Umstrittener Brückenbau Dresdner Elbtal zählt bald nicht mehr zum Welterbe

Die Unesco streicht die Auenlandschaft der sächsischen Hauptstadt aller Voraussicht nach von ihrer Liste der Welterbestätten. Grund ist der Bau der Waldschlößchenbrücke

Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa ist es nahezu ausgeschlossen, dass sich die 21 Mitglieder des Welterbekomitees bei ihrer für Ende Juni angesetzten Sitzung im spanischen Sevilla doch noch für den Erhalt des Welterbetitels einsetzen. Stattdessen sei in der Beschlussvorlage des Unesco-Welterbezentrums, das als Sekretariat des Komitees in Paris sitzt, die Aberkennung vorgesehen.

Dies wäre ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte der Welterbe-Konvention. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen ist der Ansicht, dass die vierspurige Waldschlößchenbrücke das Elbtal irreversibel zerschneidet und die Kulturlandschaft mit ihren Flussauen zerstört.

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Aus französischen Regierungskreisen verlautete, lediglich ein neues Brückendesign könne eventuell noch zu einer Verschiebung der Entscheidung führen. Als Alternative wurde auch immer wieder eine Tunnelverbindung ins Spiel gebracht. Das Welterbezentrum nehme die Stadtverwaltung aber als "eher unkooperativ" bei der Suche nach einer einvernehmlichen Lösung wahr. Die Stadtverwaltung argumentiert, der Bau entlaste den Innenstadtverkehr.

Schon jetzt hat der Streit um den Bau finanzielle Konsequenzen für Dresden. So erhält die Landeshauptstadt laut Sächsischer Zeitung kein Geld mehr aus einem 150 Millionen Euro umfassenden Fördertopf für deutsche Welterbestätten. Eine Expertenkommission von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sehe wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke keine Grundlage für die Finanzhilfe, hieß es.

Diskussionen gibt es auch über das Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Auch das Land Rheinland-Pfalz beabsichtigt einen Brückenbau und will in diesem Jahr eine Entscheidung darüber treffen. Vom Welterbekomitee erhofft sich das Land eine klare Stellungnahme dazu, ob das Bauwerk mit dem Welterbetitel vereinbar ist. Vor allem der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos) soll die geplante Brücke in dem Tal mit dem berühmten Loreley-Felsen allerdings kritisch sehen.

Dafür wird das Wattenmeer in Sevilla höchstwahrscheinlich die Auszeichnung als Weltnaturerbe erhalten. So nimmt die Beschlussvorlage den Antrag von Bund, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und den Niederlanden an. Das Wattenmeer stünde damit auf einer Stufe mit so bekannten Naturwundern wie dem Great Barrier Reef, dem Grand Canyon, den Galapagos-Inseln oder dem Serengeti-Nationalpark.

Schlechte Nachrichten aus Spanien haben dagegen die Städte Schwetzingen und Aachen zu befürchten. Dem Antrag der nordbadischen Barockstadt Schwetzingen auf einen Welterbetitel für Schloss und Garten soll nach Ansicht der Gutachter nicht entsprochen werden. Auch Aachen, das neben dem Dom auch das heutige Rathaus als schützenswertes Kulturdenkmal deklarieren lassen will, droht eine Absage.

 
Leser-Kommentare
  1. Dann darf man doch fragen, warum eine vergleichsweise lächerliche
    Brücke über die Elbe (die man zudem durch einen Tunnel ersetzen
    könnte) ein Weltkulturerbe in Dresden verhindern kann und ein
    Wattenmeer-Nationalpark, der eigentlich keiner ist, mit 30 Millionen
    Tourismus-Übernachtungen allein Niedersachsen, ständig zusätzlichen
    Nutzungen (Bootsliegeplätze, Kitesurfer, Golfplätze, Bau von
    Kabeltrassen für Offshore Wind"parks", Bau von Windkraftanlagen im
    Watt in Vogelzuggebieten, uneingeschränkte Fischerei, keine
    Rangeraufsicht) das Prädikat "Weltnaurerbe" bekommen soll. Um mit den
    Fördergeldern noch mehr Tourismus zu machen! Präsident der Deutschen
    UNESCO-Kommision ist Walter Hirche, bis vor kurzem Wirtschaftsminister
    in Niedersachsen.

    Damit wird das Wattenmeer nur auf dem Papier "auf einer Stufe mit so
    bekannten Naturwundern wie dem Great Barrier Reef, dem Grand Canyon,
    den Galapagos-Inseln oder dem Serengeti-Nationalpark" stehen, klingt zwar gut, stimmt aber nicht. Dies Schlagworte, von Tourismusmachern erfunden, werden ständig von der Presse widergekäut, werden aber damit nicht wahrer.

    Details unter www.Wattenrat.de:

    http://www.wattenrat.de/a...
    http://www.wattenrat.de/a...

  2. In dem Jahr, als Dresden dem Erdboden gleichgemacht wurde, durch einen sinnlosen Bombenangriff der Westalliierten auf eine Stadt, die es kein zweites Mal in dieser Pracht auf der Welt vorher gab wurden hunderttausende Menschen und Kunstschätze sinnlos vernichtet. Dresden hatte zu dieser Zeit weder eine taktische, noch eine strategische Bedeutung.

    Es war damals genauso ein sinnloses Morden, wie es die Nazis auf ihren Feldzügen getrieben haben.

    Damals nahm kein Mensch Rücksicht auf irgendwelches kulturelles Erbe - nein, man wollte es den Russen nicht gönnen, die Stadt unbeschadet einzunehmen.

    Heute urteilen die Kinder und Enkel dieser alliierten "Kunstbanausen" (Einen anderen Ausdruck erspare ich mir lieber!) darüber, ob es Dresden erlaubt wird, eine Brücke zu bauen oder nicht.

    Wo wäre Dresden denn, wenn in den letzten Jahrhunderten jeder so gedacht hätte?
    Wir hätten an dieser Stelle überhaupt kein Dresden, sehr viele Menschen könnten heute noch leben und der Elbe-Biber würde zwischen Meißen und Bad Schandau seine Dämme bauen.

    In hundert Jahren kräht kein Hahn mehr danach, warum damals diese Brücke hochgezogen wurde.

    Dann stehen die Touristen auf der Brücke und genießen von dort den herrlichen Ausblick auf die Elbauen.

    Jede gesellschaftliche Entwicklung liegt eben stets im Sinne des Betrachters und der Betrachter wird auch ohne dieses Beiwerk "Weltkulturerbe" nach Dresden kommen.

    Oder meinen Sie, dass im Falle eines erneuten Bombardements jemand darauf Rücksicht nimmt - egal ob nun Weltkulturerbe oder nicht?

    Dresden hat uns die Antwort schon 1945 geliefert!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das ist ja super einfach gedacht, "in hundert Jahren kräht kein Hahn mehr danach, dass die Brücke gebaut wurde". Wenn wir alle so dächten, gäbe es ja ganz real auch gar kein Welterbe in hundert Jahren mehr, weil es nicht bei der Brücke bliebe, vielleicht bis an das Flussufer heran betoniert worden ist, die Hänge ebenfalls zubetoniert wären. Auch wenn ich jetzt "nur" die Brücke ertragen müsste, weiß ich, was daraus wird, und das will ich meinen Enkeln nicht zumuten, ich trage Verantwortung für die Zukunft! Jeder sollte das tun, Bäume werden auch für künftige Generationen gepflanzt.

    Das ist ja super einfach gedacht, "in hundert Jahren kräht kein Hahn mehr danach, dass die Brücke gebaut wurde". Wenn wir alle so dächten, gäbe es ja ganz real auch gar kein Welterbe in hundert Jahren mehr, weil es nicht bei der Brücke bliebe, vielleicht bis an das Flussufer heran betoniert worden ist, die Hänge ebenfalls zubetoniert wären. Auch wenn ich jetzt "nur" die Brücke ertragen müsste, weiß ich, was daraus wird, und das will ich meinen Enkeln nicht zumuten, ich trage Verantwortung für die Zukunft! Jeder sollte das tun, Bäume werden auch für künftige Generationen gepflanzt.

  3. Das ist ja super einfach gedacht, "in hundert Jahren kräht kein Hahn mehr danach, dass die Brücke gebaut wurde". Wenn wir alle so dächten, gäbe es ja ganz real auch gar kein Welterbe in hundert Jahren mehr, weil es nicht bei der Brücke bliebe, vielleicht bis an das Flussufer heran betoniert worden ist, die Hänge ebenfalls zubetoniert wären. Auch wenn ich jetzt "nur" die Brücke ertragen müsste, weiß ich, was daraus wird, und das will ich meinen Enkeln nicht zumuten, ich trage Verantwortung für die Zukunft! Jeder sollte das tun, Bäume werden auch für künftige Generationen gepflanzt.

  4. Die UNESCO wusste bei der Aufnahme der Dresdner Altstadt in die Welterbeliste von den Brückenplänen, hatte aber keine Einwendungen.

    Dann aber schlug die Stunde der Lobbyisten, die sahen, dass es nun konkret wurde und dass sie Schwierigkeiten haben würden, sich auf lokaler oder nationaler Ebene durchzusetzen. Deshalb verfielen sie auf den Trick, die Stadt Dresden mit einer völlig überzogenen Darstellung der Effekte des Brückenbaus beim Welterbekommittee anzuschwärzen und das anfänglich zögernde Gremium zu drängeln, das Weltkulturerbe als gefährdet einzustufen. Wenn es im ganzen Prozess eine "Manipulation" gab, dann ist sie an dieser Stelle geschehen.

    Später dann lamentierten dieselben Leute lautstark über den Imageverlust für Dresden und für ganz Deutschland bei Aberkennung - einen Imageverlust, für den sie selbst durch ihre Lobbyarbeit zum Schaden aller den Grundstein gelegt hatten.

    Mittlerweile ist der Titel aberkannt. Die Stadt Dresden erleidet dadurch eine Zurücksetzung, wird aber darüber hinwegkommen, sich nicht vom Urteil Ortsfremder abhängig machen und sich auch ohne den Titel ihrer außergewöhnlichen Schönheit bewusst bleiben. Das Selbsbewusstsein der Dresdner wird die Touristen überzeugen und sie werden Elbflorenz weiterhin besuchen.

    Und vielleicht, vielleicht erkennt irgendwann in ferner Zukunft auch das Welterbekommittee der UNESCO, das es sich vor den falschen Karren hat spannen lassen...

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