Kapitalismus für Anfänger Kann ein Staat Bankrott gehen?
Von dieser Woche an erklärt unsere Autorin regelmäßig Phänomene des Kapitalismus. Diesmal will sie wissen, wie viele Schulden ein Staat auf Dauer aushalten kann.

© Jens Lüstraeten
Der Kapitalismus ist schwer angeschlagen. Zeit, ihn zu verstehen.
Volkswirtschaftler und Volk ähneln zur Zeit einem Paar, das versucht, eine längere Affäre zu verarbeiten. Schlimmer als das, was passiert ist, sind die Lügen: Der Markt wird alle Probleme schon lösen, neue mathematische Risikomodelle die Finanzmärkte sicherer machen. Blablabla. Jetzt geht es um die Staatsschulden, die so hoch sind wie noch nie. Die Ökonomen behaupten wieder, das sei gefahrlos.
"Wie lange schultert der Staat das? Wann ist er bankrott?", fragte die FAZ neulich Peter Bofinger, einen der fünf "Wirtschaftsweisen" der Bundesregierung. Antwort: "Die meisten Leute haben da unglaubliche Ängste. Zu Unrecht. Selbst wenn wir in den Jahren 2009 und 2010 rund 500 Milliarden Euro Schulden machen würden – und das halte ich nicht für realistisch – würde unser Schuldenstand von 65 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf 85 Prozent steigen. Das ist ein Wert, der international noch nicht im roten Bereich liegt. Große Staaten haben breite Schultern."
Übersetzt heißt das: "Da werde jetzt wieder deine Verlustängste von früher wach, Baby. Und selbst wenn ich mal schwach werde – und das halte ich nicht für realistisch – im Vergleich zu manchen Kollegen bin ich echt zahm. Ich liebe dich."
Früher haben solche Interviews wie K.O.-Tropfen auf mich gewirkt. Ich verstand sie nicht, schweifte ab, blätterte weiter. Aber so leicht lasse ich mich nicht mehr beruhigen, nicht nach allem, was passiert ist. Ich frage mich: Selbst wenn die Italiener, Briten, Japaner noch höhere Schulden haben, sagt das noch nichts darüber aus, ob wir unsere Schulden bezahlen können.
Deutschland hat in den vergangenen 41 Jahren immer nur Geld aufgenommen. Wir haben es in all der Zeit nicht geschafft, Schulden in Höhe von 40 oder 65 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zurückzuzahlen – warum sollten wir das bei einem Schuldenstand von 85 Prozent hinbekommen? Und wenn man seine Schulden nicht bezahlen kann, muss man Bankrott anmelden oder die Druckerpresse anschmeißen, richtig? Dann aber steigen die Preise immer weiter, und irgendwann kommt es zur Inflation. Oder?
Ich rief meinen Kollegen aus der Wirtschaftsredaktion an.
"Als Staat musst du Schulden nicht zurückbezahlen“, sagte er zu meiner Überraschung. "Staatsschulden sind welche, die man immer refinanziert. Was ist eine Staatsschuld? Eine Anleihe, die eine gewisse Laufzeit hat und danach neu aufgelegt wird, um von neuen Gläubigern gekauft zu werden. Und so weiter.“
"Also umgeschuldet. Wo ist da der Unterschied zu Privatschulden?", fragte ich.
"Dass Staaten theoretisch ewig leben. So lange der Staat Ressourcen hat, also Steuern erheben und seine Zinsen bezahlen kann, ist alles ok. Die Frage ist eher, wie hoch die Schulden sein dürfen."
"Und was meinst du?“
“Bei 85 Prozent könnte es schon kritisch werden. Vielleicht zweifeln die Anleger, dass der Staat eine solche Last schultern, also seine Schulden bedienen kann. Dann verlangen sie als Ausgleich für die gestiegenen Risiken höhere Zinsen, der Staat muss noch mehr Geld für den Schuldendienst aufwenden. Die Verschuldung steigt quasi automatisch.”
"Aber wir könnten bald 85 Prozent erreichen, Mark“, sagte ich streng.
„Naja. Vielleicht ist es auch erst bei 150 Prozent des BiP so weit.“
Wie hoch die Quote ist, ab der ein Staat überschuldet ist, ist nicht ganz klar. Staatsschulden in Friedenszeiten sind ein relativ neues Phänomen, sie sind erst durch den britischen Ökonomen John Maynard Keynes in die Welt gekommen, der den Staat als Nachfrager in der Krise auftreten ließ. Wie in allen Wirtschaftsdingen wissen wir vorher nicht, wozu das Experiment führen wird. Und vielleicht wollen wir es auch nicht so genau wissen. Es gibt ja Situationen, in denen es eine Zeitlang angenehmer ist, sich belügen zu lassen.
- Datum 17.06.2009 - 13:12 Uhr
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... was man mit dem geliehenen Geld macht?
Also: Was steht den Schulden entgegen?
Meine Heimatstadt hat sich seinerzeit z.B. stark verschuldet, um ein Gymnasium zu bauen. Das war in den Jahren 1887 bis 1892.
Das Gebäude steht heute noch, nach zwei Kriegen und zwei Währungsreformen, und erfüllt immer noch seinen Zweck.
..., ob das, was man mit dem geliehenen Geld macht, mehr "Wert" hat, als das Leihen kostet?
Runde 50 Jahre Sozialstaat auf Pump (bzw. der "Teil Sozialstaat", der "pumpfinaziert" ist, kosten heute das gesamte System (also Bund/Länder/Gemeinden/Sozialversicherungssystem) mal locker 20% seiner Einnahmen. Das sind 20% Verlust des Gestaltungsspielraums.
Da diese 20% verlorener Gestaltungsspielraum nur der Zinsdienst "sind", für meine Begriffe ganz klar ein zu zu hoher Preis.
"Es gibt ja Situationen, in denen es eine Zeitlang angenehmer ist, sich belügen zu lassen."
Gut gesprochen
Na, da hat die Frau Faller denn ja gleich ein Thema für nächste Woche:
"Der Sozialstaat"
Für mich ist "der Sozialstaat" der Teil der staatlichen (insbesondere kommunalen) Einrichtungen, die sich mit denjenigen unserer Mit-Menschen beschäftigen, die sich nicht selbst helfen können, also z.B. Jugend- und Sozialamt.
Hingegen betrachte ich die Systeme, die WIR, die Abhängig Beschäftigten, von unseren Beiträgen bezahlen, nicht als "staatlich". Sondern missbräuchlich staatlich okkupiert. Arbeitslosen- Kranken- und Renten-Versicherung wird aus UNSEREN Beiträgen plus/minus Null bezahlt.
Dass der Finanzminister jährlich % Milliarden der Arbeitslosen-Versicherung entnimmt, ist Missbrauch. Missbrauch der Gelder der Abhängig Beschäftigten. Durch "den Staat". Es wäre ja ganz schön, wenn WIR, die
Abhängig Beschäftigten, nicht mehr weiter enteignet werden würden, sondern über unser eigenes Geld selbst entscheiden könnten. Und nicht durch Beamte, Freiberufler und ähnliche "Steuerzahler", die ihr Lebtag nichts beigetragen haben.
Also, wenn ich so an sinnlosen Konsum denke, dann fallen mir eher die "Versicherungsvertreter mit Professorentitel" ((c) Nachdenkseiten) ein
Na, da hat die Frau Faller denn ja gleich ein Thema für nächste Woche:
"Der Sozialstaat"
Für mich ist "der Sozialstaat" der Teil der staatlichen (insbesondere kommunalen) Einrichtungen, die sich mit denjenigen unserer Mit-Menschen beschäftigen, die sich nicht selbst helfen können, also z.B. Jugend- und Sozialamt.
Hingegen betrachte ich die Systeme, die WIR, die Abhängig Beschäftigten, von unseren Beiträgen bezahlen, nicht als "staatlich". Sondern missbräuchlich staatlich okkupiert. Arbeitslosen- Kranken- und Renten-Versicherung wird aus UNSEREN Beiträgen plus/minus Null bezahlt.
Dass der Finanzminister jährlich % Milliarden der Arbeitslosen-Versicherung entnimmt, ist Missbrauch. Missbrauch der Gelder der Abhängig Beschäftigten. Durch "den Staat". Es wäre ja ganz schön, wenn WIR, die
Abhängig Beschäftigten, nicht mehr weiter enteignet werden würden, sondern über unser eigenes Geld selbst entscheiden könnten. Und nicht durch Beamte, Freiberufler und ähnliche "Steuerzahler", die ihr Lebtag nichts beigetragen haben.
Also, wenn ich so an sinnlosen Konsum denke, dann fallen mir eher die "Versicherungsvertreter mit Professorentitel" ((c) Nachdenkseiten) ein
Oder anschaulich auch so:
1. Stufe
Bilanzfälschungen (Enron, MCI Worldcom, Arthur Andersen etc.)
Miliardenbeträge (heute auch als Peanuts bekannt)
2. Stufe
Verbriefung von faulen Krediten, Handel mit Betrugsabsicht (alle Großbanken)
Billionenbeträge
3. Stufe
Erpressung von Staaten zur Deckung der Verluste aus Betrugsgeschäften
(USA, EU und andere)
wobei die Politiker nicht erpresst wurden , sondern katzbuckelnd das Geld ihrer Wähler verfeuert haben
Billionenbeträge in noch unbekannter Größe
4. Stufe
Überschwemmen der Erde mit Geld ohne jede Deckung, Null-Zins-Politik der Notenbanken, Ankauf von Staatsanleihen durch Notenbanken
Explosion (was kommt eigentlich nach Billionen?)
Für die 5. Stufe wird die Erde nicht mehr ausreichen, wir werden ins All ausweichen müssen.
Ich könnte da gerade ein paar Fahrkarten günstig anbieten, gegen Vorkasse natürlich.
Um das System zu verstehen, muss man sich auch näher mit Schneeballsystemen und Ponzi-Krediten beschäftigen.
Die Ponzi-Systeme sind nicht neu, neu sind nur die Größenordnungen, siehe Madoff.
Dummerweise hat man nun die Finanzwirtschaft weltweit zu einem Ponzi-System gemacht. Die einzigen Profiteure davon? Na? Die Großbanken und private Notenbanken wie die FED (ja, schau an, die FED ist seit 1913 eine von den Großbanken kontrollierte private Bank).
http://www.baltische-rund...
Nun stellt sich die Frage: was passiert mit Schneeballsystemen?
Liebe Frau Faller,
ehe ich etwas zu Ihrem Artikel schreibe (es gäbe manches, was einem dazu einfiele—angefangen damit, daß Sie ohne weiteres voraussetzen, die Staatsverschuldung sein ein kapitalistisches Phänomen), würde ich Sie gerne fragen, ob Sie sich auch wirklich sicher sind, daß Lord Keynes ein Amerikaner war?
Wenn unsere Parlamentarier angesichts der Bankenmaffia nur noch Statisten sind, ist alles schlimme möglich.
Sehen Sie, wie sie auf unser Grundgesetz pfeifen-obwohl sie doch alle darauf geschworen haben.
http://www.youtube.com/wa...
Na, da hat die Frau Faller denn ja gleich ein Thema für nächste Woche:
"Der Sozialstaat"
Für mich ist "der Sozialstaat" der Teil der staatlichen (insbesondere kommunalen) Einrichtungen, die sich mit denjenigen unserer Mit-Menschen beschäftigen, die sich nicht selbst helfen können, also z.B. Jugend- und Sozialamt.
Hingegen betrachte ich die Systeme, die WIR, die Abhängig Beschäftigten, von unseren Beiträgen bezahlen, nicht als "staatlich". Sondern missbräuchlich staatlich okkupiert. Arbeitslosen- Kranken- und Renten-Versicherung wird aus UNSEREN Beiträgen plus/minus Null bezahlt.
Dass der Finanzminister jährlich % Milliarden der Arbeitslosen-Versicherung entnimmt, ist Missbrauch. Missbrauch der Gelder der Abhängig Beschäftigten. Durch "den Staat". Es wäre ja ganz schön, wenn WIR, die
Abhängig Beschäftigten, nicht mehr weiter enteignet werden würden, sondern über unser eigenes Geld selbst entscheiden könnten. Und nicht durch Beamte, Freiberufler und ähnliche "Steuerzahler", die ihr Lebtag nichts beigetragen haben.
Also, wenn ich so an sinnlosen Konsum denke, dann fallen mir eher die "Versicherungsvertreter mit Professorentitel" ((c) Nachdenkseiten) ein
SBZ: Staatlich besetzte Zone ...
SBZ: Staatlich besetzte Zone ...
die Frage sollte man mal Herrn Köhler (informell versteht sich) vorlegen, unseren Ex-Experten des IWF's. Da müßte man nicht lange auf eine Antwort warten. Aber in seiner jetzigen Funktion wohl eher ein Nebenschauplatz.
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