Ein Quadrat, mehr benötigte Alexej Paschitnow nicht, um in die Geschichte einzugehen und die Welt der Computerspiele bis heute zu prägen. Doch, halt, eines noch: Die Idee, jeweils vier dieser Quadrate zu sieben unterschiedlichen Bausteinen zusammenzusetzen, und diese nacheinander vom Himmel fallen zu lassen. Im Sinken muss die Figur bewegt und gedreht werden, um sie möglichst Platz sparend zu positionieren. Eine horizontale Reihe von Quadraten verschwindet, sobald sie voll ist. "Game Over" heißt es, wenn neue Steine keinen Platz mehr haben, man also oben angekommen ist.

Eigentlich sollte sich der sowjetische Programmierer Paschitnow mit der Erforschung von Künstlicher Intelligenz und mit Spracherkennung beschäftigen. Doch gelangweilt vom Leerlauf an der Moskauer Akademie der Wissenschaften dachte sich der damals 29-Jährige Computer-Knobeleien aus. Darunter Tetris, dessen Hauptinspiration das mathematische Puzzle Pentomino war.

Sein minimalistisches Aussehen verdankt Tetris der Tatsache, dass der sowjetische "Elektronika 60"-Computer, auf dem Paschitnow arbeitete, keine Grafik darstellen konnte. Ihm standen nur die Zeichen einer normalen Tastatur zur Verfügung und so baute er die Tetris-Bausteine aus zwei eckigen Klammern: [ ]. Farbe und Sound folgten erst in späteren Versionen. Denn bald wurde das Spiel für das westliche MS-DOS umgeschrieben, die PC-Version fand daraufhin Fans auf der ganzen Welt.

Paschitnow hatte davon nicht viel. Mehrere Firmen reklamierten die Rechte für sich. Als Sieger ging der japanische Konsolen-Hersteller Nintendo hervor, als Verlierer die damalige Branchengröße Atari, die sich bis zu ihrem Ende nicht von dieser Niederlage erholen konnte.

Für Nintendo erwies sich Tetris als Glücksgriff. Vor allem trug es maßgeblich zum Erfolg der 1989 gestarteten Taschen-Konsole Game Boy bei, der ein Exemplar beilag. Bis heute ist es mit 35 Millionen Kopien das meistverkaufte Game-Boy-Spiel, insgesamt wurden weltweit mehr als 125 Millionen Stück für über 50 unterschiedliche Spiele-Plattformen abgesetzt.

Doch war Tetris nicht nur ein Geschicklichkeitsspiel, es wurde zum Gründer einer ganzen Gattung, den heute sogenannten Casual Games – intuitiven, schnellen Spielen für Zwischendurch. Bald gab es Nachahmer, die das Tetris-Konzept aufgriffen: Etwa "Dr. Mario" (1990), bei dem zusätzlich Farbe eine Rolle spielte, oder das jüngere "Lumines" (2004), bei dem zusammenhängende Felder durch eine von links nach rechts laufende Linie abgeräumt werden.

Tetris legte das Fundament und zeigte, dass aus einfachen geometrischen Mustern spannende Spiele entstehen können. Paschitnows Bastelei gab außerdem ein bis heute gültiges Prinzip für gutes Spieldesign vor: Einfach zu lernen, schwer zu meistern. In Tetris fallen die Steine immer schneller. Anfangs kommt jeder problemlos zurecht, für höhere Stufen dagegen ist viel Übung erforderlich.