Verbrechen Haltet den Kunstdieb!

In Paris wurde ein Skizzenbuch Picassos geraubt. Außer Interpol forscht auch "Art Loss" nach – die Kunstkenner haben die größte Datenbank gestohlener Kunstwerke

Im Februar 2007 verschwanden Jacqueline und Maya mitsamt ihrer Puppe aus der Altbauwohnung von Diana Widmaier-Picasso. Der Raub wurde nicht nur sofort Interpol gemeldet, sondern auch an Art Loss, der größten privaten Kunstdetektei. Denn Jacqueline und Maya, die glücklicherweise fünf Monate später wieder unversehrt auftauchten, sind zwei Porträts von Pablo Picasso.

Die Werke des Jahrhundertkünstlers gehören zu den beliebtesten überhaupt. Auch unter Kunstdieben. In der Datenbank von Art Loss  sind 646 Picasso-Werke als gestohlen gemeldet  – so viele wie von keinem anderen Künstler. Seit vergangenem Dienstag ist es eines mehr.

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In Paris wurde ein Skizzenbuch Picassos gestohlen. Es verschwand irgendwann zwischen 14:30 Uhr des 8. Juni, und 9:30 Uhr des darauffolgenden Morgens. 33 Bleistiftskizzen, nicht datiert, nicht signiert, aus der Zeit zwischen 1917 und 1924. Sie dokumentieren den Arbeitsprozess des spanischen Malers und sind vor allem für Wissenschaftler wertvoll, wie Anne Baldassari, die Direktorin des Museums im Marais, betonte. Doch allein dieser rein wissenschaftliche Wert wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Und wenn man die Skizzen einzeln weiterverkaufte, ließe sich womöglich noch mehr Geld damit machen, vermutet Victorine Stille, die Geschäftsführerin von Art Loss.

Zwei Stunden, nachdem die leere Vitrine entdeckt wurde, hat sie durch die Polizei vom Raub erfahren. Zunächst sammelt sie in einem solchen Fall alle verfügbaren Daten: Maße, Technik, Signatur, charakteristische Beschädigungen. Nur was eindeutig identifizierbar ist, kann wiedergefunden werden. Warum ausgerechnet immer wieder Picassos gestohlen würden, kann sich Stille nur damit erklären, dass der Mann zum einen bis ins hohe Alter unglaublich produktiv war und er zum anderen sehr unterschiedliche Kunst geschaffen hat. Nicht nur Bilder und Zeichnungen, sondern auch Vasen, Skulpturen, Keramiken. Auch kriminelle Liebhaber solcher Objekte werden bei Picasso fündig.

Wobei Victorine Stille das Bild eines kunstbesessenen Thomas Crown gleich relativiert, der seine Männer losschickt, um ihm das bewunderte Werk zu rauben.  "Wir haben in der jüngeren Vergangenheit 2000 Fälle untersucht und hatten letztlich nur zwei Mal einen solchen Auftraggeber im Hintergrund."

Ausschließen kann man das freilich nicht. Die meisten Werke tauchen nach zehn bis 15 Jahren wieder auf dem Kunstmarkt auf. Was in der Zwischenzeit mit ihnen geschah, lässt sich oft nicht nachvollziehen. Die Besitzer der heißen Ware wechseln in der Regel häufig. Es ist einfach zu riskant, ein bekanntes Werk lange bei sich zu behalten. Aber wer weiß, ob sich nicht zwischendurch ein kunstverrückter Mafioso nicht für ein, zwei Jahre "seinen" Picasso aufhängt – irgendwo hinter dem Vorhang eines abgedunkelten Raumes, sagt Stille. Meist sind Bilder jedoch eine andere Art der Währung im Drogen- und Waffengeschäft. Die Ware wird mit Kunst bezahlt, im Irrglauben, dass der Wert des Bildes auch der Wert sei, den man einlösen könne.

Und dann gibt es noch die Fälle, wie den der geraubten Bilder Edvard Munchs, 2004 in Oslo: Zwei Gaunerbanden rivalisierten miteinander. Die einen wollten den anderen beweisen, dass sie professioneller sind, unerschrockener, gerissener – und raubten am helllichten Tage den weltberühmten Schrei und die Madonna. Letztlich sind das Mutproben. Der Schaden ist riesig, wenn solche Werke für immer verschwinden.

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