Käfigkämpfen Hartes Geld für harte Schläge
Nun soll auch in Deutschland mit Käfigkämpfen Kasse gemacht werden. Die vielen und vehementen Kritiker haben das höchst umstrittene Spektakel ungewollt bekannt gemacht

© Julian Finney/Getty Images
Käfigkämpfen geht über gewöhnliche Grenzen hinaus
Als erster stieg Manfred Wolf in den Ring. Der 61-jährige FDP-Politiker ist Vorsitzender des Sportausschusses der Stadt Köln und beschäftigt sich normalerweise mit der Verleihung von Ehrenurkunden. Als er hörte, dass bei ihm in Köln der erste Käfigkampf der aus den USA stammenden "Ultimate Fighting Championship (UFC)" stattfinden soll, holte er zum verbalen Erstschlag aus. "Hier erreichen die niedrigsten Instinkte eines Menschen ihren Tiefpunkt", sagte Wolf. "Wir wollen keine Veranstaltung dieser Art in Köln haben."
Der Lokalpolitiker bekam in der zweiten Runde Unterstützung von anderen Haudegen. Nordrhein-Westfalens Kinder- und Jugendminister Armin Laschet (CDU) nannte die Kämpfe "pervers", der Kabarettist und Box-Experte Werner Schneyder sprach von einem "Brutalo-Event", das man verbieten müsse. Wenn man die Regeln der UFC ernst nehme, habe man "Tote und Querschnittsgelähmte".
Dann stiegen die Gegner in den Ring. Der deutsche Veranstalter Marek Lieberberg schlug zurück: "Die Diskussion wird von Politikern geführt, die sich nicht mit dem Thema beschäftigt haben." Er wolle den "lautstarken Diffamierungen" und "Unwahrheiten" entgegenwirken. Noch nie sei jemand bei einer UFC-Veranstaltung ernsthaft verletzt worden, auch Studien würden dies belegen.
Gleichzeitig drohte die Kölnarena-Geschäftsführung dem Lokalpolitiker Wolf mit einer Klage wegen unwahrer Tatsachenbehauptungen und forderte ihn auf, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben – was der nicht tat.
So entbrannte in Köln der Kampf zwischen Stadt und Veranstaltern, das Thema landete auf der Titelseite der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sowie in den Tagesthemen. Und die UFC konnte sich daheim in den USA zurücklehnen und freuen: Ihr Plan, in Deutschland Fuß zu fassen, ging auf, die Veranstaltung war in aller Munde.
Was passiert dort wirklich? In einem achteckigen Käfig treten zwei Kämpfer gegeneinander an, geprügelt wird mit fingerlosen Handschuhen. In einem Argumentationspapier erklärt die UFC einen weiteren Unterschied zum Boxsport: "Gewiss mag für das europäische Publikum die Fortsetzung des Kampfs am Boden mit dem Einsatz gezielter Faustschläge gewöhnungsbedürftig sein." Doch das Käfigkämpfen vereine anerkannte Sportarten wie Ringen, Judo, Taekwondo und Karate zu "Mixed-Martial-Arts". Fans lieben daran die technische Vielseitigkeit, Kritiker warnen indes vor brutalen Prügeleien.
Mit dieser eigentümlichen Mischung scheffelt die UFC inzwischen Millionen, machte im Jahr 2008 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 250 Millionen Dollar. Was mit illegalen Faustkämpfen in Hinterhöfen begann, hat seit dem Jahr 2001 ein festes Regelwerk, das unter anderem verbietet, feige zu sein und dem Gegner die Augen auszukratzen. In den USA füllt man große Hallen. Und verdient noch mehr Geld mit Pay-TV-Rechten. Das lohnt sich: Im Schnitt drei Millionen Zuschauer schalten ein, wenn dort Käfigkämpfe zu sehen sind.
- Datum 10.06.2009 - 16:49 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wenn man sich länger mit der UFC oder Kampfsport an sich beschäftigt hätte, hätte der besagte FDP Politiker gewusst, dass ein brutaler Schläger in der UFC gar nicht zugelassen werden würde...in der UFC gibt es weniger Verletzungen als im Boxsport, mittlerweile ist die UFC sehr streng reglementier und ein durchaus vorzeigbarer Sport geworden .
jaaa und Quintessenz ist nun? Keine... Mein Vater ist früher Rennen gefahren, das Auto, was früher sein "bestes Pferd" war, ist heute grad mal schneller als mein Fiat Punto...Die heutigen Rennautos haben ein vielfaches an PS! Früher habe ich Cowboy und Indianer gespielt, heute würd ich gerne Paintball spielen, früher galt ein Musiker mit einem Paukenschlag schon als außergewöhnlich, heute stört es keinen mehr so recht, wenn einige Black Metal Bands Schweineköpfe in die Besuchermassen werfen... fällt was auf? Es wird alles "extremer" und dann noch extremer, das was aber eben noch extrem war, ist nun schon wieder normal... ich sehe da keine sonderlich gefährliche Entwicklung, Mr. Couchpotatoe und Herr Bürohengst haben halt keinen Kampf ums Überleben mehr im Alltag, also schaut man sich an, wie Menschen in einem Käfig scheinbar um ihr Leben kämpfen.
Zu der Gewalt unter Jugendlichen Diskussion...naja ich hab das Geüfühl, ALLES macht Jugendliche aggressiv und zu potentiellen Amokläufern, Pc-Spiele, Hip Hop, UFC, oder wenn es nach Koch geht, ist es sogar das "Ausländersein" was unvermeidbar mit Aggression und Gewalt verbunden ist.
Auffällig ist meiner Meinung nach, nur, dass viele aggressive Jugendliche Probleme haben, die viel tiefer liegen, fehlgeschlagene Integration, soziale Probleme, gewalttätige Eltern, und und und...solche Probleme zu bekämpfen ist aber schwerer als PC-Spiele, UFC, Musik zu verbieten... es fällt wieder einmal auf, dass wir von Menschen regiert werden, die lieber 3 Sündenböcke schlachten als ein Problem zu beheben, lieber die Simptome verdecken, als die Krankheit auszumerzen...
Wäre es nicht wirklich die beste Lösung, Aggressivität der Jugendlichen in den Schulen zu bekämpfen? Da fallen sie am ehesten auf. Wahrscheinlich brauchen wir da aber mehr Lehrer und Sozialpädagogen. Diese Steuergelder wären gut angelegt.
Wäre es nicht wirklich die beste Lösung, Aggressivität der Jugendlichen in den Schulen zu bekämpfen? Da fallen sie am ehesten auf. Wahrscheinlich brauchen wir da aber mehr Lehrer und Sozialpädagogen. Diese Steuergelder wären gut angelegt.
Es zeigt die Verrohung der Gesellschaft, oder sollte ich besser schreiben es sind die ersten Anzeichen von Verrottung.
Orpheus
Welche Gesellschaft meinen sie denn und ab wann würden sie die Anfänge dieser Verrohung festmachen?.
Welche Gesellschaft meinen sie denn und ab wann würden sie die Anfänge dieser Verrohung festmachen?.
Lass das mal die Türkei so etwas machen - was für eine Politikums- und Diskussionsorgie.
Die Geschichte des Menschen ist ein Kampf ums Ueberleben, wobei sich die Methoden im Laufe der Jahrhunderte geaendert haben. Vom Gladiator im alten Rom, der einen abmurkste bis zum heutigen Banker, der das das auch macht, aber viel eleganter. Ob Gladiator oder Banker, dagegen sind die Kaefigkaempfe ja harmlos. Sie sind natuerlich primitiv, Boxen ist auch primitiv. Alles, was mit Schlaegen auf Kopf und Koerper eines Menschen zu tun hat, ist primitiv. Aber offenbar aeusserst profitabel. Und deshalb muss es auch gemacht werden. Bisness is bisness.
"survival of the fittest" bedeutet nicht, dass Leute aufeinander einprügeln müssen. Die Hauptunterschiede zum Boxen sind sehr deutlich: Handschuhe, das Verbot von Tritten, der Abbruch, wenn ein Kontrahent zu Boden geht. Durch diese Regeln wird im Boxen der Aggressionstrieb sublimiert und dadurch wird es zu einer Kulturleistung, auch wenn die Sublimation natürlich längst nicht so weit geht wie z.B. beim Schach.
Die Tatsache, das diese rudimentären Regeln im "Ultimate Fighting" aufgehoben werden, und der riesige Zulauf, den diese Sache erhält, zeigt für mich schon einen gewissen kulturellen Verfall. Aber wundern tut es mich nicht.
Ein falsch verstandener Darwinismus ist Teil unseres Selbstverständnisses von "Nur die Starken überleben". Wir kämpfen um das beste Gesellschaftssystem ("Hurra, der Kapitalismus hat den Kommunismus besiegt"), für die "Freiheit" (die "durch Terroristen bedroht wird"), um den besten Arbeitsplatz und um das letzte Wort im Forum.
Dass der Mensch dagegen durch Kooperation am effektivsten ist, dass unser Gehirn plastisch formbar ist und wir dadurch Herren und Schöpfer unserer selbst sein könnten, das verdrängen wir nur allzugerne.
Da passt so ein "Sport" gut ins Bild.
v.
"survival of the fittest" bedeutet nicht, dass Leute aufeinander einprügeln müssen. Die Hauptunterschiede zum Boxen sind sehr deutlich: Handschuhe, das Verbot von Tritten, der Abbruch, wenn ein Kontrahent zu Boden geht. Durch diese Regeln wird im Boxen der Aggressionstrieb sublimiert und dadurch wird es zu einer Kulturleistung, auch wenn die Sublimation natürlich längst nicht so weit geht wie z.B. beim Schach.
Die Tatsache, das diese rudimentären Regeln im "Ultimate Fighting" aufgehoben werden, und der riesige Zulauf, den diese Sache erhält, zeigt für mich schon einen gewissen kulturellen Verfall. Aber wundern tut es mich nicht.
Ein falsch verstandener Darwinismus ist Teil unseres Selbstverständnisses von "Nur die Starken überleben". Wir kämpfen um das beste Gesellschaftssystem ("Hurra, der Kapitalismus hat den Kommunismus besiegt"), für die "Freiheit" (die "durch Terroristen bedroht wird"), um den besten Arbeitsplatz und um das letzte Wort im Forum.
Dass der Mensch dagegen durch Kooperation am effektivsten ist, dass unser Gehirn plastisch formbar ist und wir dadurch Herren und Schöpfer unserer selbst sein könnten, das verdrängen wir nur allzugerne.
Da passt so ein "Sport" gut ins Bild.
v.
pervers
Punkt
Es läuft nach dem Motto: Hauptsache Profit, egal wie, die dumpfe Masse wird schon zahlen und konsumieren - und passt so doch bestens in diese Zeit.
Als Nächstes können wir dann damit anfangen, die tägliche Blut- und Boden-Propaganda aus Hollywood zur Realität werden zu lassen.
Solche Veranstaltungen können eigentlich nur aus Amiland, kommen.
Früherziehung zum GI am Fernseher, am besten ab dem 3. Lebensjahr als Pflichtprogramm ein paar Stunden täglich.
aus den kaputten USA
für kaputte Deutsche.
Auch wenn man es nicht glauben kann, es wird wahrscheinlich immer noch schlimmer und noch kaputter werden.
[...] reicht da schon lange nicht mehr.
[Gekürzt, bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke. Die Redaktion pt.]
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