Umwelt Geplündertes Paradies
Das politische Chaos auf Madagaskar nutzen Tierschmuggler und die Holzmafia, um die Naturschätze eines der biologisch reichsten Länder der Erde zu verschachern

© Roberto Schmidt/afp/Getty Images
Einsamer Stumpf: Ein Waldgebiet auf musste für den Reisanbau weichen. 90 Prozent der Waldfläche auf Madagaskar ist laut Experten bereits verloren
Er sah aus wie ein Tourist: ein Europäer, Mitte 40, der mit Jeans und Rucksack auf der Schulter die Sicherheitskontrolle am Flughafen von Madagaskars Hauptstadt Antananarivo passierte. Nur weil er zufällig ein paar Münzen in der Hosentasche hatte, der Metalldetektor piepste und ein Grenzpolizist ihn abtastete, flog er auf: In seiner Socke hatte der Mann eine wenige Wochen alte Schildkröte versteckt.
Die junge Schnabelbrustschildkröte, nicht einmal zehn Zentimeter lang, hätte auf dem Schwarzmarkt mindestens 3000 Euro gebracht, sagt Richard Lewis von der Durrell-Stiftung, die sich auf Madagaskar um den Schutz der akut gefährdeten Reptilien kümmert. "Von den Schnabelbrustschildkröten gibt es auf Madagaskar gerade noch ein paar hundert Exemplare." Mit jedem einzelnen außer Landes geschmuggelten Tier kommt die endemische Art der Ausrottung näher.
Fanatische Sammler hält das nicht ab, im Gegenteil: je bedrohter die Art, desto höher der Preis. Dass das Washingtoner Artenschutzabkommen jeden Handel mit Tieren verbietet, die auf der Roten Listen der Bedrohten stehen, dient als eine Art zusätzlicher Ansporn. "Mit Internet und Mobiltelefon ist der illegale Handel einfacher geworden, Händler können mit einer einzigen SMS einem Tierfänger irgendwo im Busch einen Auftrag erteilen", sagt Lewis. Auf Madagaskar sind es seit einigen Monaten zudem die politischen Umstände, die den lukrativen Schmuggel befördern.
Das politische Chaos, in das die Inselrepublik seit Anfang des Jahres gestürzt ist – bis heute ist unklar, was der erst 34-jährige, selbsternannte Präsident Andry Rajoelina für Ziele verfolgt – hat den Schmuggel erleichtert. Tierschützer berichten, dass seit den Unruhen Anfang des Jahres der Schmuggel massiv zugenommen hat. "Auch innerhalb der Polizei ist unklar, wer gerade das Sagen hat, dieses Machtvakuum nutzen die Tierhändler knallhart aus", erzählt ein madagassischer Naturschützer, der lieber nur Frederic genannt werden will. Immerhin wirft er den Grenzbeamten am Flughafen vor, in den Handel verstrickt zu sein.
Auch wenn es an der Grenze immer mal wieder Funde gibt. "Vor ein paar Wochen wurde am Flughafen ein Container entdeckt, in dem 300 Strahlenschildkröten und acht Schnabelbrustschildkröten gefangen waren", sagt Frederic. "Wenn da ein Container auffliegt, dann ist das entweder ein Versehen oder er gehört jemandem, der nicht die richtigen Stellen geschmiert hat."
Hinter dem Schmuggel stecken mafiöse Netzwerke. Als die Polizei vor ein paar Monaten nach Tipps eines Nachbarn ein Haus in der Hauptstadt Antananarivo durchsuchte, fand sie nicht nur mehrere geschützte Schildkröten, sondern auch drei gefälschte Pässe. "Der Export, der Import, der Verkauf und der Besitz dieser Arten sind illegal", bestätigt Richard Lewis. "Im großen Stil kann man das nur machen, wenn man zur organisierten Kriminalität gehört."
Der Schmuggel lohnt sich: Für eine erwachsene Schnabelbrustschildkröte zahlen Sammler bis zu 30.000 Euro, für das farbenfrohe Parson's Chamäleon 2.000, für eines der leuchtenden Goldfröschchen 80 Euro. "Der Tierfänger bekommt für so ein Fröschchen gerade einmal drei bis sechs Euro-Cent", sagt Daniela Freyer von "Pro Wildlife". "Das ist eine Gewinnspanne von 1.800 Prozent."
- Datum 15.06.2009 - 18:09 Uhr
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- Serie Umwelt
- Quelle ZEIT ONLINE
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Hallo
Die Tierschmuggler/"Holzmafia" sind das kleinste Problem. Das eigentliche liegt wie so oft in Afrika in der Existenz einer restlos korrupten EINHEIMISCHEN Regierung die das Land nach belieben ausplündert.
http://www.badische-zeitu...
Und solange das so ist, wird sich rein gar nichts ändern.
Gruss
Rene
Aber das ist ueberall so, in Afrika, Indonesien, Suedamerika. Es geht immer nur ums Geld. Erste wenn der letzte Baum gefaellt, der letzte See ausgetrocknet, der letzte Fluss verseucht ist und die Meere leer gefischt und die Korallen abgestorben sind, werden die Menschen merken, dass man Geld nicht essen kann. Der Mensch arbeitet intensiv an seinem eigenen Untergang. Hoffentlich der dauert der nicht mehr so lange, damit die Natur Zeit hat, sich zu erholen.
Aber das ist ueberall so, in Afrika, Indonesien, Suedamerika. Es geht immer nur ums Geld. Erste wenn der letzte Baum gefaellt, der letzte See ausgetrocknet, der letzte Fluss verseucht ist und die Meere leer gefischt und die Korallen abgestorben sind, werden die Menschen merken, dass man Geld nicht essen kann. Der Mensch arbeitet intensiv an seinem eigenen Untergang. Hoffentlich der dauert der nicht mehr so lange, damit die Natur Zeit hat, sich zu erholen.
Aber das ist ueberall so, in Afrika, Indonesien, Suedamerika. Es geht immer nur ums Geld. Erste wenn der letzte Baum gefaellt, der letzte See ausgetrocknet, der letzte Fluss verseucht ist und die Meere leer gefischt und die Korallen abgestorben sind, werden die Menschen merken, dass man Geld nicht essen kann. Der Mensch arbeitet intensiv an seinem eigenen Untergang. Hoffentlich der dauert der nicht mehr so lange, damit die Natur Zeit hat, sich zu erholen.
haben die Afrikanischen Staaten auch Afrikanische Praesidenten. Und diese sind einfach nicht in der Lage vernünftig zu regieren. Kolonialisierung waere die Lösung und würde auch von weiten Teilen der Bevölkerung gern gesehen - aber geht ja nicht mehr. Schade eigentlich .....
Leider hatte ich keinen Link zu Ihrem Kommentar gesetzt.
Hier ist er nun.
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Hier ist er nun.
... dass die geschlagenen Bäume größtenteils nur zur Verarbeitung nach China gehen. Die Endprodukte werden bei uns verkauft, und natürlich sind die Holzprodukte, wie die vielen anderen guten Sachen, die aus Afrika kommen, bei uns besonders günstig zu haben, wenn im Ursprungsland besonders desolate Zustände herrschen.
Die Gleichung ist einfach: Korrupte Regierungen im Ursprungsland = billige Ressourcen + Menschen-Unacht + Umwelt-Unacht.
Drum bessert sich in Afrika auch nichts, die marktwirtschaftlichen Interessen verhindern das.
natürlich sind auch afrikanische präsidenten in der lage ein land vernünftig zu regieren; gemeint waren hoffentlich politiker, die der regionalen oligarchie entspringen oder in interesse ihres womöglich eigenen konzerns agieren, ein durchaus auch in europa zu beobachtendes phänomen.
madagaskar ist ein spielball internationaler interessen: chinesischer einfluss in afrika, von den ehemaligen kolonialherren nicht gern gesehen, us-amerikaner auf der suche nach neuen operationsbasen, alle auf der jagd nach rohstoffen, hölzern, edelsteinen, fischgründen. instabilität kann da durchaus gewünscht sein.
frankreich hat auf madagaskar eine minimale infrastruktur hinterlassen, dreieinhalb bahnlinien, die nur einen bruchteil des landes erschlossen haben und nun fast alle stillgelegt sind - die ersatzteile... , wenige straßen, die in einem so erbärmlichen zustand sind, dass bei den im süden spärlichen regenfällen die anwohner in den schlaglöchern ihre wasservorräte auffüllen und endlich ihre wäsche waschen können. es gibt keine straße, die die insel umrundet, alles ist auf wenige städte zentriert, handel und reise sind deswegen umständlich und mühselig. wie in kaum einem anderen afrikanischen land.
wenn das einzige einkommen eines dorfes nahe ifaty, einem touritisch erschlosssenen ort, darin besteht, die frisch asphaltierte straße mit dünensand zuzuschütten, um festgefahrenen autos, bussen und lastwagen bezahle rettung anzubieten, ist die zuarbeit für illegalen tierhandel der örtliche traumjob.
trotzdem habe ich auf madagaskar niemanden getroffen, der sich die kolonialherren wieder zurückwünscht.
Es wäre schön, wenn Sie Ihr faschistoides Gedankengut unterlassen oder sonstwo entsorgen würden.
Solche Aussagen wie Ihre (die Sie hier anscheinend schon öfters abgesondert haben) sind nur möglich, wenn man nichts, aber auch gar nichts über die überwiegend mörderische Geschichte des Kolonialismus, der Sklaverei und über weltpolitische Zusammenhänge weiß.
Und auch nichts über die Ausbeutung der sog. 3. Welt insbesondere durch die ach so moralisch überlegenden westlichen Demokratien.
Ihr Gedankengut entspringt einer Mentalität einer "Herrenrasse", die weiß, was für die Afrikaner gut ist.
Wie ich so etwas bezeichne, habe ich oben schon gesagt.
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Hier ist er nun.
Wieso kann Herr Engelhardt nicht umfassender recherchieren? Die Wirklichkeit ist um einiges schlimmer:
Der südkoreanische Mischkonzern Daewoo hat einen Vertrag mit Madagaskar abgeschlossen, 1,3 Millionen Agrarfläche zu mieten - 99 Jahre, fruchtbares Agrarland, halb so groß wie Belgien. Dort sollen von Gastarbeitern aus Südafrika vor allem Mais und Palmöl angebaut und nach Asien verschifft werden.
http://blog.handelsblatt....
Vor hundert Jahren mußten die reichen Staaten Afrika noch besetzen und sich ins Unrecht setzen, dank des globalen Handelsrechts erledigen Anwälte die Kolonisierung ganz "legal". Wenn die Einheimischen sich dagegen hoffentlich bald wehren, liest man in der ZEIT über "Terrorismus auf Madagaskar".
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Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]
Die ZEIT betreibt halt keinen Journalismus mehr.
In Madagaskar könnte man ja erkennen, was die Ideologen der freien Märkte, die aber nur Freiheit und Profit, Profit, Profit für die Großkonzerne bedeuten, weltweit für Schaden und unendliches Leid anrichten. Korrupte Diktaturen sind für diese gewissenlosen Geschäftemacher immer noch die besten Partner.
Das Neocon-Weltwild der ZEIT darf aber nicht angetastet werden. Deshalb wird nur oberflächlich über singuläre Ereignisse, aber nicht über Zusammenhänge berichtet.
http://diepresse.com/home...
Halb Madagaskar zum Nulltarif!
Der Daewoo-Konzern sichert sich mehr als die Hälfte der anbaufähigen Fläche Madagaskars – ohne für die Pacht zu zahlen: Neues vom „freien“ Welthandel.
Nach den Regeln der Marktwirtschaft macht es Sinn, die Produktionsmittel für Lebensmittel den Ärmsten wegzunehmen: In armen Ländern kann wegen niedrigerer Lohnkosten und niedrigerer Kosten für Grund und Boden billiger produziert werden. Am meisten Sinn macht es also, Lebensmittel in den ärmsten Ländern der Welt billig zu produzieren und in den reichsten Ländern der Welt zum dortigen Preisniveau, also viel teurer, zu verkaufen. So funktioniert Marktwirtschaft in einer Welt des liberalisierten Welthandels.
Oder auch hier:
http://www.taz.de/1/polit...
http://www.taz.de/1/polit...
Die ZEIT betreibt halt keinen Journalismus mehr.
In Madagaskar könnte man ja erkennen, was die Ideologen der freien Märkte, die aber nur Freiheit und Profit, Profit, Profit für die Großkonzerne bedeuten, weltweit für Schaden und unendliches Leid anrichten. Korrupte Diktaturen sind für diese gewissenlosen Geschäftemacher immer noch die besten Partner.
Das Neocon-Weltwild der ZEIT darf aber nicht angetastet werden. Deshalb wird nur oberflächlich über singuläre Ereignisse, aber nicht über Zusammenhänge berichtet.
http://diepresse.com/home...
Halb Madagaskar zum Nulltarif!
Der Daewoo-Konzern sichert sich mehr als die Hälfte der anbaufähigen Fläche Madagaskars – ohne für die Pacht zu zahlen: Neues vom „freien“ Welthandel.
Nach den Regeln der Marktwirtschaft macht es Sinn, die Produktionsmittel für Lebensmittel den Ärmsten wegzunehmen: In armen Ländern kann wegen niedrigerer Lohnkosten und niedrigerer Kosten für Grund und Boden billiger produziert werden. Am meisten Sinn macht es also, Lebensmittel in den ärmsten Ländern der Welt billig zu produzieren und in den reichsten Ländern der Welt zum dortigen Preisniveau, also viel teurer, zu verkaufen. So funktioniert Marktwirtschaft in einer Welt des liberalisierten Welthandels.
Oder auch hier:
http://www.taz.de/1/polit...
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