Kohlendioxid Der neue Endlager-Streit

Ganze Regionen wehren sich gegen CO2-Lager. Der Aufschub des Gesetzes für die unterirdischen Speicher ist ein erster Erfolg für Landwirte und Bürgerinitiativen

Eine kleine Demonstrationswelle rollt über Schleswig-Holstein: Anfang der Woche demonstrierten Bürger in Niebüll gegen die geplante unterirdische Einlagerung des Klimagases Kohlendioxid (CO2), Mahnwachen werden gehalten, für den 4. Juli ist eine Großdemonstration geplant. Der Widerstand ist groß und mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat er einen prominenten Fürsprecher.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und weitere führende Unions-Politiker beobachten die Proteste genau. Gestern zogen sie ihre Konsequenzen: Das für die unterirdische Einlagerung nötige CCS-Gesetz (Carbon Capture and Storage) wird vor der Bundestagswahl nicht mehr beschlossen. 

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Es ist ein erster Erfolg für Werner Asmus. Als der Bürgermeister des norddeutschen Örtchens Wallsbüll Anfang Mai von der Absicht des Energiekonzerns RWE erfuhr, in seiner Gemeinde nach einem unterirdischen Speicherraum für Kohlendioxid zu suchen, gründete er eine Bürgerinitiative gegen die Pläne. Innerhalb von sechs Wochen traten rund 2500 Personen bei.

Auch in den Nachbargemeinden, rund 20 sind es insgesamt, sucht RWE nach geeigneten Lagerstätten. Entschieden ist noch nichts. Dennoch ist Asmus verärgert: "Die planen einen gigantischen Speicher und stellen uns einfach vor vollendete Tatsachen", schimpft der 63-jährige Landwirt. "Das hat uns aufgebracht."

Die ganze Region wehrt sich dagegen, die "CO2-Deponie Deutschlands" zu werden – mit kräftiger Unterstützung der CDU-Landesregierung. Landwirte, Kirchen, Gewerkschaften, sie alle eint die Skepsis gegen die CCS-Technologie, von der noch niemand sagen kann, wann sie tatsächlich funktionieren wird.

Nur wenige Kilometer entfernt, auf der anderen Seite der Grenze, wehren sich die Dänen gegen ein CO2-Lager des Konkurrenten Vattenfall, und in der Nähe von Cottbus haben sich weitere Bürger gegen die Lausitzer "CO2-Bombe" formiert, wie sie das unterirdische Lager titulieren. Auch hier will Vattenfall den Boden für die Kohlendioxidspeicherung erforschen.

Was die Energiekonzerne vorhaben, ist beeindruckend. Die RWE-Tochter Dea will eine rund 530 Kilometer lange Pipeline vom Kohlekraftwerk Hürth in Nordrhein-Westfalen nach Schleswig-Holstein verlegen. Von einer "Klimaschutz-Pipeline" spricht das Unternehmen. An der Küste soll dann in geeigneten Gesteinsformationen, den sogenannten salinen Aquiferen, das in Hürth abgeschiedene Klimagas in mehr als 1000 Metern Tiefe verpresst werden, damit es die Erderwärmung nicht weiter anheizt.

Rund 2,6 Millionen Tonnen CO2 sollen jährlich im Boden gespeichert werden. RWE Dea gibt an, die Bodenformationen in Schleswig und Nordfriesland seien dafür besonders geeignet. Für ein etwa 260 Quadratkilometer großes Gebiet hat sich das Unternehmen daher die behördliche Genehmigung besorgt, seismische Untersuchungen zu unternehmen.

Doch das ist einfacher gesagt als getan. Denn schon hat der Schleswig-Holsteinischen Bauernverband seine Mitglieder zum Protest aufgerufen. Die Bauern sollen den RWE-Messleuten den Zugang zu ihren Äckern verweigern. Keine Voruntersuchung - kein Endlager; das ist das Kalkül. "Wer weiß schon, ob das CO2 wirklich im Boden bleibt – und wenn nicht, haben wir Probleme mit unserem Vieh", sagt Werner Stapelfeld vom Landesvorstand des Bauernverbands. "Außerdem bekommen wir ein riesiges Image-Problem in unserer Tourismus-Region."

Hinter den Protesten der Bauern stehen klare ökonomische Interessen. Schließlich sind inzwischen auch sie Energieproduzenten, verdienen sich mit  Windparks und Biogas-Anlagen durch die garantierten Vergütungen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz ein lukratives Einkommen hinzu. "Wir wollen weiterhin Vorreiter beim Ökostrom bleiben – dazu passt Strom aus Kohle einfach nicht", sagt Stapelfeld.

Leser-Kommentare
  1. Vielleicht etwas beschwerlicher, aber es sollte doch möglich sein.

    Zerschlagung der Energiekonzerne.
    Dezentralisierte Produktion von Strom.
    Leitungen werden von den jetzigen Lieferanten angemietet.
    Fertig.

    Gut, diese Ideen müssten noch genauer durchgesehen und vor allem durchdacht werden, aber was bietet den die "Stromindustrie" als Alternative?

    Boden auf, reinschütten, und alles bleibt gut.

    Da gefällt mir der erste Ansatz wesentlich besser.

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    Damit hat man ja auch so gute Erfahrungen gemacht!
    Aber der Autor weiss, von wem er Geld erwarten kann, also haben Gegner einfach oekonomische Interessen, fertig (im Gegensatz zu den Energiekonzernen).
    Ich habe einen Vorschlag zur Verkuerzung solcher Debatten : nur derjenige Bundestagsabgeordnete darf fuer die Endlagerung von irgendetwas sprechen, der eine Einverstaendniserklaerung seines Wahlkreises vorzeigen kann, dass das Lager dort errichtet werden kann.

    Damit hat man ja auch so gute Erfahrungen gemacht!
    Aber der Autor weiss, von wem er Geld erwarten kann, also haben Gegner einfach oekonomische Interessen, fertig (im Gegensatz zu den Energiekonzernen).
    Ich habe einen Vorschlag zur Verkuerzung solcher Debatten : nur derjenige Bundestagsabgeordnete darf fuer die Endlagerung von irgendetwas sprechen, der eine Einverstaendniserklaerung seines Wahlkreises vorzeigen kann, dass das Lager dort errichtet werden kann.

  2. 2. hey...

    ...in mainz wird demnächst am eingang des rheintals (wenigstens ziemlich in der nähe)die umgebung, rheingau, rheinhessen, wiesbaden(halb so schlimm) aus einem 150 meter hohen kohlekraftwerksschlot co2 begast. yipeeh!!!

  3. Damit hat man ja auch so gute Erfahrungen gemacht!
    Aber der Autor weiss, von wem er Geld erwarten kann, also haben Gegner einfach oekonomische Interessen, fertig (im Gegensatz zu den Energiekonzernen).
    Ich habe einen Vorschlag zur Verkuerzung solcher Debatten : nur derjenige Bundestagsabgeordnete darf fuer die Endlagerung von irgendetwas sprechen, der eine Einverstaendniserklaerung seines Wahlkreises vorzeigen kann, dass das Lager dort errichtet werden kann.

    • Atan
    • 25.06.2009 um 11:53 Uhr

    großer Kohlekraftwerke der Energie-Oligopolisten ermöglichen soll. Da aber der Klimawandel keine Marketing-Idee der Windstromer ist, wäre es eben fatal, wenn wir in 30 Jahren erleben, wie die CO2-Lager reihenweise undicht werden. Die großen Stromkonzerne sind weder am Weltklima noch an komplizierten unausgereiften Energiegewinnungsverfahren in der Zukunft interessiert, sonder 100% und lupenrein an hohen Profiten auch in den nächsten 10, 15 Jahren. Das geht am zuverlässigsten mit Kohlekraftwerken, also würde sie gerne absolut alles andere ihren Bauplänen unterordnen. Welches Interesse sollte also bitte schön irgendwer haben, die öffentliche Ressource "Speicherkapazität" diesem rein privaten Profitsteben zu opfern?
    Wenn dazu ein GEsetz gemacht wird, bitte mit gleichzeitiger Auflage eines "ewigen Fonds", der nicht unter Kontrolle der Konzerne steht und der für die "ewige" Absicherung der Deponien aufkommt. Erst jetzt über hohe Strompreise die Verbraucher abzocken und in 30 Jahren nochmal die Steuerzahler für die Lagerungskosten geht ja wohl gar nicht!

  4. 5. *lol*

    "Mit zwei Wahlen vor der Haustür, der Bundestagswahl im September und der Landtagswahl im Frühjahr 2010, werde sich wohl kein Politiker gegen den Willen der Bürger stellen."

    Nein, erst danach wieder.

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    Peter H. Carstensen hat auch erst, entgegen dem Tenor im Artikel ('Der Widerstand ist groß und mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat er einen prominenten Fürsprecher.'), nur halbwegs und halbherzig die Kurve gekriegt. Der will nämlich nur ein massives Mutspracherecht von Landesbehörden bei Einrichtung und Betrieb haben. Die Arbeit macht das Volk (überparteilich) vor Ort. War da was mit Landtagswahl und Große Koalition bis dahin über die Runden bringen?

    Peter H. Carstensen hat auch erst, entgegen dem Tenor im Artikel ('Der Widerstand ist groß und mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat er einen prominenten Fürsprecher.'), nur halbwegs und halbherzig die Kurve gekriegt. Der will nämlich nur ein massives Mutspracherecht von Landesbehörden bei Einrichtung und Betrieb haben. Die Arbeit macht das Volk (überparteilich) vor Ort. War da was mit Landtagswahl und Große Koalition bis dahin über die Runden bringen?

  5. ... für die Stromkonzerne. Die Lobby war nämlich mal wieder wirklich fleißig:

    "Die britische liberale Abgeordnete Fiona Hall bemängelte auch die hohe Förderung mit bis zu 80 Prozent aus EU-Töpfen, im Vergleich zu 50 Prozent bei anderen zu fördernden Projekten. Insgesamt sollen CCS Projekte mit bis zu 1.050 Milliarden Euro gefördert werden, während etwa Windkraftprojekte nur mit 565 Millionen Euro unterstützt werden."
    Quelle: http://europaeische-union.suite101.de/article.cfm/kohlendioxidabscheidung_in_der_eu

    Und das alles nur, um die abgeschriebenen hochprofitablen Kohlekraftwerke noch eine Weile abzumelken. Aber wir bezahlen es ja gerne.

    Durch die CO2 Abscheidung sinkt übrigens der Wirkungsgrad ganz massiv, oder mit anderen Worten: es muss für die selbe Strommenge mehr Kohle etc. verheizt werden:

    "Die sündhaft teure Versenkung von CO2, auch als CCS (carbon dioxide capture and storage) bekannt, hat zahlreiche gravierende Nachteile, aber keinen einzigen greifbaren Vorteil. Wenn ein Kohlekraftwerk mit der teuren Technik für die Kohlendioxidabscheidung ausgerüstet wird, sinkt die Effizienz um bis zu 30 Prozent. Um die gleiche Menge Strom zu produzieren muss also auch signifikant mehr Kohle verbrannt werden, und der Strompreis für den Bürger steigt sogar überproportional. Und das Kraftwerk ist danach nicht einmal CO2-frei, sondern nur 70 Prozent werden abgeschieden."

    Quelle: http://www.ibtimes.de/articles/20090616/ccs-gesetz-milliardengrab-cdu-reiche-energiekonzerne-lobby-co2-versenkung-geldverschwendung.htm

  6. 7. lol

    Peter H. Carstensen hat auch erst, entgegen dem Tenor im Artikel ('Der Widerstand ist groß und mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat er einen prominenten Fürsprecher.'), nur halbwegs und halbherzig die Kurve gekriegt. Der will nämlich nur ein massives Mutspracherecht von Landesbehörden bei Einrichtung und Betrieb haben. Die Arbeit macht das Volk (überparteilich) vor Ort. War da was mit Landtagswahl und Große Koalition bis dahin über die Runden bringen?

    Antwort auf "*lol*"
    • th
    • 30.06.2009 um 14:36 Uhr

    keinen Strom aus Atom- oder Kohlekraftwerken nach Nordfriesland verkaufen ...
    Die können doch auch von Windkraft und Bio-Gas leben!
    Und natürlich muß jede ernsthafte Forschung verhindert werden, damit man ja nicht zu einem auf wissenschaftlichen Tatsachen und Zusammenhängen beruhenden Urteil kommt.

    Oh heiliger Sankt Florian!

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