Pakistan Präsident schwört Volk auf Anti-Taliban-Kampf ein

Explosive Stimmung in Pakistan: Die blutigen Anschläge häufen sich, die Armee bläst zum Gegenangriff – und Präsident Zardari richtet dramatische Worte an die Nation

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Zerrissenes Pakistan: Studenten demonstrieren in Lahore gegen einen Selbstmordanschlag der Taliban

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari zeigt sich nach den jüngsten schweren Anschlägen durch radikale Islamisten kampfbereit. In einer Fernsehansprache sagte er, seine Regierung sei entschlossen den Kampf gegen die Aufständischen zu Ende zu führen. Man müsse den Kampf "um jeden Preis gewinnen". Denn der Feldzug gegen die Taliban sei ein "Kampf ums Überleben".

Zardaris hielt seine Rede nur wenige Stunden nach einem Selbstmordanschlag auf eine religiöse Schule in der ostpakistanischen Metropole Lahore sowie einem zeitgleichen Angriff auf eine Moschee in der Nordwest-Grenzprovinz. Insgesamt 14 Menschen kamen dabei ums Leben.

Der Präsident lobte in seiner Rede den unermüdlichen Einsatz der pakistanischen Sicherheitskräfte – er kündigte hohe Zulagen für die Streitkräfte an. Die Regierung hatte die Operation gegen die Taliban Ende April begonnen, nachdem die Aufständischen sich nicht an ein Friedensabkommen gehalten hatten. Im Gegenteil: Die Taliban hatten die Zeit genutzt, noch weitere Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen und starteten eine Serie von Bombenanschlägen. Zuletzt standen sie damals rund 100 Kilometer vor der Hauptstadt Islamabad.

Laut Armee sind bislang mehr als 1400 Militante und mehr als 120 Soldaten bei der Operation getötet worden.

Erst vor wenigen Tagen hatten Extremisten einen Anschlag auf ein Fünf-Sterne-Hotel in Peschawar verübt. Beim dem Angriff starben 18 Gäste, mehr als 60 Menschen wurden verletzt, darunter eine Deutsche. Bewaffnete Männer hatten zunächst den Eingang des Hotels angegriffen und anschließend einen Selbstmordattentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Kleinlaster bis zum Hauptparkplatz des Hotels fahren lassen.

Taliban sind auch in Afghanistan auf dem Vormarsch

Auch im benachbarten Afghanistan sind die Taliban weiter auf dem Vormarsch. Die die westliche Militärallianz erleidet hier herbe Rückschläge: Extremisten und Aufständische bomben am Hindukusch so häufig wie seit Jahren nicht. In der vergangenen Woche seien von den Islamisten mehr Angriffe als jemals zuvor seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban geführt worden, sagte der Oberbefehlshaber der US-Truppen in der Region, General David Petraeus.

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Der letzte Anschlag liegt erst wenige Stunden zurück: Am Freitagabdend riss im Süden Afghanistan ein Selbstmordattentäter bei einem Anschlag auf einen Versorgungskonvoi für die Nato-Truppen mindestens acht Menschen mit in den Tod. Weitere 21 Menschen wurden verletzt, als der Täter in der Provinz Helmand mit seinem Fahrzeug die mit Treibstoff beladenen Tankwagen rammte, wie ein örtlicher Behördensprecher sagte.

In den ersten fünf Monaten des Jahres war die Zahl der Angriffe durch Aufständische in Afghanistan gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 59 Prozent gestiegen, heißt es in einem aktuellen Bericht der Nato-Schutztruppe Isaf. Besonders stark nahm die Gewalt demnach im hart umkämpften Süden des Landes zu. Dort liefert sich die etwa 10.000 Mann starke, US-geführte Militärallianz der "Operation Enduring Freedom" Gefechte mit Taliban-Kämpfern und anderen Extremisten.

"Vor uns liegen einige harte Monate", warnte Petraeus. Die Gewalt werde teilweise noch zunehmen, da die Truppen Jagd auf die Rückzugsorte der Aufständischen machen würden.


 

 
Leser-Kommentare
  1. Obwohl fast eine Sisyphosarbeit, da die Koranschulen und Moscheen in Pakistan für den Nachwuchs der Taliban und ihrer verbündeten Kämpfer sorgen, muss der Kampf gegen die Terroristen verstärkt werden, bis es zur deren Ermüdung kommt. Die freie Welt, die in Frieden leben möchte, hat dazu keine Alternative. Es geht eben nicht,, aufzugeben und den vorrückenden Taliban Raum zu geben und Afghanistan zu überlassen. Die Folge wäre die Atomwaffen Pakistans in den Händen der Taliban und neue Grossanschläge in der Welt.

    Das grundlegende Problem ist freilich der Weltherrschaftsachtanspruch des Islam, mit Waffengewalt ist dieses Problem nur auf Zeit, aber nicht dauerhaft zu lösen. Notwendig ist eine Reform des Islam dahingehend, dass Aufrufe zur Gewalt gegenüber "Ungläubigen" relativiert werden, wie sie sich insbesondere im der Lehre vom Dschihad und dem "dar al harb" ausdrücken. Dann wird auch die Quelle des Nachschubs an jungen Fanatikern versiegen, auf die Al Quaida, die Taliban, Hisbolla oder die Hamas angewiesen sind.

  2. 2. Dune

    Der Konflikt erinnert mich an das Buch "Der Wüstenplanet" von Fank Herbert.

    Arrakis (Afghanistan). Fremen (Taliban). Spice (Mohn). Sardaukar (US-Soldaten).

    Frappierende Ähnlichkeiten.

    Wenn der Krieg so enden sollte, wie im Buch, können sich die westlichen Staaten schon mal warm anziehen.

  3. wir haben es hier nicht mit einer Phantasiewelt zu tun, sondern mit einem klassischen asymetrischen Konflikt. Dieser kann nur sehr schwer gewonnen werden, weil die Taliban schon gewinnen, wenn sie nicht komplett vernichtet werden, die Nato jedoch verliert, wenn sie nicht vollständig gewinnt. Die entscheidende strategische Frage ist, wie hoch die Opferbereitschaft der westlichen Demokratien ist, diesen Konflikt mit aller Härte und mit steigenden Verlusten durchzuhalten. Die Taliban haben den Vorteil, dass sie über Verluste einfach hinwegsehen können, die Nato ist zwar waffentechnisch weit überlegen, kann sich jedoch tote Soldaten nur beschränkt leisten, ohne den Rückhalt in der eigenen Bevölkerung zu verlieren. Alles gut nachzulesen bei Münckler.

  4. Danke, dass Sie mich erleuchtet haben.

    (Abgesehen davon haben sie natürlich recht: Die Würmer als entscheidender militärischer Faktor fehlen.

    Aber: Vielleicht taucht ja demnächst ein Taliban-Atom-Wurm auf.)

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