SPD-Parteitag Der Kandidat macht sich Mut
"Ich will Kanzler werden", verkündet Steinmeier auf dem SPD-Parteitag gegen alle Zweifel. Und er macht klar, wo er die Wahl gewinnen will: in der Mitte
Die Rede, auf die alle warten, beginnt um 11.03 Uhr. Frank Walter Steinmeier steht auf einem runden Podest mitten in dem großen Saal des Berliner Estrel-Hotels. Amerikanisch und modern soll dies wirken, und schon diese Choreografie ist für die SPD eine kleine Kulturrevolution: Die große Bühne, auf der jahrzehntelang bei SPD-Parteitagen die gesamte Parteiführung Platz nahm, ist verschwunden. Der Kanzlerkandidat steht ganz allein im Mittelpunkt.
Die Erwartungen, die auf ihm lasten sind gewaltig. Nach dem niederschmetternden Abschneiden bei der Europawahl am vergangenen Sonntag, muss Steinmeier die Trendwende einleiten. Sonst können die Sozialdemokraten die Bundestagswahl am 27. September schon jetzt abschreiben. Steinmeier präsentiert sich kämpferisch, er will sich „gewaltig ins Zeug legen“, das macht er gleich zu Beginn seiner Rede deutlich. Er verspricht ein „Signal der Geschlossenheit“ und ein „Signal des Aufbruchs“. Und er verkündet unmissverständlich: „Ich will Kanzler werden.“
Als er etwa nach 70 Minuten zum Ende seiner Rede später ausruft: „Wir wollen und wir werden gewinnen“, da feiern ihn die Delegierten zehn Minuten lang mit heftigem Applaus, die Jusos schwenken hinten im Saal Plakate mit der Aufschrift „Wir für Frank“ oder „sozial und demokratisch“. So versuchen sie gemeinsam, die Niedergeschlagenheit zu vertreiben.
Ob der Kandidat genug gegeben hat, ob diese Rede reicht, um die Sozialdemokratie aus dem Stimmungstief zu führen, wird sich wohl erst in den nächsten Wochen zeigen. Es ist jedenfalls eine der besseren Reden von Frank-Walter Steinmeier. Das, was er tun konnte, um seine Partei nach dem niederschmetternden Ergebnis bei der Europawahl und angesichts entmutigender Umfragewerte wieder aufzurichten, das hat er getan.
Zumindest die Delegierten kann er an diesem Sonntagvormittag begeistern. Nach einer Woche der Ratlosigkeit und Depression redet Steinmeier sich und seine Partei stark. Er macht gleich zu Beginn deutlich, dass er sich dazu entschieden hat, im Bundestagswahlkampf zu polarisieren und sich vom Koalitionspartner Union eindeutig abzugrenzen. Er spricht von einer „Richtungsauseinandersetzung, bei der es um die Zukunft unseres Landes geht“. Im Kampf gegen Schwarz-Gelb gehe es um die Entscheidung zwischen „marktradikaler Ideologie oder sozialer Gerechtigkeit“. Und es gehe um „Klarheit und Führung“, die die christdemokratische Bundeskanzlerin Angela Merkel vermissen lasse.
Vor allem auf fünf Politikfeldern versucht Steinmeier, diese Richtungsauseinandersetzung deutlich zu machen. In der Arbeitsmarktpolitik gehe es um das Prinzip „Arbeit statt Insolvenz“ – ein Angriff gegen CSU-Wirtschaftsminister zu Guttenberg, dem die Sozialdemokraten vorwerfen, bei Opel und Arcandor die Pleite herbeigeredet zu haben.
In der Industriepolitik plädiert Steinmeier für eine „nachhaltige Industriepolitik“, die einerseits die traditionellen Industrien wie Stahl, Chemie und Auto erhalte und gleichzeitig moderne Umwelttechnologien fördere. Er bekennt sich zu den erneuerbaren Energien und dem Atomausstieg und verspricht in der Bildungspolitik „Teilhabe für viele statt Chancen für wenige“. Steinmeier fordert die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns, die Abschaffung von Studiengebühren und mehr Frauenförderung. Und er verteidigt die Mitbestimmung und den Kündigungsschutz und plädiert für eine „Welt ohne Atomwaffen“. So schreitet er das ganze Spektrum klassischer sozialdemokratischer Vorstellungen ab.
- Datum 16.06.2009 - 11:17 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 27
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Ich werd ihn nicht wählen!
Warum sollte ich einen Kandidaten wählen der einer VerbotsTerror-Partei vorsteht?Solange eine Bätzing-ein Binding und ein Lauterbach Amok läuft und das Wahlvolk ZwangGesundHeitsErziehen will-nochdazu beim Rauchverbot mit eklantanten Studienlügen-Nein Danke!!!!
weil ich es nach wie vor unerträglich finde, dass eine ehemalige FdJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda und eine Befürworterin des Irak-Krieges (síe hält auch beides wohl nach wie vor für richtig) deutsche Bundeskanzlerin ist,
weil ich möchte, dass es auch in Zukunft eine solidarische Gesundheitspolitik gibt,
weil ich möchte, dass die Atomkraftwerke nicht länger laufen,
weil ich möchte, dass es Mindestlöhne gibt und festgelegte Bedingungen für Zeitarbeit,
weil ich möchte, dass die Kinder unabhängig vom Einkommen der Eltern Chancen auf eine gute Bildung haben,
weil ich möchte, dass Managergehälter nicht mehr unbegrenzt abgesetzt werden können.
Allein diese Dinge sind schon Grund genug Frank Walter Steinmeier zu wählen. Und ich hoffe, dass unsere Presse eine halbwegs faire Berichterstattung leistet. Nicht einen Teil der Menschen zu "Fratzen der Macht" erklärt und andere zu Führer von mittelständischen Unternehmern macht, die lediglich das eigene Vermögen verwaltet haben.
Glück auf!!
....wird die SPD sicherlich nicht umsetzen, sondern die Linke.
Ich wähle die einzige sozialdemokratische Partei Deutschlands, das ist die LINKE!
Wie steht dort?
weil ich es nach wie vor unerträglich finde, dass eine ehemalige FdJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda und eine Befürworterin des Irak-Krieges (síe hält auch beides wohl nach wie vor für richtig) deutsche Bundeskanzlerin ist,
Fast wäre ich in einen Beifallsrausch - wenn es so etwas geben sollte - ausgebrochen, doch rechtzeitig klickte es und die Frage, die logische, stellte sich mir:
Wenn dem so ist, warum koaliert die Partei SPD ohne Scham mit dieser Person nebst Partei?
Kaum war ich in diese Fragestellung vertieft, schwirrte der Name Steinmeier und Co. durch die an sonst leere "Birne" und brachte mich zu der Erkenntnis, diese Begründung - von den anderen Gründen will ich gar nicht reden - kann nicht überzeugen, nicht der Antrieb sein den Kanzlerkandidaten der ........, der......., -wie heißt noch einmal dieser Partei? - ach ja SPD zu wählen.
Dann fiel mir schlagartig ein und erleichterte mich innerlich versteht sich, wir wählen gar keinen Kanzlerkandidaten, sondern nur Parteien und deren Kandidaten.
Und da war Frank-Walter Steinmeier nicht dabei! Die SPD auch nicht!
Halleluja!
....wird die SPD sicherlich nicht umsetzen, sondern die Linke.
Ich wähle die einzige sozialdemokratische Partei Deutschlands, das ist die LINKE!
Wie steht dort?
weil ich es nach wie vor unerträglich finde, dass eine ehemalige FdJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda und eine Befürworterin des Irak-Krieges (síe hält auch beides wohl nach wie vor für richtig) deutsche Bundeskanzlerin ist,
Fast wäre ich in einen Beifallsrausch - wenn es so etwas geben sollte - ausgebrochen, doch rechtzeitig klickte es und die Frage, die logische, stellte sich mir:
Wenn dem so ist, warum koaliert die Partei SPD ohne Scham mit dieser Person nebst Partei?
Kaum war ich in diese Fragestellung vertieft, schwirrte der Name Steinmeier und Co. durch die an sonst leere "Birne" und brachte mich zu der Erkenntnis, diese Begründung - von den anderen Gründen will ich gar nicht reden - kann nicht überzeugen, nicht der Antrieb sein den Kanzlerkandidaten der ........, der......., -wie heißt noch einmal dieser Partei? - ach ja SPD zu wählen.
Dann fiel mir schlagartig ein und erleichterte mich innerlich versteht sich, wir wählen gar keinen Kanzlerkandidaten, sondern nur Parteien und deren Kandidaten.
Und da war Frank-Walter Steinmeier nicht dabei! Die SPD auch nicht!
Halleluja!
Die SPD ist von ihren Ursprüngen eine Arbeiterpartei, also von ihrer Grundausrichtung weit weg von der (bürgerlichen) Mitte. Mit ihrem aktuellen Programm haben Steinmeier & Co. sich sehr weit weg von der Mitte positioniert.
Zur Erinnerung: die Mitte ist der Teil der Bevölkerung, der den ganzen Sozialstaat am leben erhält, und stellt nicht der Teil, der ihn (aus-)nutzt. Nun kann man sich ja mal überlegen wieviele Leute derart die SPD noch wählen. Schröder hatte den Weg erkannt, die Partei wollte diesen Weg aber nie mitgehen. Die SPD sollte erst einmal in die Opposition begeben und sich ein wenig sammeln.
--
"that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"
Ein Mann will so groß rauskommen, daß einem Angst wird ob seiner Hybris.
Sollte er und auch wir Wählenden Glück haben, wird er von seinen russischen Geschprächspartnern als Aufsichtsratsvorsitzender von Opel vorgeschlagen.
Dann braucht er auch keinen Amtseid mehr zu leisten.
D.R.
....wird die SPD sicherlich nicht umsetzen, sondern die Linke.
Ich wähle die einzige sozialdemokratische Partei Deutschlands, das ist die LINKE!
wird die nächsten Jahre nichts umsetzen, weil niemand mit ihr regieren will.
Wenn Sie die Linke wählen unterstützen Sie die CDU/CSU und FPD.
wird die nächsten Jahre nichts umsetzen, weil niemand mit ihr regieren will.
Wenn Sie die Linke wählen unterstützen Sie die CDU/CSU und FPD.
der Mann mit dem Charme eines Aktenschrankes, Mit-Architekt der Hartz-Entrechtungs-"Reform", darf weiterhin am Projekt 18 für die SPD arbeiten und hat mittlerweile gute Chancen, es auch zu realisieren.
Dazu passt natürlich Münte, der nicht einsehen will, dass seine Zeit rum ist. Die SPD ist zur reinen Verwaltungspartei herabgesunken, ohne frische Ideen und mit einem veralteten Arbeitsbegriff aus den 50er-Jahren. Die Suche nach der von Schröder entdeckten "neuen Mitte" wird weiterhin nicht von Erfolg gekrönt sein können, weil dieser Begriff überwiegend ein Mediending ist. Gerd Schröder ging zu Gazprom und überließ seinem Zauberlehrling Steinmeier die weitere Geisterbändigung. Der will nun Kanzler werden, doch die Realität holt ihn immer wieder ein. Nein, Steinmeier ist nicht glücklos, sondern er befindet sich in einer Sackgasse und marschiert nur in eine Richtung: Immer weiter hinein!
Bloß nicht umkehren!
Ade SPD.
rheinelbe
Die SPD ist die Partei der besserverdienenden Akademiker mit sozialem Touch.
Viel Solidarität mit den Armen, aber bloß kein Geld und viele gute Belehrungen.
Ich muss mich als FDPler einem meiner Vorredner anschließen, wer sozial wählen will sollte sein Kreuz bei den Linken machen (ja, zum Liberalismus gehört auch die Akzeptanz der Position des politischen Gegners). Steinmeier ist nicht wählbar, genau so wenig wie die Bundesangela. Aber mal ganz ehrlich, Kohls Mädchen hat bisher wenigstens nicht allzuviel kaputt gemacht - ist in der derzeitigen politischen Landschaft schon ein Pluspunkt.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren