Überwachung "Die Dunkelziffer ist hoch"
Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisiert die Überwachung von Mitarbeitern. Zwischen den Sicherheitsabteilungen der Unternehmen gebe es einen regen Austausch.
Herr Schaar, warum häufen sich die Datenskandale bei Unternehmen, die dem Staat gehören oder gehörten?
Das ist schwer zu sagen. Allerdings ist der Fall der Deutschen Post, bei der Krankendaten von Mitarbeitern gespeichert worden sind, nicht vergleichbar mit den Fällen bei der Telekom oder der Bahn. Bei der Post ist die Speicherung weder systematisch erfolgt noch wurde sie von höchster Ebene angeordnet, wie es das bei anderen Firmen gab. Aber die Häufung von Missbrauchsfällen bei Staats- oder Ex-Staatsfirmen fällt schon auf.
Sind die Fälle, die bekannt geworden sind, nur die Spitze des Eisbergs?
Es gibt offenbar einen regen fachlichen und vielleicht nicht nur fachlichen Austausch zwischen den Sicherheitsabteilungen großer Unternehmen. Möglicherweise sind bei der Kooperation auch personenbezogene Daten im Spiel. Und teilweise bedient man sich sogar derselben Detekteien. Aber es gibt natürlich keine schriftlichen Protokolle über solche Vorgänge. Ich vermute, die Dunkelziffer ist hoch. Mitarbeiter zu überwachen, ist eine sehr weit verbreitete Praxis. Man muss nur mal schauen, wie hoch der Absatz von so genannter Spionagesoftware ist. Angeblich dient die dazu, die Wartung der EDV zu erleichtern. Aber man kann damit auch gut die Computer der Mitarbeiter ausforschen.
Wie werden solche Fälle von Missbrauch überhaupt entdeckt?
Manchmal gibt es Hinweise aus dem Unternehmen, manchmal erfahren die Betroffenen auf anderem Wege davon. Im Fall der Post haben wir anonyme Hinweise bekommen, denen wir nachgegangen sind.
Würde ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz die Fälle von Datenmissbrauch in den Betrieben verringern?
Ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz hilft nicht gegen illegale Überwachung von Arbeitnehmern, die von höchster Seite angeordnet wird. Aber es kann in Zweifelsfragen helfen. Einem Massenscreening, wie wir es bei der Deutschen Bahn erlebt haben, würde ein solches Gesetz einen engeren Rahmen setzen.
Unternehmen sammeln nicht nur die Daten von Arbeitnehmern, sondern auch von Kunden. Die Weitergabe von Daten zu Werbezwecken soll jetzt durch eine Novelle des Bundesdatenschutzgesetzes eingeschränkt werden. Verbraucherschützern geht das Gesetz aber nicht weit genug. Was meinen Sie?
Ich finde, die jetzt beabsichtigte weitere Novellierung des Bundesdatenschutzgesetzes ist zwar nicht befriedigend, aber eine deutliche Verbesserung gegenüber der bisherigen Regelung. Daher wäre es gut, wenn der Kompromiss jetzt vom Bundestag verabschiedet werden würde.
Warum?
Das neue Gesetz enthält einige Verbesserungen, etwa das Koppelungsverbot. Künftig dürfen Unternehmen Kunden nicht deshalb von ihrer Leistung ausschließen, weil diese der Weitergabe ihrer Daten zu Werbezwecken widersprochen haben. Außerdem haben die Firmen eine Mitteilungspflicht bei schweren Datenschutzpannen. Solche Fälle können sie nicht mehr unter den Teppich kehren. Und auch die Herkunftskennzeichnung ist eine Verbesserung. Künftig erfahren die Verbraucher, wer ihre Daten weitergegeben hat.
Das Gespräch führte Heike Jahberg
- Datum 22.06.2009 - 06:27 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Mit CDU&SPD zurück in eine Metternich'sche Staatsauffassung. Und da diese Staatsauffassung diesmal ohne Adelige daherkommt, kann man auch von der Staatsauffassung eines Benito Mussolini sprechen, der gesagt hat, Faschismus sei, wenn der Staat gegen die Bürger zum Segen der Industrie agiere.
Die Welle von Überwachungsskandalen ist nur die eine Seite der Münze. Die andere Seite ist die neue Zensur im Lande. Es geht zu Ende mit der Freiheit in Deutschland.
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Denn etwas besseres als den Tod finden wir überall.
"der Absatz von so genannter Spionagesoftware" ... Komischer satz. Soll schaar doch mal konkreter werden was er damit genau meint.
Was er mit dem begriff "spionagesoftware" bezeichnet klingt nach einem ausgereiften kaufbaren produkt. Aber sowas gibts nicht. Spionage muss sehr flexibel und anpassungsfaehig sein.
Wenn er damit die steuersoftware fuer eine ueberwachungskamera meint, dann ist der begriff grotesk ueberdimensioniert.
Aber vielleicht setzt schaar diesen begriff nur ein um den 99,9 pct nichtfachleuten eine situation begreifbar zu machen die komplex ist.
Die heutige technik macht kopieren sehr einfach (alles ist vernetzt) und billig (t-byte festplatten). Genau diese moeglichkeit grosse und billige kopien zu ersellen schaffen die heutigen probleme des datenschutzes.
Einerseits lassen sie grosse zentralistische datensammlungen (vom typ: legal, halblegal, illegal) entstehen und koennen durch ihren zentralismus billig maschinell ausgewertet werden - dieses ist der urspruengliche grund der datensammlung.
Falls jemand sich jetzt zugriff geschafft hat (der unterbezahlte programierer der seiner firma eins auswischen will und sich die 'fehlende differenz' von der konkurrenz auszahlen laesst) kann billig und en masse kopieren - dieses ist der unerwuenschte nebeneffekt der datensammlung.
Billig bedeutet aber auch das daten sehr langlebig sind. Waere speicher teuer - wuerden die daten geloescht werden. Der billige speicher behaelt daten sehr sehr lange. Wir werden erleben, dass die daten aelter werden als die menschen die sie beschreiben.
Beispiel: Die krankendaten ihres bei einem unfall verstorbenen bruders sagen auch etwas ueber ihre gesundheit aus (vererbbare krankheitspotentiale).
Ihre patientendaten werden die zukunft ihres kindes bestimmen. Frueher bestimmten hauptsaechlich die gene (neben der erziehung) die sie ihren kindern mitgeben die zukunft ihrer kinder. Bald wird aber so manche tuere einem kind verschlossen bleiben, weil irgendeine datenbank ihrem kind einen schlechten, negativen krankheitsfaktor bescheinigt.
Das ist die neue diskriminierung. Diesesmal nicht ueber zb. die hautfarbe sondern ueber faktoren in datenbanken.
Dabei war die situation frueher (hautfarbe) noch ehrlicher. Als schwarzer wusste man warum man diskriminiert wird. Aber das abgelehnte kind wird nicht wissen warum es abgewiesen wurde.
Herr Schaar spricht ausdrücklich von Fernwartung, möglicherweise kennen Einige noch PC-anywhere.
Auf dem zu wartenden Rechner wird eine Software installiert, die es dem Wartungstechniker erlaubt, diesen Rechner von jedem beliebigen Rechner aus - mit entsprechendem Programm - zu warten.
Im Sinne der Wartung ein sinnvolles Instrument, deshalb haben Sie auch keine Chance sich an ihrem Arbeitsplatz dagegen zu wehren.
Das Problem besteht darin, daß Sie nie wissen können, was genau die Firma unter Wartung versteht.
Wenn Sie der Putzfrau die Schlüssel geben und das Haus verlassen, dann soll sie lediglich putzen. Bei Fehlverhalten wird sie wohl entlassen.
Nun aber schickt die Firma die Putzfrau in´s Haus, wird von der Firma bezahlt, und arbeitet nach Firmenanweisung.
Massenscreening und Generalverdacht sind von Experten jahrelang als Allheilmittel
in der Wirtschaft angesehen und auch verkauft worden. Übertriebener Wissensdurst der Wirtschaftsunternehmen mehr schadet als nützt. Vielleicht sollten die Herren Manager einfach mal das Sicherheitsmanagement überdenken.
Karin Schneider Managersos
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