Der Hamburger SV ist nach dem FC Bayern die wohl größte Diva der Fußball-Bundesliga. Wenn es sportlich nichts zu vermelden gibt, tobt es auf dem Boulevard. Los ist immer was, doch die vergangene Nacht gehörte zur denkwürdigsten der jüngeren Geschichte dieses traditionsreichen Vereins. Es war ein epochaler Schnitt, nur 50 Minuten vor Mitternacht. Da verkündete der HSV-Aufsichtsratschef Horst Becker nach einer zweistündigen Sitzung des Kontrollgremiums in einem Nobel-Restaurant an der Hamburger Außenalster: "Wir haben einvernehmlich einer Auflösung des Vertrages mit Dietmar Beiersdorfer zugestimmt."

Nach sieben Jahren trennte sich der Verein vom Sportdirektor und somit auch ein Stück weit von seinen Wurzeln. Der ewig schwelende Konflikt mit dem großen Zampano und Präsidenten des HSV, Bernd Hoffmann, hatte sich zum Flächenbrand ausgeweitet und fand nun ein jähes Ende. Das Ende eines Machtkampfes, bei dem Beiersdorfer schließlich die Reißleine gezogen hatte.

Die beiden HSV-Vorstände hätten nicht unterschiedlicher sein können. Auf der einen Seite Hoffmann, der machtbewusste Charakter. Smart, in jeder Situation kommunikativ und äußerst raffiniert. Auf der anderen Seite Dietmar Beiersdorfer, bedächtig introvertiert und integer, doch holprig in der Außenwirkung. Aber: Während dem ehemaligen Verteidiger absolutes Fußball-Fachwissen attestiert wird, haftet dem charismatischen Präsidenten der Ruf eines Unkundigen an. Jemand, der ebenso gut ein Staubsauger-Imperium lenken könnte.

Hoffmanns stets machthungrige Attitüde war es, die Beiersdorfers Geduld ein Ende setzte. Es ging um Kompetenzgerangel und um die Einschätzung der abgelaufenen Saison, die schließlich zu seiner Demission führte.

Auslöser waren jene 19 Tage gewesen, in denen der HSV in vier Derbys gegen Werder Bremen alles vergeigte: Uefa-Cup und DFB-Pokal-Finale sowie die Meisterschaft. Hoffmann tobte und raste tagelang zornig und frustriert durch die Räume der Nordbank-Arena. Er sprach von "nachhaltiger Traumatisierung", hatte seine Wut dann aber kanalisiert und schnell einen Schuldigen für das vermeintliche Desaster ausgemacht: den Sportchef Beiersdorfer.