Kosovo Deutschland reduziert Truppenpräsenz
Die Nato wird ihr militärisches Engagement im Kosovo weiter zurückfahren. Auch deutsche Soldaten sollen heimkehren
Nach einem Treffen mit seinen Ressortkollegen aus den anderen 27 Nato-Staaten kündigte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) an, dass die Bundeswehr einen Teil ihrer Soldaten aus dem Kosovo abziehen werde. Deutschland stellt mit 2350 Soldaten momentan das größte Kontingent der Kosovo-Truppe (KFor).
Mit ihrem Beschluss folgten die Minister einer Empfehlung der militärischen KFor-Führung. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sagte, die Anzahl der Soldaten werde in einem ersten Schritt von derzeit rund 14.000 auf 10.000 sinken. Die verbesserte Sicherheitslage im Kosovo erlaube eine "schrittweise Anpassung" der Truppenstärke. Der erste Termin werde wahrscheinlich der 1. Januar sein. Ziel sei eine "abschreckende Präsenz". Für den Abzug gebe es jedoch keinen Automatismus.
Nato-Diplomaten wiederum betonten, dass in den nächsten zwei Jahren die Truppenstärke in drei Schritten auf 2200 verringern werden solle. Der schrittweise Abbau soll sich danach richten, wie schnell das Kosovo seine eigenen Sicherheitskräfte aufbauen kann und wie sich die politische Lage weiterentwickelt.
Das Kosovo, ehemals südserbische Provinz, hatte sich im Februar 2008 gegen den Willen Serbiens abgespalten. Deshalb herrschte die Sorge, es könne zu massiven gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Kosovo-Albanern und der serbischen Minderheit unter den knapp zwei Millionen Einwohnern kommen. Dies hatte sich nicht bewahrheitet. Die Europäische Union unterstützt mit 2000 Polizisten, Richtern und Zollbeamten die Sicherheitskräfte des jungen Zwergstaats.
Ursprünglich hatte die Nato 1999 zunächst rund 50.000 Soldaten in der Region stationiert, nachdem sie Bombenangriffe gegen Serbien geflogen hatte. Damit sollte der damaligen Argumentation zufolge die Vertreibung der albanischen Bevölkerung aus dem Kosovo gestoppt werden. Seither hatte das Bündnis seine militärische Präsenz mehrfach reduziert.
US-Verteidigungsminister Gates sagte, er hoffe, dass durch den Rückzug aus dem Kosovo der Einsatz in Afghanistan verstärkt werden kann. Dies wies de Hoop Scheffer allerdings zurück: Der Truppenabzug aus dem Kosovo stehe nicht im Zusammenhang mit dem Engagement der Nato in Afghanistan. Dort hat die von dem Verteidigungsbündnis geführte Sicherheitstruppe Isaf derzeit gut 61.000 Soldaten im Einsatz. Aufgrund der erhöhten Alarmbereitschaft bei den afghanischen Präsidentenwahl am 20. August wird die Nato bis zu 10.000 Soldaten extra eingesetzen. Die USA dagegen wollen ihre Truppen dauerhaft um 30.000 Kräfte aufstocken.
- Datum 11.06.2009 - 17:25 Uhr
- Serie News
- Quelle ZEIT ONLINE, rf, dpa, Reuters
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Zitat: "Das Kosovo, ehemals südserbische Provinz, hatte sich im Februar 2008 gegen den Willen Serbiens abgespalten. Deshalb herrschte die Sorge, es könne zu massiven gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Kosovo-Albanern und der serbischen Minderheit unter den knapp zwei Millionen Einwohnern kommen. Dies hatte sich nicht bewahrheitet."
Richtiger wäre: Das Kosovo hat sich im Februar 2008 auf Völkerrechtwiedrige Weise, nachdem Serbien auf völkerrechtswiedrige Weise Opfer eines Angriffskrieges wurde, unter Leitung der Besatzungsmächte, abgespalten. Es ist zu Ausschreitungen gegen die Serbische Bevölkerung gekommen und bis heute ist die Rückkehr vieler Serbischer Flüchtlinge weder abzusehen noch kann deren Sicherheit im gesamten Gebiet des Kosovo gewährleistet werden. Diese Ereignisse führten zu einer massiven Destabilisirung etwa in Moldavien, Georgien oder Bosnien-Herzegovina.
Gruß
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