ZEIT ONLINE: Herr Lessig, Sie kämpfen seit Jahren für eine Reform des Urheberrechts. Wie könnte ein alternatives Modell aussehen?

Lawrence Lessig: Mir gefällt die Idee einer Kulturflatrate, wie sie die Grünen in Deutschland und auf europäischer Ebene vorgeschlagen haben. Das geht genau in die richtige Richtung.

ZEIT ONLINE: Gemeint ist eine monatliche Abgabe auf urheberrechtlich geschützte Inhalte, die es den Nutzern erlaubt, Musik, Filme, Hörbücher oder Software beliebig oft herunterzuladen, zu kopieren und weiterzugeben. Das Geld soll dann von einer Verwertungsgesellschaft an die Künstler und Rechteinhaber ausgeschüttet werden.

Lessig: Genau, eine solche Flatrate würde vor allem den Künstlern zugute kommen, die ja heute an den illegalen Downloads überhaupt nichts verdienen. Gleichzeitig würde das den freien Austausch von Informationen im Netz fördern, was ja die Uridee des Internets ist.

ZEIT ONLINE: Wie hoch sollte eine solche Pauschale denn sein?

Lessig: Das müsste man ausrechnen. Sie sollte den Schaden kompensieren, der der Kulturindustrie durch die Internetpiraterie entsteht. Diese Summe würde man dann umlegen auf die einzelnen Internetnutzer.

ZEIT ONLINE: Im Klartext bedeutet das eine Zwangsabgabe. Jeder Nutzer muss zahlen, auch wenn er gar nichts aus dem Netz herunterlädt. Die Gesetzestreuen subventionieren die Raubkopierer. Das ist doch ungerecht!

Lessig: Das sehe ich anders. Urheberrechtlich geschützte Werke sind öffentliche Güter. Und es liegt in der Natur solcher Güter, dass die Gemeinschaft dafür aufkommen muss, auch wenn Einzelne nichts dafür bezahlen wollen. Zum Beispiel werden ja auch mit Steuergeldern Schulen gebaut. Wenn jetzt jemand selbst keine Kinder hat, kann er nicht einfach sagen, ich zahle nichts für Schulen. Das Gleiche gilt für die innere und äußere Sicherheit eines Landes.