Erste Hilfe Abschied von der AtemspendeSeite 2/2

Vorreiter der Entwicklung sind die USA. Bereits im März 2008 veröffentliche die "American Heart Association" (AHA) eine Stellungnahme, in der sie ausdrücklich betonte, dass "ausschließliche Herzmassage Leben retten kann und bei Erwachsenen, die plötzlich zusammenbrechen, angewandt werden kann". Die Empfehlungen der AHA gelten für Laien, nicht für medizinisches Personal, das weiter die Atemspende einsetzen soll.

Aber selbst Medizinprofis wie Rettungssanitäter könnten eines Tages auf die Atemmaske verzichten. Darauf deutet eine 2008 im Fachblatt "Jama" veröffentlichte Studie hin, bei der Rettungssanitäter in Arizona entweder nach der herkömmlichen "30-zu-zwei"-Regel wiederbelebten oder statt dessen 100 Mal pro Minute die Herzmassage einsetzten.

Ergebnis: Wenn die Sanitäter sich auf die Herzmassage konzentrierten, stiegen die Überlebenschancen um fast das Dreifache an. Denn es ist nicht nur die für Laien abstoßende Vorstellung der Mund-zu-Mund-Beatmung, die die komplizierte und zeitraubende Atemspende in ein schlechtes Licht rückt. Auch medizinisch spricht wenig für sie.

Das akute Herzversagen geschieht in der Regel schlagartig. Der im Blut gelöste Sauerstoff reicht dann meist aus, um den Körper noch etliche Minuten zu versorgen. Entscheidend für Herz und Hirn ist nicht der Sauerstoffgehalt des Blutes, sondern die Tatsache, dass der Kreislauf stillsteht. Nur die Herzmassage stellt einen "Ersatzkreislauf" wieder her, bringt Sauerstoff zu den Organen und transportiert schädliche Stoffwechselprodukte ab. Es ist der Stillstand, der tötet.

Von dieser Regel gibt es eine seltene Ausnahme. Dann nämlich, wenn der Kreislaufstillstand seine Ursache nicht im Herzen, sondern in der Lunge hat – etwa bei Atemstillstand durch Drogen, bei Ersticken oder Ertrinken. Hier ist der Sauerstoffmangel zentrales Problem. Auch Kinder sollen eine Atemspende bekommen, rät die AHA. In all diesen Fällen gilt weiter "30 zu zwei". Es ist also nach wie vor nützlich, die Atemspende zu erlernen, auch wenn man sie in den meisten Fällen nicht anwenden muss.

Ob auch in Europa die Richtlinien für die Wiederbelebung geändert werden, ist Sache des regelmäßig tagenden "European Resuscitation Council". Ihn zu überzeugen sei aber "harte Arbeit", versichern Herzspezialisten.

 
Leser-Kommentare
    • tengu
    • 22.06.2009 um 16:36 Uhr

    Der Auto beklagt zurecht, dass zu wenige Menschen wissen, wie man Erste Hilfe beim Herzstillstand leistet. Auch mir ist bewußt geworden, dass ich viele Details aus meinem Erste-Hilfe-Kurs vergessen habe. Viele Leser dieses Artikels würden bestimmt gerne ihre Kenntnisse auffrischen. Schade, dass der Autor keine Links zu entsprechenden Websites auflistet, wo man sich eine Anleitung für lebensrettende Maßnahmen anschauen kann. Die eigenen Kenntnisse aufzufrischen dauert nicht lang und kann Leben retten. Liebe Zeit-Redakteure: Könnten Sie nicht ein paar gute Links an den Artikel anhängen? Bis dahin folgende Tipps: Auf der Website des Deutschen Roten Kreuzes (www.drk.de) gibt es eine bebilderte Anleitung. Zudem finden sich auf Youtube einige gut gemachte Videos, z.B. aus der ARD-Sendung Quarks & Co. (www.youtube.com/watch?v=PIf0JFAExTY).

  1. beim führerscheinerwerb ist - ehe man's sich versieht - mal 20 Jahre her und noch weiter hinten vergraben als die 4 Jahre Französisch an der Schule.
    Auffrischungsseminare alle 3-5 Jahre für jeden Führerscheininhaber sollten Pflicht sein - denn im Gegensatz zum Fahren wird Retten nicht täglich geübt.

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