Spickmich-Prozess "Lehrer geben sich selbst lauter Einsen"Seite 3/3
Frage: Der Druck auf die Bewertungsportale ist immens. Die Bewerteten bewerten mit. Steigt nicht in dem Maße, in dem Portale wichtiger werden, auch die Skepsis gegenüber den Portalen?
Keller: Eine gewisse Skepsis ist immer angebracht. Aber man bekommt ein Gefühl dafür, wenn man die Bewertungen bei verschiedenen Lehrern überprüft. So wie ich das bei den Lehrern von meiner Schule überprüft habe, werden Sie das auch bei Ihrem Hausarzt in den einzelnen Kategorien machen. Sie werden sehen, dass oft überraschend realistische Ergebnisse dabei herauskommen.
Frage: Welche Berufsgruppen kommen mit Kritik am schlechtesten zurecht?
Keller: Bei den Lehrern ist es damit tatsächlich nicht weit her. Auch Professoren dürften damit tendenziell mehr Probleme haben, genauso wie alle anderen Berufsgruppen mit klaren Machtverhältnissen. Anders als Handwerker kennen auch Ärzte diese Form der Bewertung noch nicht so. Wichtig ist, dass man das entspannt sieht: Denn gute Ärzte werden durch Bewertungsportale nicht plötzlich zu schlechten Ärzten.
Frage: Starten Sie nun nach dem 23. Juni ein Portal für Juristen?
Keller: Uns wurde schon des Öfteren vorgeschlagen, auch etwas über Ärzte, Juristen oder Richter zu machen. Aber wir sind nicht die Bewerter Deutschlands. Wir bleiben bei unserem Thema, den Schülern und den Schulen. Weitere Themen überlassen wir gerne anderen.
Frage: Ihnen ist aber schon klar: Sie sind der Oberlehrer der Nation?
Keller: So sehen wir das nicht. Wir sagen ja nicht, die sind gut oder die sind schlecht, vielmehr sind wir nur Mittler. Da könnte man eher sagen, dass wir die Oberschülerzeitung der Nation sind.
Das Gespräch führten Joachim Huber und Kurt Sagatz.
Tino Keller, 28, ist Chefredakteur von Spickmich.de. Das Lehrerbewertungsportal wurde im Februar 2007 gegründet und zählt nach eigenen Angaben mehr als eine Million Nutzer.
- Datum 17.06.2009 - 11:54 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Interessiert sich eigentlich noch jemand für spickmich?
spickmich zu benutzen und die, welche es tun, werden wohl einen Sinn drin sehen.
Ja, Herr Lehrer!
spickmich zu benutzen und die, welche es tun, werden wohl einen Sinn drin sehen.
Ja, Herr Lehrer!
spickmich zu benutzen und die, welche es tun, werden wohl einen Sinn drin sehen.
nicht so ungemein über den Dingen stehen (wie war das mit den klaren Machtverhältnissen?), dann wäre eine Internetbenotung gar nicht attraktiv für Schüler, denn dann würde über so etwas schul- oder gar klassenintern abgestimmt und diskutiert werden können. Ein Lehrer, dem einigermaßen am guten Kontakt zu seinen Schülern gelegen ist, wird sich nicht scheuen, sich selbst von diesen bewerten zu lassen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, nur muss man natürlich dem Ergebnis dann auch entspannt und offen entgegensehen können. Und genau DARAN hapert es nämlich. Lehrer sind es zwar gewohnt, ständig andere zu beurteilen, aber bei der Kritik an der eigenen Person reagieren viele außerordentlich und unangemessen empfindlich. Die Machtlosigkeit, die Schüler oftmals gegenüber dem Lehrkörper empfinden, schlägt sich nieder in derartigen Bewertungsportalen, in dem sie dann ihre Meinung kundtun können. Würde an deutschen Schulen mehr Teamarbeit zwischen Lehrern und Schülern stattfinden (was in anderen Ländern ganz selbstverständlich ist) und weniger Hierachie, dann würde ein Lehrer nicht mehr in erster Linie als gegnerische Instanz, sondern als Partner beim Erwerb von Bildung betrachtet werden. Ein wesentlich effizienteres Fundament.
Wo ist das Problem?
Nun, Ich denke die Tyrannen fürchten sich immer, wenn sie ihren Stern am Himmel sterben sehen . lol
Tja, nun werden die restlichen Menschen begreifen, das in der Schule nicht das unterrichtet wird was vorgeschrieben wird. Die öffentliche Schule ist doch sowieso nur eine seitliche Arabeske fuer Beamte und Kleinfürsten.
Authorität und Zwang hat nie wirklich funktioniert!
Ich glaube, eines haben die Lehrer, die sich gerade über die Anonymität der Bewertungen aufregen, noch gar nicht kapiert: Es ist wichtig, anonym zu bewerten - und zwar in beide Richtungen: Die Arbeiten der Schüler sollten von Lehrern bewertet werden, die sie nicht kennen, und wenn die Lehrer bewertet werden, dann natürlich auch so, dass der bewertende Schüler nicht erkennbar ist. Warum? Weil sonst die Bewertung verfälscht wird. Lehrer bewerten Schüler nicht nur objektiv nach der tatsächlichen Leistung, sondern auch subjektiv, nach Sympathie und vorangegangenen Leistungen, auch nach Leistungen, die die Schüler im Vorjahr bei Kollegen erbracht haben; nach Geschlecht und auch nach vermeindlichem Begabungsprofil (Prinzip: wer in Mathe gut ist, kann in Sprachen gar nicht gut sein und umgekehrt), und natürlich auch nach Vermögen, Bildungsstand und Auftreten der Eltern.
Und wenn Schüler eine Lehrerbewertung abgeben, die nicht anonymisiert wird, sonder z.B. offen in der Klasse ausgesprochen wird? Da trauen sich die Lümmel von der letzten Bank, ihre Kritik offen zu äußern, aber die braven Mädchen vorne werden ihre Meinung nicht so offen kundtun. Offene Kritik funktioniert in einem asymmetrischen Verhältnis nur schlecht.
Aber es ist ja eh offensichtlich, dass Lehrer, die gegen Spickmich klagen, sowieso gar keine Kritik hören wollen. Und da natürlich auch typischerweise "von oben herab" sind, also sowieso alle Kritik von sich weisen, weil sie selbst eh alles besser wissen. Und damit schon vor langer Zeit den Grundstein gelegt haben, warum sie jetzt so schlecht bewertet werden.
Als ich zu studieren angefangen habe, da hat man gerade Professoren-Bewertungen eingeführt (nicht im Internet, auf Zettel und Papier - Internet hatte nur die Informatik, und das bestand damals aus FTP, telnet und IRC). Da lief eine ähnliche Diskussion. Natürlich haben die Bewertungen der Studenten insgesamt die Professoren treffend bewertet - Ausreißer nach oben und unten mittelt die Statistik schnell weg. Und natürlich haben sich die schlecht bewerteten Professoren angestrengt, und in den zwei, drei nächsten Jahren die Bewertungsdifferenzen stark reduziert. Und natürlich ist danach das Interesse der Studenten an der Bewertung auch erlahmt - Ziel erreicht, Qualität der Lehre deutlich verbessert. Die TU München ist nicht umsonst eine sehr angesehene Uni.
Aber an einer Uni geht so etwas auch, die ist viel autonomer in ihren Entscheidungen als eine Schule. Was ich mir wünsche, ist eine entsprechend autonome Schule, in der Lehrer, Eltern und Schüler gemeinsam am Ziel einer möglichst guten Bildung für die Kinder arbeiten - und dafür im Rahmen der zur Verfügung stehenden Geldmittel alles tun können, was sie wollen - Lehrer entlassen und einstellen natürlich auch. Also "Freiheit der Lehre" nicht nur für Unis, sondern auch für Schulen.
Wenn man Bewertungen zulässt und auch entsprechende Konsequenzen zieht (also Weiterbildung, Training, und falls alles nicht hilft, auch Entlassen), dann wird das Thema in ein paar Jahren wieder uninteressant - weil die Wirkung dann ausgereizt ist. Aber ganz ohne Evaluierung kann man keine Qualität sichern. Schüler brauchen Noten, Lehrer auch. Ärzte, Rechtsanwälte und Richter natürlich auch, derartige Portale kommen ja auch noch ;-).
Aber Eltern bewerten? Das machen Lehrer doch sowieso, doppelt und dreifach. In kaum einem Land hat Vermögen und Bildungsstand der Eltern so einen Einfluss auf die Bildungschancen wie in Deutschland, u.a. auch weil viele Lehrer Kinder einfach über ihre Eltern bewerten. Das ist unfair, und gehört sich so nicht. Es reicht, dass gebildete Eltern ihren Kindern schon von Haus aus mehr mitgeben als ungebildete, man muss das nicht noch in der Schule extra verstärken.
Es müsste ein BewertungsTEXT sein. Daran erkennt man ob es ernst gemeint ist oder nicht. Keller führt Restaurant-Bewertungen an. Gerade da findet man eine Kurzkrititk.
Sie meinen wirklich so wie im Schulzeugnis - einfach sinnlos?
Sehe ich ganz anders. Die Schüler offensichtlich auch. Komisch.
Sie meinen wirklich so wie im Schulzeugnis - einfach sinnlos?
Sehe ich ganz anders. Die Schüler offensichtlich auch. Komisch.
Spickmich.de ist nur ein Notbehelf der versucht eine der großen Lücken unseres Schulsystems zu überdecken.
Lehrer sollten in der Tat nicht nur von Schülern bewertet werden. Sie sollten ebenso von unabhängigen Gremien bewertet und bei mangelhafter Leistung kündbar sein. Bei Kunstfehlern im medizinischen Bereich sind wir doch auch nicht zimperlich. Wer Kindern und Jugendlichen mühelos die Zukunft verbauen kann, muss genauestens unter die Lupe genommen werden.
Ein erster Ansatz wäre vielleicht auch ein statistischer:
Einfach Testen, ob Schulklassen, nachdem sie Lehrer X hatten im nächsten Jahr bei anderen Lehreren schlechter abschneiden, als Schüler die vorher von anderen Lehrern unterrichtet wurden. Ergibt sich ein signifikanter Negativtrend über mehrere Jahre hinweg, ist der Lehrer wohl unterdurchschnittlich und muss nachgeschult werden.
Wem das zu weit geht, sollte sich vor augen führen das solche Bewertungen für qualifizertes Personal in der freien Wirtschaft völlig normal sind.
Ich hoffe, Spickmich gewinnt. Unsere Lehrer sind unkündbar, ihre Leistung wird nicht kontrolliert, schlechten Lehrern droht - nichts. Es hat mich schon als Schüler genervt, daß wir nicht einmal Referendare bewerten durften - egal, was für Flaschen das waren. An jeder Schule tauschen Schüler Bewertungen über Leherer aus, und die sind meist recht abgewogen (streng, aber man lernt was...) Höchste Zeit, daß dieses Wissen angezapft wird.
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