Steinmeiers Rede Ein Hauch von Hoffnung für die SPD
In der Stunde der größten Niedergeschlagenheit hat Frank-Walter Steinmeier seine Rolle erkannt und das Schicksal beim Schopf gepackt
Parteitage sind, zumal wenn sie hundert Tage vor der Bundestagswahl stattfinden, keine Orte der intensiven Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen. Auch streitige Diskussionen über die inhaltliche Ausrichtung einer Partei sind von den Regisseuren solcher Großveranstaltungen nicht vorgesehen. Es geht darum, die eigenen Leute zu motivieren, einen Sommer lang auf den Straßen zu stehen, den Leuten Postkarten in die Hand zu drücken und sie dazu zu bewegen, die eigene Partei zu wählen.
Das vorangestellt, hat der Spitzenkandidat der SPD, Frank-Walter Steinmeier, an diesem Sonntag in Berlin ziemlich viel richtig gemacht. Er hat seinen Genossen in einer kämpferischen Rede erklärt, warum er sich so stark für die Rettung von Opel eingesetzt hat. Er hat den sozialdemokratischen Anteil an den milliardenschweren Konjunkturprogrammen der großen Koalition gelobt. Er hat mehr Geld für Bildung und Mindestlöhne für alle in Deutschland gefordert. Und er hat ein gruseliges Gespenst der Entsolidarisierung und des ungehemmten Kapitalismus an die Wand gemalt, das mit einem schwarz-gelben Wahlsieg zwangsläufig über Deutschland hinwegfegen wird.
Gruseliges Gespenst des ungehemmten Kapitalismus
SPD-Wahlkämpfer lieben so etwas. Es streichelt ihre Parteiseele und es spornt sie zu einem mutigen Wahlkampf an. Aus Steinmeier, dem Verzagten, dem Verlegenheitskandidaten, der die Genossen mit seinen Worten lange Zeit nicht erreichen konnte, ist an diesem Sonntag auf einmal Frank-Walter Steinmeier, der Kandidat der SPD, geworden. In der Stunde der größten Niedergeschlagenheit und Selbstzweifel nach der Europawahl hat Steinmeier seine Rolle erkannt und das Schicksal beim Schopf gepackt. "Ich will Kanzler aller Deutschen werden", hat er gesagt. Es klang auch nur noch ein ganz kleines bisschen nach Gerhard Schröders Furor.
Ob es reicht? Das magere Ergebnis der SPD bei der Europawahl vor einer Woche war kein überraschender Ausrutscher. Es war auch kein zufälliges Ereignis, dass so wenige Menschen in Deutschland überhaupt zur Wahl gegangen sind, und dass von denen, die es taten, nur jeder Fünfte für ein sozialdemokratisches Europa votiert hat.
Die Gründe für das Desaster liegen tiefer. Und sie rühren insbesondere an die Grundfesten der so traditionsreichen Sozialdemokratie: Die Menschen sehen, welche schmerzhaften Auswirkungen die Öffnung der Märkte für ihre Arbeitsplätze hat. Sie spüren, wie ihr so hart erkämpftes Tarifsystem brüchig wird, wie es immer schwerer wird, die Familie vom selbst erwirtschafteten Lohn zu ernähren. Und sie merken auch, dass Wohlstand immer ungleichmäßiger verteilt ist und dass ihre eigenen Chancen, am Wohlstand teilzuhaben, nicht größer werden.
Ein schleichendes Misstrauen
Und doch trauen viele es der SPD nicht mehr zu, die aktuellen Probleme lösen zu können, ob es nun für sie über Generationen hinweg pure Selbstverständlichkeit war, SPD zu wählen, ob sie sich zur sozialen Schicht der sogenannten "kleinen Leute" zugehörig fühlen oder ob sie nur immer wieder fasziniert am aufklärenden Disput der SPD teilnahmen. Viele verstehen unter dem Begriff soziale Gerechtigkeit inzwischen etwas ganz anderes als die SPD und finden auch anderswo eine moderne Familienpolitik.
Ein schleichendes Misstrauen, das erste Wurzeln schon vor der Jahrtausendwende schlug, frisst weiter an der Volkspartei SPD. Die Notwendigkeit der Hartz-Reformen haben die Führungsgenossen den am ärgsten Betroffenen nicht verständlich erklärt. Ihre Privatisierungseuphorie bei Post und Bahn haben die Anhänger genauso als Verbiegung vor dem ungehemmten Kapitalismus verstanden wie die Abgeltungssteuer für Kapitalerträge und die Senkung der Steuern für Großunternehmen. Und nun will Steinmeier sogar mit den Marktradikalen von der FDP regieren.
Wer soll ihm da glauben, dass er ausgerechnet mit Guido Westerwelle den flächendeckenden Mindestlohn in Deutschland einführen wird? Nein, entschieden ist 104 Tage vor der Wahl noch nichts, der Sack ist offen. Für die Genossen jedoch wird’s ein besonders schwerer Gang.
- Datum 15.06.2009 - 07:58 Uhr
- Serie wahlen
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 17
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"Die Notwendigkeit der Hartz-Reformen haben die Führungsgenossen den am ärgsten Betroffenen nicht verständlich erklärt." Klar, die am ärgsten Betroffenen sind wieder mal zu dumm. Aber wieso gibt es bei einer solch unglaublich "segensreichen" Aktion überhaupt "arg Betroffene".
Die politischen Vollpfosten, die dem fulminant gescheiterten Turbokapitalismus ideologisch und juristisch den Weg geebnet haben, die größten Versager aller Zeiten also, die sollen ausgerechnet mit den Hartz IV Gesetzen und dem anderen dummen Agendaunfug der Schröderära richtig gehandelt haben?
"Hartz IV war gut und richtig" ist fast schon so ein ideologisches „Zwangspräfix“ in der Presse wie "radikalislamische" Hamas.
Da kommen bei den Claqueuren in der Presse wohl nie irgendwelche Zweifel auf. Wahrscheinlicher aber ist, dass ihre neoliberalen Brotherren ihnen das Denken alternativer Ansätze verboten haben.
Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes, die Abwrackprämie und die staatlich gestützten Rettungsversuche von insolventen Unternehmen beruhen doch auf der Erkenntnis, dass der Segen der Hartz IV Gesetze die Entlassenen oder von Entlassung bedrohten Arbeitnehmer zu keiner oder einer "falschen" Wahl veranlassen könnten. Die Menschen haben langsam begriffen wie komfortabel die von Schröder gespannte soziale Hängematte ist.
Die scheinbar verbesserten Arbeitsmarktzahlen sind nicht auf die Agenda zurückzuführen, sondern auf gefälschteStatistik. In der politischen Lüge und Propaganda unterscheidet sich die BRD faktisch schon lange nicht mehr von den übelsten Diktaturen. Keine Propaganda ist platt genug.
Also, nach der Krise wird es noch mehr sich selbst ausbeutende "Scheinselbständige" geben. Hausmeisterdienste werden die Autobahnen verstopfen und Frühstückskaffees werden unsere Straßen säumen, aber die Arbeitsmarktzahlen sind wieder top.
Die SPD hat eben die falsche Werbeagentur.
Die Leute kaufen ja auch P..... und nicht O.. - bloss der Werbung wegen!
Bei jeder Wahl sagen die "Verlierer" eigentlich immer das gleiche ... "Wir konnten unser Programm dem Wähler nicht klar genug darstellen."
Heißt auf Deutsch > Die Wähler sind zu blöd um das zu verstehen.
In ihrer grenzenlosen Überheblichkeit würden sie niemals die Möglichkeit zulassen, dass der Wähler sehr wohl ihr Programm verstanden hat, es aber nicht will.
Zeigen wir Ihnen doch bei der Bundestagswahl was wir verstanden haben!
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Die SPD hat eben die falsche Werbeagentur.
Die Leute kaufen ja auch P..... und nicht O.. - bloss der Werbung wegen!
Bei jeder Wahl sagen die "Verlierer" eigentlich immer das gleiche ... "Wir konnten unser Programm dem Wähler nicht klar genug darstellen."
Heißt auf Deutsch > Die Wähler sind zu blöd um das zu verstehen.
In ihrer grenzenlosen Überheblichkeit würden sie niemals die Möglichkeit zulassen, dass der Wähler sehr wohl ihr Programm verstanden hat, es aber nicht will.
Zeigen wir Ihnen doch bei der Bundestagswahl was wir verstanden haben!
Gruß, Bernd
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Die SPD hat eben die falsche Werbeagentur.
Die Leute kaufen ja auch P..... und nicht O.. - bloss der Werbung wegen!
bei seiner rede auf dem parteitag? das mag sein...nur habe ich diese verpasst.
dafuer habe ich das interview bei den tagesthemen gesehen.
ich fasse kurz zusammen:
- wir weichen nicht von unserer politik ab
- sie muessen die sozialdemokratische komponente im konjunkturpaket sehen
(ermeinte damit ernsthaft die ausweitung des kurzarbeitesgeldes)
- und dann irgendwelches eigengeklopfe auf seine schulter... wegen des jobwunders nach den schweren jahren 2003-2005
...dabei muss ich irgendwie eingeschlafen sein.
DIE STUNDE DES JÄGERS wurde eingeläutet, damit DER NEBEL DES GRAUENS von der SPD vertrieben wird.
Ob sich die Umfragewerte nun dem GRENZPUNKT NULL weiter nähern oder nicht:
Der Wähler hat die Nase voll, selbst wenn die SPD verspricht, MCKENNAS GOLD wieder auszugraben.
VOM WINDE VERWEHT sind die Hoffnungen, die einst die Wähler in die Politik der SPD gesetzt hatten.
Solange so viele BAD BOYS und ihr PRETTY WOMAN (Ulla Schmidt) den Kurs dieser Partei bestimmen, solange wird der einst so stolze CONVOY immer mehr zu TODESFAHRT DER U-BAHN 1-2-3.
Auch wenn unsere Frank-Walter Steinmeier jetzt die ALARMSTUFE ROT ausgerufen hat, wird der Wahlkampf 2009 zur ODYSSEE IM WELTRAUM.
DAS DUELL mit der FDP hat die SPD ja schon verloren.
Die Bundestagswahl kommt für die SPD in diesem Jahr zu früh. Eigentlich ist 2010-DAS JAHR IN DEM WIR KONTAKT AUFNEHMEN.
Bis dahin hätte die SPD vielleicht sogar Jodie Foster als Kanzlerkandidatin gewonnen.
Sie wäre mit Sicherheit in der Lage, den CONTACT zum Volk wieder herzustellen. Hat sie es doch schon einmal bewiesen, sich mit Außerirdischen zu verständigen, denn soweit sind die Deutschen heute von der Politik der SPD entfernt.
Egal, wie die Sache ausgeht:
Zum Schluss heißt es wieder
"MISSION IMPOSSIBLE" oder im Polit-Deutsch " KOBRA (Angie) - ÜBERNEHMEN SIE!"
Die SPD wird wieder unter THE ROCK von CDU/CSU kriechen, weil sie ja wissen, WAS FRAUEN WOLLEN.
...und was dann nach der Wahl folgt, das sind die "Credits" - die laufen immer am:
THE END
tatsächlich
"Ein Hauch von Hoffnung für die SPD" ?
wann, ja wann werden denn endlich die Taten folgen?
Hallo!?? Wer bitte hat denn dieses Gespenst in Deutschland erst auf die Menschen losgelassen?!
Wurde Herr Steinmeier etwa von der milden Gnade des Vergessens gesegnet oder hält er schlicht den Wähler für dermaßen vergesslich (noch freundlich formuliert)?!
Als der Wasserträger vom Gas-Gehard, war er schließlich maßgeblich daran beteiligt, den Raubtierkapitalismus hierzulande zu entfesseln!
Zu diesem Zweck hatte man doch extra die Besteuerung von Erlösen aus Verkauf von Unternehmensbeteiligungen ausgehebelt, die Agenda-2010 aus einer teuflischen Taufe gehoben und mit den daraus entstandenen Hartz-Gesetzen, den in Not geratenden Arbeitnehmer zum entrechteten, verleihbaren Stückgut werden lassen, entblöß seiner Menschenwürde, und ihn der galoppierenden Armut preisgegeben!
Und jetzt kommt der daher und will uns vor eben den Geistern retten, die er einst mit gerufen hat?!
Mein Gott, zu was ein Mensch doch nicht alles bereit ist, um sich selbst an den Busen des Staates bzw. seines Volkes anzuwanzen und sich und seine willfährigen Genossen zu nähren und wieder fett zu machen!
Da soll dem Wähler Glauben gemacht werden, aus einem neoliberalen Saulus wäre quasi über Nacht ein plötzlich sozial empfindender, engagierter Paulus geworden?
Ja nää, is klar ne!? Nachtigall ick hör' Dir trapsen...
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"Dubito, ergo sum."
Bei Disputen gewinnt immer der Optimist (Hermann Hesse) *gg*
http://www.youtube.com/wa...
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