Es hieß, die Universität sei verschlossen, verriegelt und verrammelt, damit niemand reinkann von den Demonstranten. Also auf zur Humboldt, das wollen wir doch mal sehen. Vom Alexanderplatz zum Bebelplatz wälzt sich die Menge. Es sind viele, so viele, wie man lang nicht mehr auf der Straße gesehen hat.

15.000 heißt es später, vielleicht mehr, einige Schüler die meisten Studenten. Es ist eine der größeren Demos, die Berlin in den letzten Jahren gesehen hat. Lachende Gesichter in der Berliner Sonne, rote Fahnen, gelbe T-Shirts, das Erkennungszeichen der Veranstalter und viele Banner, mal mehr, mal weniger originell. "Welches Modul hätte Humboldt gewählt?", "Nieder mit dem Kapitalismus", "Dumm fickt besser".

Daneben hält jemand eine andere Pappe hoch: Drauf steht: "Mehr Lehrer". Ja, dieser Streik ist bunt. Passanten bleiben stehen, Touristen in den Cafés bestellen sich einen zweien Latte macchiato. Das hatten sie nicht mitgebucht.

Nach ungefähr einer Stunde biegt die Demonstration in die Straße "Unter den Linden" ein, die Brüder Humboldt sind jetzt in Sicht. Die Polizisten stehen in Hundertschaften in den Nebenstraßen und vor der Universität.

Die Menge wälzt sich durch das Portal, es ist offen, die schwere Eingangstür ebenso. Vorbei am Marx-Zitat, vorbei an den zwei Dutzend Nobelpreisträgern, hoch in den ersten Stock zum Präsidenten. An der Freien Universität haben sie am Tag zuvor das Büro von Präsident Dieter Lenzen besetzt – vorausschauend wie immer hatte er sich mit den Streikenden solidarisch erklärt, mit denen, die all das, wofür er steht, bekämpfen. Es hat ihm nichts genutzt.