte Architekt bei einem seiner Wahlkampfauftritte. "Wir sollten dafür nicht unsere Jugend anklagen, sondern wir sollten uns selbst anklagen", rief er in den Beifall hinein.

Leser-Kommentare
    • KHJ
    • 11.06.2009 um 19:22 Uhr

    Das ZDF in der Pippi Langstrumpf-Welt

    Tatort: "ZDF – mit dem dritten Auge sieht man besser“
    Tatortzeit: 22:45 auslandjournal

    Ja, ich mache mir die Welt - wie sie mir gefällt. So auch am Mittwochabend im ZDF-auslandjournal als die „XXL-Sendung“ über den Iran aus gestrahlt wurde. Dabei bekam der Zuschauer neue Erkenntnisse und Geheimnisse verraten. Erstens, das der Iran keine Minderheiten hat und Zweitens das es keine Todesurteile mit anschließenden Hinrichtungen (Aufhängen am Kran und Steinigungen, im Jahr ca. 1500 Menschen lt. „ai“) gibt. Das dritte Geheimnis, was das ZDF lüftete, war das die Hamas im Gazasteifen, der Irak und die Hisbollah im Libanon, Waffenlieferungen vom Iran bekommen Das der Moderator Theo Koll leicht erschrocken war, als sein Kollege live aus Teheran verkündete, das auch diese „Schalte“ strengstens beobachtet wird, tat dieser Sendung keinen Abbruch?

    Barbarei oder gemäßigte Barbarei

    Nun haben die Iraner die Möglichkeit am Freitag „demokratisch“ darüber zu entscheiden, ob sie weiterhin Mahmud Ahmadinedschad oder den gemäßigten Hossein Mussawi als ihren neuen Präsidenten wählen wollen. Das es aber im Gottes- und Mullahstaat nur einem gibt der über Veränderung entscheidet, wird bei der euphorischen Berichterstattung gerne vergessen. Irans oberster Rechtsgelehrter Seyyed Ali Chamenei, ist der jenige der die gleiche Position einnimmt, wie damals der Schar von Persien. Auch er konnte walten und schalten, wie es im beliebt. Seyyed Ali Chamenei’s „Kabinett oder Mullah-Clique“ haben nur den Job, die wichtigen Themen zu benennen und „ihren Chef“ darüber zu entscheiden zulassen. Den Rest besorgt der Mob auf der Straße.

    Frauenrechte? Fehlanzeige! - Minderheitsrechte? Fehlanzeige! - Glaubensfreiheit? Fehlanzeige! - Meinungsfreiheit? Fehlanzeige! - Freiheit? Fehlanzeige! Demokratie? –Fehlanzeige! Wählen gehen? Ja und nochmals Ja.

    Der Schrei nach Freiheit ist im Iran wahrscheinlich so groß, wie damals unter der Schar-Herrschaft. Ich gehe davon aus, dass es noch ca.10 Jahre dauern wird, bis dieses barbarische Regime zusammenbricht. Wie damals, das DDR-Regime. Es brach auch nach 40 Jahren zusammen. Wenn die Iraner gemäßigt feiern wollen, dann müssen sie das heute noch Zuhause machen. Die Wächter des Überwachungsstaat lassen nichts dergleichen zu. Wegen des strengen Alkoholverbots nehmen die Hälfte der Iraner oral ihre Drogen. Kein Wunder bei soviel Bevormundung.

    KHJ aus Köln

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