WM in Südafrika Jeder Handtaschenraub eine Meldung
Die Ägypter sind beim Confed-Cup beraubt worden. Reflexartig wird ein Thema debattiert, dem die Südafrikaner bei der kommenden WM nicht entrinnen können: Sicherheit

© Kay Nietfeld/dpa
Unerlaubter Griff nach der Geldbörse
Eigentlich müssten die Organisatoren der Fußball-WM in Südafrika jedem Zuschauer beim Confed-Cup eine Vuvuzela in die Hand drücken. Auf diese Weise könnten sie die Debatte in Gang halten, ob die jetzt schon legendären Rüsseltröten als Lärmbelästigung oder Kulturgut zu verstehen sind. Sonst rückt wieder ein anderes Thema in den Mittelpunkt: Sicherheit.
Zwei Teams sind beraubt worden beim Confed-Cup, die Brasilianer und die Ägypter. Ersteren ist im Hotel Geld gestohlen worden, was unstrittig ist. Zweiteren fehlt ebenfalls Geld, doch auf welche Weise es abhanden gekommen ist, darüber streiten sich die Experten. Südafrikanischen Medien und dem Sicherheitsminister zufolge hätten die Ägypter dem Schaden die Tür geöffnet, indem sie Prostituierte auf ihre Zimmer genommen hätten.
Anzeichen für ein gewaltsames Aufbrechen der Zimmertüren oder der Safes gab es offenbar nicht. Dafür zeigten Videoaufnahmen, dass mehrere junge Frauen in den Zimmern ein- und ausgegangen seien. Die Ägypter bestreiten das. Südafrika, sagen sie, versuche abzulenken von seinem Hauptproblem: Sicherheit.
Wie auch immer die Vorfälle sich ereignet haben mögen, sie bestätigen nur eines: Die Südafrikaner können dem Thema Sicherheit nicht mehr entkommen. So wie die Olympischen Spiele in Athen unter dem Thema "Werden die Stadien fertig?" standen und in Peking der Aspekt "Menschenrechte in China" beleuchtet wurde, wird die WM 2010 eine Sicherheitsdebatte erleben.
Natürlich weil die Kriminalitätsrate in Südafrika hoch ist. Aber auch weil die Weltöffentlichkeit nun genau darauf schaut. Jeder Handtaschenraub in Pretoria dürfte es zu einer Kurzmeldung schaffen. Da helfen auch die 118 Millionen Euro nicht mehr, die Südafrika in Sicherheitsprojekte investiert.
- Datum 23.06.2009 - 11:26 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 4
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Es ist schlicht und einfach lächerlich, in einem anderen Land dieselben Sicherheitsstandarts zu erwarten wie in Mitteleuropa...
Da gebe ich dir absolut Recht, Manu84..
Das beste was passieren kann ist, dass die neuen Sicherheitsvorkehrungen dem Land auch nach der WM bezüglich der Kriminalität weiterhelfen und dass die WM bzw. Südafrika nicht von "kleineren" Negativmeldungen wie Diebstählen in ein negatives Licht gerückt wird..
Da gebe ich dir absolut Recht, Manu84..
Das beste was passieren kann ist, dass die neuen Sicherheitsvorkehrungen dem Land auch nach der WM bezüglich der Kriminalität weiterhelfen und dass die WM bzw. Südafrika nicht von "kleineren" Negativmeldungen wie Diebstählen in ein negatives Licht gerückt wird..
Da gebe ich dir absolut Recht, Manu84..
Das beste was passieren kann ist, dass die neuen Sicherheitsvorkehrungen dem Land auch nach der WM bezüglich der Kriminalität weiterhelfen und dass die WM bzw. Südafrika nicht von "kleineren" Negativmeldungen wie Diebstählen in ein negatives Licht gerückt wird..
Wenn ich im Ausland bin, will ich gefälligst genauso leben wie in Deutschland. Wehe, mir kommt da Schmutz oder Armut oder Kriminalität in die Quere oder da unten kann wieder keiner vernünftig deutsch sprechen! Wo kämen wir da hin, wenn man sich jetzt für König Fußball auch noch dem Ausland anpassen muss ? Das ist gegen die Tradition !
beste Grüße, Monz
Nichts ist schlimmer als die Weltanschauung der Leute, die die Welt noch nie angeschaut haben. (Humboldt)
Ich war an vielen Orten, die in dieser und anderen Zeitungen stets von ihrer schlimmsten Seite präsentiert werden, denen nachgesagt wird, dass man dort nur aus dem Auto steigen muss um überfallen zu werden. Dazu gehören Rio und Sao Paulo oder die Brücke der Freundschaft in Foz de Iguacu und weitere Orte.
Überfallen worden bin ich aber nicht in Südamerika, Asien oder Afrika sondern in Kölle, direkt vor dem Dom, und in Amsterdam! Beide Male war es mein Fehler, und es ärgert mich immer noch. Es hat mir aber auch gezeigt, dass man nicht mit dieser entsetzlichen europäischen Überheblichkeit durch die Welt reisen sollte, dass hier alles besser und schöner und sauberer ist.
Wer sich in Kapstadt oder Johannesburg bewegt, als wäre er in Bayreuth oder Kappeln unterwegs, der ist selbst schuld und sollte nicht jammern! Das funktioniert nicht mal in europäischen Großstädten. Wenn ich mich blauäugig verhalte, werde ich auch dafür bestraft.
Ich erinnere mich an den Anblick einer europäischen Touristengruppe am Strand von Copacabana. Die Herrschaften kamen allesamt mit prall gefüllten Rucksäcken (kleiner Tip: eine Supermarkt-Platiktüte reicht völlig), wollten aber unbedingt auch mal ins Wasser springen. Also türmte man die Taschen auf einen Haufen und postierte sich ringsherum mit grimmigem Blick nach außen. Dann erfolgte das ungelenke Umziehen im Stehen. Der ganze Strand lag flach vor lachen bei all der Angst (als ob dort sonst nur Diebe lägen) und den nackten bleichen Hinterteilen. Hätte jemand der Einheimischen "Buh!" gerufen, wäre wohl mindestens einer aus der Gruppe umgefallen.
Mir fielen zu diesem Thema noch ein paar weitere Anekdoten ein, aber ich habe wirklich kein Mitleid mit diesen Jetsettern, die glauben, es sei eine gute Idee, mit Klunkern und dicker Kamera durch Armenviertel zu traben oder sich so zu verhalten, wie man es von daheim gewohnt ist, ohne auf die Ratschläge der Einheimischen zu hören. Und wenn man nach Einbruch der Dunkelheit besser nicht mehr zu Fuß geht, dann hat man das gefälligst ohne Jammern zu akzeptieren und sollte froh sein, dass man es daheim ein wenig besser hat.
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