Berlin Fashion Week Zielstrebig und verspielt

Dorothee Schumacher hat mit Schumacher vor 20 Jahren eines der erfolgreichsten deutschen Label gegründet. Heute eröffnet sie mit ihrer Show die Berlin Fashion Week. Ein Besuch

Mit der Straßenbahn fährt man bis zur Endhaltestelle der Linie 2 Neckarstadt West. Es geht vorbei an ein paar Pilskneipen und einem Friseurgeschäft, dessen Fensterscheiben schon fast blind sind. Von der Haltestelle sind es noch gut 20 Minuten zu Fuß die Industriestraße entlang. Die Imbissbude "Am Nullpunkt" hat geschlossen. Schwer zu sagen, ob der Name ironisch gemeint ist. Der einzige Mensch, der mir begegnet, ist ein riesiger Mann mit verstörenden Tattoos auf den Armen.

"Ach, die tun nichts", sagt Dorothee Schumacher, 42, als wir in ihrem Büro sitzen. Neben ihrem Schreibtisch steht ein Strauß mit blassrosa Pfingstrosen. Eine Dame im Bleistiftrock bringt ein Schälchen Obstsalat, akkurat gestapelt.

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Schumacher gefällt es, Gegensätze zu inszenieren. Ende der neunziger Jahre beauftragte sie den französischen Architekten Yves Bayard, hier im Industriegebiet von Mannheim eine ehemalige Papierfabrik zu ihrem Firmensitz umzubauen. Eine Halle aus grobem, dunklem Backstein von außen, von innen ein Loft, luftig, weiß, hell und leicht.

Auch in ihren Kollektionen spielt die Designerin mit Kontrasten und macht aus Trends tragbare Kleidung. Es gibt klassische Kaschmircardigans mit Perlenstickereien und hippieartige Maxikleider. Zarte florale Muster werden mit grafischen Prints kombiniert, blasse Töne mit expressiven Farben, in diesem Sommer ist es ein leuchtendes Azurblau und Zitronengelb. Der Schumacher-Look ist aufgeräumt und zielstrebig, aber zugleich verspielt. Ein Schleifenkragen nimmt einer schneeweißen Bluse die Strenge, ein flatteriges Seidentop wird vor einer schwarzen Paspelierung geerdet: ein bisschen Frau, ein bisschen Mädchen, ein bisschen Business.

Manchmal aber ist das, was man gemeinhin für einen Widerspruch hält, für Schumacher gar keiner. Zum Beispiel die Tatsache, eine Unternehmerin mit einem Jahresumsatz von 25 Millionen Euro zu sein und vier Kinder zu haben.

Von den knapp 80 Mitarbeitern bei Schumacher sind fast alle Frauen (außer dem zweiten Geschäftsführer und einigen Männern in der IT-Abteilung). Viele der Angestellten sind Mütter. Wahrscheinlich hat man eher den Mut, Beruf und Kinder zu vereinbaren, wenn die Chefin diese Situation kennt und versteht. Schumacher erinnert sich, dass sie einmal ihre jüngste Tochter Colette stillen musste, während sie gerade ein Bewerbungsgespräch führte. Die Bewerberin bekam den Job, und bald darauf selbst ein Baby. "Meine Frauen", sagt Schumacher, wenn sie von ihren Mitarbeiterinnen spricht.

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