Der neue Endlager-Streit

Der Landwirt ist optimistisch, dass RWE vor dem breiten Widerstand kapituliert. Schließlich habe man es bereits geschafft, das CCS-Gesetz auf Bundesebene zu blockieren. Mit zwei Wahlen vor der Haustür, der Bundestagswahl im September und der Landtagswahl im Frühjahr 2010, werde sich wohl kein Politiker gegen den Willen der Bürger stellen. "Unsere Bevölkerung lehnt das Projekt mit 100 Prozent ab", glaubt Stapelfeld und vergleicht die Proteste bewusst mit der Anti-AKW-Bewegung. "Ich kann mir Gorleben auch gut in Friesland vorstellen."

Die Energiekonzerne wissen seit langem, dass der Erfolg der CCS-Technologie vor allem von der Akzeptanz der Bevölkerung abhängt. Mit derartigem Widerstand der Friesen hat man bei RWE Dea in Hamburg nicht gerechnet. "Die Deutlichkeit und Dynamik der Proteste – das ist schon ein gutes Stück", sagt ein RWE-Dea-Sprecher. Er schlägt versöhnliche Töne an. Ob man sich den Zugang zu den Grundstücken vor Gericht erstreiten will, lässt er offen. "Klar ist, dass wir nicht gegen Tausende Bürger Rechtsmittel erwirken."

Auch in der Wissenschaft sorgt das rasante Vorgehen der Energiekonzerne für Skepsis. Olav Hohmeyer ist Professor für Energie- und Ressourcenwirtschaft an der Universität Flensburg, Mitautor des Sonderberichts CCS des Weltklimarats IPCC und berät die Bundesregierung bei Umweltfragen. Zurzeit tourt er über die Dörfer Schleswig-Holsteins und streitet mit Bürgern und RWE-Vertretern. Seine Position: "Zurzeit wird CCS diskutiert, um der Kohle den Hals zu retten und nicht, um etwas fürs Klima zu tun."

Der Wissenschaftler warnt vor einer Nutzungskonkurrenz. Laut IPCC-Gutachten 2007 wird CCS vor allem in etwa 50 Jahren interessant sein. Denn dann müsse der Atmosphäre aktiv CO2 entnommen werden, um den Klimagas-Anteil zu stabilisieren. "Aber dann dürfen die Speicher nicht mit CO2 aus Kohle gefüllt sein", warnt Hohmeyer. Ein Argument, dass vor allem Werner Asmus von der Bürgerinitiative gerne zitiert.

Hohmeyer betont, dass er kein grundsätzlicher CCS-Gegner sei. Aber er sieht noch enormen Forschungsbedarf. Bislang gebe es kaum wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie sich das verpresste Gas unter Tage verhalte. Nur in der Nordsee, wo der norwegische Energiekonzern Statoil CO2 im Meeresboden versenkt, werden die Konsequenzen erforscht. "Die Pläne von RWE gehen aber über die Forschung hinaus. Hier werden mit Infrastrukturmaßnahmen einfach Fakten geschaffen", sagt er.

 
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Leser-Kommentare

  1. Vielleicht etwas beschwerlicher, aber es sollte doch möglich sein.

    Zerschlagung der Energiekonzerne.
    Dezentralisierte Produktion von Strom.
    Leitungen werden von den jetzigen Lieferanten angemietet.
    Fertig.

    Gut, diese Ideen müssten noch genauer durchgesehen und vor allem durchdacht werden, aber was bietet den die "Stromindustrie" als Alternative?

    Boden auf, reinschütten, und alles bleibt gut.

    Da gefällt mir der erste Ansatz wesentlich besser.

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    Endlagern!   gkrannich

    Damit hat man ja auch so gute Erfahrungen gemacht!
    Aber der Autor weiss, von wem er Geld erwarten kann, also haben Gegner einfach oekonomische Interessen, fertig (im Gegensatz zu den Energiekonzernen).
    Ich habe einen Vorschlag zur Verkuerzung solcher Debatten : nur derjenige Bundestagsabgeordnete darf fuer die Endlagerung von irgendetwas sprechen, der eine Einverstaendniserklaerung seines Wahlkreises vorzeigen kann, dass das Lager dort errichtet werden kann.

  2. 2. hey...

    ...in mainz wird demnächst am eingang des rheintals (wenigstens ziemlich in der nähe)die umgebung, rheingau, rheinhessen, wiesbaden(halb so schlimm) aus einem 150 meter hohen kohlekraftwerksschlot co2 begast. yipeeh!!!

  3. Damit hat man ja auch so gute Erfahrungen gemacht!
    Aber der Autor weiss, von wem er Geld erwarten kann, also haben Gegner einfach oekonomische Interessen, fertig (im Gegensatz zu den Energiekonzernen).
    Ich habe einen Vorschlag zur Verkuerzung solcher Debatten : nur derjenige Bundestagsabgeordnete darf fuer die Endlagerung von irgendetwas sprechen, der eine Einverstaendniserklaerung seines Wahlkreises vorzeigen kann, dass das Lager dort errichtet werden kann.

    • 25.06.2009 um 11:53 Uhr
    • Atan

    großer Kohlekraftwerke der Energie-Oligopolisten ermöglichen soll. Da aber der Klimawandel keine Marketing-Idee der Windstromer ist, wäre es eben fatal, wenn wir in 30 Jahren erleben, wie die CO2-Lager reihenweise undicht werden. Die großen Stromkonzerne sind weder am Weltklima noch an komplizierten unausgereiften Energiegewinnungsverfahren in der Zukunft interessiert, sonder 100% und lupenrein an hohen Profiten auch in den nächsten 10, 15 Jahren. Das geht am zuverlässigsten mit Kohlekraftwerken, also würde sie gerne absolut alles andere ihren Bauplänen unterordnen. Welches Interesse sollte also bitte schön irgendwer haben, die öffentliche Ressource "Speicherkapazität" diesem rein privaten Profitsteben zu opfern?
    Wenn dazu ein GEsetz gemacht wird, bitte mit gleichzeitiger Auflage eines "ewigen Fonds", der nicht unter Kontrolle der Konzerne steht und der für die "ewige" Absicherung der Deponien aufkommt. Erst jetzt über hohe Strompreise die Verbraucher abzocken und in 30 Jahren nochmal die Steuerzahler für die Lagerungskosten geht ja wohl gar nicht!

  4. 5. *lol*

    "Mit zwei Wahlen vor der Haustür, der Bundestagswahl im September und der Landtagswahl im Frühjahr 2010, werde sich wohl kein Politiker gegen den Willen der Bürger stellen."

    Nein, erst danach wieder.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    lol   LotharKnaepper

    Peter H. Carstensen hat auch erst, entgegen dem Tenor im Artikel ('Der Widerstand ist groß und mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat er einen prominenten Fürsprecher.'), nur halbwegs und halbherzig die Kurve gekriegt. Der will nämlich nur ein massives Mutspracherecht von Landesbehörden bei Einrichtung und Betrieb haben. Die Arbeit macht das Volk (überparteilich) vor Ort. War da was mit Landtagswahl und Große Koalition bis dahin über die Runden bringen?

  5. ... für die Stromkonzerne. Die Lobby war nämlich mal wieder wirklich fleißig:

    "Die britische liberale Abgeordnete Fiona Hall bemängelte auch die hohe Förderung mit bis zu 80 Prozent aus EU-Töpfen, im Vergleich zu 50 Prozent bei anderen zu fördernden Projekten. Insgesamt sollen CCS Projekte mit bis zu 1.050 Milliarden Euro gefördert werden, während etwa Windkraftprojekte nur mit 565 Millionen Euro unterstützt werden."
    Quelle: http://europaeische-union.suite101.de/article.cfm/kohlendioxidabscheidung_in_der_eu

    Und das alles nur, um die abgeschriebenen hochprofitablen Kohlekraftwerke noch eine Weile abzumelken. Aber wir bezahlen es ja gerne.

    Durch die CO2 Abscheidung sinkt übrigens der Wirkungsgrad ganz massiv, oder mit anderen Worten: es muss für die selbe Strommenge mehr Kohle etc. verheizt werden:

    "Die sündhaft teure Versenkung von CO2, auch als CCS (carbon dioxide capture and storage) bekannt, hat zahlreiche gravierende Nachteile, aber keinen einzigen greifbaren Vorteil. Wenn ein Kohlekraftwerk mit der teuren Technik für die Kohlendioxidabscheidung ausgerüstet wird, sinkt die Effizienz um bis zu 30 Prozent. Um die gleiche Menge Strom zu produzieren muss also auch signifikant mehr Kohle verbrannt werden, und der Strompreis für den Bürger steigt sogar überproportional. Und das Kraftwerk ist danach nicht einmal CO2-frei, sondern nur 70 Prozent werden abgeschieden."

    Quelle: http://www.ibtimes.de/articles/20090616/ccs-gesetz-milliardengrab-cdu-reiche-energiekonzerne-lobby-co2-versenkung-geldverschwendung.htm

  6. 7. lol

    Peter H. Carstensen hat auch erst, entgegen dem Tenor im Artikel ('Der Widerstand ist groß und mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat er einen prominenten Fürsprecher.'), nur halbwegs und halbherzig die Kurve gekriegt. Der will nämlich nur ein massives Mutspracherecht von Landesbehörden bei Einrichtung und Betrieb haben. Die Arbeit macht das Volk (überparteilich) vor Ort. War da was mit Landtagswahl und Große Koalition bis dahin über die Runden bringen?

    Antwort auf "*lol*"
    • 30.06.2009 um 14:36 Uhr
    • th

    keinen Strom aus Atom- oder Kohlekraftwerken nach Nordfriesland verkaufen ...
    Die können doch auch von Windkraft und Bio-Gas leben!
    Und natürlich muß jede ernsthafte Forschung verhindert werden, damit man ja nicht zu einem auf wissenschaftlichen Tatsachen und Zusammenhängen beruhenden Urteil kommt.

    Oh heiliger Sankt Florian!

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