Blog Tag sieben: Freitagspredigt heizt Twitter an
Die Welt blickt auf Ajatollah Chamenei: Wie lautet seine Antwort im Freitagsgebet auf die Proteste? Wir haben Reaktionen auf die Predigt dokumentiert

© Getty Images
Den Live-Blog zu den Ereignissen von heute finden Sie hier .
Twitter ist ihr Nachrichtendienst, Youtube ihr Fernsehsender: Seit Samstag protestieren die Gegner von Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad gegen die offensichtlich manipulierte Wahl. Über die sozialen Netzwerke werden Demos organisiert, Berichte von Übergriffen machen die Runde, Videos zeigen der ganzen Welt, dass der Protest viel größer ist als es Ahmadineschad glauben machen mag. Millionen Internet-User in aller Welt werden Zeuge einer Freiheitsbewegung und solidarisieren sich via Twitter mit den Demonstranten.
Hier hat ZEIT ONLINE dokumentiert, wie das Netz den siebten Tag nach der Wahl erlebte:
19.45 Uhr
Wie in zahlreichen Tweets zu lesen ist, hat Mussawi seine Anhänger offenbar für heute Abend wieder zu "Allah o akbar"-Sprechchören aufgerufen:
"Mousavi - Confirmed - calls for ALL the nation to stand on balconys TONIGHT and show support with 'Allah Akbar'"
19.00 Uhr
"Unterstütze das Regime oder verlasse Iran" – Vor diese Entscheidung soll Chamenei Mussawi im Vorfeld der Freitagspredigt gestellt haben, berichtet die britische Zeitung
The Times
. Demnach habe der oberste geistliche Führer Mussawi bei einem Treffen gedrängt, sich solidarisch zu zeigen.
18.45 Uhr
Es kursieren unterschiedliche Meldungen darüber, ob Mussawi die Kundgebung für morgen offiziell
abgesagt hat
oder nicht. Der
Guardian
will erfahren haben, dass die Meldung von Reuters falsch sei. Auf Mussawis Website gibt es bislang keinen Kommentar dazu.
18.15 Uhr
Die iranisch-amerikanische Website
Payvand
dokumentiert die gestrige Protestkundgebung vor dem UN-Gebäude in Teheran. Hier eines der Fotos:
17.45 Uh
Jeff Clark
hat eine
Shaped Word Cloud
entworfen aus den meistverwendeten Begriffen in rund 84.000 Tweets über die Wahl in Iran – sehr schöne Illustration.
17.10 Uhr
Aus dieser Quelle heißt es auch, die iranischen Fußballspieler, die während des Spiels gegen Korea grüne Armbänder getragen haben, sollen daraufhin entlassen worden sein.
17.05 Uhr
Ein vertrauenswürdiger iranischer Twitterer berichtet, dass auf Oppositionelle vermehrt Druck ausgeübt werde. So sollen die inhaftierten Regimegegner Tajzadeh, Aminzadeh, Ramezanzadeh und Abtahi unter massivem Druck stehen, "falsche Schuldbekenntnisse" vor laufender Kamera zu abzulegen.
16.50 Uhr
Die Menschenrechtsorganisation
Amnesty International
warnt davor, dass Chameneis Rede eine Legitimation für polizeiliche Gewalt darstelle. In der offiziellen Erklärung heißt es:
"This morning's speech by Iran's Supreme Leader, Ayatollah Khamenei, indicates the authorities' readiness to launch violent crackdowns if people continue to protest which may cause a widespread loss of life"
"We are extremely disturbed at statements made by Ayatollah Khamenei which seem to give the green light to security forces to violently handle protesters exercising their right to demonstrate and express their views."
16.40 Uhr
Das staatliche
PressTV
bestätigt, dass für die Demonstration am Samstag, genauso wie für die Proteste der vergangenen Tage, definitiv keine offizielle Erlaubnis erteilt worden sei.
16.30 Uhr
Damit wächst die Angst vor einer gewaltsamen Niederschlagung der Proteste. Wie eine glaubwürdige Quelle aus Iran meldet, sei die Situation im Land kritisch:
"
The situation in Iran is now CRITICAL - the nation is heartbroken - suppression is iminent"
16.15 Uhr
Derweil scheint es so, dass die iranische Regierung die für morgen geplante Demonstration der Mussawi-Anhänger nicht genehmigt hat und auch nicht beabsichtigt, dies zu tun. Zahlreiche Twitterer verbreiten die Meldung
"Gov has refused to issue a permit for Sea of Green march at 4pm on Saturday in Tehran"
. Dennoch wollen die Anhänger Mussawis ihren geplanten Protestmarsch vom
Enghelab-Platz
nahe der Universität Richtung Azadi-Platz veranstalten.
16.00 Uhr
Jetzt nutzt auch der Ajatollah Twitter! "Ich verfolge euch alle", droht er im iranischen Fernsehen. 65.875.224 Followings, sprich beobachtete Profile, habe er auf Twitter, aber nur einen Follower: Mahmud Ahmadineschad. So steht es im satirischen
Blog
des US-Humoristen Andy Borowitz auf Huffington Post – amüsant zu lesen.
15.15 Uhr
Die Organisation
Ansare Hisbollah
hat
angeblich
dazu aufgerufen, zum Haus von Ex-Präsident Rafsandschani auszurücken. Rafsandschani soll Gerüchten zufolge Geistliche gegen Chamenei aufbringen. Chamenei hatte ihn in seiner Rede heute noch verteidigt. Die
Ansare Hisbollah
("Helfer der Partei Gottes") besteht unter anderem aus Mitgliedern der Basiji-Miliz und untersteht dem Revolutionsführer Chamenei.
15.00 Uhr
Ein weiterer Regimegegner ist angeblich verhaftet worden: Wie in
mehreren
Tweets
zu lesen ist, soll es sich um Maryam Ameri, einen Unterstützer Karoubis, handeln.
14.30 Uhr
Einen Eindruck von der Stimmung und den Reaktionen der Zuschauer während Chameneis Rede gibt dieses Video.
14.15 Uhr
Es kursieren Hinweise, dass die iranische Regierung bald vehementer gegen weitere Demonstrationen vorgehen werde. Daher rufen einige Twitterer zur Vorsicht auf, Gerüchten
zufolge
könnte sogar das Militär zur morgigen Demonstration in Teheran ausrücken.
14.00 Uhr
Ein interessanter Artikel über die "Iranische Revolution" in der
New York Times
, geschrieben von einem iranischen Studenten.
13.45 Uhr
Weltweit sind offenbar für morgen weitere Proteste gegen das Wahlergebnis in Iran geplant, unter anderem in
München
und
Paris
.
13.30 Uhr
Mittlerweile kursieren vermehrt
Tweets
über die Demonstration der Mussawi-Anhänger am Samstag. Darin heißt es, dass die morgige Kundgebung um 16 Uhr iranischer Zeit am
Enghelab-Platz
in Teheran stattfinden soll. Mussawi, Karoubi und Khatami sollen
angeblich
daran teilnehmen.
13.00 Uhr
Ein Twitterer hat die komplette
Rede
Chameneis ins Englische übersetzt.
12.50 Uhr
Mussawis offizielle
Nachrichtenseite
Ghalam News ist nun auch in einer
englischen
Version online, wenn auch etwas holprig übersetzt.
12.15 Uhr
Im Sekundentakt kommentieren Twitterer Chameneis Äußerungen, vor allem seine Verteidigung des Wahlergebnisses und die Ablehnung der Proteste. Viele erwarten nun mit Spannung eine Reaktion von Mussawi. Hier einige Stimmen:
"Khamenei loose power, he must defend ahmadi. but see the preoccupation in his eyes"
"Khamenei the election was not fair. Look at faces of mullahs at Friday Prayer, they knew this was a mistake."
"A reaction from Moussavi and Rasfanjani will determine what will happen tomorrow in Tehran"
"Khamenei just declared war on Iranian people. General strike is the way! Stand firm my people!"
11.50 Uhr
Folgende Kritik gilt den "westlichen Medien":
"Vor den Wahlen haben die Medien und die politischen Führer versucht, in der iranischen Bevölkerung Zweifel zu säen und so versucht, dafür zu sorgen, dass weniger Menschen zu den Wahlen gehen."
"Doch nach den Wahlen sind die westlichen Medien geschockt gewesen über die hohe Wahlbeteiligung. Als der Westen dann die Proteste einiger Kandidaten bemerkte, hat er die Rhetorik geändert."
11.45 Uhr
An Mussawi gerichtet äußert Chamenei:
"Politische Entscheidungen fallen an den Urnen und nicht auf der Straße. Es macht keinen Sinn, dass Wahlverlierer auf die Straße ziehen und die Sieger dies auch machen. Warum haben wir denn dann gewählt?"
"Straßenproteste sind der falsche Weg und müssen aufhören. Das System lässt sich davon nicht einschüchtern und wird auch illegale Forderungen nicht erfüllen."
11.40 Uhr:
Chamenei warnt die Opposition davor, vorsichtig mit ihren Aussagen zu sein:
"Es steht den Kandidaten offen zu protestieren. Sie können anwesend sein, wenn einige der Stimmen noch einmal ausgezählt werden."
"Gleichzeitig müssen die Kandidaten aber vorsichtig mit ihren Aussagen sein, da diese gefährliche Konsequenzen haben und die Gesellschaft radikalisieren könnten."
"Westliche Führer haben in der Debatte ihre Maske fallen lassen und gegenüber dem Iran ihr wahres Gesicht gezeigt. Am schlimmsten ist dabei sei die britische Regierung gewesen."
11.30 Uhr
Zu dem Vorwurf des Wahlbetrugs äußert sich Chamenei wiefolgt:
"Der Wahlmechanismus erlaubt keinen Betrug. Es gibt vielleicht Zweifel, aber wie könnten elf Millionen Stimmen verändert werden?"
"Dennoch sollten die Vorwürfe überprüft werden, wie ich schon früher gesagt habe. Dies ist auch wichtig für die Glaubwürdigkeit bei künftigen Wahlen."
11.15 Uhr
Chamenei bekundet seine Unterstützung für Ahmadineschad:
"Ex-Präsident Radsandschani hat andere politische Ansichten als Ahmadinedschad. Meine Ansichten sind denen des Präsidenten näher."
11.00 Uhr
"Auf der einen Seite ist Präsident Mahmud Ahmadinedschad beleidigt worden. Es sind gefälschte Dokumente veröffentlicht worden, in denen der Präsident beschuldigt worden ist."
"Auf der anderen Seite hat es ähnliche Anschuldigungen gegeben, etwa gegen den früheren Präsidenten Ali Hachemi Rafsandschani. Ich kenne Rafsandschani seit 1957. Er ist ein Mann, der sein Leben für die Revolution riskiert hat. Dies sollten die Jüngeren wissen."
"Die Feinde des Irans versuchen, das Vertrauen der Menschen in Wahlen zu unterminieren. Die Feinde des Irans haben ihre Kampagne schon vor Monaten vor den Wahlen begonnen."
"Zwischen den Präsidentschaftskandidaten hat es einen offenen Wettstreit gegeben. Aber alle Kandidaten unterstützen den Staat. Mir Hussein Mussawi ist ein loyaler Vertreter des Staates. Unterschiede zwischen den Kandidaten hat es nur in ihren Programmen und Ansichten gegeben."
"Die Medien, die zum Feind, zu den Zionisten, gehörten, haben dies falsch dargestellt. Die amerikanischen und anderen westlichen Medien stellen die Kandidaten so dar, als ob es welche gebe, die den Staat unterstützten und solche, die ihn ablehnten.
10.45 Uhr
Chamenei fährt fort:
"Seit 1979 hat es keine solche große Beteiligung bei einer Wahl gegeben. Die Wahl ist ein politisches Erdbeben gewesen und es ist dabei natürlich, dass jeder an seinen Kandidaten glaubt."
"Es gibt Diktaturen und es gibt Demokratien, die weit entfernt vom Glauben sind. Der Iran begeht einen 'dritten Weg'."
"Die Wahl ist ein Beispiel für eine Demokratie. Die Iraner haben den Test bestanden und der Iran hat der Welt gezeigt, was eine religiöse Demokratie ist."
10.15 Uhr
Zahlreiche Fernsehsender, darunter BBC und Al Jazeera, übertragen live die Ansprache von Ajatollah Chamenei während des Freitagsgebets. Hier einige Ausschnitte seiner Rede in übersetzter Form:
"Lasst euch durch eure politische Begeisterung nicht vom Weg Gottes abbringen."
"Gerade in Zeiten der Unruhen bietet die Religion Halt und zeigt den Weg. Die Jugend muss sich in diesen Zeiten der Religion zuwenden, um ihren Weg zu finden."
"Die Wahlen sind eine große Demonstration der Liebe der Iraner gegenüber ihrem Staat gewesen"
"Sie sind auch ein großartiges Beispiel für die Zusammenarbeit der Menschen im Iran und für ihr Verantwortungsbewusstsein."
10.00 Uhr
Zehntausende haben sich bereits zum Freitagsgebet in Teheran versammelt. In einige Tweets ist zu lesen, Mussawi habe seine Anhänger zum Boycott
aufgerufen
:
"Mousavi & Karoubi ask supporters NOT to attend Friday prayers"
heißt es etwa.
- Datum 23.06.2009 - 12:00 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 19.06.2009
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die klassischen blogs wie yahoo dienen nur noch dazu flagge zu zeigen;
twitter wird langsam chaotisch;
die szene zieht sich teilweise auf im netz angeheuerte proxy server zurück, liegt
wohl auch daran, dass die sortierung des materials durch den westen nicht funktioniert und viele auch vergebens auf ein feedback warten
Wenn Sie schreiben, dass sich Moussavi noch nicht zu der morgigen Demo geäussert habe, dann ist das überholt. Vor 30 Minuten hat er getwittert:
"Please join Mousavi, Khatami and Karoubi tomorrow at 4pm from Enghelab Sq. to Azadi Sq. in Tehran for a crucial green protest"
http://twitter.com/mousav...
Als ich den letzten Eintrag geschrieben habe, hatte Mussawi sich noch nicht "offiziell" zur morgigen Kundgebung geäußert. Über Reuters kursierte schon seit mehreren Stunden die Meldung über eine vermeintliche Absage Mussawis, daher war die Nachrichtenlage sehr unklar.
Als ich den letzten Eintrag geschrieben habe, hatte Mussawi sich noch nicht "offiziell" zur morgigen Kundgebung geäußert. Über Reuters kursierte schon seit mehreren Stunden die Meldung über eine vermeintliche Absage Mussawis, daher war die Nachrichtenlage sehr unklar.
Als ich den letzten Eintrag geschrieben habe, hatte Mussawi sich noch nicht "offiziell" zur morgigen Kundgebung geäußert. Über Reuters kursierte schon seit mehreren Stunden die Meldung über eine vermeintliche Absage Mussawis, daher war die Nachrichtenlage sehr unklar.
Die nächsten zwei Tage, die in Iran sicher sehr ereignisreich sein werden, wird es voraussichtlich keine weiteren Aktualisierungen im Live-Blog über die Protestbewegung im Netz geben.
Daher mein Aufruf an alle interessierten ZEIT ONLINE Leser, Twitterer, die Community: Wer neue Informationen über die Proteste in Iran und die Reaktionen im Netz hat, kann diese gerne hier veröffentlichen!
Beste Grüße
Daniel Schlicht, ZEIT ONLINE
http://www.guardian.co.uk...
Demzufolge ist sein Büro verwüstet worden. Man habe ihm befohlen zu schweigen.
"All those close to Mousavi have been arrested"
Guardian
Al Jazeera
Und ein blog Revolutionary Road
von Sigi2
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