Die Rechnung des Bildungswissenschaftlers Klaus Klemm ist ganz einfach: Bis 2015 gehen 300.000 Pädagogen in Rente. In den fünf darauf folgenden Jahren verlassen noch einmal 160.000 Lehrer den Schulbetrieb aus Altersgründen. Dem stehen nur 26.000 Junglehrer gegenüber, die jährlich mit ihrer Ausbildung fertig werden.

Klemm sieht "ein weites Feld für einen sich verschärfenden Wettbewerb der Länder untereinander". Die Instrumente, mit denen Länder dabei ihre Arbeitsplätze attraktiv machen könnten, seien vielfältig. "Sie können die Altersgrenze für Verbeamtungen flexibel handhaben, sie können im Vergleich zu konkurrierenden Ländern die wöchentlichen Unterrichtsverpflichtungen geringer halten." Mit der Föderalismusreform von 2006 haben die Länder zudem das Recht erhalten, die Höhe der Lehrergehälter selbst festzusetzen. Klemm: "Wirtschaftlich stärkere Länder werden beim Wettbewerb um die Junglehrer deutliche Vorteile haben."

Wollten die Länder tatsächlich die sinkenden Schülerzahlen dazu nutzen, die Bildungsqualität zu verbessern, wie auf dem Bildungsgipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Dresden beschlossen, müssten bis 2015 jährlich 38.000 Nachwuchskräfte angestellt werden und in den fünf Jahren danach jeweils 32.000, empfiehlt der Experte.

Noch kritischer werde die Lage dadurch, dass die verfügbaren Junglehrer nicht durchweg für die Schulformen und die Unterrichtsfächer ausgebildet sind, die nachgefragt werden, schreibt der Bildungsforscher über den Lehrerbedarf. Außerdem gebe es ein Ungleichgewicht bei dem Ausbildungsumfang. Während Berlin, Rheinland-Pfalz und die neuen Bundesländer über den Eigenbedarf hinaus Nachwuchspädagogen ausbildeten, kämen Länder wie Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern ohne Lehrerimport aus anderen Bundesländern nicht zurecht.

Die umstrittenen Abwehrbeaktionen der Länder werden auch am Donnerstag bei der Kulturministerkonferenz in Berlin Thema sein. Im März war ein verbindlicher Länderbeschluss am Widerstand Baden-Württembergs gescheitert.