Erste Hilfe Abschied von der Atemspende

Wiederbelebung, einfacher und besser: Meist reicht die Herzmassage durch Laienhelfer völlig aus

In einem Ausnahmefall reicht die Herzmassage allein nicht aus: Wer beinahe erstickt oder ertrunken ist, muss unbedingt auch beatmet werden

In einem Ausnahmefall reicht die Herzmassage allein nicht aus: Wer beinahe erstickt oder ertrunken ist, muss unbedingt auch beatmet werden

Ein Mann, ungefähr Mitte 50, bricht bewusstlos an der Bushaltestelle zusammen. Die Umstehenden sind ratlos. Was tun? Herzmassage? Mund-zu-Mund-Beatmung? Wie ging das nochmal? Und ist das nicht gefährlich? Schließlich ruft jemand die Feuerwehr. Als sie endlich nach mehr als zehn Minuten eintrifft, kommt für den Mann jede Hilfe zu spät.

Das Beispiel ist erfunden, und trotzdem alltägliche Realität. Etwa 400.000 Menschen sterben in Europa jedes Jahr am plötzlichen Herztod. Viele, die kurz nach dem Kreislaufstillstand zwischen Leben und Tod schweben, könnten mit Erster Hilfe durch Laienhelfer gerettet werden. Meist aber werden sie in diesen entscheidenden Minuten allein gelassen.

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Die Europäische Fachgesellschaft für Herzrhythmusstörungen möchte das ändern. Mit einer Kampagne namens "Beat it" will sie die Aufmerksamkeit auf den plötzlichen Herztod und seine Bekämpfung lenken. Bei der Eröffnung des "Europace"-Kongresses im Berliner ICC, dem Fachtreffen der Herzrhythmus-Spezialisten, stellte Dietrich Andresen, Herzspezialist am Berliner Vivantes-Klinikum Am Urban, die "Beat it!"-Kampagne vor. Geplant sind vor allem Schulungen, etwa gemeinsam mit Apothekern.

Bislang überlebt dank Erster Hilfe nur jeder Zehnte bis 20. ein akutes Herzversagen. "Jede Minute, in der nicht wiederbelebt wird, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent", sagte Andresen. Ein Hoffnungsschimmer ist die Tatsache, dass zwei von drei Fälle von akutem Herzversagen durch Zeugen beobachtet werden. Aber nur in 30 Prozent der Fälle ergreifen diese Zeugen Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Warum helfen die meisten Menschen nicht? Andresen nannte vier Hauptursachen: Die Gefahr wird verkannt ("der schläft bloß"); man hat Angst, etwas falsch zu machen; Ekel; Vertrauen auf die herbeitelefonierten "Profis" ("die werden das schon machen").

Ein wesentlicher Grund für das Zögern der Ersthelfer dürfte die immer noch in Kursen gelehrte Mund-zu-Mund-Beatmung sein. Auch die "Beat it!"-Kampagne propagiert, jeweils nach 30 Mal Herzmassage zwei Mal eine Atemspende zu geben. Dabei hat in Fachkreisen längst das Umdenken begonnen. Immer mehr Studien belegen, dass die Herzmassage in den meisten Fällen völlig ausreichend, wenn nicht sogar nützlicher als eine Kombination mit der Atemspende ist.

Leser-Kommentare
    • tengu
    • 22.06.2009 um 16:36 Uhr

    Der Auto beklagt zurecht, dass zu wenige Menschen wissen, wie man Erste Hilfe beim Herzstillstand leistet. Auch mir ist bewußt geworden, dass ich viele Details aus meinem Erste-Hilfe-Kurs vergessen habe. Viele Leser dieses Artikels würden bestimmt gerne ihre Kenntnisse auffrischen. Schade, dass der Autor keine Links zu entsprechenden Websites auflistet, wo man sich eine Anleitung für lebensrettende Maßnahmen anschauen kann. Die eigenen Kenntnisse aufzufrischen dauert nicht lang und kann Leben retten. Liebe Zeit-Redakteure: Könnten Sie nicht ein paar gute Links an den Artikel anhängen? Bis dahin folgende Tipps: Auf der Website des Deutschen Roten Kreuzes (www.drk.de) gibt es eine bebilderte Anleitung. Zudem finden sich auf Youtube einige gut gemachte Videos, z.B. aus der ARD-Sendung Quarks & Co. (www.youtube.com/watch?v=PIf0JFAExTY).

  1. beim führerscheinerwerb ist - ehe man's sich versieht - mal 20 Jahre her und noch weiter hinten vergraben als die 4 Jahre Französisch an der Schule.
    Auffrischungsseminare alle 3-5 Jahre für jeden Führerscheininhaber sollten Pflicht sein - denn im Gegensatz zum Fahren wird Retten nicht täglich geübt.

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    Denn etwas besseres als den Tod finden wir überall.

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