Waffenrecht "Ein Lehrstück in Lobbyarbeit"
Im Innenausschuss haben Sachverständige das geplante Waffenrecht kritisiert. Auch die Angehörigen der Opfer von Winnenden sind enttäuscht. Ändern wird das nichts
Es war der 11. März 2009 als sich das Leben des erfolgreichen Geschäftsmannes Hardy Schober für immer veränderte. An diesem Tag erschoss der 17-jährige Tim K. in der schwäbischen Kleinstadt Winnenden 15 Menschen und am Ende sich selbst. Eines der Opfer war die 15-jährige Schülerin Jana, Hardy Schobers Tochter.
Drei Monate und vier Tage später sitzt der Mann mit der Bürstenfrisur, der äußerlich noch immer als erfolgreicher Manager durchgehen könnte, in einem großen, hellen Saal im Deutschen Bundestag. Sachverständige sollen an diesem Montag im Innenausschuss Stellung nehmen zu der geplanten Reform des Waffenrechts. Und weil diese, wie der Ausschussvorsitzende und SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy zu Beginn feststellt, "nicht im luftleeren Raum stattfindet", sondern eine unmittelbare Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden ist, hat man auch Angehörige der Opfer eingeladen.
Neben Hardy Schober sitzt Gisela Mayer, eine schmale Frau mit schwarzer Kurzhaarfrisur. Ihre Tochter war Referendarin an der Albertville-Realschule. Auch sie wurde von Tim K. erschossen. In der Initiative der Winnenden-Angehörigen hat Gisela Mayer die Funktion einer Pressesprecherin übernommen. Zwar hat die Initiative selbst eine Gutachterin bestellt, doch vor den Abgeordneten wollte Mayer auch selbst das Wort ergreifen.
Dabei ist alles, was sie sagt, von großer Sachlichkeit und Nüchternheit. "Wir wissen, dass durch gesetzliche Änderungen Amokläufe nicht verhindert werden können", stellt sie zunächst einmal klar. Von den Abgeordneten verlangt sie eine "Entscheidung mit Augenmaß". Und doch macht sie aus ihrer Enttäuschung über das, was nun Gesetz werden soll, keinen Hehl.
Ein Verbot von großkalibrigen Waffen im Schießsport, wie es die Angehörigen forderten, fehlt, ebenso wie der Vorschlag, Waffen künftig nicht mehr privat aufbewahren zu dürfen. Auch Verstöße gegen die Aufbewahrungsvorschriften werden in dem Gesetzentwurf nach Ansicht der Angehörigen zu milde geahndet. Diese müssten in jedem Fall strafbar sein, und nicht nur, wenn ein Vorsatz nachweisbar ist.
Dabei ist die Position der Angehörigen keineswegs die radikalste, die im Innenausschuss vorgetragen wird. Der Sprecher der Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen", der neben der Familie einer der erschossenen Schülerinnen und mehreren Prominenten auch der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Klaus Jansen, angehört, geht deutlich weiter. Ein grundsätzliches Verbot von tödlichen Schusswaffen im Schießsport, fordert Roman Grafe, der von den Grünen als Sachverständiger berufen wurde. Mit den jetzigen halbherzigen Änderungen machten sich die Abgeordneten dagegen an weiteren Amokläufen mitschuldig, sagt er und zieht sich damit großen Unmut zu.
Doch auch andere Sachverständige, die soweit nicht gehen würden, äußern scharfe Kritik an dem Gesetzentwurf. "Ein Lehrstück über Lobbyarbeit" seien die Verhandlungen über die Waffenrechtsänderungen gewesen, sagt Sachsen-Anhalts SPD-Innenminister Holger Hövelmann. Von den ursprünglichen Vorschlägen, wie sie etwa der SPD-Innensenator von Bremen, Ulrich Mäurer, erarbeitet habe, sei wenig übrig geblieben. Der Sachverständige Bernd Carstensen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter wiederum bedauert, dass es nicht gelungen ist, die getrennte Aufbewahrung von Schusswaffen und Munition vorzuschreiben.
Dagegen fällt die Kritik derjenigen, die hier gewissermaßen die andere Seite vertreten, vergleichsweise moderat aus. Der Rechtsanwalt Dieter Deuschle, Vorsitzender des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg, etwa kritisiert die schärferen Vorschriften zur Absicherung von Waffenschränken. Jürgen Kohlheim, dem Vizepräsidenten des Deutschen Schützenbundes missfällt, dass Schützen künftig ihre Waffen abgeben sollen, wenn sie den Schießsport nicht mehr aktiv betreiben. Das sei auch "frauenfeindlich", argumentiert er, denn betroffen seien nicht zuletzt Schützinnen, die während der Erziehungszeit für einige Jahre aussetzen.
Die geplanten unangemeldeten Kontrollen bei Waffenbesitzern, die anfangs ebenfalls sehr umstritten waren, stoßen dagegen bei allen Sachverständigen auf weitgehende Akzeptanz. Dass sie verfassungskonform sind, daran gibt es keine Zweifel mehr.
Ob sich diese gesetzliche Regelung als sehr wirkungsvoll erweisen wird, ist allerdings fraglich. Mit dem heute vorhandenen Personal werde man es nicht schaffen, jeden Waffenbesitzer auch nur einmal in seinem Leben zu kontrollieren, gibt Hövelmann zu bedenken. Die nächste Diskussion über das Waffenrecht werde eine über dessen Vollzug sein, prophezeit er.
Aller Kritik zum Trotz will die Große Koalition an der jetzigen Gesetzesvorlage allerdings nichts mehr ändern. Am Donnerstag soll der vorliegende Entwurf im Bundestag beschlossen werden. Dieser sei ein "vernünftiger, solider Kompromiss" und sorge für mehr Sicherheit, sagt der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, nach der Anhörung.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich nicht schon bald wieder Menschen wie Hardy Schober oder Gisela Mayer auf den Weg nach Berlin machen müssen, um dort den Abgeordneten zu erklären, warum die letzte Änderung des Waffenrechts keineswegs ausreichend war.
- Datum 16.06.2009 - 08:27 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, 15.06.2009
- Kommentare 51
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Zitat, 5. Absatz:
"Auch Verstöße gegen die Aufbewahrungsvorschriften werden in dem Gesetzentwurf nach Ansicht der Angehörigen zu milde geahndet. Diese müssten in jedem Fall strafbar sein, und nicht nur, wenn "
Nicht nur beim Waffenrecht, sondern überall. Der Staat hat Glück, wenn er Gesetze erläßt, die zufällig mal niemanden einschränken. Dann kommen sie durch. Sonst nur light. Kleines Erlebnis dazu:
14.Juni 2009 - kleines Dorf in Bayern. Es ist Sonntag. Rasen mähen nicht erlaubt. Die katholische Gemeinde macht eine Prozession (nachträglich Fronleichnam? ich weiß es nicht). Sie singen alte Choräle dabei. An vier Stellen im Ort halten sie an und jedes Mal schießt der Schützenverein Salut. Was das alles miteinander zu tun hat? Nichts. Hauptsache schießen. Unser Hund klappert mit den Zähnen vor Angst, unsere kleinen Enkel sagen: tut weh in den Ohren. Tierschutz? Menschenschutz? Hauptsache schießen. Und nach dem Segen gehts ins Wirtshaus. Das ist so und das bleibt so. Winnenden? Hat doch damit nichts zu tun. Hauptsache unsere Welt bleibt wie sie ist. Dafür wählen wir schließlich unsere Politiker. Und der Herr Pfarrer läßt ordentlich Weihrauch dazu ab.
Ein repräsentatives System ist KEINE Demokratie, man sollte sich das jederzeit vor Augen halten, wider der offiziellen Propaganda.
...ist wichtigeres zu beleuchten. u.a. die der NRA in den USA ähnlichen "Waffenförderer" hierzulande, in denen sich etwa auffällig viele Rechtsanwälte tummeln und die die Öffentlichkeit nicht eben suchen.
Die Böllerschüsse im Dorf sind von nachgeordneter Bedeutung in dem Zusammenhang. Wens stört, soll in die Stadt ziehen. Aber wie gut, dass wenigstens auf dem Land jetzt auch die letzten paar Bauern und die letzten Misthaufen hopps gehen und kein Hahn mehr das sensible Stadtohr im Morgengrauen peinigt....
Katholische Gemeinde wegen Stoerung der Sonntagsruhe anzeigen?
Gibt schliesslich auch in Bayern nicht nur Katholiken, und auch Protestanten und andere Gottlose haben, so habe ich es mal gehoert, verfassungsmaessige Rechte.
:)
Katholische Gemeinde wegen Stoerung der Sonntagsruhe anzeigen?
Gibt schliesslich auch in Bayern nicht nur Katholiken, und auch Protestanten und andere Gottlose haben, so habe ich es mal gehoert, verfassungsmaessige Rechte.
:)
Na wenn die an 4 verschiedenen Orten in diesem Ort schießen, müssen sie ja nicht mit Hund und Enkeln hinterherlaufen! Oder frequentieren sie in diesem Ort 4 Aufenthaltsorte zur jeweiligen Schussabgabe? Seien sie beruhigt, in der Stadt ist es viel schlimmer! Aber wenn sie wollen schaue ich mir mal ihr Haus auf dem Lande an und wenn es mir gefällt, dann tausche ich gerne gegen meines in der Stadt. Dann sind sie die Ballermänner los, die in die Luft schießen, und sie bekommen hier die netten Leute, die nicht in die Luft schießen.
Wie sieht es aus, nehmen sie das Angebot an?
Oder sind sie ein Feigling, der nur redet und keine Herausforderung annimmt?
als hätten sie noch viel Integrationsarbeit vor sich.
Ein repräsentatives System ist KEINE Demokratie, man sollte sich das jederzeit vor Augen halten, wider der offiziellen Propaganda.
...ist wichtigeres zu beleuchten. u.a. die der NRA in den USA ähnlichen "Waffenförderer" hierzulande, in denen sich etwa auffällig viele Rechtsanwälte tummeln und die die Öffentlichkeit nicht eben suchen.
Die Böllerschüsse im Dorf sind von nachgeordneter Bedeutung in dem Zusammenhang. Wens stört, soll in die Stadt ziehen. Aber wie gut, dass wenigstens auf dem Land jetzt auch die letzten paar Bauern und die letzten Misthaufen hopps gehen und kein Hahn mehr das sensible Stadtohr im Morgengrauen peinigt....
Katholische Gemeinde wegen Stoerung der Sonntagsruhe anzeigen?
Gibt schliesslich auch in Bayern nicht nur Katholiken, und auch Protestanten und andere Gottlose haben, so habe ich es mal gehoert, verfassungsmaessige Rechte.
:)
Katholische Gemeinde wegen Stoerung der Sonntagsruhe anzeigen?
Gibt schliesslich auch in Bayern nicht nur Katholiken, und auch Protestanten und andere Gottlose haben, so habe ich es mal gehoert, verfassungsmaessige Rechte.
:)
Na wenn die an 4 verschiedenen Orten in diesem Ort schießen, müssen sie ja nicht mit Hund und Enkeln hinterherlaufen! Oder frequentieren sie in diesem Ort 4 Aufenthaltsorte zur jeweiligen Schussabgabe? Seien sie beruhigt, in der Stadt ist es viel schlimmer! Aber wenn sie wollen schaue ich mir mal ihr Haus auf dem Lande an und wenn es mir gefällt, dann tausche ich gerne gegen meines in der Stadt. Dann sind sie die Ballermänner los, die in die Luft schießen, und sie bekommen hier die netten Leute, die nicht in die Luft schießen.
Wie sieht es aus, nehmen sie das Angebot an?
Oder sind sie ein Feigling, der nur redet und keine Herausforderung annimmt?
als hätten sie noch viel Integrationsarbeit vor sich.
Ein repräsentatives System ist KEINE Demokratie, man sollte sich das jederzeit vor Augen halten, wider der offiziellen Propaganda.
An die Hinterbliebenen der Opfer von Winnenden:
Wo wart ihr, als es nach vorhergehenden "Amokläufen" um eine Verschärfung des Waffenrechtes ging?
Kann es sein, dass es euch vorher nicht besonders kümmerte, da ihr selbst nicht betroffen wart?
Wo sind all die anderen besorgten Eltern und Menschen ganz Deutschlands? Warum demonstriert ihr nicht gegen diese "Lobbyarbeit"?
An alle Gegner von Schusswaffen in Privatbesitz:
Wo seid ihr, wenn es um die Rüstungsexporte deutscher Unternehmen geht, vornehmlich Handfeuerwaffen an Dritte Welt Länder?
Kann es sein, dass es euch egal ist ob sich in anderen Ländern Menschen mit deutschen Waffen gegenseitig umbringen?
Zu bequem, korrekt! Alles Einzelkämpfer ohne Kampfesmut und mit St. Florians-Hoffnung.
An alle Gegner von Schusswaffen in Privatbesitz: Wo seid ihr
Also ich war gestern auf einer (Mini-)Demo.
wenn es um die Rüstungsexporte deutscher Unternehmen geht
Warum sollte man sich denn darum kümmern? Wie Sie selber schreiben, geht es um Schusswaffen in Privatbesitz, nicht um die Herstellung von Schusswaffen. Sollen wir uns hierzulande jetzt um die Aufbewahrungsregeln privater Waffen im Ausland kümmern? Sollen wir Exporte in Länder mit brauchbaren Aufbewahrungsregeln verbieten? Wozu? Weil Sie die Problematik nicht erfassen?
Zu bequem, korrekt! Alles Einzelkämpfer ohne Kampfesmut und mit St. Florians-Hoffnung.
An alle Gegner von Schusswaffen in Privatbesitz: Wo seid ihr
Also ich war gestern auf einer (Mini-)Demo.
wenn es um die Rüstungsexporte deutscher Unternehmen geht
Warum sollte man sich denn darum kümmern? Wie Sie selber schreiben, geht es um Schusswaffen in Privatbesitz, nicht um die Herstellung von Schusswaffen. Sollen wir uns hierzulande jetzt um die Aufbewahrungsregeln privater Waffen im Ausland kümmern? Sollen wir Exporte in Länder mit brauchbaren Aufbewahrungsregeln verbieten? Wozu? Weil Sie die Problematik nicht erfassen?
...ist wichtigeres zu beleuchten. u.a. die der NRA in den USA ähnlichen "Waffenförderer" hierzulande, in denen sich etwa auffällig viele Rechtsanwälte tummeln und die die Öffentlichkeit nicht eben suchen.
Die Böllerschüsse im Dorf sind von nachgeordneter Bedeutung in dem Zusammenhang. Wens stört, soll in die Stadt ziehen. Aber wie gut, dass wenigstens auf dem Land jetzt auch die letzten paar Bauern und die letzten Misthaufen hopps gehen und kein Hahn mehr das sensible Stadtohr im Morgengrauen peinigt....
Katholische Gemeinde wegen Stoerung der Sonntagsruhe anzeigen?
Gibt schliesslich auch in Bayern nicht nur Katholiken, und auch Protestanten und andere Gottlose haben, so habe ich es mal gehoert, verfassungsmaessige Rechte.
:)
Katholische Gemeinde wegen Stoerung der Sonntagsruhe anzeigen?
Gibt schliesslich auch in Bayern nicht nur Katholiken, und auch Protestanten und andere Gottlose haben, so habe ich es mal gehoert, verfassungsmaessige Rechte.
:)
nicht von Erfolg gekrönt sein, da für solche Prozessionen meist Ausnahmen gibt, von wegen freie Religionsausübung, Tradition und so. Glaube kaum, dass jahrhunderte alte Traditionen abgelegt werden um ein paar Zugereiste milde zu stimmen.
nicht von Erfolg gekrönt sein, da für solche Prozessionen meist Ausnahmen gibt, von wegen freie Religionsausübung, Tradition und so. Glaube kaum, dass jahrhunderte alte Traditionen abgelegt werden um ein paar Zugereiste milde zu stimmen.
Na wenn die an 4 verschiedenen Orten in diesem Ort schießen, müssen sie ja nicht mit Hund und Enkeln hinterherlaufen! Oder frequentieren sie in diesem Ort 4 Aufenthaltsorte zur jeweiligen Schussabgabe? Seien sie beruhigt, in der Stadt ist es viel schlimmer! Aber wenn sie wollen schaue ich mir mal ihr Haus auf dem Lande an und wenn es mir gefällt, dann tausche ich gerne gegen meines in der Stadt. Dann sind sie die Ballermänner los, die in die Luft schießen, und sie bekommen hier die netten Leute, die nicht in die Luft schießen.
Wie sieht es aus, nehmen sie das Angebot an?
Oder sind sie ein Feigling, der nur redet und keine Herausforderung annimmt?
dass Sie die Sachlage so verzerren. In einem kleinen Dorf muß man nicht hinter her laufen, mir gehts auch nicht um den Krach als solchen, sondern um den Unsinn der Schießerei bei einer Prozession. Und - übrigens - wer dagegen als Dorfbewohner etwas sagt, kann dann tatsächlich mit Ihnen die Wohnung tauschen. Eben wegen der Lobby. Davon wollte ich etwas deutlich machen. Schade, dass es nicht gelungen ist. Gleich mit dem Wort "Feigling" zu schießen, was soll es?
dass Sie die Sachlage so verzerren. In einem kleinen Dorf muß man nicht hinter her laufen, mir gehts auch nicht um den Krach als solchen, sondern um den Unsinn der Schießerei bei einer Prozession. Und - übrigens - wer dagegen als Dorfbewohner etwas sagt, kann dann tatsächlich mit Ihnen die Wohnung tauschen. Eben wegen der Lobby. Davon wollte ich etwas deutlich machen. Schade, dass es nicht gelungen ist. Gleich mit dem Wort "Feigling" zu schießen, was soll es?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren