Naher Osten Amerika bietet kein richtiges Feindbild mehr

Irans Reformer haben Rückenwind, im Libanon wurde Hisbollah abgestraft. Ist das bereits ein Obama-Effekt?

US-Präsident Obama hat mit seiner Kairo-Rede das Bild der USA im Mittleren Osten verändert

US-Präsident Obama hat mit seiner Kairo-Rede das Bild der USA im Mittleren Osten verändert

Ist die Wahlniederlage der islamistischen Hisbollah im Libanon bereits der erste Erfolg der Obama-Rede in Kairo? So wird in den Cafés von Beirut gemutmaßt, wo die Anhänger der pro-westlichen Regierung seit Tagen ihren Erfolg feiern. Mit weichen Worten die Radikalen schwächen - das wäre also die neue Formel für Nahmittelost.

Noch ist die Weichspülkraft nicht nachgewiesen. Noch muss sie Langzeitwirkung entfalten, auch bei den iranischen Wahlen an diesem Freitag und danach. Es ist ein bitterer Kampf zwischen Präsident Ahmadineschad und seinem Herausforderer Mir-Hussein Mussawi. Mahmud Ahmadineschad hat einen Nachteil: Wer ihn wählt, kann nicht gegen George Bush stimmen. Der ist nämlich schon nicht mehr da.

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US-Präsident Barack Obama will partout nicht in die Rolle des Bösewichts schlüpfen. Er hat vor einer Woche in einer epochalen Rede in Kairo einen neuen Leitton in der amerikanischen Politik gegenüber dem Mittleren Osten gesetzt. Die arabische Zeitung al-Hayat sprach selbstironisch vom "verwirrenden Gast, der uns die Attraktivität des großen Satan offenbarte". Viele Muslime waren aufrichtig begeistert. Das hatte auch mit Obamas Haltung zu tun. Die früher übliche Lehrstunde vom Hochsitz westlicher Unfehlbarkeit fiel aus.

Beispiele? Obama vermied das Wort "Terror", das sein Vorgänger so hyperinflationär verwendete und das von vielen Regierungen so gern als Vorwand für Unterdrückung missbraucht wird. Er würdigte die Haltung muslimischer Frauen, die freiwillig ein Kopftuch tragen. Er veränderte den Blick auf die Moderne, indem er feststellte: Nicht nur auf westliche Art kann es vorangehen. Er durchbrach die aus der Bush- und der Clinton-Zeit ererbte Kampfeslogik, nach der auf Provokationen von Islamisten und iranischen Präsidenten im Westen Trommelwirbel und Mobilisierung folgen müssen.

Mancher wird hier fragen: Muss man nicht entschlossen auf das iranische Atomprogramm reagieren? Soll man den Holocaust-Leugner Ahmadineschad nicht bekämpfen? Ist das Vordringen radikalislamischer Parteien wie Hamas und Hisbollah kein Grund zum Alarm? Schon. Aber eine wirksame Gegenstrategie muss mit folgender Erkenntnis beginnen. Der Westen hat den sogenannten "Antiterrorkrieg" verloren. Al-Qaida lebt.

Die Blockade von Hamas in Gaza, die Bombardierung von Hisbollah im Libanon, die Isolierung von Ahmadineschads Iran und die Ausgrenzung von Assads Syrien haben diese Achse der Vier so stark gemacht wie nie. Wirtschaftlich sind Saudi-Arabien und die Türkei Iran um Generationen voraus. Nur dank Irakkrieg und westlicher Kreuzzugsrhetorik plustert sich der marode Iran heute als angereicherte Vormacht der Region auf. So darf es nicht weitergehen.

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