Somalische Seeräuber In der Hand von Piraten

Der deutsche Tanker "Longchamp" war 58 Tage in der Hand von Seeräubern. Reeder Heinrich Schulte erzählt erstmals, wie der Tanker gekapert und wie er freigekauft wurde

Nicht alle Seeräuberüberfälle verlaufen erfolgreich: Französische Soldaten bringen festgenommene Piraten zu ihrem Schiff

Die Verteidigungsminister der Nato diskutieren heute über den Einsatz gegen Piraten vor der somalischen Küste. Bislang können die EU-Flotte, zwei Verbände der USA und einer der Nato die Gewässer vor Somalia nicht nachhaltig sichern. Die Seeräuber schaffen es immer wieder, auch Schiffe im vermeintlich sicheren Korridor anzugreifen und zu kapern.

Wie kompliziert es ist, ein entführtes Schiff freizubekommen, beschreibt Heinrich Schulte, Chef der Reederei Bernhard Schulte aus Hamburg. Sein Unternehmen besitzt 85 Schiffe und bereedert rund 800 weitere. Im Januar kaperten somalische Piraten einen Tanker, der im Auftrag Schultes unterwegs ist.

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Die Longchamp hatte in Norwegen flüssigen Kunststoff geladen, der in Vietnam erwartet wurde. Der Tanker passierte Ende Januar den Suezkanal und musste dann durch den gefährlichen Golf von Aden fahren, um in den Indischen Ozean zu gelangen.

Die Reederei entschied, den Tanker auf einen von der Marine angebotenen Konvoi warten zu lassen, um bei der Durchquerung der Piratengewässer kein Risiko einzugehen. Die internationalen Kriegsschiffe überwachen einen fünf Seemeilen breiten Korridor, in dem sich Handelsschiffe im Konvoi vermeintlich sicher bewegen können.

Doch der Kapitän brach alleine auf, nachdem er sich bei der Besatzung eines Kriegsschiffes über die Sicherheitslage informiert hatte. Diese empfahl, die Fahrt fortzusetzen, da es in den Vortagen keine Überfälle gegeben hatte. "Der Irrtum sollte sich als schicksalhaft erweisen", sagt Schulte heute.

Ein Offizier der Longchamp meldete bereits zwei Stunden nach der Weiterfahrt ein schnell näher kommendes Speedboot. Rasch wurde klar, dass keine friedlichen Fischer, sondern bewaffnete Piraten an Bord waren. Die Besatzung des Tankers bereitete sich auf die Verteidigung mit Schläuchen vor und wehrte den ersten Angriff ab. Im Zick-zack-Kurs versuchte der Kapitän, die Piraten abzuschütteln, doch das Schnellboot blieb dicht neben dem Tanker.

Dessen indonesischer Kapitän funkte SOS und bat ein indisches Kriegsschiff um Hilfe. Doch die Fregatte patrouillierte in großer Entfernung. Ein Wettrennen zwischen den Soldaten und den Seeräubern begann.

Die Piraten wollten ihre Beute nicht entkommen lassen. Sie starteten einen zweiten Angriff und benutzten diesmal schwere Waffen. Sie feuerten eine Rakete aus einer Panzerfaust auf die Decksaufbauten ab, die Besatzung der Longchamp ging in Deckung. Sie machte das, was das Internationale Marine-Büro in diesem Fall empfiehlt:

Die Männer verbarrikadierten sich im geschützten Brückenraum. Das Piratenboot fuhr nun neben dem Tanker, und sieben Seeräuber kletterten über Leitern an Bord. Mit ihren Kalaschnikows zerschossen sie die Tür der Brücke und zwangen die Besatzung, sich zu ergeben.

Leser-Kommentare
  1. Unter sich? Keine Hintermänner? Thomas C. Mountain, der als Weißer noch in Eritrea lebt berichtet von äthiopischen Hintermännern und korrupten NATO-Marineeinheiten:

    Exclusive: Ethiopia/USA/Somali pirates’ cover-up

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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

  2. Artikel !

  3. Süß ist dass auf dem Bild die Soldaten zwar einerseits ihre Waffen auf die Piraten richten ihnen aber andererseits Schwimmwesten anziehen damit diese nicht ertrinken, sollte das Schlauchboot kentern.

  4. Ja das ganze kommt mir irgendwie bekannt vor! Unsere Piraten sitzen in Berlin und fordern täglich auch Lösegeld. Das Problem bei denen ist, man wird sie nicht mit einer Einmalzahlung, sprich Steuer los. Nein die erfinden jeden Tag neue Lösegelder.
    Ich glaube die Spezialeinheiten werden bewusst am falschen Ende der Welt eingesetzt. Und Verhandlungen mit dem Lösegeld Zahler kommt bei denen erst gar nicht in Frage.

    Sarkasmus Ende.

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