Frühwarnsystem EU-Gipfel reformiert Finanzaufsicht

Künftig wählen alle 27 Zentralbankchefs die Führung des neuen "EU-Kontrollrates". Er soll helfen, Krisen im Bankensystem zu verhindern

Der EU-Gipfel hat bei der umfassenden Reform der europäischen Finanzaufsicht einen Durchbruch erzielt. Die Pläne von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sehen einen neuen Kontrollrat für Bankenrisiken sowie drei EU-Aufsichtsbehörden für den Banken-, Versicherungs- und Wertpapiersektor vor. Außerdem sollen nationale wie europäische Behörden besser untereinander Informationen austauschen. Im Herbst will Barroso konkrete Gesetzesvorschläge vorlegen.

Der künftige Chef des neuen EU-Kontrollrats zur Überwachung von Systemrisiken soll von allen 27 Zentralbankchefs gewählt werden, berichteten Diplomaten. Dabei müsse es sich aber nicht zwangsweise um den EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet handeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und Großbritanniens Regierungschef Gordon Brown hätten sich auf diese Lösung verständigt.

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Besonders das Nicht-Euro-Land Großbritannien hatte sich zuvor gegen eine zu starke Rolle Trichets gewehrt. Dem Kompromiss hätten auch Trichet und die amtierende tschechische Ratspräsidentschaft zugestimmt. An diesem Freitag müsse er noch formell von allen 27 EU-Staats- und Regierungschefs abgesegnet werden. Die EU nimmt jedoch auf britische Bedenken gegen zu großen Einfluss der EZB und Einmischung in die nationale Haushaltspolitik Rücksicht. London will Europas wichtigsten Finanzplatz London möglichst selbst kontrollieren.

Die neue Aufsicht solle zwar "bindende und angemessene" Befugnisse bei der Beaufsichtigung nationaler Stellen haben. In nationale Haushaltsentscheidungen soll sie sich aber nicht einmischen dürfen. Zudem soll ein Europäischer Rat für Systemrisiken (European Systemic Risk Board/ESRB) Frühwarnungen und unverbindliche Empfehlungen abgeben.

Zunächst läuft dieses Konstrukt aber auf Trichet hinaus. Es bleibe jedoch eine Tür offen, dass etwa nach zwei Mandaten auch die elf EU-Länder, die nicht der Eurozone angehören, den Vorsitzenden stellen können. Dieses Anliegen sei verständlich, hieß es. "Es gibt keinen Automatismus, dass es immer Trichet sein muss."

Außerdem haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs darauf verständigt, dass der derzeitige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso für eine zweite Amtszeit kandidieren darf. Der konservative Portugiese kann somit gestärkt die Verhandlungen mit dem EU-Parlament aufnehmen, wo Sozialdemokraten und Grüne die Wiederwahl verhindern wollen. Barroso versprach, bei einer Wiederwahl den Kampf gegen die Wirtschaftskrise und den Klimawandel zu seinen vorrangigen politischen Zielen zu machen.

Leser-Kommentare
  1. Die EU tut, was sie immer tut: Neue Bürokratien kreieren, neue Posten schaffen, die dann von alten Pappheimern besetzt werden. Genau wie in Merkels "Expertenstab", der uns gerade aus der Krise rettet. Oder glaubt jemand, die Kanzlerin hätte unbelastete Personen ins Beraterteam berufen, wenn eine EU-Instanz rechtzeitig empfohlen hätte, die Böcke beim Gärtnern diesmal außen vor zu lassen?

  2. Mit 27 Zentralbankchefs kann's ja nur schief gehen. Schon Johann Wolfgang Goethe sagte: "Getretner Quark wird breit, nicht stark."

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