Hamburger SV Machtmensch gewinnt gegen Fußballfachmann
Dietmar Beiersdorfer hat den Kampf gegen den HSV-Präsidenten verloren. Der introvertierte Sportdirektor war dem großen Zampano Hoffmann ein Dorn im Auge. Ein Kommentar

© Jörn Pollex/Getty Images
Dietmar Beiersdorfer und der Hamburger SV gehen getrennte Wege
Der Hamburger SV ist nach dem FC Bayern die wohl größte Diva der Fußball-Bundesliga. Wenn es sportlich nichts zu vermelden gibt, tobt es auf dem Boulevard. Los ist immer was, doch die vergangene Nacht gehörte zur denkwürdigsten der jüngeren Geschichte dieses traditionsreichen Vereins. Es war ein epochaler Schnitt, nur 50 Minuten vor Mitternacht. Da verkündete der HSV-Aufsichtsratschef Horst Becker nach einer zweistündigen Sitzung des Kontrollgremiums in einem Nobel-Restaurant an der Hamburger Außenalster: "Wir haben einvernehmlich einer Auflösung des Vertrages mit Dietmar Beiersdorfer zugestimmt."
Nach sieben Jahren trennte sich der Verein vom Sportdirektor und somit auch ein Stück weit von seinen Wurzeln. Der ewig schwelende Konflikt mit dem großen Zampano und Präsidenten des HSV, Bernd Hoffmann, hatte sich zum Flächenbrand ausgeweitet und fand nun ein jähes Ende. Das Ende eines Machtkampfes, bei dem Beiersdorfer schließlich die Reißleine gezogen hatte.
Die beiden HSV-Vorstände hätten nicht unterschiedlicher sein können. Auf der einen Seite Hoffmann, der machtbewusste Charakter. Smart, in jeder Situation kommunikativ und äußerst raffiniert. Auf der anderen Seite Dietmar Beiersdorfer, bedächtig introvertiert und integer, doch holprig in der Außenwirkung. Aber: Während dem ehemaligen Verteidiger absolutes Fußball-Fachwissen attestiert wird, haftet dem charismatischen Präsidenten der Ruf eines Unkundigen an. Jemand, der ebenso gut ein Staubsauger-Imperium lenken könnte.
Hoffmanns stets machthungrige Attitüde war es, die Beiersdorfers Geduld ein Ende setzte. Es ging um Kompetenzgerangel und um die Einschätzung der abgelaufenen Saison, die schließlich zu seiner Demission führte.
Auslöser waren jene 19 Tage gewesen, in denen der HSV in vier Derbys gegen Werder Bremen alles vergeigte: Uefa-Cup und DFB-Pokal-Finale sowie die Meisterschaft. Hoffmann tobte und raste tagelang zornig und frustriert durch die Räume der Nordbank-Arena. Er sprach von "nachhaltiger Traumatisierung", hatte seine Wut dann aber kanalisiert und schnell einen Schuldigen für das vermeintliche Desaster ausgemacht: den Sportchef Beiersdorfer.
Überhaupt spielt das Stichwort Schnelligkeit in dieser Auseinandersetzung eine gewichtige Rolle. Denn Beiersdorfer tüftelte derweil schon am Kader für die Saison 2009/2010. Und während der stille Stratege um die Mühen weiß, fähige Neuerwerbungen zu stimmigen Preisen einzukaufen, drehte Hoffmann immer wilder am Rad. Er bezichtigte den gebürtigen Franken mangelnder Durchschlagskraft und pfuschte in dessen Arbeitsbereiche hinein. Gipfel des Vertrauensbruchs war für Beiersdorfer ein Strategie-Gespräch Hoffmanns hinter seinem Rücken mit dem Chef-Scout Michael Schröder und dem neuen Chef-Coach Bruno Labbadia.
Der stets besonnene Beiersdorfer flippte nun seinerseits aus und bat den Aufsichtsrat um Klärung. Am Montagabend bestellte der Schlichtungsausschuss des Kontrollgremiums die beiden Kontrahenten zum Rapport. Es sei "sehr emotional" zugegangen, sagte Becker. Nun hat der an der innerbetrieblichen Basis sowie bei den Fans äußerst beliebte Beiersdorfer diesen Machtkampf verloren.
Sein Nachfolger wird ein schweres Erbe antreten, denn der nun ehemalige sportliche Leiter hat für nachhaltige Strukturen beim Bundesligafünften HSV gesorgt und immerhin auch fünf Europapokalteilnahmen in Serie vorzuweisen. Die Scouting- und Nachwuchsabteilung des HSV gilt bei Experten als beispielhaft. Vor allem war Beiersdorfer aber eine absolute Identifikationsfigur, jemand mit Stallgeruch, der immer auch die Modernisierung des Vereins ins Auge fasste.
Während "Didi", wie sie ihn im Volksmund nennen, oft bei den Spielen der zweiten Mannschaft in der Regionalliga gesichtet wurde und seine Kontakte bis in die letzten Winkel Fußball-Europas hineinreichten, ging es Hoffmann stets ums Prestige. Er gierte förmlich nach einem flott hochgerüsteten Kader, der stark genug für die Champions League ist. Dabei war es bei der Präsentation des neuen Trainers Labbadia vor drei Wochen pikanterweise Hoffmann, der über Werte wie Identität und Kontinuität schwadronierte.
Nachdem der HSV seinen Trainer ersetzen musste, braucht er nun auch einen neuen Sportchef. Ein immer wieder auftauchender Name ist der im Aufsichtsrat sitzende Ex-Profi Sergej Barbarez. Mit ihm würde zwar einen Mann der Basis installiert werden, aber einer ohne intellektuelles Rüstzeug. Ein schwacher Sportdirektor eben, der wohl auch nicht im Vorstand operieren dürfte. Als dieser war der studierte Betriebswirt Beiersdorfer aber stets das pure Gegenmodell zum rein ökonomischen Prinzip eines Bernd Hoffmann.
- Datum 25.06.2009 - 14:38 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Irgendwie kriegt der HSV auch noch hin, in die Zweite Liga abzusteigen. Ein paar Mal hat man das ja nur knapp verfehlt. Wenn ich mir den Verein anschaue, so glaube ich zu erkennen, dass man da heftig dran arbeitet.
Werder und der FC St.Pauli kommen auch gut ohne den HSV aus.
Übrigens: Was ist Blau-Weiß-Schwarz und stinkt nach Fisch? Richtig! Der Hamburger Sportverein.
... ist aus meiner Sicht dies Entscheidung. Beiersdorfer hat aus meiner Sicht in sachlich, ruhiger Art sehr konstruktiv etwas aufgebaut. Und hat sicher dazugelernt. Insbesondere der Scouting- und Nachwuchsbereich war auf einem guten Weg. Aber: Jeder ist ersetzbar. Ich hoffe, dass der HSV eine kluge Entscheidung trifft, um überhaupt "entscheidungsfähig" kurz vor Beginn der neuen Saison zu sein. Und Hoffmann scheint lernen zu müssen, nicht zu "bissig" zu sein. Denn zweifellos bedarf es der einen oder anderen sinvollen Verstärkung innerhalb der Mannschaft.
aber solche Typen wie Hoffmann setzen sich immer durch. Nach dem Motto: " Der Tapfere ist solange tapfer, wie es der Feige zulaesst".
Wo haben wir sowas nicht alle schon mal erlebt ?
Erst Van der Vaart, dann Jol, jetzt Beiersdorfer. Der HSV war bis vor kurzem ziemlich gut aufgestellt für die Zukunft, jetzt kann sich der nette (mir komplett unsympatische) Hr. Hoffmann und Labadia (ich muss laut lachen) schonmal ins Niemandsland der Liga verabschieden und sich einen Platz im zweistelligen Bereich suchen.
Vielleicht findet Beiersdorfer einen Posten beim DFB, da werden im Moment so Leute wie er gebraucht (auch wenn es keiner Zugibt).
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