Guevara im Kino "Jeder kennt Ches Konterfei"

Der Regisseur Steven Soderbergh glaubt, dass sein Film über Che Guevara ein Kassenschlager wird. Schließlich würden mit Merchandising-Artikeln des Revolutionärs Millionen verdient. Ein Interview

Steven Soderbergh und sein Hauptdarsteller Benicio del Toro

Steven Soderbergh und sein Hauptdarsteller Benicio del Toro

ZEIT ONLINE: Mr. Soderbergh, an Ihrem Mammutprojekt Che haben Sie mehr als 80 Tage gedreht, mit minimalem Budget, in fünf Ländern. Wie konnten Sie dem physischen und psychischen Druck standhalten?

Steven Soderbergh: Es gab einen Tiefpunkt in der Mitte der Dreharbeiten, den ich so noch nie erlebt habe. Wir hatten an diesem Tag genau die Hälfte des Films abgedreht und befanden uns in einem Auto auf dem Weg zurück nach Madrid. Ich hatte bereits zwölf Pfund abgenommen und war so überarbeitet, dass ich nur noch von einer Szene zur nächsten denken konnte. Ich realisierte während dieser Autofahrt, dass ich nicht nur körperlich völlig am Ende war, sondern dass uns der schwierigste Teil der Dreharbeiten noch bevorstand. In diesen Sekunden habe ich mir ernsthaft überlegt, das Auto an die nächste Wand zu fahren, um dem Ganzen ein Ende zu setzen.

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ZEIT ONLINE: Was hat Sie daran gehindert?

Soderbergh: Meine Verbissenheit. Ich musste einfach weitermachen, das war ich mir selbst schuldig.

ZEIT ONLINE: Sie hatten bereits vor Drehbeginn extreme Finanzierungsschwierigkeiten, weil nahezu niemand eine Verfilmung dieses Ausmaßes für eine gute Idee hielt. Warum wollten Sie den Film trotzdem drehen?

Soderbergh: Weil das Leben Che Guevaras ein nahezu perfekter Filmstoff ist. Ich stimme nicht mit der Argumentation der meisten überein, mein Film könne nicht kommerziell funktionieren. Wenn man es im Fachjargon ausdrücken will, bietet Che Guevara eine einhundertprozentige Markenidentifikation: Jeder kennt das Bild mit seinem Konterfei, aber fast niemand weiß, wieso es im Kollektivbewusstsein so präsent ist.

ZEIT ONLINE: Weiß nicht jedes Kind, dass sein Porträt als Sinnbild für den Revolutionsgedanken steht?

Soderbergh: Ich entkräfte ihre Vermutung mit einer wahren Geschichte: Eines meiner Teammitglieder wurde von seinem 22-jährigen Nachbarn gefragt, woran er gerade arbeitet. Mit dem Namen Che Guevara konnte er allerdings überhaupt nichts anfangen. Als mein Angestellter ihn auf das omnipräsente Bild ansprach, antwortete er verdutzt: "Ich dachte, das wäre der Gittarist der Band Rage Against the Machine." Ches Konterfei generiert mit Merchandising-Artikeln alljährlich Millionen von Dollar, viele verwenden es als Symbol ihrer eigenen Idee, aber wer er wirklich war, gerät mehr und mehr in Vergessenheit.

ZEIT ONLINE: Aber schafft man es wirklich mit einem viereinhalbstündigen Epos, die Massen in die Kinos zu bewegen?

Soderbergh: Es ist schwierig, aber nicht unmöglich. Eine unserer ersten Maßnahmen war, das Gesamtwerk in zwei Folgen zu teilen.

ZEIT ONLINE: Zerstören Sie damit nicht die Erzählstruktur?

Soderbergh: Deshalb ist es mein Anliegen, dass interessierte Zuschauer auch den gesamten Film sehen können. Wir werden den Film in ausgewählten Kinos in voller Länge zeigen. Diese Termine werden beworben wie ein Konzertereignis – als einmalige Chance, eine gesamte Performance auf der großen Leinwand zu sehen.

Leser-Kommentare
  1. "Der felsenfesten Wahrheit bringt der Mensch Verehrung nicht entgegen: wohl aber einer schönen Lüge." - Gilbert Keith Chesterton, Häretiker

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